Markus Wirthmann | Kritik

Kapoor

Anish Kapoor
MEMORY
Deutsche Guggenheim, Berlin
noch bis zum 1. Februar

Noch drei Wochen lang kann man die stählerne Blase von Anish Kapoor im Deutschen Guggenheim sehen. Eine Auftragsarbeit und so wie´s aussieht genau für diesen Raum geplant - man fragt sich, ob die New Yorker Guggenheimer, die MEMORY im nächsten Jahr zeigen werden, den Berliner Ausstellungsraum dann nachbauen wollen.

Die Skuptur bläht sich rostig in den Raum, ist genau eingepasst zwischen Wand und Boden und scheint, wider besseres Wissen, heimlich weiterzuwuchern und gegen die Wände zu drücken.

Der Text zur Ausstellung informiert über die Tatsache, dass das Gesamtgewicht der Arbeit vierundzwanzig Tonnen beträgt. Toll! Wer will denn das eigentlich wissen? Irgendwoanders kann man dann auch lesen, dass der Boden der Ausstellungshalle extra verstärkt werden musste.
Wirkt, als ob sich Guggenheim und Deutsche Bank schon mal im Voraus für die Kosten des Projekts rechtfertigen wollten.

Drumherum gehen ist leider nicht. Das eifrige Ausstellungspersonal hindert daran, hinter bzw. unter der Stahlstruktur hindurch in den hinteren Bereich der Ausstellunghalle zu gelangen. Der Ausstellungsbesucher ist genötigt, den Raum wieder zu verlassen, um ihn durch einen zweiten Eingang erneut zu betreten. Von dort sind auch der Shop und das Café zugänglich, wo sich dem staunenden Besucher auch der Blick ins Innere der Skulptur eröffnet.

Hier wird klar, dass das, was man da die ganze Zeit vor sich hatte, eine Täuschung ist. MEMORY ist eigentlich nicht Skulptur sondern Form. Die ganzen vierundzwanzig Tonnen Cor-Ten-Stahl stellen, fein verschraubt, die Gussform einer imaginierten Skulptur dar, die aus - wie der Titel schon nahelegt - Erinnerungen besteht.

Mir ist das etwas zu pathetisch geraten, und ich lasse mir Interpretationen sowieso nicht gern so deutlich in den Mund und ins Hirn legen. Deshalb kürze ich mal zur Gedanken-, oder gedachten, Skulptur.
Nichtsdestotrotz großartig, und ich kann nur empfehlen, die nächsten drei Wochen (Montage sind kostenlos!) zu nutzen und sich die Ausstellung noch anzuschauen, bevor die Skulptur zerlegt wird und sich die Gedanken wieder eine andere Form suchen müssen.



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Anish Kapoor: Memory
30. November 2008 bis 01. Februar 2009
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Sonderveranstaltung

Vortrag von Chris Dercon

zum Thema

"Svayambh. 'No beast so fierce but knows some touch of pity. But I know none, and therefore am no beast." (W. Shakespeare, ‘Richard III’, Act 1. Scene II)

Donnerstag, 15. Januar 2009, 19 Uhr


Seit 2003 ist Chris Dercon Direktor am Haus der Kunst in München. 2007 zeigte die Ausstellungshalle die viel beachtete Schau „Svayambh“ von Anish Kapoor.
Eintritt (inkl. Ausstellung) 4 Euro/ ermaessigt 3 Euro

Markus Wirthmann, 12.01.09 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor

 

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