Markus Wirthmann | Kritik

Per un pugno di dollari*

Celeste Prize 2009

Gerade rechtzeitig zur 59. Berlinale kehrt der Italo-Western in Gestalt des Celeste Kunstpreises nach Berlin zurück. Allerdings hat hier ganz offenbar Dieter "Such-Den-Superstar" Bohlen Regie geführt. Hat er natürlich nicht, aber das Drehbuch, vulgo: die Ausschreibung, ist wieder dermaßen bekloppt, dass man hier Scherz, Satire, Ironie ohne tiefere Bedeutung, aber mit böswilliger Absicht vermuten könnte.

Die Bedingungen sind wieder ungefähr die gleichen wie im letzten Jahr. Alle Künstler zahlen – und zwar ALLES. Einer pro Kategorie gewinnt – und zwar ein BISSCHEN. Und damit die ganze Sache nicht so saudumm aussieht hat man auch dieses Jahr wieder einige mehr oder weniger prominente Artworker und -innen finden können, die für den Quatsch ihre Rübe hinhalten.

Für die marktgängigen Formate sind das Mark Gisbourne, Adrienne Goehler, beide Berlin, und Victoria Lu, Shanghai (Nachtigall ick hör dir trapsen! Celeste will doch nicht etwa nach Asien expandieren?)

Für Sperriges, hier Live Media genannt, sind zuständig: Claudio Sinatti, Justine Beaujouan, Boris Edelstein, Ilan Katin, Lillevan, Bart van der Ploeg und Marius Watz.

Ich hoffe stark, dass alle Juroren sich in diesem Jahr über die Art des Wettbewerb-Verfahrens im klaren sind und die Ausschreibung wenigstens in den wichtigsten Punkten überflogen haben. In der Pressemitteilung werden sie jedenfalls mit einer grenzdebilen Äußerung zitiert, die darauf hinweist, dass wenigstens ein Jurymitglied überhaupt nichts begriffen hat. Im letzten Jahr war dies ganz offensichtlich auch der Fall, und es kam im Zuge der Vorbereitungen zu einem lustigen Kuratoren-Karussell.

Die Preisgelder konnten verdoppelt werden – allerdings gibt es gegenüber den beiden Gewinnklassen vom letzten Jahr diesmal fünf. Das heißt, statt zwölf gibt´s diesmal nur achttausend Euro, von denen auch zweitausend erstmal treuhänderisch den italienischen Steuerbehörden übergeben werden. Ich möchte ja nicht wissen, wie der Papierkrieg aussieht, den man führen muss, um die Kohle eventuell Berlusconis Schergen wieder zu entreißen.

Den Organisatoren spielt die Wirtschaftskrisen-Panik in die Hände: wenn der Künstler (und nicht nur der) sich am Abgrund wähnt, greift er zum kleinsten Strohhalm, und so ist zu vermuten, dass sich die Teilnehmerzahl vervielfacht. Bei gleichzeitiger sanfter Anhebung der Teilnahmegebühren dürfte da doch eine saftige Rendite winken. Alles wird gut, und wir können uns alle schon mal auf die Fortsetzungen Per qualche dollaro in più und Il buono, il brutto, il cattivo freuen.


Im folgenden einige Highlights aus dem Drehbuch des Celeste-Spaghetti-Westerns:

Der Preisträger aus jeder Kategorie (A bis E) wird während der finalen Ausstellung durch die 46 Finalisten (10 Finalisten aus jeder Kategorie, außer Live Media, mit lediglich 6 Finalisten) in demokratischer Wahl (siehe Art. 9 - Abstimmung) bestimmt.
Celeste Prize wird von einem italienischen gemeinnützigen Kulturverein organisiert und ist gemäß italienischer Steuergesetzgebung verpflichtet 25% der Preisgelder an den italienischen Staat abzuführen. Diese Summe wird vom Organisator von jedem Preisgewinner einbehalten. Ein nicht in Italien ansässiger Preisträger kann jedoch bei den italienischen Steuerbehörden eine Rückerstattung der vorab geleisteten Steuer beantragen. Dies ist eine Empfehlung und stellt keine Garantie oder Anspruch an Celeste Prize dar.
Es ist möglich sich für mehrere Preise, entweder in der selben Preiskategorie mit verschiedenen Werken oder in verschiedenen Kategorien mit verschiedenen Werken, einzutragen. Jedes Kunstwerk muß zur Teilnahme separat mit einer jeweilig zu entrichtenden Gebühr eingetragen werden. Die Gebühren werden nicht rückerstattet.
Der Transport der finalen Arbeiten wird von den Künstlern selbst arrangiert, sie tragen einen Großteil der anfallenden Speditionskosten. Künstler, die zur Ausstellung eingeladen werden, können jedoch eine Rückerstattung und einen Discount von bis zu 15% ihrer Transportkosten für die Kunstwerke erhalten. Der Organisator wird jedem Künstler 10% der vollen Transportkosten (hin und zurück), die 100 € übersteigen, erstatten. Um diese Summe zu erhalten muß der Künstler eine bezahlte registrierte Rechnung vom Transport- oder Kurierunternehmen vorlegen, mit detaillierten Angaben zum Kunstwerk, sowie genauen Streckenangaben zum und vom Bestimmungsort. Ein Discount von 5% ist möglich, falls der Künstler die Firma Kroll Art & Projects (Berlin) für den kompletten Transport in Anspruch nimmt.
Der Organisator behält sich das Recht vor die Teilnahmebedingungen zu ändern, sollte sich die Notwendigkeit ergeben.

Beiträge zum Celeste-Kunstpreis 2008:

Der Celeste-Kunstpreis ...

Geisterschiffe und Kunstpreise

Äußerungen der Berlin-Jury Adrienne Goehler, Mark Gisbourne, Victoria Lu und Claudio Sinatti: "Es ist eine bezaubernde Idee gewesen, die Idee ´Künstler wählen Künstler´ wiederzubeleben und eine Reminiszenz des traditionellen Gedanken der Kunst der ´Gesellschaft der Künstler´, wie er während des Salon d´Automne de Paris, 1906, formuliert wurde. Auf diese Weise scheint der Celeste Prize auf verschiedenen Ebenen den Dingen ein neues frisches Format zu geben, indem er dem Austausch internationaler Künstler über das Internet Ausdruck verleiht und ihm ein vermittelndes Gremium von Fachleuten der Kunstszene zur Verfügung stellt, die in der Lage sind eine Vorentscheidung zu treffen und damit einen vermittelnden Part zu übernehmen. So bestimmen die Kunstfachleute Weite und Umfang des Rahmens, während das endgültige Resultat davon bestimmt wird, wiederum den Künstlern die Angelegenheit zu übertragen. Ebenfalls ist die Idee eines offenen freien Zutritts, ohne Barrieren bei der Wahl der künstlerischen Mittel und die Rücksichtnahme auf die Teilnehmer lobenswert. So entformalisiert Celeste im Vergleich zu anderen Kunst-Wettbewerben die Dinge und vermeidet viele der albernen Aspekte der Administration traditioneller Kunstwettbewerbe und ihrer Jurys."

* Für eine Hand voll Dollar, Sergio Leone, 1964

Für ein paar Dollar mehr, 1965

Zwei glorreiche Halunken (The Good, the Bad and the Ugly), 1966

Markus Wirthmann, 11.02.09 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor

 

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