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Wir sind so frei!

Gastbeitrag von Hawe Mueller

Probanden/Künstler mit Hartz4 gesucht!

Seit einigen Jahren arbeite ich in der freien Kunst- und Filmszene. Dabei beobachte ich eine schleichend perfide Diskussion über Hartz4-Empfänger/Innen.
Ich kann mich des unangenehmen Eindrucks nicht erwehren, dass der Staat so tut, als müsse er großzügig als Almosengeber seinen Untertanen gegenüber auftreten und diesen permanent "nichtstuendes Schnorrertum" unterstellen. Ich aber bin zu tiefst davon überzeugt, dass der Mensch als humanes Wesen in seiner Grundstimmung kreativ veranlagt ist.

Ich organisiere seit nunmehr 5 Jahren das steig wachsende „Festival des gescheiterten Films“. Meine Erfahrungen haben mich gelehrt, ein wenig demütiger mit Menschen umzugehen, die in der High-End-Vermarktung - z.T. bewusst/absichtlich - durch die Maschen gefallen sind.
Weiter musste ich feststellen, das unter den Filmemachern, Drehbuchautoren und vor allem Künstlern viele Hartz4-Empfänger ihr Dasein fristen und gleichzeitig, ob ihres geringen Einkommens gesellschaftlich-kulturelle Arbeit leisten.

Nun kam ich auf die Idee, dass einmal profund zu dokumentieren.
Ich glaube nämlich, das unsere Gesellschaft, vielleicht nicht unmittelbar finanziell, so doch über Umwege bis hin zur (subventionierten)Hochkultur ihren Mehrwert durch diese „Basis-Arbeit“ um ein vielfaches zurück bekommt. Ja, ich behaupte: Hartz4 ist auch Kulturförderung und Investition und dass die durch Hartz4 erlangte freigestellte Kreativität eines der Säulen unser demokratisch gesinnten Kultur ist.

Nun suche ich Filmemacher/Innen (gerne auch Betroffene) die sich mit einem Betrag (ca.10min)
in freier Form an dieser Doku daran beteiligen.

Mit stetig wachsender Freude
hwmueller


Der Kongress

Vom 20.8-30.08.09 veranstaltet das FdgF
den Kongress
Wer grundsätzlich interessiert ist, den/die bitte ich um eine
nicht bindende Anmeldung (vor allen auch von Filmen!!!)

Gastbeitrag, 12.02.09 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor

 

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Kommentare

Lieber Hawe Müller!
Zu diesem Thema, das mit Sicherheit nicht nur
Filmemacher betrifft, lässt sich unendlich viel
sagen. Wir sehen dies Thema: Hartz4/Sozialhilfe
von der Seite der bildenden Künstler. Man kann
natürlich als "Kultursponsoring" ansehen, dass es auch
für Künstler dieses "Netz" gibt. Man lässt uns nicht
verhungern, doch für Materialien reicht es nicht.
Sponsoren ziehen sich, was vorhersehbar war, zurück.
Dies besonders gerade jetzt, wo viele Zahlen auf dem
Papier sich in Luft aufgelöst haben. Da frohlocken wir
die ewig schon arme Künstlerschar, das geht uns
eigentlich am Arsch vorbei, wo waren sie denn die
Kunstkäufer? - Die ihr Geld lieber spekulativ auf
die Bahamas transferiert haben, als mal auf einen
Besuch in unseren Ateliers vorbei zu kommen. Kein
Mitleid rührt sich in Künstlerkreisen über verlorenes
Geld und mit Hartz 4/ Grundsicherung kommen wir
schon durch. Verkäufe-Ausstellungen, das war Gestern.
Der "Normalnichtsverdienende" Maler ist hart gestählt durch Jahrelanges "Nichts verkauft". Und - was hat
Verkaufen eingentlich mit Kunst zu tun? Vielleicht ist
es auch traurig schrecklich für einen Künstler kaum
eines seiner Bilder noch im eigenen Besitz zu wissen.
In ein entleertes Atelier zu kommen, die Geister von
Gestern sind ausgeflogen, nur noch auf Hochglanz
in Katalogen wieder zu treffen. Und dann ist gerade
jetzt noch diese Scheisse mit der geplatzten Finanzblase
gelaufen. Wo hat ein Millionenschwererer Künstler
sein Geld liegen? Bei Lehmann-Brothers in den Sand
gesetzt! Da wird keiner laut drüber reden, oder öffentlich heulen. Es ist so seltsam still im Land.
So betrachtet geht es uns Grundgesicherten Künstlern
doch ganz gut. Schulden haben wir keine, Vermögen
auf der Bank Null, Sammler würden uns jetzt nur die
Grundsicherung verderben, wir hier unten sind sicher,
wir stehen auf dem sicheren Boden der Besitzlosen,
weniger als Nichts gibt es nicht!? Oder doch?
Nein, wo die Wohlhabenden soviel verloren haben,
fühlen wir durchaus mit und wir senken ab sofort
die Bilderpreise und bieten das persönliche Portrait
zum Sonderpreis. Ihr Hartzkünstler Ihr lieben Kollegen
lasst uns einig sein: Helft den "verarmten" Sammlern
auf die Beine. Kunst bei uns auch zum Sozialhilfesatz,
nur leider mit etwas weniger Farbe gemalt, weil halt
eben alles so knapp ist. Ich geh jetzt meinen Rolls
restaurieren - steht hinten im Schuppen unterm
Heu. DAS IST WAHRE ZUKUNFTSSICHERUNG

Grüsse Euer Crazy Bologna

Netzmuseum2 | 14.02.09

 

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