Esther Ernst | wo ich war
HULTEN SOFIA - GRAHAM DAN - SAMMLUNG HOFFMANN - VOM ETHOS DES SAMMELNS - NAGER BESSIE

HULTÉN SOFIA
Back to Back
Gaerie Konrad Fischer, Berlin
Back to Back
Gaerie Konrad Fischer, Berlin
+ an der Wand lehnt ein Türblatt. Auf der einen Seite schön abgeschliffen und aufgearbeitet, auf der anderen, so wie sie in den meisten Altbauwohnungen zu finden ist, mit diversen Spuren des alltäglichen Lebens nämlich: mehrmals überlackiert mit Nasen natürlich, Aufklebern, Schraubenlöchern, Doppelklebebandresten und übersät mit hundert Einstichlöchern eines Dartspiels.
Zwei Videos dokumentieren im selben Raum sämtliche von Hulténs vorgenommene Arbeitsschritte und den Wandel des Türblatts. Von der perfekten Renovierung der verlebten Tür bis hin zur detailgenauen Rückführung aller Spuren. In ihrer Arbeit "Mutual Annihilation" muss man bereits schlucken, wenn sie nach stundenlanger Aufarbeitung einer zugeschmierten Holzkommode mit dem Zuschmieren beginnt. Geschichten aus dem Leben eines Möbels werden auch dort im Zeitraffer (und ähnlich wie bei der Sendung mit der Maus) durch die aufwendige und perfekt realisierte Nachahmung veranschaulicht. Spitzen Frau, diese Sofia Hultén.
Zwei Videos dokumentieren im selben Raum sämtliche von Hulténs vorgenommene Arbeitsschritte und den Wandel des Türblatts. Von der perfekten Renovierung der verlebten Tür bis hin zur detailgenauen Rückführung aller Spuren. In ihrer Arbeit "Mutual Annihilation" muss man bereits schlucken, wenn sie nach stundenlanger Aufarbeitung einer zugeschmierten Holzkommode mit dem Zuschmieren beginnt. Geschichten aus dem Leben eines Möbels werden auch dort im Zeitraffer (und ähnlich wie bei der Sendung mit der Maus) durch die aufwendige und perfekt realisierte Nachahmung veranschaulicht. Spitzen Frau, diese Sofia Hultén.

GRAHAM DAN
Death by Chocolate
daad-Galerie, Berlin
Death by Chocolate
daad-Galerie, Berlin
+ zwei neuere, kaum gezeigte Werke präsentiert die daad-Galerie von Dan Graham, der 1976 daad-Stipendiat war (den Zusammenhang zwischen anno 1976 und der Ausstellung jetzt, muss man wahrscheinlich nicht verstehen...) im Rahmen des Berlinale-Programms. Und sie sind berechtigt unbekannt, die zwei hingeschissenen, einfach echt nur schlechten Arbeiten. Ein "Amateur-Video" das planlos irgendein Shoppingcenter a la las Vegas dokumentiert und eine Dia-Serie, die ich mir aus lauter Frust gar nicht mehr angesehen habe.
Was ist das denn?
Einpacken, zurückschicken und ab ins Altersheim
Was ist das denn?
Einpacken, zurückschicken und ab ins Altersheim

SAMMLUNG HOFFMANN
Sophie-Gips-Höfe, Berlin
Sophie-Gips-Höfe, Berlin
+ rein in die Pantoffeln und los geht’s, durch die aus- und umgebauten Wohnräume von Frau Hoffmann, mit Cécile, einer französischen Kunsthistorikerin, die sich ganz brav um die Kunstverständlichkeit bemüht.
Überrascht haben mich insbesondere zwei Arbeiten von Pipilotti Rist: "Selbstlos im Lavabad", 1994, eine klitzekleine Videoinstallation in einem circa vier Zentimeter grossen Loch im Parkett, auf der die nackte Pipilotti, von Lava umgeben, wie eine Verrückte viersprachig nach oben schreit, dass man sie da raus holen soll. Wunderbar, wie man sich zu ihr runter bückt, um sie zu verstehen, in einem Raum voller monumentaler Isa Genzken-Beton-Skulpturen. Eine weitere Arbeit von Rist besteht aus einem Glasstisch mit drei eingelassenen Monitoren, ziemlich kitschig und trashig. Auf dem Tisch jede Menge Nippes, von Frau Hoffmann selbst angeordnet, und die sind so ordentlich aufgereiht, dass die gesamte Installation ins Wanken kommt und irgendwie liebenswert komisch aussieht.
Das Glas Wasser zum Schluss der Führung hat mir auch gut gefallen...
Überrascht haben mich insbesondere zwei Arbeiten von Pipilotti Rist: "Selbstlos im Lavabad", 1994, eine klitzekleine Videoinstallation in einem circa vier Zentimeter grossen Loch im Parkett, auf der die nackte Pipilotti, von Lava umgeben, wie eine Verrückte viersprachig nach oben schreit, dass man sie da raus holen soll. Wunderbar, wie man sich zu ihr runter bückt, um sie zu verstehen, in einem Raum voller monumentaler Isa Genzken-Beton-Skulpturen. Eine weitere Arbeit von Rist besteht aus einem Glasstisch mit drei eingelassenen Monitoren, ziemlich kitschig und trashig. Auf dem Tisch jede Menge Nippes, von Frau Hoffmann selbst angeordnet, und die sind so ordentlich aufgereiht, dass die gesamte Installation ins Wanken kommt und irgendwie liebenswert komisch aussieht.
Das Glas Wasser zum Schluss der Führung hat mir auch gut gefallen...

VOM ETHOS DES SAMMELNS
Temporäre Kunsthalle Berlin
Temporäre Kunsthalle Berlin
+ da sitzen Christian Boros, Erich Marx und Rik Reinking und erzählen all das, was man in der Presse auch hätte nachlesen können. Herr Marx versteht (altersbedingt) die Hälfte der Fragen nicht, Herr Boros und Herr Reinking haben wahrscheinlich keine Lust zum Denken. So plappert es vor sich hin, mit langweiligen und hundertfach gestellten Fragen (...wann und wie haben Sie denn begonnen zu sammeln, wie ist Ihre Beziehung zum Künstler, welche Auswirkungen hat die Finanzkrise auf den Kunstmarkt... gähn!), das Publikum, hauptsächlich aus spiessigen, älteren Hobbysammlern (?) bestehend, macht einen sonntäglich zufriedenen Eindruck, während ich mich frage, wieso es denn eigentlich so schwierig ist, eine bissige und spannende Diskussion herzustellen...

NAGER BESSIE
hrönir
Kunstmuseum Solothurn
hrönir
Kunstmuseum Solothurn
+ Die Ausstellung betritt man durch einen Raum voller urbaner Objekte unterschiedlicher Grösse. Schön sinnlos sind die, aus alltäglichen und minimalistischen Materialien hergestellt. Verspachteltes Holz liegt fast allen Skulpturen zugrunde, und geschwungene Chromrohre (Haltegriffe), wie man sie in Schwimmbädern oder Trämmlis findet, auch. Diese Objekte sind nicht besonders trashig und weit weg von Design, ihnen liegt vielmehr eine Sammlung von besonderen Formen aus dem öffentlichen Raum zugrunde. Das sieht alles so leicht aus, nach eben mal hinskizziert, und irgendwo leuchten sie alle diese begehbaren Skulpturen.
Rostige Kette aus gebranntem Ton und Glimmer. Ein flächendeckendes silberig-neonoranges Kissen mit ein bisschen viel Andy Warhol für meinen Geschmack. Und ein riesiger, rückseitig aufgebrochener Leuchtkasten aus Holz mit einer Fotocollage aus städtischen Nachtbildern. Ein tolles Objekt, ein super Raum und viel Freude beim Schauen.
Rostige Kette aus gebranntem Ton und Glimmer. Ein flächendeckendes silberig-neonoranges Kissen mit ein bisschen viel Andy Warhol für meinen Geschmack. Und ein riesiger, rückseitig aufgebrochener Leuchtkasten aus Holz mit einer Fotocollage aus städtischen Nachtbildern. Ein tolles Objekt, ein super Raum und viel Freude beim Schauen.
Esther Ernst, 15.03.09 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor
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