Dirk Teschner | Kritik
Below the Line
Für viele ist Streetart in Ausstellungsräumen ein alter Hut, im Land der Mützenlosen aber brandaktuell. Wie angedroht ist seit dieser Woche im alten Erfurter Innenministerium eine vom Kunsthaus organisierte Ausstellung mit den wesentlichsten Streetart-Aktivisten Erfurts zu sehen. Zwar ist die Landeshauptstadt Thüringens museal zurecht saniert, doch Graffiti und Kunst im öffentlichen Raum findet man an jedem zweiten Haus.

DEINENUttenKInder
Die Ausstellung „Below the Line“ zeigt Arbeiten von Altstars wie Akut und Case, die sich schon lange von der Straße entfernt haben, Erfurt verließen und mittlerweile in Lifestyle-Magazinen und Galerien tummeln. Aber vor allem werden Arbeiten von aktiven Straßenkünstlern der urbanen Kommunikation gezeigt, wie Big Muff, City Express, Gruppe Klausener, Plück, ns. Palesh, TYPISM, SÜRF und dem Leipzig-Import SPAR und vielen mehr.

Akut und DEINENUttenKInder

Case
Die Präsentation der Ausstellung unterscheidet sich von ihren Vorgängern in anderen Städten. Der Ort, ein DDR-Anbau aus den 1980er Jahren bildet mit seinem "nicht mehr noch nicht" den idealen Raum für die Ausrichtung dieses Ausstellungsprojektes. Er ermöglichte eine Arbeit direkt am Mauerwerk, es musste keine Rücksicht genommen werden auf Parkett oder weiße Wände. Es wurde die Straße in die Räume geholt. Die gesamte Bandbreite der Streetart wird gezeigt: Plakate, Cutouts, Scherenschnitte, Decollagen, Schablonenarbeiten, Aufkleber, Kacheln, Skulpturen, Installationen bis hin zum direkten Farbauftrag.

Mr. Quatro | Gruppe Klausener

TYPISM und Ressource Group

Plück
Nur die „Eingangshalle“ behielt ihre ganze DDR-Pracht – Holzvertäfelung, Marmorböden, Wandvitrinen, Messingleuchter. In einer riesigen Wandvitrine, wo einst das seidene Banner der Volkspolizei flatterte hängt jetzt eine zarte Zeichnung von DEINENUttenKInder, in einer kleinen Wandvitrine sind die Arbeitsgeräte der Streetart-Künstler präsentiert.



Die Ausstellung ist kein fertiges Endprodukt, sie wird sich in den nächsten Wochen weiterentwickeln. Es gibt eine kleine Werkstatt, wo der Schmied den Kindern zeigt, was eine Harke ist. Oder besser gesagt, wie sie hergestellt wird und wie Zementdiamanten gegossen werden.
Die Presse reagierte bislang positiv, die Thüringer Allgemeine veröffentlichte auf ihrer Internetseite eine Dia-Show von der Ausstellungseröffnung. Da wurden die Ausstellungsräume von über 500, zumeist jungen Menschen förmlich gestürmt. Und Schluss war nicht wie in Berliner Galerien 22 Uhr, sondern gegen 4.




LOTUS LUMINA

KEOS

KEOS und MOKA

ns. Palesh

Plück

Keos und Plück

Plus_graphy

Akut
Fotos 3,6,7,8,10,13,14,15,16,17,19,20 von Monique Förster
Dirk Teschner, 15.06.09 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor
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