Gastbeitrag | Kritik
„Brote / Spiel“
Franziska Holstein in der Galerie Christian Ehrentraut
Gastbeitrag von Ann-Katrin Frank
Von der belebten Friedrichstraße in Berlin aus gehe ich in einen Innenhof. Alles frisch renoviert, noch wartet das Gebäude darauf, von seinen Bewohnern eingenommen zu werden. Den Lärm und das Gewimmel der Straße lasse ich hinter mir und betrete die großzügigen Ausstellungsräume der Galerie Christian Ehrentraut.

Doch hält das Gefühl von Ruhe nicht lange an. Sogleich werde ich in den Bann von Franziska Holsteins Bilder gezogen. Gegenüber der Tür sind Schwarz-Weiß-Abbildungen von geometrischen Formen zu sehen. Einige sind mir bekannt wie die Bausteine des Spiels „Siedler“. Formen, mit denen die junge Leipziger Künstlerin in ihren Werken spielt.
In ihren Bildern verdichten sich geometrische Strukturen und Linien zu Kreisen, die aufbrechen und verwischen. Punkte überziehen die Leinwand. An anderen Stellen ist die Farbe weggekratzt. Darunter liegende Farbschichten werden sichtbar. Rohe Leinwand wird Teil der Gesamtkomposition. Tiefschwarze Farbflächen erwecken den Eindruck von verkohltem Holz; glänzende, dicke Linien von aufgeklebtem Tape. Manchmal wirkt die Bildfläche gar wie eine Mauer, deren Rückstände von alter Farbe, Poster und Graffiti Geschichten aus vergangenen Zeiten erzählen.

Franziska Holsteins Bilder laden dazu ein, sich von den Schwingen der Fantasie davon tragen zu lassen. Die abstrakten Kompositionen werden durchbrochen von Fragmenten realistischer Darstellungen im grob gerasterten Siebdruck. In einer Bildecke sitzt ein weißer Hase mit einer dicken Karotte im Maul. Frauenbeine und andere Körperteile sind erkennbar. Sie wirken wie Bruchstücke aus einem anderen Raum, einer anderen Zeit. Sie entfalten ihre stille Wirkung im Hintergrund, überlagert und eingerahmt von neuen Strukturen und Farbflächen.
Meine Begeisterung wird noch geschürt durch die Ausführungen des Galeristen Christian Ehrentraut. Er erzählt mir von Holsteins Verehrung der Konstruktivisten. Diese Zuneigung ist spürbar, doch hat die Künstlerin eine ganz eigene Formensprache entwickelt. Sie bricht mit den strengen Kompositionen und klaren Formen ihrer Vorbilder. Gerade die Brüche, Aufspaltungen und Dekonstruktionen machen ihre Arbeiten so spannend. Experimentierfreudig zeigt sie sich auch im Umgang mit dem Bildträger. Sie näht voneinander unabhängig angefangene Leinwände zusammen. „Das hat beim Weitermalen kompositorische und inhaltliche Umbrüche zur Folge, die ich vorher nicht abschätzen kann.“ erklärt die Künstlerin ihr Vorgehen.
Bei einem Besuch der Ausstellung sollte man sich unbedingt ein bisschen Zeit mitbringen, um in den großartigen LUBOK-Büchern zu stöbern. Bei jeder Buchseite handelt es sich um eine Originalgrafik. Herausgegeben werden sie von Christoph Ruckhäberle und Thomas Siemon.
Quelle des Zitats: PMFH. Ausstellungskatalog, Hrsg.: Franziska Holstein, den Autoren, Galerie Spesshard & Klein GmbH. Leipzig, 2008.
Gastbeitrag, 06.06.09 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor
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Kommentare
Ich hab die ausstellung gesehn, gestern, auf grund dieses artikels. Ich fand die bilder langweilig und fade, harmlos und glatt, wohlkalkuliert technisch fein, leipziger allerlei, wie man/frau es kennt und schon abertausendmal gesehn hat.öde.
peter | 10.06.09