Markus Wirthmann | Kritik
Die warscheinlich kleinste Galerie Berlins
Stefan Heinrich Ebner
Theoretisch tot
Loge, Berlin
11. Juni - Ende August 2009

Ich war gewarnt. Herr Ebner teilte mir schon am Wochenende mit, dass es sich bei seiner Ausstellung um die kleinstmöglich Denkbare handeln würde. Stimmt auch, wenn man sich die gefühlten 0,37 Quadratmeter der Galerie Loge anschaut. Und das muss man von außen tun denn die Arbeit von Ebner füllt den Raum eigentlich komplett aus.

Die Öffnungszeiten beziehen sich warscheinlich auf die Zeitspanne während der die Hofeinfahrt des Jugendstilgebäudes in der Friedrichstraße sowieso für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Dann kann man sich die Arbeit durch die drei Fensterchen der ehemaligen Pförtner/Concierge-Loge betrachten.

Das ist nicht schlecht, man kriegt keinen richtigen Überblick. Man ist gezwungen, sich die verschiedenen Ansichten zusammenzusetzen, sozusagen forschend an der Skulptur zu arbeiten. Die Gesamtsicht ist ausgeschlossen, das Gesamtbild nicht. Es setzt sich im Kopf des Betrachters hoffentlich zusammen und ist immer und auf allen Ebenen theoretisch.

Tot ist das Material: Pelz, bzw. das Spender-Pelz-Tier. Und das wir hier gestreckt und in geometrische Formationen gezwungen, den Gesetzmäßigkeiten des 3-D-Modellings unterworfen. Hier treffen zwei völlig unterschiedliche Paradigmen des menschlichen Umgangs mit der Welt aufeinander.

Welt erklären und Welt, im biblischen Sinn, nutzbar machen. Windkraftwerke entwickeln und trotzdem Fischstäbchen essen. Knut herzen und Rinder zu Fußbällen verarbeiten. Keine Kunst für Veganer aber an ihren zynischen Grenzen eine stimmige Parabel auf unser Tun.

Und deshalb halt doch nicht die kleinstmöglich denkbare Ausstellung in Berlin sondern vielleicht eine unheimlich lange Praline.

Markus Wirthmann, 11.06.09 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor
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