Esther Ernst | wo ich war
PALAZZO GRASSI - FARE MONDI - HUMMEL CÉCILE - SWISS ART AWARDS 2009 - HOLBEIN BIS TILLMANS - WASMUHT CORINNE - PICTURING AMERICA - AUS GEZEICHNET ZEICHNEN - GROSSE KATHARINA - HAISCHAIMAI

PALAZZO GRASSI
Francois Pinault Foundation
Venedig
Francois Pinault Foundation
Venedig
+ ich fand die Sammlung Grassi sehr angenehm. Gerade nach dem ganzen Biennale-Irrsinn, dem dauernden Orientierungswahn, der Ausstellungszettelflut, Sehanweisungen und Ausstellungskonzepten, dem Nicht-kennen und Bezüge herstellen zu versuchen... entspannt ein gewohntes und leicht zu verdauendes Schauen. Eine aufgeräumte Sammlung in kleinen, aufwändig renovierten Räumen. Meistens stehen sich zwei Positionen gegenüber: Cindy Shermans Stars- und Sternchen-Portraits-Serie zu einer glitzernden Marmor-Büste von Jeff Koons "Jeff und Ilona" . Sehr lustig. Oder Cattelans am Boden aufgereihten Leichen-Skulpturen und Sugimotos Schaufensterpuppen-Mode-Photographien. Einfach und klar, sofort ersichtlich, wie die Arbeiten zusammen gelesen werden können.
Und dann fand ich es ja eher spannend als verwerflich, dass da einer ein Museum baut und einen (doch sehr homogenen) Ausschnitt von eben produzierter Kunst (2007-2009) ausstellt.
Und dann fand ich es ja eher spannend als verwerflich, dass da einer ein Museum baut und einen (doch sehr homogenen) Ausschnitt von eben produzierter Kunst (2007-2009) ausstellt.

FARE MONDI
53. Biennale
Venedig
53. Biennale
Venedig
+sehr toll: der dänische, norwegische / finnische Pavillon von dem Künstlerduo Elmgreen und Dragset. Der russische Beitrag von Pavel Pepperstein. Fiona Tan im holländischen Pavillon.
interessant: Silivia Bächli bei den Schweizern.
gefällt: die Feuerwehrsammlung im kleinen finnischen Pavillon, Roman Ondák im tschechischen / slowakischen Pavillon
ärgert: erstaunlich, ich hab mich eigentlich gar nicht geärgert. Das muss an Venedig liegen...
schon wieder lustig: die überdimensionierten Strohskulpturen im ägyptischen Pavillon. Die schmierigen Glasobjekte im venezianischen Pavillon.
interessant: Silivia Bächli bei den Schweizern.
gefällt: die Feuerwehrsammlung im kleinen finnischen Pavillon, Roman Ondák im tschechischen / slowakischen Pavillon
ärgert: erstaunlich, ich hab mich eigentlich gar nicht geärgert. Das muss an Venedig liegen...
schon wieder lustig: die überdimensionierten Strohskulpturen im ägyptischen Pavillon. Die schmierigen Glasobjekte im venezianischen Pavillon.

HUMMEL CÉCILE
Streiflichter
Kunstmuseum Solothurn
Streiflichter
Kunstmuseum Solothurn
+ ich staune immer wieder über die frappierende Nähe zu Bächlis Arbeiten. Toll, dass da zwei Künstlerinnen so ähnlich arbeiten, die Interessen sehr dicht beieinander liegen und die Installation der Zeichnungen und Fotografien im Raum mit derselben Sensibilität erfolgt.
"Bilder einer Ausstellung, 2008" ist der Titel einer Serie von Kugelschreiberzeichnungen auf Galeriepapier, bei denen Cécile die Ausstellungssituation des jeweiligen Ortes skizziert und sich Gedankenfetzen dazu notiert. Ich hab mich natürlich sehr gefreut über die Arbeit, über den Versuch, das Ausgestellte (den ganzen Kunstwahnsinn, den man sich so täglich antut) zu ordnen. Ganz persönlich, ohne den Anspruch auf Richtigkeit. Wobei Cécile viel weniger Behauptungen aufstellt als ich, sie beschreibt vorsichtig, benennt Materialien, konzentriert sich mehr auf das "wie-ist-etwas-ausgestellt" als das "was" und die eigenen Position dazu. Schön. Nur den Titel find ich etwas dicke...
"Bilder einer Ausstellung, 2008" ist der Titel einer Serie von Kugelschreiberzeichnungen auf Galeriepapier, bei denen Cécile die Ausstellungssituation des jeweiligen Ortes skizziert und sich Gedankenfetzen dazu notiert. Ich hab mich natürlich sehr gefreut über die Arbeit, über den Versuch, das Ausgestellte (den ganzen Kunstwahnsinn, den man sich so täglich antut) zu ordnen. Ganz persönlich, ohne den Anspruch auf Richtigkeit. Wobei Cécile viel weniger Behauptungen aufstellt als ich, sie beschreibt vorsichtig, benennt Materialien, konzentriert sich mehr auf das "wie-ist-etwas-ausgestellt" als das "was" und die eigenen Position dazu. Schön. Nur den Titel find ich etwas dicke...
SWISS ART AWARDS 2009
Eidgenössischer Wettbewerb
Messezentrum Basel
Eidgenössischer Wettbewerb
Messezentrum Basel
+ das kapier ich einfach nicht! Warum muss ein gut dotierter, grosser schweizer Wettbewerb mit ohne Geldprobleme sich so unglaublich scheisse präsentieren? In dieser lächerlichen Wändchen-Kojen-Architektur kann man sich doch keine Kunst anschauen. Und dann ist das alles so unglaublich schlampig gemacht. Gar nicht schweizerisch. Warum im Messezentrum und warum krampfhaft zur Art Basel dazugehören wollen? Ist doch Blödsinn.

HOLBEIN BIS TILLMANS
Prominente Gäste aus dem Kunstmuseum Basel
Schaulager, Basel
Prominente Gäste aus dem Kunstmuseum Basel
Schaulager, Basel
+ erst war ich darüber enttäuscht, dass das Schaulager nicht eine bombastische Einzelausstellung sondern den Kunstbestand des Kunstmuseums Basel ausleiht, weil die van Gogh machen, und keinen Platz mehr haben. Aber dann ging mir das Herz auf, als ich vor der riesigen Ausstellungswand im Untergeschoss stand, auf der bunt zusammengewürfelt Hodler und Giacometti neben irgendwelchen lustigen und unbekannten Basler Malern locker lässig angeordnet waren. Toll, weil man sich da zwischen Humor und Frechheit und einem völlig ungeübten Blick bewegt und man dabei erstaunliche Nähen entdeckt. Dann hat mir auch gefallen, dass die Ausstellung leicht lehrerhaft aufgebaut wurde. Von der uralt-Portrait-Malerei zu Deans filmischen "Merz-Portrait" zu Kabakovs Installation "Mutter und Sohn". Dann die klassisch gemalten Stillleben zu Fischli/Weiss’ "Tisch" zu Judd und Gober. Und so weiter durch die ganze Kunstgeschichte. Und Frau Friedli hat exklusiv geführt. Grossartig war das! (Toba Khedooris wollte ich noch recherchieren).

WASMUHT CORINNE
Galerie Giti Nourbakhsch, Berlin
Galerie Giti Nourbakhsch, Berlin
+ oh, das ist aber eine feine Sache, das interessiert mich ja total, wieso ist mir denn das erst jetzt klar?
In Schichten lesen, mehrere Ebenen übereinander gemalt, ineinander verzahnt, wie funktionieren die Übergänge, welche Materialien werden da zueinander in Beziehung gesetzt...
Und aha, die hat ein riesiges Archiv mit gesammelten Bildern, geordnet nach Themen: Haare allgemein, geflochtene Frisuren, Wellen usw. Bin begeistert. Renne in die Bibliothek und lese mich durch sämtliche Kataloge und freue mich über meine kleine Aufregung.
In Schichten lesen, mehrere Ebenen übereinander gemalt, ineinander verzahnt, wie funktionieren die Übergänge, welche Materialien werden da zueinander in Beziehung gesetzt...
Und aha, die hat ein riesiges Archiv mit gesammelten Bildern, geordnet nach Themen: Haare allgemein, geflochtene Frisuren, Wellen usw. Bin begeistert. Renne in die Bibliothek und lese mich durch sämtliche Kataloge und freue mich über meine kleine Aufregung.

picturing america
photorealism in the 1970s
Deutsche Guggenheim, Berlin
photorealism in the 1970s
Deutsche Guggenheim, Berlin
+vielleicht eine etwas zu didaktische Hängung, eine jeder-muss-gleich-verstehen-um-was-es-hier-geht Anordnung. O.K. Also: Spieglung scheint wichtig zu sein. Reflektionen malen, weil technisch herausfordernd, weil man damit so schön angeben kann, weil der Bildaufbau komplexer wird, weil es natürlich zum Thema "Bild-Reproduktion" passt. Niemals aber spiegelt sich der Fotograf. Nur ein paar Verweise deuten auf den Auslösenden. Überhaupt, es wird auch kaum signiert. Manche Bilder sind hinter Glas, mit weiss gemaltem Rahmen darum, steigert den Fotoeffekt.
So viel Fleiss, ich glaub ich werde ohnmächtig.
So viel Fleiss, ich glaub ich werde ohnmächtig.

aus gezeichnet zeichnen
Akademie der Künste, Berlin
Akademie der Künste, Berlin
+ da hat der Herr Kudielka wohl mal seine (UdK)-Freunde eingeladen und dabei heraus gekommen ist eine ziemlich spiessig-langweilige Ausstellung, durch die es sich trotzdem lohnt hindurch zu gehen. Die angekündigte "enorme Spannweite des zeitgenössischen Zeichnungsbegriffs" konnte ich beim besten Willen nicht entdecken und als eher kleines Wagnis würde ich Tacita Deans Allabasterzeichnungen und Karin Sanders Raumfrottagen-Bücher (ganz toll sind die!) bezeichnen.
Dennoch macht es Spass, durch eine grosse Ansammlung von Zeichnungen der letzten 50 Jahren zu schlendern und sie in diesem Kontext nebeneinander zu sehen und zu vergleichen.
Dennoch macht es Spass, durch eine grosse Ansammlung von Zeichnungen der letzten 50 Jahren zu schlendern und sie in diesem Kontext nebeneinander zu sehen und zu vergleichen.

GROSSE KATHARINA
shadowbox
Temporäre Kunsthalle Berlin
shadowbox
Temporäre Kunsthalle Berlin
+ das ist ein irrsinnig toller Raum von der Frau Grosse. Diese vier raumgrossen, bemalten und besprühten, in sich gewölbten und an die Wand lehnenden Hartschaum-Eier-Formen, haben mich glatt von den Socken gehauen.
Irgendwie grusig, dieses Gesprühe und Gepansche, diese Farbkombinationen und darin auch unglaublich anziehend. Will da dauernd (und latent angewidert) hinschauen. Dann diese vergrösserten Krakel-Krakel-Spritz-Gesten, ein einziges Gekafel, eine riesige Sauerei ist das.
Schön auch, da mittendrin zu stehen, Umgeben von dieser Malinstallation.
Und von Nahem flimmern beinahe die Augen, dicht vor diesen vielschichtigen Farbspritzern übereinander.
Das ist ja wie Graffiti auf Serra, sagte mein Papa.
Schon lange nicht mehr so freudig geschaut.
Irgendwie grusig, dieses Gesprühe und Gepansche, diese Farbkombinationen und darin auch unglaublich anziehend. Will da dauernd (und latent angewidert) hinschauen. Dann diese vergrösserten Krakel-Krakel-Spritz-Gesten, ein einziges Gekafel, eine riesige Sauerei ist das.
Schön auch, da mittendrin zu stehen, Umgeben von dieser Malinstallation.
Und von Nahem flimmern beinahe die Augen, dicht vor diesen vielschichtigen Farbspritzern übereinander.
Das ist ja wie Graffiti auf Serra, sagte mein Papa.
Schon lange nicht mehr so freudig geschaut.

HaiSchaiMai
Galerie oqbo, Berlin
Galerie oqbo, Berlin
+die bekleckert gestapelten, weil am Tag zuvor fürs Künstleressen gemalten Tischtücher, die man für 30 € ersteigern konnte, haben mir gefallen. Wer auch immer sie gemacht hat... Die Werke sind nicht beschriftet und einen Raumplan gibt es auch nicht. Alles Konzept der Galerie, weil die Menschen mehr miteinander ins Gespräch kommen sollen... Und so führt mich Michael Bause ganz persönlich durch die Ausstellung und in die eigentliche Galerie gleich neben dran: "paperfile" heisst die Ausstellung und besteht aus einem klassischen Zeichenschrank, in dem mehrer Künstler ihre Arbeiten lagern. Auch hier der Versuch, ganz direkt durch "Anfassen" mit der Kunst in Berührung zu kommen, zu stöbern, Kartons und Seidenpapierchen zu öffnen. War schön.
Esther Ernst, 30.06.09 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor
Kunst-Blog.com, Copyright 2005-2012. Alle Rechte vorbehalten.
Soweit nicht anders angegeben liegen die Rechte bei den jeweiligen Autoren und Künstlern, die die Urheber der Beiträge sind, und bei Kunst-Blog.com. Für Webseiten, auf die von dieser Site aus verlinkt wird, sind ausschließlich die Betreiber der jeweiligen Angebote verantwortlich.