Michael Reuter | Region Stuttgart
Adolf Hölzel im Kunstmuseum Stuttgart

Eher von akademischem Interesse ist die neue Ausstellung „Kaleidoskop. Hoelzel in der Avantgarde“ im Kunstmuseum Stuttgart. Als stolze Besitzer von 400 Werken und damit der weltgrößten Sammlung des 1905 als Professor an die Königlich Württembergische Akademie in Stuttgart berufenen Adolf Hölzels sahen sich die scheidende Direktorin Marion Ackermann und ihr Mannen in einer Bringschuld, „einen der Pioniere der Avantgarde von europäischem Rang, den es als Wegbereiter der Moderne neu zu entdecken gilt“ angemessen zu präsentieren.
Der 400seitige Monsterkatalog, eine wunderbare Urlaubslektüre, die auch als Auffahrkeil für Wohnmobile geeignet scheint, bietet dreizehn AutorInnen die Gelegenheit, Hölzel aus dem Nebel des Vergessens hervorzuzerren und ihn als Avantgarde der Avantgarde zu präsentieren. Ein verkannter Revolutionär, der bereits 1905 mit der „Komposition in Rot I“ eines der frühesten Beispiele abstrakter Malerei schuf, ein bedeutender Theoretiker, der bereits 1901 mit seinem Aufsatz „Über Formen und Massenverteilungen im Bilde“ einen der Schlüsseltexte der Moderne schrieb und ein wegweisender Lehrer, der Künstler wie Johannes Itten, Oskar Schlemmer oder Willi Baumeister maßgeblich beeinflusste.
Tja, woran hat es nun gelegen, das Hölzel (noch) nicht zu den wichtigen Großmalern gezählt wird? Zurückhaltend ist er gewesen. Nicht seine eigene Person war ihm wichtig, sondern die Malerei und sein Werk stellt das „progressiv verlaufende Konzept der Moderne in Frage“. Drei Todsünden, die auch heute noch ins kunsthistorische Nirvana führen können.
Michael Reuter, 10.07.09 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor
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