Markus Wirthmann | Interview

Fort Knox an der Limmatstraße

Franziska Koch
Reserven
Kunsthof Zürich
10. Mai – 21. Juni 2009

Hintergrund der Arbeit von Franziska Koch im Kunsthof in Zürich ist eine Recherche zu den Goldreserven der Schweizer Eidgenossenschaft. Wo und wie werden sie gelagert? Wieviel ist es denn überhaupt und über welches Volumen (in Kilo oder Kubikmeter) reden wir dabei denn?

Zu meiner Überraschung konnte mir Franziska erzählen, dass ein Teil in Tresoren anderer Staatsbanken, beispielsweise, wie auch Teile des bundesrepublikanischen Goldes, im legendären Fort Knox in den USA gelagert werden.

Alles andere ist streng gehütetes Geheimnis der Nationalbanker.
Franziska Koch versuchte trotzdem sich wenigstens einen Teil des Geheimen durch Gespräche mit Bankern zu erschleichen. Aus dem Wenigen, was sie erfuhr oder erahnen konnte, entwickelte sie eine Art Video-Choreografie deren Hauptakteure ein Lagerist und sein Gabelstapler sind. Flankiert wird das Geschehen, dass sich auf zwei, an einer Hauswand angebrachten Monitore abspielt, von einer riesigen Lautsprecherbox die den Soundtrack zum Film liefert.

Korrespondiert die Größe der Lautsprecherbox irgendwie mit dem Gold? Oder warum ist das Ding genau so groß wie es ist?

Franziska Koch: Nein, im materiellen Sinn korrespondiert der Lautsprecher eigentlich nicht mit dem Gold.
Der Lautsprecher hat diese Übergrösse, weil ich diesen Ort - das Lager, von dem wir nicht wissen wo es ist, in einer akustischen Überschärfe in den Kunsthof transportieren wollte. Das Augenmerk gilt dem Ton des arbeitenden Lageristen im Depot und nicht dem Material Gold - so eine Art Entmystifizierung. Kleines Bild mit grossem Ton steht auch für eine Absurdität der Dinge. Der gleiche Lautsprecher kommt übrigens im Film als Original in klein vor, er ist am Gabelstapler montiert. Der Lagerist lässt einmal einen Ausschnitt aus Miles Davis Birth of the Cool (die ultimative Nachkriegsplatte?!!) daraus spielen.

Der Ton ist sonst geprägt von den Arbeitsabläufen des Lageristen: umstapeln, aufstapeln, neu beschriften, abstapeln, pfeifen, summen usw. Es gibt in dieser eher monotonen Darstellung des Lagerlebens aber doch eine langgezogene minimale Erzählung:

Die zum Anfang grossflächig verteilte Anordnung der Stapel wird vom Lageristen so lange neu gestapelt und umverteilt bis eine Art Reihe oder Wand entsteht. Daraus entstapelt er eine Lücke und zum Vorschein kommt ein überdimensionierter Goldbarren, der beim Lageristen Stress auslöst. Offensichtlich gehört dieser nicht ins System. Der Lagerist durchwühlt genervt die Akten, findet nichts und transportiert den übergrossen Goldbarren weg. Hier also wieder eine Anspielung auf Verschiebung der Dimensionen und eine etwas plumpe Anspielung aufs Nazigold, das die Schweizer Nationalbank so schön durchgewaschen hat.
Also der übergrosse Goldbarren korrespondiert mit dem übergrossen Lautsprecher, doch auch auf seine Art.

Markus Wirthmann, 07.07.09 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor

 

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Kommentare

Tja, so ist es tatsächlich. Und man vermutet, dass diese Goldbestände in USA auch gerne als Druckmittel benutzt werden. Bei politischen Entscheidungen, die eventuell weniger im Einklang mit der USA sind.

Man fragt sich sowieso, welche Menge dort überhaupt noch liegt.

Michael | 09.07.09

 

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