Gastbeitrag | Kritik
remap Berlin
Gastbeitrag von Stephan Lorenz
Marco Cadioli aka Marco Manray
remap Berlin
Seit 2003 ist der italienische Künstler und Lehrbeauftragte an der "Accademia di Belle Arti, Brescia", Marco Cadioli in virtuellen Welten unterwegs, um zu fotografieren. Ok, es sind Screenshots, was er macht, aber er macht sie mit künstlerisch fotografischem Auge und in der Attitüde des "embedded" Reporters. in der Attitüde eines Robert Capa machte er 2005 Bilder von Kriegen, allerdings von denen in Counter Strike, Quake III und Enemy Territory und berichtete später zum Beispiel aus der virtuellen chinesischen Welt von HiPiHi in einem chinesisch inspirierten Stil. Und natürlich ist er auch "Reporter in Second Life", wie sein gleichnamiges Buch (Shake Edition) heisst.

Oranienburger Straße

Sebastianstraße
Seine neueste Arbeit "remap Berlin" berichtet aus dem virtuellen Berlin von Twinity, der Berliner Firma Metaversum.
Als Avatar Marco Manray streifte er durch avatarleere Straßen immer auf der Suche nach guten Stadtlandschaften und erreichte schnell die Grenzen dieser "Welt", dort, wo wie in der mittelalterlichen Vorstellung, der Horizont und der Himmel enden.

Ende der Welt: Ecke Fennstr., Müllerstr.
siehe: http://www.panoramio.com/photo/23356308
Die Ausbeute seiner Fotoreise platzierte er auf Panoramio.com, einer Bilddatenbank die zu Google gehört und seit 2007 deren Kartendienste Google Maps und Google Earth speist.
Vorher versah er die Bilder des virtuellen Berlin mit Geodaten, also Koordinaten des entsprechenden Ortes im echten Berlin.
Nach einem mir unbekannten Verfahren wurden erstaunlich viele der platzierten Screenshots als Bilder der Reaität akzeptiert und sind nun in Googles Digitalkarten wiederzufinden. Dort repräsentieren Sie nun den "echten" Ort.

Man beachte die Unterzeile: "This foto is selected for Google Earth"
Cadioli's Arbeit ist also das "fotografieren" in einer virtuellen Welt als Kunstfotografie und berührt dort zunächst einmal die üblichen formalen fotografischen Fragestellungen und solche nach dem Foto als Abbild der Realität. Als Realität muss man VR als solche ja bezeichnen. Die Abbildung des Twinity-Abbildes von Berlin wird danach als Abbildung der Realität den Realitätsvorgauklern von Google/Panoramio, also einer anderen virtuellen Umgebung angeboten und dort tatsächlich (wahrscheinlich von Programmen, also künstlicher Intelligenz) als solche akzeptiert. Bisher hat noch kein User, also Mensch die Möglichkeit genutzt, Google den Missbrauch zu "petzen" auf dass das Abbild verdbannt werde.

Bilder in Panoramio: http://www.panoramio.com/user/3199852&comments_page=1&photos_page=1
Dem ganzen Spiel mit Realitäten, Ebenenverschiebungen und Rückführungen setzt Marco Cadioli noch eins drauf, wenn er wiederum als Avatar Marco Manray (aber nicht als derselbe aus Twinity, denn Avatare können noch nicht zwischen den Welten springen) eine "remap Berlin"-Ausstellung in Second Life zelebriert.
(Dort noch zu sehen bis Ende September:
http://slurl.com/secondlife/Odyssey/122/45/25/)


Ausstellung in Second Life mit Verlinkungen (die blauen Dinger) zu Panoramio.com
Mit dieser Arbeit bewirbt sich Cadioli beim der Transmediale in Berlin. Ich wünsche ihm viel Glück!
Gastbeitrag, 26.07.09 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor
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