Michael Reuter | Region Stuttgart

Stadtstaat. Szenario für das Verbinden von Städten

Eine Anti-Utopie im Künstlerhaus Stuttgart


Metahaven: Stadtstaat (Poster), 2009

Als Fallstudie für ihr Ausstellungsprojekt im Künstlerhaus Stuttgart wählte das Design- und Forschungsbüro Metahaven (Amsterdam/Brüssel) einen fiktiven Stadtstaat, der aus den fusionierten Städten Utrecht und Stuttgart besteht. Für dieses grenzüberschreitende Gemeinwesen entwarf das Büro Ausschnitte eines Corporate Designs, dass aktuelle gesellschaftliche Diskurse spiegelt und analysiert.

Metahaven konstruiert eine Dystopie, einen durchgestylten, hoch technisierten, pseudodemokratischen Staat, der soziale Netzwerke, globalisierte Marken und Informationstechnologie nutzt, um die Bevölkerung auf Linie zu halten, ohne dass es ihr bewusst wird.

Zum besseren Verständnis gibt es eine Reihe von fiktiven Briefen, die alle mit "Freund" unterzeichnet sind, aber offensichtlich von verschiedenen Personen geschrieben wurden. Die Texte fangen den typografieverliebten, menschenleeren Spekulationsraum von Metahaven auf, schmälern aber die Wertigkeit der Ausstellungsstücke. Es wird auch nicht klar, wozu das Konstrukt Utrecht/Stuttgart benötigt wird. Die These, dass Stadtarchitektur, politische Ideologien und Konsumentenwelten, zumindestens im europäischen Kontext, kaum noch unterscheidbar sind, ist abgearbeitet. Was die Gesellschaft braucht, ist nicht das wiederholte Beschwören eines technoiden Überwachungsstaates, sondern die Förderung einer partizipativen Geisteshaltung, die Demokratie mitgestalten und mitverantworten will.

Michael Reuter, 15.07.09 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor

 

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Kommentare

Schön zu hören, dass Kritik schon abgearbeitet ist. Deshalb also "Geisteshaltung" und "Demokratie mitgestalten und mitverantworten", wie der Kunstblog meint. Weniger Nörgelkunst, mehr Mitmachkunst, vielleicht noch mit Grußwort des obersten Stadtchefs. Dystopia ist angekommen, sogar im Kunstblog.

monsees | 17.07.09

 

Ich gebe zu, dass der letzte Satz arg staatstragend klingt. Kunst muss kritisch sein, aber dabei sollte sie schon aktuell sein. Möglichst ihrer Zeit voraus. Ich finde, dass in Zeiten schwindenden politischen Interesses ein wenig mehr konstruktives Miteinander zwischen Zivilgesellschaft und Kunst nicht die schlechteste Idee wäre. Klingt irgendwie uncool aber wenn hier alles durch Gier, Hass und Spekulation den Bach runtergeht, ist das ja auch keine Lösung.

Michael Reuter | 20.07.09

 

Ganz ehrlich, ich habs nicht verstanden! ... Für mein Empfinden eine Verkopfte Kritik die es nicht mehr schafft den Betrachter tatsächlich teilhaben zu lassen. Schade, schönes Thema, mehr kam leider nicht an.

Andi | 23.07.09

 

Ich empfehle die Langfassung des Artikels bei regioartline. Erscheint Mitte August. Werde einen Link setzten.
Dass mit der verkopften Kritik fand ich schmeichelhaft ;-)
Ich wollte immer schon als Intellektueller durchgehen.
Aber stimmt schon, der Text ist zu kurz und zu kompakt. Gar nicht so einfach, für einen Blog die richtige Sprache zu finden.

Michael Reuter | 23.07.09

 

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