Michael Reuter | Region Stuttgart
Meine Musik bleibt

John Cage: HV2
Foto: Kolumba, Köln, Courtesy of the John Cage Trust
Der Zugang zur Ausstellung „Kunst = Leben. John Cage“ in der Stihl Galerie Waiblingen führt durch eine innen verspiegelte Black Box, in der Henning Lohners Film „One11“ zusammen mit dem Orchesterwerk „103“ gezeigt wird. Es ist ein Schwarzweißfilm ohne Thema, der einzige Langfilm von John Cage, gedreht 1992, im Jahr seines Todes. Es gibt keine Personen oder Handlungen, nur wanderndes Licht. Film und Musik bestehen aus siebzehn Teilen und laufen parallel, obwohl sie nicht direkt zusammen gehören. Jeder Teil von „One11“ besteht aus ca. 1.200 Zufallsoperationen eines Computers, der das Licht und den Kamerakran steuert.
Der Zufall spielt auch im grafischen Werk eine große Rolle. Zufall und Schicksal. Cage war ein großer Anhänger des alten Weisheitsbuches „I Ging“, das in China seit Jahrtausenden als Orakel befragt wird. Das Papierformat, die Farbmischung, die Zahl der Striche, die Wahl der Motive und ihre Anordnung – bei allen Entscheidungen ließ sich Cage durch das „Buch der Wandlungen“ leiten und inspirieren.
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30.08.09 | Permalink | Kommentare (0)
Michael Reuter | Region Stuttgart
Ein melancholisches Gefühl der Heimatlosigkeit

Foto: Columbus Art Foundation
Volkskultur und Volkskunst, insbesondere die religiöse Volkskunst, entfaltet ihren ganz eigenen Reiz. Wer einmal den Rundgang mit Votivbildern an der Gnadenkapelle in Altötting oder in einer anderen süddeutschen Wallfahrtskirche gesehen hat, wird sich einem quasi-religiösen Gefühl des solidarischen Mitleidens kaum entziehen können. Diese über Jahrhunderte gewachsenen Bildwände zeigen ein ganz unmittelbares Verhältnis zur Religion. Viele Dinge waren damals heilig und auch der normale Bürger, Bauer oder Handwerker hatte einen direkten Draht zum Jenseits.
Broschen aus dem Haar von Toten, Amulette, Schutzsymbole, Marien- und Heiligenbildchen – gerade die magisch angehauchten Artefakte lassen die Fantasie des säkularisierten und von der totalen Aufklärung doch arg gelangweilten Jetztzeitlers aufblühen. Nur wenig von der alten Volkskultur ist uns geblieben, die kitschigen Devotionalien an Wallfahrtsorten treiben dem Betrachter allenfalls Tränen des Zorns in die Augen, traditionelles Brauchtum verkommt zur Sauforgie oder zum Gaudium für Touristen.
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30.08.09 | Permalink | Kommentare (0)
Michael Reuter | Region Stuttgart
Nicht immer nur Krieg

Otto Dix, Walpurgisnacht, 1913
Das Werk von Otto Dix zieht sich wie ein roter Faden durch die Ausstellungstätigkeit der Städtischen Galerie Albstadt. Kein Wunder, das 1975 gegründete Haus besitzt den weltweit größten Bestand von Arbeiten auf Papier des 1891 in Gera geborenen Künstlers.
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30.08.09 | Permalink | Kommentare (0)
Markus Wirthmann | Kritik
Verrissen
Ceal Floyer
show
KW Berlin
23. August – 18. Oktober 2009

Die Last einer Ausstellungsbesprechung ist dann am größten, wenn man viel erwartet und dann enttäuscht wird. Gestern Abend ist genau DAS eingetreten. Das schnöselige Ambiente der Kunstwerke mit seiner extrem hohen Dichte an Schönen und gefühlten Reichen ertrage ich sowieso nur alle paar Monate, aber die Aussicht auf Ceal Floyers show schien mir die Investition von ein paar Nanometern Nervenkostüm zu rechtfertigen.
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22.08.09 | Permalink | Kommentare (1)
Charlotte Lindenberg | Alles
Ente an Kontext
Irgendwann im Verlaufe einer Ausstellungseröffnung finde ich mich backstage wieder, inmitten der Kleinode, wie sie sich im Laufe der Jahre im Bürobereich jeder Galerie sammeln. Als Relikte diverser künstlerischer Ansätze sind die zwei- und dreidimensionalen Vergissmeinnichts so mannigfaltig wie ihre Herkunft und erschließen sich nicht immer spontan. Bei voreiligen Kategorisierungen ist daher Vorsicht geboten. Dass ein technisch sorgfältig – bis zwanghaft - gearbeiteter Gipstorso mit Metall und Stein kombiniert ist, überrascht mich weniger als das Geschenkband, das an dem klassisch weißen Leib – jawohl: Leib – baumelt. Ob das ernst gemeint sei, frage ich, in der Annahme, bei dem geradezu schmerzhaften Stilbruch handele es ich um den Rest einer Weihnachtsfeier. Mein vermeintlich nur gedachtes „nee, oder?“ muss irgendwie unüberhörbar gewesen sein, denn nur mühsam zügelt die Inhaberin ihr Verlangen, mich kurzerhand raus zu werfen. Und anstatt „Wache!“ zurufen, begnügt sich mit dem Hinweis, das Lametta sei integraler Teil der Arbeit. Bitte vielmals um Verzeihung.
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19.08.09 | Permalink | Kommentare (0)
Anzeige | Alles
NAHRUNG - kaleidoskopische Untersuchung eines Treibstoffs
Mit Franz Burkhardt, Esther Ernst, Adib Fricke, (e.) Twin Gabriel, Marianne Halter, Thaddäus Hüppi, Christian Jankowski, Franziska Koch, Karsten Korn, Via Lewandowsky, Bernhard Martin, Tatjana Marusic, Christiane Möbus, Rapedius/Rindfleisch, Gunter Reski, Ralf Ritter, Ana Roldán, Karin Sander, Martin Städeli, Caspar Stracke, Stefan Sulzer, Anita Tarnutzer, Jorinde Voigt, Markus Wirthmann und David Zink Yi
5. September – 27. September 2009
Eröffnung: Freitag, 4. September 2009 // 19h
Rote Fabrik - Shedhalle, Zürich
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17.08.09 | Permalink | Kommentare (0)
Gastbeitrag | Kritik
Entschleunigte Umbrüche
Gastbeitrag von Constanze Musterer
1989-2009: Bewegte Welt – Erzählte Zeit
Zeitgenössische Fotografie und Videokunst aus Russland, der Ukraine, Belarus, Georgien, Kasachstan, Kirgistan, Usbekistan und Deutschland
Akademie der Künste, Berlin
bis 13. September 2009
Es steht außer Frage, die von den Goethe Instituten der Region Osteuropa/Zentralasien ins Leben gerufene Fotografie- und Video-Ausstellung „1989-2009: Bewegte Welt – Erzählte Zeit“ ist im Rahmen des diesjährigen deutschen Jubiläumstumults „20 Jahre nach dem Mauerfall“ eine Besonderheit. Es ist vor allem bereichernd, dass sich der Blick einmal von Deutschland weg auf die Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion und deren unmittelbare Erfahrungen richtet, die aus der gefeierten deutschen Staatenzusammenführung folgten und folgen. Und es ist rühmlich, wichtig und politisch korrekt, zu fragen, wie die Veränderungen in diesen „neuen“ Ländern aus künstlerischer Sicht gedeutet, dokumentiert und, wie es heißt, wahrgenommen werden. Die leitende Kuratorin Jule Reuter arbeitete für die Auswahl der künstlerischen Werke mit lokalen KuratorInnen der in der Ausstellung beteiligten Länder zusammen. Auch dies ist ein durchaus sinnvoller und ebenfalls politisch korrekter Ansatz, der vorhandene Kenntnisse zu nutzen weiß und demokratische Strukturen in den Kunstsektor weitergibt.
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14.08.09 | Permalink | Kommentare (0)
Markus Wirthmann | Netz
Anleitung zum Orgasmus
Gerrit Gohlke und Astrid Mania haben im artnet-Magazin die ultimative Anleitung zur Sammel-Fetisch gegeben. Besser als Porno:
Ein ekelhaft hässliches Werk, das Ihrem Charakter entspricht, ist wertvoller für Ihre Sammlung als ein Meisterstück mit Preisauszeichnung. Kunst ist kein Viehmarkt. Von Preisbullen kann man Kopien heranzüchten, von Kunstwerken nicht.
Meiden Sie große Museen, wo Sie nur können. In Museen wird keine Kunst gezeigt, sondern Publikum angeworben. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als habe beides miteinander zu tun, was sich aber schnell als Irrtum herausstellt.
Alles lesen hier: Wie man am Kunstmarkt glücklich wird
14.08.09 | Permalink | Kommentare (0)
Michael Reuter | Interview
Wer fürchtet sich vor der schwarzen Frau?

Heike Ruschmeyer: Monolog XXVIII, 1988, Kunstharz, Eitempera, Ölfarbe auf Nessel, 240 x 190 cm
Leichen, tote und missbrauchte Frauen und Kinder, gewaltsam Verstorbene: Die Bilder von Heike Ruschmeyer (*1956) sind nichts für zartbesaitete Gemüter. Dabei zelebriert die Künstlerin weder satanischen Messen noch bevölkert sie ihre Bilderwelt mit erdachten Horrorszenarien. Ihre Inspiration entzündet sich vielmehr an Tatortfotos aus der gerichtsmedizinischen Literatur – vorgefundene Wirklichkeiten, die sie in eine bedrückende Malerei übersetzt.
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11.08.09 | Permalink | Kommentare (0)
Peter Lang | Interview
bauhaus revisited
Ein Gespräch zwischen Peter Lang und Thibaut de Ruyter zur Ausstellung "Modell Bauhaus. Die Ausstellung", Berlin, Martin-Gropius-Bau, 22. Juli - 4. Oktober 2009
...Diese Ausstellung hat fast vergessen, was jeden Tag im Bauhaus passiert ist, und hat stattdessen ein Sammelsurium von Objekten, von unglaublich seltenen Exponaten arrangiert. Die drei großen Institutionen haben fast alles in ihrem Lager. Man kriegt dann ungefähr 20 Räume im Martin-Gropius-Bau voll mit Exponaten, Top-Exponaten. Und am Ende – ich bin sicher – ein Jugendlicher, der das nicht weiß, hat nicht verstanden, dass das Bauhaus ursprünglich eine Schule war. Die Frage wäre doch interessant: Was hat man dort gelernt? Wie lief ein normaler Kursus im Bauhaus? Wie viele Jahre hat man dort studiert, was hat man studiert? Was war der Grundkurs? Das gehört wirklich zur Bauhaus-Geschichte. Und das habe ich in dieser Ausstellung nicht gesehen. Es ist ein riesiges Problem, dass man das Bauhaus auf eine Menge von Exponaten reduziert und darüber vergisst, wie das Leben dort wirklich war. ....
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08.08.09 | Permalink | Kommentare (1)
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