Michael Reuter | Region Stuttgart
Nicht immer nur Krieg

Otto Dix, Walpurgisnacht, 1913
Das Werk von Otto Dix zieht sich wie ein roter Faden durch die Ausstellungstätigkeit der Städtischen Galerie Albstadt. Kein Wunder, das 1975 gegründete Haus besitzt den weltweit größten Bestand von Arbeiten auf Papier des 1891 in Gera geborenen Künstlers.
Dr. Veronika Mertens, die Kuratorin der aktuellen Schau mit neunzig Zeichnungen von Dix – alle aus dem eigenen Bestand –, möchte den Künstler nicht nur als Kriegszeichner dargestellt sehen. Im grafischen Werk spiele die „Kriegsmappe“ natürlich eine große Rolle, aber die Zeichnungen seien sehr vielfältig: „Da ist ein großer Schwerpunkt auf dem Akt in allen Variationen, von akademisch bis expressionistisch. Es gibt auch hinreißende, ganz fein gezeichnete Porträts aus den 20er Jahren oder mythologisch-symbolistische Frauendarstellungen aus dem Frühwerk.“ Auch serielle Arbeiten werden gezeigt, ebenso Dix’ Auseinandersetzung mit dem Kubismus und Landschaften im futuristischen Stil.

Martina AltSchäfer, Badende, 2002
Ihm zur Seite stehen zwei zeitgenössische Zeichner mit eigenständigen Ausstellungen: Die 1960 in Rüsselsheim geborene Martina AltSchäfer korrespondiert mit Dix über den Topos der Figur. Auch über den Kubismus gibt es interessante Berührungspunkte. Der 1944 geborene Ulf Cramer kommt von der Landschaft. „Wenn man sich das Farnkraut von Dix anschaut und dann eine Federzeichnung von Cramer, dann merkt man, wie das Landschaftliche aus dem Strich entsteht, wie der Tuschestrich das Blatt langsam zuwachsen lässt“, bemerkt die Kuratorin.
Die Galerie zeigt Arbeiten von Dix aus allen Schaffensphasen. Das Frühwerk vor dem Ersten Weltkrieg, Zeichnungen aus dem Schützengraben, die Landschaften aus der Zeit der inneren Emigration nach 1933 in Hemmenhofen am Bodensee, altmeisterliche Silberstiftzeichnungen und viele Porträts. Dix als Zeichner ist der Kuratorin besonders wichtig: „Die Vielfalt seiner Strichmodi und sein facettenreiches Menschenbild sind beeindruckend. Wir haben auch viele Entwurfszeichnungen und Kartons zu Gemälden und mir ist es oft so gegangen, dass ich von den Gemälden enttäuscht war. Die Zeichnungen sind viel spannender!“
Michael Reuter, 30.08.09 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor
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