Gastbeitrag | Kritik

England ist nicht die einzige Insel der Welt

Gastbeitrag von Ulrich Diezmann

Eine Ausstellung über das Werk von Klaus Hähner-Springmühl im Kunstraum D 21 in Leipzig-Lindenau

Beteiligte Künstler: Klaus Hähner-Springmühl, Erich-Wolfgang Hartzsch, Frank Raßbach und Karin Wieckhorst

Lindenau liegt im Leipziger Westen, der Kunstraum D 21 ist dort in einem sogenannten "Wächterhaus" in der Demmeringstraße 21 beheimatet, der künstlerische Leiter ist Michael Arzt, gebürtiger Chemnitzer, ehemals Karl-Marx-Stadt.

Klaus Hähner-Springmühl, geboren 1950, dem die Ausstellung gewidmet ist, hat vor allem in Chemnitz seine künstlerischen wichtigsten Jahre verbracht.

Michael Arzt ist erst vor 2 Jahren auf den Künstler aufmerksam geworden. Hähner-Springmühl gilt als "Unerkannter", jedoch als jemand der innerhalb der oppositionellen Kunstszene der DDR als "originäres Kraftzentrum" gewirkt hat und der neben Carl Friedrich Claus auch für viele Künstler der jüngeren Generation eine Orientierung war.

Als Künstler war er Autodidakt, hat nie eine Kunsthochschule besucht, während des Studiums des Bauwesens in Cottbus findet er zur Kunst, bricht das Studium ab, arbeitet künstlerisch in Dresden, siedelt in den 70er Jahren nach Chemnitz über, wo er 1982 in den Verband der Bildenden Künste aufgenommen wird.
Für Autodidakten und Nichtakademiker in der damligen Zeit nicht üblich, und laut Info vom Ausstellungsmacher auch damals nur in Karl-Marx Stadt möglich gewesen.

Nach der Wiedervereinigung reist Klaus Hähner-Springmühl durch Europa, lebt längere Zeit in Japan.
1993 zieht er nach Leipzig, erkrankt dort psychisch, längere Klinikaufentalte folgen, im Juli 2006 stirbt er
in Leipzig.

Die sehr gut vorbereitete Ausstellung zeigt alle Aspekte des breiten Spektrums des künstlerischen Werkes, insbesondere des Umfeldes in dem die Arbeiten entstanden sind. Das experimentelle, interdisziplinäre Wesen des Werkes ist in allen Facetten spürbar und die Räumlichkeiten in der Demmeringstraße sind hier in Ihrer Unvollkommenheit gewiss ein idealer Partner.

Gestische Malerei, Fotografie, Film, Performance, Texte, Gedichte, Collagen, Übermalungen, Buchprojekte, Musik, Improvisationen, Klangcollagen, gemeinschaftliche Arbeiten - Klaus Hähner Springmühl nutze den Reichtum aller künstlerischen Ausdrucksformen. Die Werke selbst wirken dabei fast grundsätzlich, radikal, roh und ungezähmt, allerdings ohne Wut und Aggression.

Es gibt vor allem in den Bildern Bezüge zur gestischen Malerei Westdeutschlands, beim Betrachten kommen Erinnerungen an frühere Austellungsbesuche hoch - es sind nicht die einzelnen Werke die wirken, es ist das Zusammenspiel, die Gesamtsumme ist hier größer als die Addition der Einzelteile. Bezüge zu europäischen Kunstströmungen sind vom Aussteller bewußt hervorgearbeitet, Fluxus, Joseph Beuys, Arnulf Rainer sind einige der Assoziationen die auftauchen.

Trotzdem kommen hier keinerlei Gedanken auf, wie "das habe ich schonmal gesehen, da kenne ich, das haben andere auch schon gemacht", nahezu selbstverständlich und glaubwürdig vermittelt sich Werk und Person.

Erwähneswert ist die digitale Präsentation eines Künstlerbuches, das Hähner -Springmühl zusammen mit Heiner Müller und Joerg Waehner realisiert hat, ein Original davon ist als Leihgabe der Deutschen Nationalbibliothek Leipzig Bestandteil der Ausstellung.

Die Dauer dieser kleinen und sehenswerten Ausstellung ist in den Oktober verlängert worden, ursprünglich bis zum 19. September geplant, gibt es vom 20.9. bis zum 30.9. eine Pause während der 2 Konzerte stattfinden, danach öffnet der Kunstraum D 21 vom 1.Oktober bis zum 11. Oktober die Ausstellung jeweils von Do - So von 13 - 19 Uhr.


Kunstraum D 21 Demmeringstraße 21 04177 Leipzig - Lindenau

Bahnen 7,8,15
Lindenauer Markt

Gastbeitrag, 14.09.09 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor

 

Kunst-Blog.com, Copyright 2005-2012. Alle Rechte vorbehalten.

Soweit nicht anders angegeben liegen die Rechte bei den jeweiligen Autoren und Künstlern, die die Urheber der Beiträge sind, und bei Kunst-Blog.com. Für Webseiten, auf die von dieser Site aus verlinkt wird, sind ausschließlich die Betreiber der jeweiligen Angebote verantwortlich.

 

Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar zu » England ist nicht die einzige Insel der Welt«




Automatisch anmelden?