Gastbeitrag | Kritik

Fragwürdiger Siegeszug

Gastbeitrag von Ann-Katrin Frank

SIEGesIKONen / Icons of Victory – transFORM
(100+ Kuenstler - 1980, 1989, 2009)
31. August – 3. September 2009
Humboldt Berlin


Humboldt Berlin (Umspannwerk), Kopenhagener Str. 58, 10437 Berlin

Dicht an dicht drängen sich die Plakate zur Ausstellung SIEGesIKONen an der Fassade vom Umschaltwerk Humboldt in der Kopenhagener Straße, Berlin-Prenzlauer Berg. Ganz so, als befänden sie sich selbst im Siegeszug.

„Komm vorbei und konfrontiere Deine Ansicht über die Kunst mit künstlerischen Reflexionen“ ist auf dem Flyer zu lesen. Es geht um die künstlerische Dokumentation von Zeitgeschichte, um die Auseinandersetzung mit politischen Entwicklungen und Ereignissen. Kunstwerke von mehr als 100 internationalen Künstlern werden gezeigt, die um die Jahre 1980, 1989 und 2009 entstanden sind. Und das Ganze für nur 4 Tagen vom 31. August bis zum 3. September 2009.

Doch leider ist die Ausstellung in der Umsetzung ihrer Ankündigung selbst nicht siegreich. Die Fülle der Werke macht es schwer, einen roten Faden zu finden. Zu unterschiedlich sind die Siege, die die Künstler in ihren Werken feiern. Und manchmal ist überhaupt kein Sieg zu erkennen.


Tomasz Zawadski, GREENERY, 1980

Tomasz Zawadski (*1956, Polen) ehrt mit seinem Werke GREENERY 1980 die Malerei. In seinem Kommentar zu den vier grünen Quadraten ist zu lesen: „The object, the image – no matter what we call the item built according to the rules, in any case, I mean painting – should exist alone without any translation into other languages, to other forms of commmuniciation.“


Michal Wasaznik, 1980er

Der Fotograf Michal Wasaznik (*1956, Warschau) dokumentierte in den frühen 1980er Jahren die polnische Punk / New Wave – Szene. Seine Bilder feiern Jugendkultur und den Mut, neue Wege einzuschlagen.


Marek Niemirski, „Collection“, Opalka, 2004/2008

Das Projekt „Collection“ von Marek Niemirski (*1950, Warschau) thematisiert die Erhöhung der Künstlerpersönlichkeit. Seit 1993 sammelt er Fingerabdrücke von Künstlern, von denen er Malereien und Ausdrucke erstellt. Niemirski stilisiert die Spuren, die der Künstler auf Leinwand und Papier zurücklässt.


Kurt Fleckenstein, „New Way of Life“

Kurt Fleckenstein (* 1949, Deutschland) hinterfragt die Bedeutung von Statussymbolen in unserer Gesellschaft und zieht deren Überhöhung ins Lächerliche. In seinem Video „New Way of Life“ wird ein zerbeultes, kaputtes Auto in einer Waschanlage immer und immer wieder geputzt und auf Hochglanz poliert.

Andere Werke reflektieren augenscheinlich politische Ereignisse. Joanna Krzyszton (* in Warschau) malt Ausschnitte aus Pressebildern ab und präsentiert den Zeitungsausschnitt unter ihren Bildern. Die Künstlerin selbst erklärt: “Reality Show” is a tribute to Polish war journalist Waldemar Milewicz killed in 2004 in Iraq.”
Das ist ein bedeutsamer Verweis. Die Pressebilder zeigen erschreckende Szenen: Kriegsschauplätze, verletzte und weinende Menschen. Doch leider büßen die Fotografien der harten Realität durch ihre gemalten Kopien an Intensität ein.


Joanna Krzyszton, “Reality Show”

Einige Werke scheinen den Sieg der Formen zu feiern. Eine Auseinandersetzung mit politischen Prozessen ist nicht zu spüren. Hierzu zählen zum Beispiel die abstrakten Formen des jungen Künstlers Piotr Bylina (*1977, Warschau). Man könnte in der Hinwendung zur reinen Form eine Reflexion auf politische Ereignisse unserer Zeit sehen. Eine Abkehr von der Politik als Reaktion auf diese, wie es bereits in den 1950er Jahren von Künstlern umgesetzt wurde. Doch holt man sich erneut Titel und Anliegen der Ausstellung ins Gedächtnis zurück, wirkt dieser Erklärungsansatz unbeholfen und alles andere als zufrieden stellend.

Schade. Das Thema ist spannend, aber leider hat mir die Ausstellung nicht die Konfrontation geboten, die ich mir durch den Aufruf auf dem Flyer erhofft habe.


Piotr Bylina, Untitled


SIEGesIKONen. 100+ Künstler – 1980, 1989, 2009-09-01 31. August – 3. Sept. / von 12 bis 19 Uhr Eintritt frei.

Humboldt Berlin (Umspannwerk)
Kopenhagener Str. 58
10437 Berlin

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