Gastbeitrag | Kritik
Miteinander reden
Gastbeitrag von Jenny Möller
Preview Berlin – The Emerging Art Fair
Flughafen Berlin Tempelhof
25.09.09 bis 27.09.09
LESS REGRESS / MORE CONGRESS - weniger Rückschritt, mehr Begegnung verspricht in diesem Jahr das Motto der Preview Berlin. Das ist ein besonnenes Motto für eine junge Kunstmesse. Sich näher kommen sollen die Galeristen, Sammler und Kunstinteressierten.
Das klappte am Eröffnungsabend schon einmal gut - Die Besucher hatten ob des Gedränges kaum eine andere Wahl als miteinander und den Exponaten auf Tuchfühlung zu gehen. 47 Galerien gewährten einem gut gelaunten Publikum einen ersten Blick auf die Werke von jeweils maximal zwei Künstlern. Präsentiert wurden diese nicht in den messeüblichen Kojen, sondern in Form einer Ausstellung, bei der sich die Besucher zwischen den Exponaten frei bewegen. Trotz des eher zahmen Mottos wirkte die Veranstaltung erfrischend experimentell. Eine Sitzgelegenheit aus aufgetürmten Holzpaletten in der Mitte der Halle bestärkte den Eindruck eines ungezwungenen Beisammenseins: Nach und nach gesellten sich mehr Menschen mit Bierflaschen in den Händen hierher. Manch einer fühlte sich an Zeiten von Klassenfahrten und Schulpausen erinnert.

© Preview Berlin
Wie häufig bei Eröffnungen, war ein optimaler Betrachtungsabstand für einen uneingeschränkten Blick auf die einzelnen Arbeiten an diesem Abend nicht einzunehmen. Das Gefühl, das man als Besucher mitnahm, war eher ein beschwingtes als ein ehrfürchtig beeindrucktes. Berührungsängste wurden erfolgreich verringert. Leider gab es so auch wenig Möglichkeit, sich mit den einzelnen Exponaten intensiv auseinanderzusetzen. Besonders im Mittelteil der Halle vermischten sich die unterschiedlichen Werke verschiedener Künstler zu einem Gesamteindruck, der die Wirkung der einzelnen Arbeiten in den Hintergrund treten ließ.
Dennoch fielen einige Highlights auf:

Marc Fromm, Kunststiftung Sachsen-Anhalt
Marc Fromm inszenierte eine junge Familie an einem Asia-Imbissstand – eine Krippenszene der Jetztzeit: Ein tätowierter Josef kaut gelangweilt an seinen Fritten während Maria den Kinderwagen mit der einen und den Pitbullterrier mit der anderen Hand bändigt. Das ganze Ensemble schwebt einer biblischen Szene gebührend durch Nylonfäden gehalten in der Luft.

Stephanie Backes, Galerie loop – raum für aktuelle kunst
Stephanie Backes sperrt ihre Arbeiten in Glaskästen wie exotische Tiere in Terrarien. Ihre filigranen Skulpturen aus Holz, Plastik, Papier und Leim sind etwa faustgroß. Man muss schon genau hinsehen, will man erkennen, womit man es zu tun hat. Handelt es sich um Architekturmodelle oder Roboterameisen? Genau lässt sich die Frage nicht beantworten.

Nándor Angstenberger, The Coop Galerie
Aus Plastik und Papier, das als verbraucht entsorgt wurde, baut Nándor Angstenberger seine Materialassemblagen. In den weißen Miniaturwelten führen Wege ins Überall und Nirgendwo. Sie wirken mystisch wie verwunschene Wälder eines Science Fiction Films.

Hannah Dougherty, Klara Wallner Galerie
In Hannah Doughertys Gemälden bilden Pastellfarben Kontraste zu stark konturierten Figuren und Tieren, die nicht selten Kindergeschichten entsprungen sind. Der große böse Wolf im Kinderzimmer? Das übergroße Tier wirkt bedrohlich real vor den bunten grafischen Elementen, wie die Sequenz eines Alptraums.
Gastbeitrag, 25.09.09 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor
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Kommentare
what the hell is this: "Trotz des eher zahmen Mottos wirkte die Veranstaltung erfrischend experimentell." das ganze erzeugte schon beim eintritt den phantomschmerz, warum gehe ich auf b oder c-messen? dann anerkennend die registrierung, dass man jetzt die selbst letztes jahr zu jagd und kugelfang eingeführten veltins-flaschen courtfähig gemacht hat. dann der brechreiz zwischen geisterbahn und puppenstube. wer soll sich denn da wo, wie näherkommen und warum auch. hahnebüchender blödsinn, dieser artikel. der gute sagebiel hätte wie gerkan hausbesetzung mit anschließender sachbeschädigung festgestellt. zuviel messen, und überhaupt zuviel menschen, die meinen, sich präsentieren zu müssen. gehen sie in den nächsten dom.
p.l.
Peter Lang | 26.09.09
Die "Sitzgelegenheit aus aufgetürmten Holzpaletten" war übrigens ein Kunstwerk: Dieter Lutsch bei Christian Jarmuschek! Zudem sollte es um den "Diskurs" bei der Preview gehen und nicht darum, sich näher zu kommen - das macht man/frau dann auf der Party. Ansonsten sind ja wohl gerade die Messen der Ort, an dem sich jeder gutgelaunt gibt (!)und wo kaum jemand ein Problem hat, ins Gespräch zu kommen. In einer Schülerzeitung wären diese Anmerkungen vielleicht witzig...
co
Constanze Musterer | 27.09.09
Lieber Peter, Du als Kulturpessimist solltest wirklich allen Kunstmessen fern bleiben, dann bekommst Du kein Margengeschwür. Wenn man aber mal ganz nüchtern, objektiv die Messenwoche in Berlin betrachtet.
Das Art Forum Berlin war so gut oder schlecht wie in den letzten Jahren, nur weil Berliner Galerien mit hohem Umsatz wieder dabei sind und neue Kuratoren eingeflogen wurden hat sich noch nichts verbessert.
Die ABC hat aus der Not (Finanzkrise) eine Tugend gemacht und jede teilnehmende Galerie durfte für 1.000 Euro eine Eiermanntischpaltte bespielen. Unverschämt oder zurück zum Experiment? Liste und Kunstsalon lasse ich mal weg, dafür ist auch meine Zeit zu schade. Aber was die Preview betrifft, dass Aufgreifen des Frankfurter Messekonzeptes von Michael Neff, keine Kojen und verstärkt auf Objekte und Skulpturen setzen, hat auch bei der diesjährigen Preview positive Spuren hinterlassen, ohne der ganzen schlechten Malerei der letzten Jahre.
DT
Dirk Teschner | 27.09.09
nöö. fand ich gar nicht. wieso denn so bissig? REVIEW war doch das beste von allem wenigstens erfrischend ungewohnt..
marc | 30.09.09