Esther Ernst | wo ich war
ROMANTISCHE MASCHINEN - GINTERSDORFER / KLASSEN - KNOEBEL IMI - SELTZER ANDREAS - SUPER ART MARKET

ROMANTISCHE MASCHINEN
Kinetische Kunst der Gegenwart
Georg Kolbe Museum Berlin
Kinetische Kunst der Gegenwart
Georg Kolbe Museum Berlin
+ Die Ausstellung ist genau so langweilig wie ihr Titel. Als hätte man ihn schon tausendmal gehört, denke ich an eine spiessige Jean Tinguely-Ausstellung, die er selbst vor 40 Jahren lustiger betitelt hätte.
Und dann, zum Titel dazu, Arbeiten von Künstlern, die ich fast alle schon in spannenderen Zusammenhängen gesehen habe. Vielleicht ist es gerade die Zusammenstellung von mehreren "romantischen Maschinen", die dem einzelnen Werk die Luft, den Humor und die Eigenheit nimmt.
Toll aber, nur nicht so günstig ausgestellt, weil die Sonne ziemlich in die Glotze knallt, ist die Videodokumentation von Michael Elmgreen und Ingar Dragset über ihre Performance "Drama Queens", bei der die markantesten Skulpturen der Kunstgeschichte auftreten und miteinander diskutieren, aus ihrem Skulpturenleben erzählen.
Und dann, zum Titel dazu, Arbeiten von Künstlern, die ich fast alle schon in spannenderen Zusammenhängen gesehen habe. Vielleicht ist es gerade die Zusammenstellung von mehreren "romantischen Maschinen", die dem einzelnen Werk die Luft, den Humor und die Eigenheit nimmt.
Toll aber, nur nicht so günstig ausgestellt, weil die Sonne ziemlich in die Glotze knallt, ist die Videodokumentation von Michael Elmgreen und Ingar Dragset über ihre Performance "Drama Queens", bei der die markantesten Skulpturen der Kunstgeschichte auftreten und miteinander diskutieren, aus ihrem Skulpturenleben erzählen.

GINTERSDORFER MONICA / KLASSEN KNUT
Betrüger
Sophiensaele, Berlin
Betrüger
Sophiensaele, Berlin
+ drei Jungs auf der Bühne, irre cool, in Armanifälschungen gekleidet, auf dicke Hose machend, erzählen von der "Jet Set" in Paris. Die "Jet Set" ist eine Gang, eine art Party-Maffia, die durch sämtliche Clubs zieht. Und alle Mitglieder-Helden zeichnen sich durch eine Besonderheit aus. Einer zum Beispiel hat so eine unglaublich faszinierende Zunge, dass die ganzen Mädchen ins Koma fallen, wenn sie diese sehen. Allerdings kommt diese Zunge nur einmal im Jahr zum Vorschein.
Das Schauspieltrio funktioniert hervorragend, erzählt ohne gross zu schauspielern, die zwei Jungs von der Elfenbeinküste auf französisch, der Deutsche übersetzt. Hohes Tempo, aber trotzdem locker und sehr humorvoll. Nur dass dann doch noch mitgemacht werden muss (ich kann’s einfach nicht mehr ertragen) ist schlimm, auch oll, eine beklemmende Situation, mit fremdschämen. Die hätten einfach nur lässig weiter erzählen sollen, hätte völlig gereicht.
Das Schauspieltrio funktioniert hervorragend, erzählt ohne gross zu schauspielern, die zwei Jungs von der Elfenbeinküste auf französisch, der Deutsche übersetzt. Hohes Tempo, aber trotzdem locker und sehr humorvoll. Nur dass dann doch noch mitgemacht werden muss (ich kann’s einfach nicht mehr ertragen) ist schlimm, auch oll, eine beklemmende Situation, mit fremdschämen. Die hätten einfach nur lässig weiter erzählen sollen, hätte völlig gereicht.

KNOEBEL IMI
zu Hilfe, zu Hilfe...
Neue Nationalgalerie, Berlin
zu Hilfe, zu Hilfe...
Neue Nationalgalerie, Berlin
+ zu Hilfe, zu Hilfe singt doch der Vogelfänger in der Zauberflöte, bevor die Königin der Nacht... Ach egal.
Blödes Tor mit drei verschieden hohen Eingängen durch das man in die Ausstellung gelangt. Bedeutungsschwanger. Didaktisch auch. Mag ich nicht. Deshalb schnell rein in den Raum mit dem schönen Licht, mit den farblich voneinander abgesetzten weiss gestrichenen Scheiben. Auf diese erstaunlich einfache aber wirkungsvolle Geste (sie liegt eigentlich so nahe, ich dachte gleich: klar, logisch, wieso hat nicht schon viel früher einer die Fenster dicht gepinselt...), folgt Ruhe und Konzentration auf die Architektur und Aufmerksamkeit auf die Installation "Raum 19 III". Clever neben den Garderoben-Kabinen aufgebaut, hat Knoebel sämtliche Formen und Grundmasse seines Werkes aus Holz nachgebaut und lagerartig geschichtet. Plötzlich diese Übersicht. Unklar bleiben mir allerdings die (ungenauen?) Wiederholungen darin.
Blödes Tor mit drei verschieden hohen Eingängen durch das man in die Ausstellung gelangt. Bedeutungsschwanger. Didaktisch auch. Mag ich nicht. Deshalb schnell rein in den Raum mit dem schönen Licht, mit den farblich voneinander abgesetzten weiss gestrichenen Scheiben. Auf diese erstaunlich einfache aber wirkungsvolle Geste (sie liegt eigentlich so nahe, ich dachte gleich: klar, logisch, wieso hat nicht schon viel früher einer die Fenster dicht gepinselt...), folgt Ruhe und Konzentration auf die Architektur und Aufmerksamkeit auf die Installation "Raum 19 III". Clever neben den Garderoben-Kabinen aufgebaut, hat Knoebel sämtliche Formen und Grundmasse seines Werkes aus Holz nachgebaut und lagerartig geschichtet. Plötzlich diese Übersicht. Unklar bleiben mir allerdings die (ungenauen?) Wiederholungen darin.

SELTZER ANDREAS
Die Reise um mein Zimmer
Galerie Stella A., Berlin
Die Reise um mein Zimmer
Galerie Stella A., Berlin
+ Die Welt von Seltzer ist mir nahe und sympathisch. Kleinteilig, fast ein bisschen nebensächlich (der werkelt bestimmt seit Jahren an seinem Schreibtisch vor sich hin), alles andere als laut. Mir gefällt (und zieht mich an), wie er die Aufmerksamkeit auf (Flohmarkt-) Fundstücke und Alltagsbeobachtungen lenkt und mit seinem ganz persönlichen Interesse zarte Untersuchungen damit anstellt. Gerasterte Fotos, Zeitungsbilder, manche sind zeichnerisch kommentiert, mit Notizen versehen, in ebenfalls vorgefundene Rahmen gesteckt. Ein genadeltes und etikettiertes Silberfischchen, Flecken, Risse, Schimmelspuren...

SUPER ART MARKET
Zora Solomun
fsk-Kino, Berlin
Zora Solomun
fsk-Kino, Berlin
+ für heute reicht’s dann auch mal wieder mit dem ganzen Kunstmarktgedöns. Erst kam Thomas Eller zu Goldrausch und hat von artnet erzählt, den Kunstmarkt hie und da erläutert, aus dem Nähkästchen geplaudert.
Am Abend (und passend dazu) ging ich ins Kino. Und geschenkt, natürlich weiss man ja, dass der Kunstmarkt halt auch nur ein Markt ist (und Galeristen auch nur Händler), bisweilen vielleicht noch etwas wunderlicher, ekeliger, lustiger und extravaganter als andere Branchen. Das Schöne an diesem Film aber ist, dass er dezent schonungslos Markt-Alltag aufzeigt. "Super art market" ist kein Brüll-Film, Zora Solomun wartet ab, hält drauf, lässt Leo König, Judy Lybke, Lorenz Helbling, Mihai Pop und Laura Bartlett erzählen und fängt dann Szenen die von lächerlich-peinlich (ein pfeiffender Leo König auf seinem Schloss, seine Kreditkarte suchend...) bis schüchtern-sympathisch (der Rumäne Mihai Pop) reichen und für gute Unterhaltung sorgen.
Am Abend (und passend dazu) ging ich ins Kino. Und geschenkt, natürlich weiss man ja, dass der Kunstmarkt halt auch nur ein Markt ist (und Galeristen auch nur Händler), bisweilen vielleicht noch etwas wunderlicher, ekeliger, lustiger und extravaganter als andere Branchen. Das Schöne an diesem Film aber ist, dass er dezent schonungslos Markt-Alltag aufzeigt. "Super art market" ist kein Brüll-Film, Zora Solomun wartet ab, hält drauf, lässt Leo König, Judy Lybke, Lorenz Helbling, Mihai Pop und Laura Bartlett erzählen und fängt dann Szenen die von lächerlich-peinlich (ein pfeiffender Leo König auf seinem Schloss, seine Kreditkarte suchend...) bis schüchtern-sympathisch (der Rumäne Mihai Pop) reichen und für gute Unterhaltung sorgen.
Esther Ernst, 11.09.09 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor
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