Markus Wirthmann | Rückschau

Strandbiester belagerten Zürich

Theo Jansen
Strandbiester belagern Zürich
Kunstraum Walcheturm, Zürich
August/September 2009


Animaris Umerus in Aktion im ehemaligen Kasernenhof vor dem Kunstraum Walcheturm

Die Strandbiester (eigentlich eine etwas falsche, eher lautmalerische Übersetzung aus dem Niederländischen) sind kinetische Kunstwerke, die sich von vielen ähnlichen Ansätzen in einem wesentlichen Punkt unterscheiden: Sie wandern, mehr oder weniger autonom, durch´s Gelände. Klar, mittlerweile gibt es haufenweise elektronisches-Gezappel-Kunst, Spielzeug und sogar Staubsauger, die das schaffen - aber Theo Jansens Biester sind analog, komplett old-school und bestehen aus Plasikrohren, Kabelbindern, PET-Flaschen und Klebeband.

Einige, wie auch das Exemplar, das im Kunstraum Walcheturm zu sehen war, werden durch ein kompliziertes pneumatisches System in Bewegung gesetzt. Wenn Windrichtung und Geschwindigkeit stimmen, bewegt sich ein Segelkamm wellenförmig über dem Biest und pumpt Luft durch die Kunststoffröhren seines Skeletts in zweckentfremdete Mineralwasserflaschen.

Wenn der Druck stimmt, setzt sich die Tausendfüßler-Skulptur in Bewegung und läuft los bis die gespeicherte Druckluft verbraucht ist oder einer der ebenfalls pneumatischen Sensoren auf ein Hindernis trifft. Auf Wasser zum Beispiel, denn die Dinger heißen nicht von ungefähr Strandbeesten. Theo Jansen hat ihnen sozusagen einen Fluchtreflex eingebaut.

Er verwendet übrigens auch eine eher aus der Biologie entlehnte Terminologie, wenn er über seine Kreaturen spricht. Erklärtes Ziel ist, dass die Strandbeesten eines Tages selbstständig und ohne ihren Schöpfer an den Stränden der Nordsee überleben sollen.

Weitere Infos und Videos bei :digital brainstorming und art-tc.ch und auf der Homepage von Theo Hansen.

Markus Wirthmann, 14.09.09 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor

 

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