Dirk Teschner | Kritik
ARMELLA SHOW - Jenseits von Kunstmessen und Museen
Was tun, wenn in den Städten jenseits der Kunstmetropolen es nur wenige Galerien, Projekträume, Kunsträume gibt? Richtig, man holt diese aus anderen Städten her. Das Kunsthaus Erfurt lud vom 24. Oktober bis zum 1. November 15 Galerien aus 9 Städten mit über 30 Künstlerinnen und Künstler zur ARMELLA SHOW ein.

Jarmuschek+Partner, Berlin // Dieter Lutsch
Der Ausstellungsort ist das leerstehende ehemalige Innenministerium. Die Galerien aus Berlin, Hamburg, Leipzig, Düsseldorf, Frankfurt/M., Halle, Dresden, Weimar und Erfurt bekamen jeweils einen eigenen Raum, wo sie Künstler ihres Programmes vorstellten. Dabei waren langjährige Ausstellungsprojekte, die sich schon vor Jahren vernetzten, wie Glue aus Berlin, gutleut 15 aus Frankfurt und die Galerie Hafenrand aus Hamburg; messeerfahrene Galerien wie Jarmuschek + Partner und Stedefreund aus Berlin oder Galerie Baer aus Dresden, aber auch ganz junge Produzentengalerien, wie dieschönestadt aus Halle und A und V aus Leipzig.

A UND V, Leipzig // "fuck the systsem"
Es wurde der Versuch gestartet eine Idee zu entwickeln, wie ein Zusammentreffen mehrerer Galerien jenseits der großen Kunstmessen und kuratierter Großausstellungen in Kunsthallen aussehen kann. Ob sich daraus eine Zukunft entwickelt ist offen.
Zum Abschluss der ARMELLA SHOW wird über das Thema „Kunst in der Krise“ diskutiert. Der Begriff Krise ist dabei bewusst doppeldeutig gedacht.
Da ist zum einen die Wirtschaftskrise in der wir uns weiterhin befinden. Das Geld ist weg.
Der Bund, die Städte und Kommunen haben immer weniger Geld für Kultur. Darunter leiden die Kultureinrichtungen und damit auch die Künstler. Bedeutet dies in der Konsequenz, dass es in absehbarer Zeit nur noch Galerien, Projekträume und Kunsthäuser in den sechs deutschen Städten mit einem existierenden Kunstmarkt geben wird?

ZK | Zeitgenössische Kunst, Erfurt // Ronny Szillo, Jirka Pfahl
Aber auch die Big Player des internationalen Kunstmarktes sind von der Krise betroffen.
Große Galerien in der Metropole Berlin mussten in den letzten Monaten räumliche und personelle Kürzungen vornehmen, manche ganz schließen. Auf den internationalen Kunstmessen greifen die Galerien auf Altbewährtes zurück, junge Positionen sind zu riskant.

Stedefreund, Berlin // Astrid Busch, Anne Gattmann, Alexandra Schumacher
Und da ist zum anderen die Krise der Kunst selbst. Im Großen und Ganzen schweigen die Künstler, die Kunstkritik ist unter den Bedingungen einer Gesellschaft des Spektakels verflacht. Zu sehr freundeten sich alle in den letzten Jahren mit dem Höher – Schneller – Weiter an. Auch sie hofften auf das Goldene Kalb, obwohl 90% aller in Deutschland lebenden Künstler nicht von ihrer Kunst leben können. Neben ihnen befinden sich ebenso eine Vielzahl von Kunstvermittlern und Galeristen in prekären Verhältnissen. So ist die Krise der Kunst letztendlich eine Kunst in der Krise, der Ausdruck einer allgemeinen Krise der Gesellschaft.
Entweder veröden 90% des Landes kulturell oder es gibt wieder verstärkt Vernetzungsversuche. Wobei es keine Trennung zwischen etablierten Galerien und Off Spaces geben sollte.
Mal sehen in welcher Stadt die ARMELLA SHOW im nächsten Jahr stattfindet.

Feinkunst Krüger, Hamburg // Patrick Farzar, Stefan Vogel, Simon Hehemann

Galerie Hafenrand, Hamburg // Thomas Moecker, Christoph Wüstenhagen

kik, Düsseldorf // Künstlergruppe Congress, Sarah Kürten, Christiane Kues

after the butcher, Berlin // Heather Allen

Galerie Baer, Dresden // Alfons Knogl, Stefan Lenke

Kunstverein St. Pauli, Hamburg // 10 000 Cent

dieschönestadt, Halle // Plain Blend

Kunsthaus Erfurt // Marc Jung

Glue, Berlin // Nicky Broekhuysen, DAG, Dirk Krecker

gutleut 15 / ausstellungsraum, Frankfurt/M. // Eva Köstner

Galerie Eingenheim, Weimar // Konstantin Bayer, Enrico Freitag, Lars Wild
Dirk Teschner, 29.10.09 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor
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