Peter Lang | Kritik
Die grüne Tür: Klaus Werner in Berlin
Direkt am Thälmann Park im Prenzlauer Berg wird noch heute und morgen in der Sadtbezirksgalerie parterre die Entwicklung eines der wenigen bemerkenswerten Ausstellungsmacher der ehemaligen DDR gezeigt. Es dreht sich um den Kunstwissenschaftler Klaus Werner und seine "grüne" Tür ist der Aufhänger.
Diese stand in Berlin und Werner lies jeden Künstler und anderen, den er für die Kunst für wichtig hielt, auf dieser Tür signieren. Ich bin hier gewesen, ich war dabei. Ein außergewöhnlicher Beleg der anderen künstlerischen Kultur der DDR bis in die achtziger Jahre hinein. Dann kam der Punk mit ihm ganz andere Künstler und da war dann Klaus Werner nicht mehr so direkt dabei. Aber das ist eine andere Geschichte, die man in 10 Jahren nochmal neu schreiben kann.

Wer die Geschichte der unangepassten, unabhängigen Ausstellungspraxis sehen will, sollte noch einen Blick in diese Ausstellung tun. Große Retrospektiven zur anderen Kunst in der DDR spiegeln nicht so wie diese die wirkliche, er-und durchlebte Zeit wieder. Die Ausstellung ist in Dokumenten, Kunstwerken und Filmen äußerst informativ und gut lesbar aufgebaut. Dokumentarfilme wie die zu Hermann Glöckner, 1909-1985 (Bildforscher und Konstruktivist) , Charlotte E. Pauly, 1886-1981 (Ostberliner Künstlerin mit Weltreiseerfahrungen und Grand Dame)

und Horst Bartnig, geb. 1936 (Konkreter Künstler mit Computerhintergrund) geben ein viel interessanteres und intensiveres Bild dieser anderen Kunst in der DDR wieder, als man das in sonstigen Groß-Ausstellungen gesehen hat.

Das wird erreicht durch Fokusierung des Blicks, Präzision, aussagekräftige Details, gute Montage und Beschriftung; und Beschränkung. Klaus Werner, der seine Arbeit im staatlichen Kunstbetrieb der DDR begann, ist das symptomatische Beispiel für eine Entwicklung zu einer freien unabhängigen Ausstellungspraxis in der DDR. Natürlich nur soweit, bis man in die Grenzen der DDR verwiesen wurde und diese nicht verlassen wollte.

Er leitete die legendäre, widerspenstige Galerie Arkade des Staatlichen Kunsthandelns in Berlin, überwarf sich mit dem System, arbeitete unabhängig, freischaffend, initiierte und gründete nach der Wende mit Arendt Oetker die erste Kunsthalle im Osten, die Galerie für zeitgenössische Kunst in Leipzig, schied auf eigenen Wunsch nach nur zwei Jahren für alle zunächst unverständlich wieder aus (Auskunft Jutta Werner), wurde folgend Professor und Direktor der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. So spiegelt die Geschichte der Arbeit Klaus Werners auch einen langen Kampf für die Kunst in verschiedenen gesellschaftlichen Systemen.
Diese kleine Ausstellung vermittelt in kurzer Zeit einen intensiven Einblick über die Entwicklung und Netzwerke der nichtoffiziellen Kunst in der DDR in sehr privaten und emotionalen Auszügen.
Dazu ist eine sehr lesenswerte Dokumentation erschienen. Klaus Werner: Für die Kunst. Buchhandlung Walther König, Köln.
(ps.: der autor hatte oben links signiert, leider dieses aber vergessen.)
Galerie parterre, Danziger Straße 101, Haus 103, 10405 Berlin
Ausstellung bis 11. Oktober täglich von 14 - 20 Uhr

Peter Lang, 10.10.09 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor
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Kommentare
Also ein öffentlicher Gruß und Dank an Peter Lang über dessen genaue und kenntnisreiche Rezension meiner Ausstellung ich mich sehr gefreut habe!
Kathleen Krenzlin | 19.10.09