Esther Ernst | wo ich war
ROSS OLIVER - CANTOR MIRCEA - LUTZ & GUGGISBERG - RIST PIPILOTTI - ALLORA & CALZADILLA

ROSS OLIVER
massage salon downtown, Zürich
massage salon downtown, Zürich
+ Die Langstrasse in Zürich ist eigentlich so unglaublich bunt und trashig, dass sie kaum zu überbieten scheint. Oliver Ross allerdings hat’s echt geschafft. Schaut man durch das Fenster des Ausstellungsraums, verfällt man in eine mich-hat-eben-der-Blitz-getroffen-Starre.
Ich hab keine Ahnung, was Herr Ross sonst so macht, aber diese Installation ist sehr humorvoll und in ihrer Material- und Farbschlacht clever aufgebaut. All die Dinge (eine nach Farben geordnete 200-teilige Buntstiftpackung), bei denen man im Supermarkt staunend stehen bleibt, sind locker-lässig-trashig in die popige "Installations-Malerei" eingearbeitet. Da mittendrin macht der ganze Plastikwahnsinn für ein paar Minuten gute Laune.
Ich hab keine Ahnung, was Herr Ross sonst so macht, aber diese Installation ist sehr humorvoll und in ihrer Material- und Farbschlacht clever aufgebaut. All die Dinge (eine nach Farben geordnete 200-teilige Buntstiftpackung), bei denen man im Supermarkt staunend stehen bleibt, sind locker-lässig-trashig in die popige "Installations-Malerei" eingearbeitet. Da mittendrin macht der ganze Plastikwahnsinn für ein paar Minuten gute Laune.

CANTOR MIRCEA
Tacking Happiness
Kunsthaus Zürich
Tacking Happiness
Kunsthaus Zürich
+ ja, tut mir leid, aber mir ist das alles viel zu gefühlig und gespürig und bedeutungsschwanger auch, und weil darin so ungebrochen und humorlos, beklemmt mich das wahnsinnig. Und all diejenigen, die da so fürchterlich konzentriert vor dem Video sitzen, ebenfalls.
Diese Arbeiten tun ja so, als ginge es gleich um die ganze Welt und sind darin noch nicht mal kitschig. Ganz schlimm ist die Videoarbeit "Tracking Happiness", in der weiss gekleidete Frauen auf weissem Sand barfuss in verschiedenen Formationen hintereinander her gehen und die Fussabdrücke der vor ihnen laufenden Frau mit einem Besen verwischen.
Puh, schnell Bier trinken gehen.
Diese Arbeiten tun ja so, als ginge es gleich um die ganze Welt und sind darin noch nicht mal kitschig. Ganz schlimm ist die Videoarbeit "Tracking Happiness", in der weiss gekleidete Frauen auf weissem Sand barfuss in verschiedenen Formationen hintereinander her gehen und die Fussabdrücke der vor ihnen laufenden Frau mit einem Besen verwischen.
Puh, schnell Bier trinken gehen.

LUTZ & GUGGISBERG
Schlecksteinzimmer
Galerie Bob von Orsouw, Zürich
Schlecksteinzimmer
Galerie Bob von Orsouw, Zürich
+ Erst war ich etwas erstaunt, als ich die zahlreich aufgebauten Skulpturen im Raum sah. Dachte, oh, was ist das den für klassich-oller-Sockel-Kram. Und mir war auch nicht so schnell klar, dass es sich hier weder um eine Gruppenausstellung noch um einen Kuratorenwettbewerb handelt.
Die aus Holzabfällen, Gips und Wachs hergestellten Skulpturen vermitteln den Eindruck, als wären sie erst durch Zufall, ziellos nebenbei, dann aber mit viel Lust (auch zur Imitation) und einer grossen Portion Ironie entstanden.
Tolle Irritation und eine vielschichtige schöne Arbeit, gerade weil das Löwenbräu-Areal für High-End Kunst steht.
Habe sofort Lust mehr von dem Künstlerduo zu sehen.
Die aus Holzabfällen, Gips und Wachs hergestellten Skulpturen vermitteln den Eindruck, als wären sie erst durch Zufall, ziellos nebenbei, dann aber mit viel Lust (auch zur Imitation) und einer grossen Portion Ironie entstanden.
Tolle Irritation und eine vielschichtige schöne Arbeit, gerade weil das Löwenbräu-Areal für High-End Kunst steht.
Habe sofort Lust mehr von dem Künstlerduo zu sehen.

RIST PIPILOTTI
Galerie Hauser & Wirth, Zürich
Galerie Hauser & Wirth, Zürich
+ die Galerie-Assistentin geniert sich erst, beginnt dann aber trotzdem zu tanzen in der "Wohnzimmerdisco" . Die "Wohnzimmerdisco" besteht aus einem kreisrunden (geschlossenen) Vorhang aus verschiedenen zusammengenähten Tüchern. Der Besucher ist natürlich eingeladen mitzutanzen. Weil Pipilangstrumpf-Rist sich wünscht, dass die Galerie zum persönlichen Wohnzimmer wird und sich die Grenzen zwischen öffentlich und privatem Raum...bla, bla. Wenn schon so romantisch, warum ist diese Wohnzimmerdisco uneinsehbar? Und überhaupt, ich bin ja ein Verfechter von Scham und Grenzen.
In diversen Wohnzimmermöbelarragements laufen kleine Videosequenzen aus ihrem Kinofilm "Pepperminta" über den ich schlimmstes gehört habe. Erstaunlich zu dieser harmonischen Traum-Friede-Freude-Eierkuchen-Wunsch-Welt erstaunt mich eine Fototape mit Abbildungen von teilweise vergewaltigten Frauen. Wie ist das den zu lesen? Die knallen da nämlich ganz schön rein.
In diversen Wohnzimmermöbelarragements laufen kleine Videosequenzen aus ihrem Kinofilm "Pepperminta" über den ich schlimmstes gehört habe. Erstaunlich zu dieser harmonischen Traum-Friede-Freude-Eierkuchen-Wunsch-Welt erstaunt mich eine Fototape mit Abbildungen von teilweise vergewaltigten Frauen. Wie ist das den zu lesen? Die knallen da nämlich ganz schön rein.

ALLORA & CALZADILLA
Temporäre Kunsthalle, Berlin
Temporäre Kunsthalle, Berlin
+ Klappergeräusche über der niedrig eingezogenen Holzdecke. Versuche sogleich herauszufinden, ob da wirklich jemand steppt. Und tatsächlich, durch einen Spalt erkenne ich einen hüpfenden Tänzer. Eine Maschine hätte mir besser gefallen.
Ein besonderes Hörerlebnis bietete diese Arbeit nicht, da hat die Klangkunst besseres vorzuweisen.
Bleibt die Vorstellung, wie sich die abwechselnden Tänzer über einem bewegen, was die da tanzen, ob die nur üben oder sich langweilen.
Und natürlich denke ich an meinen Nachbarn, der über mir jeden Tag Pakete versandfertig macht und ich gezwungen bin, sämtliche Arbeitsschritte hörend zu verfolgen.
Die Videoarbeit, die den Abriss des Palastes der Republik dokumentiert, ist mir um einiges zu romantisch angelegt (das ist doch schon so eine sentimentale Sache...) und echt schlecht geschnitten, sagt der Jörg.
Ein besonderes Hörerlebnis bietete diese Arbeit nicht, da hat die Klangkunst besseres vorzuweisen.
Bleibt die Vorstellung, wie sich die abwechselnden Tänzer über einem bewegen, was die da tanzen, ob die nur üben oder sich langweilen.
Und natürlich denke ich an meinen Nachbarn, der über mir jeden Tag Pakete versandfertig macht und ich gezwungen bin, sämtliche Arbeitsschritte hörend zu verfolgen.
Die Videoarbeit, die den Abriss des Palastes der Republik dokumentiert, ist mir um einiges zu romantisch angelegt (das ist doch schon so eine sentimentale Sache...) und echt schlecht geschnitten, sagt der Jörg.
Esther Ernst, 15.10.09 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor
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