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Konstantin Schneider | BERLIN weekly
Kunstsystem und Zivilisation
Nachdem wir letztens bei Neugerriemschneider Isa Genzkens Hommagen an den im Frühsommer verstorbenen King of Pop gesehen hatten, stellten wir uns mal wieder die Frage, ob es dem Kunstsystem wohl doch noch gelingt, mit dem System der größten Vermögen zu fusionieren.
Denn anlässlich des Symposiums "Musealisierung als Zivilisationsstrategie" hatten wir nochmal bei Meister Sloterdijk nachgeschlagen und lasen dort:
"Nach der Emergenz der artistischen Herstellungsmacht in der Renaissance, die den Künstler als den Meister der Landschaft, des Portraits und der Apokalypse groß machte; nach der Emergenz der Ausstellungsmacht in der frühen Moderne, die mit der Exhibition eines Pissoirs begann und zuletzt im sich selber exhibierenden Museum mündete, erleben wir aktuell die Emergenz der Kunstmarktmacht, die alle Macht den Sammlern in die Hände legt. Der Weg der Kunst folgt dem Gesetz der Veräusserlichung, das die Macht der Nachahmung gerade dort beweist, wo die Nachahmung am heftigsten geleugnet wird: Es führt von den Künstlern, die Künstler nachahmen, über die Aussteller, die Aussteller nachahmen, zu den Käufern die Käufer nachahmen." (Peter Sloterdijk, "Übungen und Fehlübungen", in "Du musst dein Leben ändern", S.689, Frankfurt am Main 2009)
Amen, amen, amen möchte man fast noch sagen.
Die nahe Zukunft wird es wohl zeigen, ob sich das Kunstsystem auf die Notwendigkeit besinnt, die schöpferische Imitation in die Werkstätten zurückzuholen, oder ob es die Kunst definitiv als Tummelplatz des Letzten Menschen blossstellt.
P.S.:Karin Sander Fans und die von ihr eingeladenen Künstler mögen uns verzeihen, doch hatten wir mit Blick auf das Jahresende bereits im Januar 2009 entscheiden müssen, ob Anfang Dezember Miami Beach oder das Marmarameer Ziel unserer Kunstausflüge über die Berliner Stadtgrenzen hinaus sein solle. Wir entschieden uns für Istanbul, werden am 4.12. also nicht in der Temporären Kunsthalle auftauchen, wo doch so viele Künstler vertreten sein werden, die regelmässig diesen Blog lesen.
BERLIN weekly No. 48:
Isa Genzken | Galerie Neugerriemschneider
DANIEL SINSEL | Galerie Mickey Schubert
jeder + the modern kilimshow | screwed papers + www.catonbed.de | Schwedenstrasse 16
Kim Nekarda | Marlene et Helena | KWADRAT
apl315 | innen-aussen / inside-outside | Matthew Bown Galerie
Die tote Stadt | Skulptur und Malerei von Sonja Blattner | Kronenboden
Henry Woller | Terra Vulgaris | Ballhaus-Ost
Grosse Gemeinschaftsausstellung | Tammen Galerie
Peter Sloterdijk | Symposium Musealisierung als Zivilisationstrategie
Harald Falckenberg | Symposium Musealisierung als Zivilisationstrategie
29.11.09 | Permalink | Kommentare (0)
Charlotte Lindenberg | Kritik
Bewegt euch. Ottmar Hörls Englischer Gruß ans Volk

Ottmar Hörl "Ort der Engel", 2009, Dreieich-Götzenhain, Installationsansicht.
"Jeder Mensch ein Künstler." Dies ist das erste Mal, dass ich dieses gern missverstandene Satzfragment des Heiligen Joseph zitiere, und ich tue es nur, weil Hörl es zu seinen Maximen erhoben hat. Tatsächilch dürfte die Tatsache, dass die Digitalisierung zu einer weiteren Demokratisierung der Fotografie geführt hat, im Interesse des um Volkserziehung bemühten Dienstleisters liegen. Schließlich dient sein plastisches Werk dem Zweck, den kunstfernen Teil der Weltbevölkerung - nach Hörls Schätzungen 98 % - mit genau dem bekannt zu machen, was ihnen sowas von egal ist.
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29.11.09 | Permalink | Kommentare (3)
Gastbeitrag | Netz
Totgesagte ...

27.11.09 | Permalink | Kommentare (0)
Konstantin Schneider | BERLIN weekly
Retrospectives & Shitrospectives
Wieviel es an aktueller Kunst in Berlin so zu sehen gibt, wenn man/frau nur schnell genug unterwegs ist, das wollten wir auch in der Kalenderwoche 47 wieder zeigen. So schauten wir am Donnerstag zunächst kurzentschlossen bei CFA vorbei, wo Jake + Dinos Chapman ihre SHITROSPECTIVE präsentierten. Jake hatte allerdings wegen einer Nierenkomplikation ins Krankenhaus müssen. Danach huschten wir durch The WUNDERkammer bei Alexander Ochs, um uns dafür jedoch umso mehr Zeit für den grossen Fotografen F.C. Gundlach im Martin-Gropiusbau nehmen zu können. Und in der pool gallery gabs danach sogar auch noch was zu sehen.
Freitags machten es uns die Galerien in der Lindenstrasse und rund um den Checkpoint Charlie dann sehr viel leichter, viele Eindrücke zu sammeln, was sich einerseits im LINDENSTRASSENCHECK niederschlug und in den Einzelbeiträgen über Szymon Kobylarz bei ZAK BRANICKA, Simon English bei Volker Diehl, Jan de Cock bei Luis Campana sowie Wolfgang Schlegel bei Elly Brose-Eiermann. Endstation in doppelter Hinsicht war schliesslich bei KOMET, denn die Zeit der jungen Produzentengalerie läuft zum Jahresende ab, weshalb Denise Jähnig zusätzlich zu den Künstlern der Galerie noch ein paar Freunde einlud. Unheimlich gut gefiel uns dort der Panzerporsche von Molina Ghosh. Aber auch Hansa Wißkirchens Installation zum Chance 2000 Projekt von C. Schlingensief.
Für Susanne Pfeffer begaben wir uns am Samstag nach langer Zeit auch mal wieder in die Kunstwerke und hatten gleich Glück, dass gerade genau der Film aus OWEN LAND’s Dialogues Serie mit der Musik von Patti Smith’ Song "Because The Night" lief, in dem von einer jungen Frau in Dessous peu à peu immer lustvoller eine dieser als Sport Utility Vehicle bezeichneten Spritschleudern blankpoliert wird. McLuhan, der das Auto einst als die mechanische Braut des Mannes bezeichnet hatte, hätte sicher seine Freude gehabt.
BERLIN weekly No. 47:
F.C. Gundlach | DAS FOTOGRAFISCHE WERK | Martin-Gropius-Bau
Jan de Cock | Repromotion - new work | Luis Campana
Stephanie Dost | Ausnahmslos Subjektiv | Christian Ehrentraut
Give Up The Goods | Groupshow | pool gallery
Wolfgang Schlegel | mis sing | Galerie Elly Brose-Eiermann
Jake + Dinos Chapman | SHITROSPECTIVE | Contemporary Fine Arts
Simon English | Below the Belt | Galerie Volker Diehl
EIN BILD IST EIN BILD // The WUNDERkammer | Groupshow | Alexander Ochs Galleries
OWEN LAND // FOR THE USE OF THOSE WHO SEE | KUNSTWERKE
FAMILY & FRIENDS | Groupshow | KOMET BERLIN
Szymon Kobylarz | CIVIL DEFENSE | ZAK BRANICKA
26.11.09 | Permalink | Kommentare (0)
Markus Wirthmann | Alles
Tracy Emin gibt den Dieter Bohlen!
Im Ernst, ich habe schon geraume Zeit auf diese Nachricht gewartet:
Galerist Saatchi sucht den Superkünstler
Liebe Kollegen und sonstige Interessierte, endlich sind wir auf dem Gipfel der völligen Verblödung angekommen! Der Sammler Charles Saatchi veranstaltet eine Casting-Show für Künstler und Tracy Emin gibt den Dieter Bohlen. Die ganze Sache heißt "School of Saatchi" und wird von der BBC ausgestrahlt. Leider ist der Online-Zugang zum Sendungsarchiv auf Einwohner Großbritanniens, bzw. auf den einen Server-Standort ebendort, begrenzt.
Es gilt der erste Hauptsatz der Thermodynamik. Und wenn der stimmt, kann ich folgende Prophezeihung machen:
Innerhalb von 24 Monaten wird es eine deutsche Ausgabe davon geben! Und sie wird noch furchtbarer sein als alle anderen Casting-Shows! Und ich sage Euch, Harald Falckenberg, Isabelle Graw und Aselm Reyle werden die Jury dieser Sendung aller Schrecken bilden!
25.11.09 | Permalink | Kommentare (3)
Esther Ernst | wo ich war
KWADE ALICJA - DÖBEREINER URSULA - TURELL JAMES - MODELLVERSUCHE I-II - CORBUSIER LE - SCHLICKER SEBASTIAAN

Grenzfälle fundamentaler Theorien
Galerie Johann König, Berlin
Licht hörbar machen. Hat einen echt langen Bart und in dieser Ausstellung darüber hinaus nix weiter.
(Ich dachte bereits in ihrer Piepenbrock Förderpreis-Ausstellung, dass die Einfachheit, mit der Kwade kleine Verschiebungen vornimmt, auch ganz schnell ins Plumpe kippen können.)
24.11.09 | Permalink | Kommentare (0)
Markus Wirthmann | Der Film zum Sonntag
Die Millionenblase
Schön, dass mich der Kollege aus Nürnberg, André Debus, in dem klasse Blog "Neues vom Tage" daran erinnert, dass wir ja ne Kategorie mit dem Titel Der Film zum Sonntag haben. Bisher hatten´s wir gegen den sonntäglichen Tatort ja immer schwer (besonders wenn er aus Münster kam) aber mit dem Ding sollte das kein Problem sein!
Danke André!
Diesen Film sollte man sich unbedingt ansehen, wenn man irgendwie mit Kunst zu tun hat: Die Millionenblase.
In diesem Film zeigt Ben Lewis was sich hinter den Kulissen der großen Spekulationen auf dem Kunstmarkt der letzen eineinhalb Jahre verbirgt. Brisant ist vor allem sein Zugang zu schwergewichtigen Sammlern und Händlern. So erfährt man in dieser spannend erzählten Dokumentation was sich tatsächlich hinter dem Verkauf von Damien Hirsts Diamantenschädel verbirgt und vieles mehr.
22.11.09 | Permalink | Kommentare (0)
Michael Reuter | Region Stuttgart
De Zoch kütt

Na bitte ..., als Reaktion auf die angekündigten Kürzungen im Stuttgarter Kulturhaushalt startete heute die erste Stuttgarter Art Parade. Der selige Fra Angelico, seit 1984 auf Anweisung von Johannes Paul II Schutzpatron der Künstler, sorgte für strahlenden Sonnenschein, die Stimmung war prima und auf dem Marktplatz wurde parallel zur Demonstration die Weihnachtsdeko am Rathaus montiert.Was kann da noch schief gehen?
Die Kürzungen sind Geschichte!
Schlechte Geschichte!
Hoffentlich!
19.11.09 | Permalink | Kommentare (0)
Charlotte Lindenberg | Essay
Titel, Thesen, Rudimente. "Bilder vom Künstler" im Frankfurter Kunstverein

Marc Aschenbrenner, im Abri 3, 2008. C-print 60 x 90 cm, ed 7+2 ap,
Foto: Knut Klaßen, Courtesy Galerie Olaf Stüber, Berlin.
"Bilder vom Künstler", der Titel der aktuellen Ausstellung des Frankfurter Kunstvereins veranlasste mich, im Vorfeld meine unter dem Stichwort "Künstler" intrazerebral gespeicherten Bilder zum Thema zur Kenntnis zu nehmen.
Erstes Ergebnis: Die Datei konnte nicht gefunden werden. Schließlich ist der Titel so aussagekräftig wie "Bilder vom Menschen". Zweites Ergebnis: Heuchlerin. Als befänden sich da nicht genug Verallgemeinerungen innerhalb meiner "Erfahrungsschatz" genannten Stereotypensammlung. Drittes Ergebnis: Ich habe zwei "Bilder vom Künstler" – ein positives und ein negatives.
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15.11.09 | Permalink | Kommentare (0)
Gastbeitrag | Alles
Cracking Walls
9. November 2009. Mauerfall. Zum zwanzigsten Jahrestag des Falls der Berliner Mauer wurde in Johannesburg die Mauer um das dortige Goethe-Institut eingerissen. Zeugin und Dokumentatorin dieses denkwürdigen Ereignisses war Else Gabriel.

Goethe-Crew (noch eingemauert)
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11.11.09 | Permalink | Kommentare (2)
Gastbeitrag | Kritik
The Wolfsburg Journey (James Turrell)
Gastbeitrag von Marc Wellmann
James Turrell. The Wolfsburg Project
Kunstmuseum Wolfsburg
24.10.2009 - 05.04.2010

Die meisten Berliner waren noch nie in Wolfsburg, abgesehen von einigen Minuten beim Halt des ICE am Bahnhof, von wo man einen guten Blick auf die „Kilometerarchitektur“ des Volkswagenwerkes hat. Was soll man auch, fragt sich der gemeine Hauptstädter, in einer früheren Arbeitersiedlung am Mittellandkanal, die 1938 unter dem Namen „Stadt des KdF-Wagens bei Fallersleben“ gegründet wurde? Nach schwerer Kriegszerstörung erfolgte 1945 die Umbenennung in Wolfsburg – so heißt ein nahe gelegenes Schloss, hat also nichts mit NS-Wortprägungen wie „Wolfsschanze“ zu tun. Architektonisches Flagschiff der Aufbaujahre ist das 1962 eingeweihte Kulturzentrum von Alvar Aalto. 1973 hat Hans Scharoun in Wolfsburg ein Theater gebaut. Mehr gab es lange Zeit nicht, außer der Fußgängerzone („Porschestraße“) im Herzen der Stadt mit authentischem Charme der 1950er Jahre.
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08.11.09 | Permalink | Kommentare (1)
Gastbeitrag | Alles
BS Visite
Art in East Lower Saxony
Gastbeitrag von Ulrich Diezmann, teilnehmender Künstler.

Pausierende Cheerleader nach einer Performance am Eröffnungsabend vor der Haiskulptur von Michael Nitsche
Braunschweig ist der Ort des Geschehens. Am Abend des 31.10.2009, Halloween und der Reformationstag fanden auch an diesem Samstag statt, eröffnete die Ausstellung "BS-Visite" in den Hallen einer ehemaligen Brauerei- und Schutzhelmfabrikation zum zweiten Mal ihre Toren. Im Jahr davor, 2008 gab es die Pilotveranstaltung an gleicher Stelle.
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08.11.09 | Permalink | Kommentare (2)
Gastbeitrag | Kritik
Mandy 2009
Ein Gespräch zwischen Susanne Bürner und Heidi Specker über Andreas Slominski bei Neu und Jablonka
Heidi Specker: Susanne, bei Neu steht nur eine Badewanne in der Galerie – ganz minimal, sonst nichts.
Susanne Bürner: Wie nur eine Badewanne, das ist alles?
Specker: Nein, natürlich nicht, kennst ja den Slominski.
Bürner: Das heißt, es gibt sonst noch einiges an technischem Gerät?
Specker: Nicht wirklich, außer ein paar Schläuchen, die an der Wanne hängen und kleinen Böcken auf denen sie steht. Und einem Zettel an der Wand im Eingangsbereich auf dem sich Mandy, Timmi Dee, Destiny, Scott der Sechste oder Sechsscott, Robbee, Porn Fighter longjohn.com, Wixitrixi oder Jerry Steel handschriftlich verewigt haben.
Bürner: Hört sich ja aufregend an.
Specker: Im Büro hängt noch ein kleiner Abzug auf dem man sehen kann, was passiert ist. Vier Frauen hocken nackt auf dem Rand der Badewanne und beugen sich über vier Männer.
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06.11.09 | Permalink | Kommentare (0)
Charlotte Lindenberg | Essay
Stand und Zustand der Performance
copyright Matthias Weiß
Zum Abschluss der Ausstellung Performance//Frame fand in der Galerie Anita Beckers in Frankfurt am Main ein moderiertes Gespräch zwischen drei ProtagonistInnen der Performance statt. Obwohl Vollrad Kutscher (geb. 1945), Ulrike Rosenbach (geb. 1943) und Annegret Soltau (geb. 1946) mit unterschiedlichen Medien arbeiten, ging es hier um die Entwicklung von Performance- und Video-Kunst. 2010 plant die Galerie das zweite Symposium zum Thema zeitbasierte Künste; das erste fand 1994 statt. Im Vorfeld soll die gestern zuende gehende Veranstaltungsreihe, bestehend aus Ausstellungen an zwei Orten und mehreren KünstlerInnengesprächen, den prozessorientierten Arbeiten ein größeres Forum schaffen. Die Wahl des Zeitpunktes begründet Beckers mit der Beobachtung:
"Es scheint, dass immer dann, wenn der Kunstmarkt kurzfristig Atem holt, gerade jene Künstler, deren Werk nur bedingt kommerzialisierbar ist, unter Benutzung des eigenen Körpers einen neuen kritischen Diskurs anstoßen."
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01.11.09 | Permalink | Kommentare (0)
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