Esther Ernst | wo ich war
KWADE ALICJA - DÖBEREINER URSULA - TURELL JAMES - MODELLVERSUCHE I-II - CORBUSIER LE - SCHLICKER SEBASTIAAN

KWADE ALICJA
Grenzfälle fundamentaler Theorien
Galerie Johann König, Berlin
Grenzfälle fundamentaler Theorien
Galerie Johann König, Berlin
+ Tonabnehmer übertragen das Surren von den Leuchtstoffröhren der Galerie, 11 Verstärkerboxen füllen den Raum brummend. Vor jedem Verstärker steht (ähnlich wie bei Serra-Skulputuren) eine schwarze, hochglänzend lackierte Stahlplatte, die die Form der jeweiligen Sinuskurve der brummenden Leuchtstoffröhre wieder gibt.
Licht hörbar machen. Hat einen echt langen Bart und in dieser Ausstellung darüber hinaus nix weiter.
(Ich dachte bereits in ihrer Piepenbrock Förderpreis-Ausstellung, dass die Einfachheit, mit der Kwade kleine Verschiebungen vornimmt, auch ganz schnell ins Plumpe kippen können.)
Licht hörbar machen. Hat einen echt langen Bart und in dieser Ausstellung darüber hinaus nix weiter.
(Ich dachte bereits in ihrer Piepenbrock Förderpreis-Ausstellung, dass die Einfachheit, mit der Kwade kleine Verschiebungen vornimmt, auch ganz schnell ins Plumpe kippen können.)

DÖBEREINER URSULA
silber004
Galerie September, Berlin
silber004
Galerie September, Berlin
+ durch das Galeriefenster sieht die Arbeit noch ganz viel versprechend aus. Die pfuschig angebrachte und Blasen werfende Silberfolie auf der Glasscheibe zur Strasse hin erinnert mich sofort an die Fenster eines Bordells auf dem Mehringdamm.
Und im Raum drin schlägt dann die Enttäuschung durch. Da hängen bloss blöde ausgeschnittene Klecksformen aus leuchtendem Papier auf Spiegelfolie geklebt. Doof. Bunt, aber vollkommen unmotiviert, humorlos, unverständlich, rotzig, überhöhter Mist.
Und im Raum drin schlägt dann die Enttäuschung durch. Da hängen bloss blöde ausgeschnittene Klecksformen aus leuchtendem Papier auf Spiegelfolie geklebt. Doof. Bunt, aber vollkommen unmotiviert, humorlos, unverständlich, rotzig, überhöhter Mist.

TURRELL JAMES
The Wolfsburg Project
Kunstmuseum Wolfsburg
The Wolfsburg Project
Kunstmuseum Wolfsburg
+ Irgendwie fühlt es sich bevormundend an, das Wissen um Turells Arbeiten, die diese spezielle Einlassung erfordert, um sie erfahren zu können. Dass die Augen ihre Eingewöhnungszeit brauchen und der Wahrnehmungsprozess ein langsamer und subtiler ist.
" The Wolfsburg Project" ist eine Raum im Raum Konstruktion, wobei man über einen steil durch den Raum schneidenden Steg in die Lichtinstallation gelangt. Sehr theatral. Erinnert mich an Oper mit grossen Auftritten der Bösewichte. Egal. Anders als bei seinen bisherigen Arbeiten, wechselt nun das dichte Licht im Raum mit weichen Übergängen. Hinter einem die zwei Raumöffnungen (Ein- und Ausgang), die jeweils in komplementärer Farbe eingefärbt scheinen. Und ja, dass ist verblüffend und einfach zugleich und trotzdem mag ich es nicht. Vielleicht zuviel Erlebniskunst.
Nicolai fragte mich, ob ich finde, dass es nach altem Mann riecht.
" The Wolfsburg Project" ist eine Raum im Raum Konstruktion, wobei man über einen steil durch den Raum schneidenden Steg in die Lichtinstallation gelangt. Sehr theatral. Erinnert mich an Oper mit grossen Auftritten der Bösewichte. Egal. Anders als bei seinen bisherigen Arbeiten, wechselt nun das dichte Licht im Raum mit weichen Übergängen. Hinter einem die zwei Raumöffnungen (Ein- und Ausgang), die jeweils in komplementärer Farbe eingefärbt scheinen. Und ja, dass ist verblüffend und einfach zugleich und trotzdem mag ich es nicht. Vielleicht zuviel Erlebniskunst.
Nicolai fragte mich, ob ich finde, dass es nach altem Mann riecht.

MODELLVERSUCHE I – II
Hamburger Bahnhof, Museum für Gegenwart, Berlin
Hamburger Bahnhof, Museum für Gegenwart, Berlin
+ interessant, dass da in der neuen Nationalgalerie Thomas Demand ausstellt und im Hamburger Bahnhof eine irrsinnig spröde Ausstellung zu dem doch ziemlich angesagten Thema gemacht wird.
Aber ich mag ja spröde Ausstellungen und freue mich über das Ausgraben von Alfred Kellers anatomischen Insekten-Plastik-Vergrösserungen neben Gerd Rohlings präzise ausgeleuchteten Vitrinen, in denen er Plastikflaschenmüll zu unglaublich kostbar aussehenden Glaskelchen verarbeitet, präsentiert.
Vielleicht ein bisschen didaktisch, das mit der Täuschung und der Aufklärung.
Im zweiten Teil der Ausstellung projiziert Herr Feldmann eine "traurige" Ansammlung von Kinderspielzeug und kleinen Objekten auf selbst gebastelten Karussells als Schattenspiel (immer, immer muss ich bei Schattenkram an Boltanski denken). Freydanks Kurzfilm "Spielzeugland" ist mir in diesem Zusammenhang nicht ganz klar und Lyonel Feininger kenn ich zu wenig.
Aber ich mag ja spröde Ausstellungen und freue mich über das Ausgraben von Alfred Kellers anatomischen Insekten-Plastik-Vergrösserungen neben Gerd Rohlings präzise ausgeleuchteten Vitrinen, in denen er Plastikflaschenmüll zu unglaublich kostbar aussehenden Glaskelchen verarbeitet, präsentiert.
Vielleicht ein bisschen didaktisch, das mit der Täuschung und der Aufklärung.
Im zweiten Teil der Ausstellung projiziert Herr Feldmann eine "traurige" Ansammlung von Kinderspielzeug und kleinen Objekten auf selbst gebastelten Karussells als Schattenspiel (immer, immer muss ich bei Schattenkram an Boltanski denken). Freydanks Kurzfilm "Spielzeugland" ist mir in diesem Zusammenhang nicht ganz klar und Lyonel Feininger kenn ich zu wenig.

CORBUSIER LE
Kunst und Architektur
Martin-Gropius-Bau, Berlin
Kunst und Architektur
Martin-Gropius-Bau, Berlin
+ Diese Ausstellung kommt kaum über einen "Taschen-Katalog" mit dem Titel "Einführung über Le Corbusiers Werk" hinaus. Und zwar trotz Audioguide. Echt enttäuschend. Da sind ein paar Modelle, Möbel auch, seine unerträgliche Malerei, wenige Fotografien der Bauten, Pläne und Skizzen - überhaupt präsentieren sich die Arbeiten eher spärlich dokumentiert (rücken Museen und Stiftungen nix raus?) – mir scheint die Ausstellung lediglich mit dem Mindesten bestückt. Und dann hat mich erstaunt, dass bei dem zentralen Thema der Wohnmaschinen keiner auf die Idee kommt, die Berliner "Unité d’Habitation" genauer unter die Lupe zu nehmen. Ich hätte zum Beispiel Interviews mit den ersten Bewohnern des "Typ-Berlins" erwartet: Dokumente die den Zeitgeist von damals sichtbar machen. Stimmen von Skeptikern und Optimisten dieser ja immerhin umstrittenen Architektur und wie sich diese im Laufe der Jahre bewahrheiten oder eben nicht...

SCHLICKER SEBASTIAAN
BCBG
Galerie Klara Wallner, Berlin
BCBG
Galerie Klara Wallner, Berlin
+ ein bisschen düster und punkig und dann auch wieder super kindlich, naiv und farbig. Da werden Sprühschaum, Alufolie, gerollte Papierschnipsel, Klebeband und Neonfarben collageartig verarbeitet, nebenbei Textfetzen mit trotzigen Androhungen (Gähn).
Alles immer ein wenig auf der Kippe ins Lächerliche. Zuviel Kunstmarktgedöns (das brüllt ja nach Gefälligkeit), spiessig (fürchterlich lahm auch, dass der mit "echtem" Kotti-Heroin angegeben muss), zu wenig gewagt und viel zu selbstsicher.
Tolle Wurst, würde Jessica sagen.
Alles immer ein wenig auf der Kippe ins Lächerliche. Zuviel Kunstmarktgedöns (das brüllt ja nach Gefälligkeit), spiessig (fürchterlich lahm auch, dass der mit "echtem" Kotti-Heroin angegeben muss), zu wenig gewagt und viel zu selbstsicher.
Tolle Wurst, würde Jessica sagen.
Esther Ernst, 24.11.09 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor
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