Gastbeitrag | Kritik

Fühlt sich kalt an

Dramatische Folgen neo-individualliberaler Kunst: Die Berliner Ausstellung »Zeigen«

von Wolfgang Müller

Vor gar nicht so langer Zeit erreichte mich eine Anfrage zur Teilnahme an einer Ausstellung. Der Absender war Karin Sander. Die Künstlerin sei von den Kuratoren der Temporären Kunsthalle Berlin eingeladen worden, ihre Arbeit »Zeigen« zu realisieren: »Die daran teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler geben in ihrem Beitrag akustische Informationen zu ihrem Werk oder ihrer Arbeitsweise, indem Sie ihre künstlerische Arbeit hörbar und damit für den Hörenden ›sichtbar‹ machen. In dem Ausstellungsraum der Kunsthalle werden die Namen der Künstler und Künstlerinnen sowie jeweils eine Zahl auf der weißen Wand zu lesen sein.«

Mein Beitrag für die Künstlerkuratorin sollte in weniger als einem Monat fertiggestellt sein, wofür in der Mail der schmissige Begriff »zeitnahe Realisierung« verwendet wurde. Man hätte natürlich auch »superschnell« oder »hektisch« schreiben können. Irgendwas Beliebiges aus der Schublade ziehen, zählt nicht unbedingt zu meiner künstlerischen Strategie. Also bedankte ich mich für die freundliche Einladung und antwortete der Künstlerkuratorin, daß ich ein Problem hätte, so kurzfristig einen überzeugenden Beitrag für ihr Ausstellungskonzept zu liefern. Da auch von Honorar keine Rede sei, müsse ich als freischaffender Künstler ohne regelmäßige Einkünfte Einladungen immer sorgfältig abwägen, um nicht in Existenzschwierigkeiten zu geraten. Außerdem wollte ich wissen, welche Künstler von ihr noch geladen seien.

Auf meine Fragen und Bedenken antwortete Karin Sander kurz und fröhlich, daß sie sich schon sehr auf meinen Beitrag freue. Ich war verwirrt. Denn ich hatte ja noch gar nicht zugesagt, sondern ausführlich mein Problem erläutert, ohne Honorar, ohne Studio und unter Zeitdruck etwas Überzeugendes zustande zu bringen. Deshalb wollte ich jetzt auch wissen, warum Sie auf meine Fragen mit keinem einzigen Wort eingegangen sei. Es gibt ja auch Ausstellungen, an denen man gar nicht teilnehmen möchte, sei es wegen der unterirdischen Qualität oder wegen ihrer überbordenden Quantität. Mit Schrecken erinnerte ich mich an uferlose Mailart-Ausstellungen der 1970er oder arg spezifizierte Ereignisse wie »Homosexuelle Land-Art aus Nord-Kanada«.

Zudem: Wären nun unzählige Künstler zu Karin Sanders Projekt eingeladen, dann spielten die einzelnen Künstler und deren künstlerische Positionen eh keine besondere Rolle mehr. Sie wären dann funktionalisiert, stünden nur noch da als Platzhalter für eine bunte, aber konturlose Vielfalt. Das Individuum selbst verlöre jede Bedeutung. Nur die Suggestion von irgendwas wie »unterschiedlich« stünde noch im Raum, weil ja »Kunst« als Synonym für »subjektiv-autonom« steht. Für mich aber hieße das, die Abwesenheit einer einzelnen Person oder Position würde kaum ins Gewicht fallen – entsprechend die Teilnahme. Es bedeutet nichts. Und das fühlt sich sehr kalt an. Man kann das auf folgende Formel bringen:

Diversität minus Differenz = Neo-Individualliberalismus

Auf meine erneute Frage, welche Künstler denn nun genau von ihr eingeladen worden seien, antwortete die Künstlerkuratorin, daß sie noch nicht von allen eine Antwort erhalten habe. Eine bestimmte Zahl nannte sie nicht. Es gebe, so schrieb sie, so viele interessante Künstler in Berlin. So viele? Das irritierte mich, denn diese Ansicht teile ich gar nicht – obwohl auch ich zunächst einmal jeden Menschen sehr interessant finde. Zumindest, schränkte Karin Sander ein, hätten Elm¬geen und Dragste bisher zugesagt und auch Ayse Erkmen. Es folgten weitere prominente Namen. Außerdem bot die Kuratorin nun an, daß ich meinen Beitrag in ihrem Studio aufnehmen könne. Plötzlich hatte ich nicht mehr das Gefühl, es handele sich um eine Art Massenansammlung beliebiger Künstler, die lediglich eine Funktion erfüllen sollten – so ähnlich wie die Werbeanrufe, bei denen eine generierte Computerstimme am Telefon schnarrt: »Sind Sie Wolfgang Müller? Dann legen Sie jetzt bitte nicht auf. Herzlichen Glückwunsch! Sie wurden nämlich persönlich ausgewählt…«

Die Zeit verging wie im Flug. Fünf Tage blieben noch zum Einsendeschluß meines akustischen Beitrages. Mit Bedauern sagte ich schließlich ab. Einen überzeugenden Beitrag würde ich auf die Schnelle wohl kaum noch hinbekommen. Daraufhin mailte mir die Künstlerin, ob es für mich nicht doch noch eine Möglichkeit gebe? Mein Name befände sich bereits gedruckt auf ihrer Einladungskarte. Zudem rief sie mich überraschend an. Es entspann sich ein sehr angenehmer Dialog. Motiviert schrieb ich nun eilig einen Beitrag. Diesen wollte ich dann übersetzt laufen lassen – auf isländisch. Hörer könnten meine Arbeitsweise und Kunstauffassung in der Temporären Kunsthalle dann auf isländisch erfahren.

Mein Assistent Melli übersetzte und sprach in Karin Sanders Studio den isländischen Text ein. Dafür gab ich ihm ein kleines Honorar. Nun schaute ich noch mal auf die Homepage der Kuratorin. Ich bekam einen Schock: »Weit mehr als 400 Künstler aus Berlin« werden da nun als Teilnehmer ihres Projektes genannt. Um Himmels Willen, dann wimmelt es ja vermutlich nur so von »Positionen«. Wer wird sich das denn antun? Wie soll man denn nur so viele Namen auf eine Postkarte quetschen? Das wäre doch dann alles grau in grau. Nein, korrigierte mich Melli, es sind insgesamt 699 Teilnehmer eingeladen worden. Und Hunderte hätten ihr bereits einen Beitrag gesandt. Sechshundertneunundneunzig, eine erotische Zahl? Nein, die totale Massenorgie!

Egal, irgendwie fühlte ich mich reingelegt. Andererseits gefällt mir mein Beitrag jetzt umso besser. Und nun bekommen die Leser der Tageszeitung junge Welt ihn auch noch als einzige in der deutschen Fassung zu lesen. Wenn Sie ihn aber auf isländisch hören möchten, dann gehen Sie ab morgen in die Temporäre Kunsthalle, suchen Sie die entsprechende Nummer zwischen 1 und »weit mehr als 400«. Diese finden Sie unter meinem, auf isländisch übersetzten und dadurch zum unverwechselbaren Unikat gewordenen Namen Úlfur Hródólfsson. Also, hier exklusiv die deutsche Textfassung:

»Das häufigste Mißverständnis von Künstlern ist, daß sie davon überzeugt sind, besonders individuell zu sein. Oder daß sie glauben, eine Botschaft zu haben. Dabei ist jeder Mensch individuell und vermittelt irgendwelche Botschaften.

Dieser künstlerische Beitrag, also der Beitrag von Wolfgang Müller, entsteht unter Zeitdruck und wird finanziell nicht honoriert. So ein Vorgehen findet Wolfgang Müller eigentlich ganz schlecht. Denn so unterwirft sich die Kunstproduktion hier dem zunehmenden neoliberalen Leistungsdruck. Daß unterschiedliche Künstler individuelle Konzepte für ein von Karin Sander vorgegebenes Gesamtkonzept entwickeln, betont dabei den Individualismus der jeweiligen Künstler. Die Folge: Es entsteht ein neo-individualliberales Kunstwerk. Wolfgang Müller ist ein entschiedener Gegner des Neo-Individualliberalismus.

Dabei gefällt ihm das Konzept von Karin Sander grundsätzlich gut. Also, ihre Idee, daß unterschiedliche Künstler akustische Information über ihre Kunst vermitteln und sie damit für Hörende performieren. Allerdings hat Wolfgang Müller viele gehörlose Freunde und Bekannte. Die werden durch Karin Sanders Projekt offensichtlich nicht angesprochen.

Wolfgang Müller hat 1998 seine eigene Musik, also die Musik der Tödlichen Doris ins Visuelle übertragen lassen. Die Gebärdensprachlerinnen Dina Tabbert und Andrea Schulz führten 1998 die ›Gehörlose Musik‹ im Prater der Volksbühne auf. Es war Musik, die vollständig in Gebärden, Gesten und Interaktion umgewandelt wurde.

Als Michael Jackson im Jahr 1987 seine LP ›BAD‹ veröffentlichte, hat Wolfgang Müller zur gleichen Zeit die LP ›BAT‹ veröffentlicht. Auf ›BAT‹ waren erstmals die in hörbare Frequenzen übertragenen Ultraschall-Echolaute einheimischer Fledermäuse auf LP zu hören. Nun konnten Hörende etwas hören, was sie normalerweise nicht hören können. Während Michael Jacksons ›BAD‹ millionenfach verkauft wurde, hat Wolfgang Müller die letzten seiner eintausend ›BAT‹-Exemplare erst 2007, also nach zwanzig Jahren verkauft.

Fledermäuse sehen schon seit Millionen Jahren mit ihrem Gehör. Sie werfen Laute an die Wand, um sich durch deren Echo im Raum zu orientieren. So funktioniert auch die Kunst von Wolfgang Müller, der einen nichtindividuellen Namen hat, worauf er ein bißchen stolz ist. Diesen Text hat sein Assistent Hrafnkell Brynjarsson, also ich, ins Isländische übersetzt und eingesprochen.«

Zeigen. Eine Audiotour durch Berlin von Karin Sander, Temporäre Kunsthalle Berlin, bis 10.1.2010

P.S. Anlässlich der Ausstellung erscheint eine Publikation im Verlag der Buchhandlung Walther König hieß es bis heute Morgen. Da flatterte eine E-Mail herein, dass es nun doch keine Buchveröffentlichung geben wird ...

Gastbeitrag, 04.12.09 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor

 

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Kommentare

Hallo Herr Müller! Um als "entschiedener Gegner des Neo-Individualliberalismus" glaubhaft zu bleiben, wollte ich Ihnen vorschlagen, sich auf den Weg in die Temporäre Kunsthalle zu machen, und Ihren Beitrag zum Werk von Karin Sander abzubauen.
Freundliche Grüsse,
Patricia Bucher

Patricia Bucher | 08.12.09

 

eine replik auf wolfgang müllers beitrag „fühlt sich kalt an“

irgendein sozialpsychologe hat einmal gesagt, dass die grundmotivation für die künstlerische arbeit dem bedürfnis geschuldet ist, sich gegenüber der welt wesentlich zu fühlen. wenn sich nun mit wolfgang müller ein künstler öffentlich zu wort meldet, um ein aktuelles ausstellungsprojekt mit kritik zu belegen, an dem neben ihm selbst noch 565 andere künstler/innen beteiligt sind, ist die motivation geradezu offenkundig. müller nutzt die möglichkeit der öffentlichen kritik, um auf seine eigene beteiligung und die besonderheit seiner eigenen, dem berliner ausstellungsprojekt „zeigen“ beigesteuerten arbeit aufmerksam zu machen. dabei geriert er sich nicht nur als glaubenswächter in eigener sache, sondern betreibt auch noch eine geradezu absurde begriffshuberei, indem er das ausstellungsprojekt als dramatische folgeerscheinung „neo-individualliberaler kunst“ umschreibt. über einige biografische randnotizen hinaus wird das besagte projekt wohl kaum folgen haben, schon gar keine dramatischen. allenfalls werden die hier von müller eingestellten (und bereits in der linken presse abgedruckten) zeilen folgen haben. aber das auch nur insofern, sie vom leser als gesellschaftskritische aufforderung oder ermutigung verstanden werden, die eigene subjektive, ressentimentgeladene kritik am ausstellungsbetrieb zu bekunden.

und überhaupt: dass sich die kunstproduktion dem „zunehmenden neoliberalen leistungsdruck“ unterwirft, hat ja wohl weniger mit spezifischen kunstprojekten zu tun, als viel mehr mit den bestehenden gesellschaftlichen herrschaftsstrukturen, welche kunstimmanent nun einmal nicht zu überwinden sind. im gegenteil, diese strukturen vollziehen sich ja nicht im repressiven prozess gegen ein im grunde freies „künstlersubjekt“, sondern durch die subjektivität des künstlers selbst. der künstler ist als subjekt bereits das resultat einer „unterwerfung“. und was wir als künstler sind, sind wir durch die internalisierung diskursiver ordnungen, welche uns das „neoliberale“ kunstbetriebssystem vermittelt.

carl von rockensüß

carl von rockensüß | 09.12.09

 

@Liebe Patricia Bucher,
Sie haben meinen Artikel nicht richtig verstanden. Da steht nämlich drin, dass es keine Rolle spiele, ob man nun in "Zeigen" dabei ist oder nicht. Und weiter: "das fühlt sich kalt an". Das Kaltanfühlen ist die künstlerische Ästhetik und Essenz, die daraus entsteht. Und daraus abzuleiten, man müsse sich nun auf den Weg machen, um seinen Beitrag zu entfernen, ist eine Fehlinterpretation. Ich habe nämlich gar nichts dagegen, auch mal Teil eines kalten, einfältig-geschwätzigen, beliebigen, bedeutungslosen, neo-individualliberalen oder belanglosen Kunstwerks zu sein. Ich gehe zb. auch manchmal in Schwulenkneipen, obwohl mir die meisten Typen gar nicht gefallen, da habe ich anschließend auch gar keine Angst um meine Glaubwürdigkeit. Und sicher ist es möglich, ein Gegner des Neo-Individualliberalismus zu sein, gleichzeitig ein Konto bei der Sparkasse zu haben und der Deutschen Bank eine Serie Zeichnungen zu verkaufen. Ihre Idee von "Glaubwürdigkeit" klingt sehr rigide, eindimensional, um nicht zu sagen: platt.

Wolfgang Müller | 09.12.09

 


@Carl von Rockensüß,
Als "Glaubenswächter in der eigenen Sache", wie Sie mich bezeichnen, war es mir zunächst ein persönliches Anliegen, in der "jungen welt" einfach zu beschreiben, wie ich durch irreführende Angaben, Hinweise, Verheißungen etc. Teil einer Installation wurde, bei deren Zustandekommen nicht gerade zurückhaltend mit warmen Worten "Liebe Kollegen", "eure Karin", "es gibt so viele interessante Künstler" und "Katalog erscheint bei Walther König" etc. geworben wurde. Nie aber wurde zb. im Vorfeld die eingeladene Anzahl der Künstler erwähnt, sondern diese Angabe ganz bewusst vermieden. Kurz und knapp: Als Künstler wurde ich zunächst einmal genauso simpel und effektiv überzeugt, wie es dem "ganz gewöhnlichen" Menschen heute über Telefonwerbung, Kaffeefahrten, Versicherungsfirmen, Makler etc. tagtäglich geschieht. Den meisten Künstlern wird es natürlich peinlich sein, ihre Verblendung/enttäuschten Hoffnungen öffentlich zu machen - sie werden deshalb lieber schweigen. Andere sind sicher furchtbar stolz dabei zu sein. Um mich nicht selbst als armes Opfer zu stilisieren oder gar zum Moralapostel aufzuspielen, habe ich in meinem "junge welt" Text bewusst auf weitere intime Details verzichtet.
Das meine öffentlich gemachten Gedanken Folgen haben, ist mir selbstverständlich ganz recht, da sich inzwischen nahezu alle Kunstkritiker - aber zb. auch Sie Carl von Rockensüß persönlich - ein Außerhalb des Kunstbetriebes offensichtlich gar nicht mehr vorstellen können. Mit dem von Ihnen geäußerten Gedanken, dass als Ergebnis bestenfalls "die eigene subjektive ressentimentgeladene Kritik am Ausstellungsbetrieb zu bekunden" zu erwarten sei, zeigt, dass Sie, Carl von Rockensüß selbst in die neo-individualliberale Falle getappt sind, bzw. aus dieser munter heraus argumentieren. Der Neo-Individualliberalismus qualifiziert geäußerte Kritik nämlich immer als "subjektive Befindlichkeit Betroffener" ab, wie der Konstrukteur des Wortes, Matthias Mergl anhand eines rassistischen GRÜNEN-Wahlplakates anschaulich belegte: http://www.jungewelt.de/2009/09-12/032.php?sstr=NeoIndividualliberalismus. Fazit: die Grünen können schon deshalb keine Rassisten sein, weil sie eine antirassistische Politik betreiben. Falls sie dann aber doch etwas rassistisches tun, wird zuerst Verständnis an der "Betroffenheit der Betroffenen" geäußert. Sie machen es eben nur umgekehrt: Zu glauben oder zu behaupten, andere hätten "Ressentiments", während man sich selbst dabei gleichzeitig unsichtbar macht, sozusagen unschuldig, quasi neutral und vernünftig tut, gehört mit zum Neo-Individualliberalen Rüstwerkzeug. Als Fledermaus mit entsprechendem Ortungssystem habe ich Sie nämlich längst geortet, mein Freund! Täuschen Sie sich da nicht! Um also aus der neo-individualliberalen Falle zu gelangen, sollten Sie, Herr von Rockensüß schleunigst den Grad ihrer eigenen Hasenfüßigkeit oder Angepasstheit untersuchen. Sie könnten dann zb. überlegen, was es eigentlich GANZ OBJEKTIV für die Qualität der Kunstkritik bedeutet, wenn jemand, der selbst als "freischaffender Künstler Marius Babias" in diesem Neo-Individualliberalen Kunstwerk auftaucht, ein paar Tage später als "Kunstkritiker und NBK-Leiter Marius Babias" die Künstlerin dazu öffentlich interviewt. Alles neutral? Nichts gegen Multimedia und Vielseitigkeit und vor allem auch nichts gegen Marius Babias, seine unbestrittenen Talente und Verdienste - aber bitte erzählen Sie mir nichts von "Unterwerfung" und "Internalisierung diskursiver Ordnungen." Ich nenne so etwas ganz einfach "Sumpf."

Wolfgang Müller | 09.12.09

 

…dem Wolfgang Müller muss in seiner Erregung wohl entgangen sein, dass er den Stereotypen des „Neo-Individualliberalismus“ selbst vollends aufgesessen ist. Und das schon insofern, als er diesen nicht ganz unproblematischen Begriff in einen quasi denunziatorischen Bedeutungszusammenhang bringt und nicht nur Projekte, sondern eben auch Personen mit dem Verdikt belegt „Neo-Individualliberal“ zu sein. Wer sich strukturelle Diskriminierungen auch nur latent zu Eigen macht, wird diese nicht überwinden, sondern nur perpetuieren.

Anton Wuehler | 13.12.09

 

"Wer sich strukturelle Diskriminierungen auch nur latent zu Eigen macht, wird diese nicht überwinden, sondern nur perpetuieren."

Richtig, aber Wolfgang Müller ist doch nur deshalb in diesen Diskurs getreten, weil er so mutig war, an einem konkreten öffentlichen Projekt zu zeigen, wie dieses "aus dem Sumpf heraus" für ihn zustande kam...wie viel Sumpf darin liegt und wie weit die Idee dieses Projektes eigentlich trägt...

Hier eine Seite, die hoffentlich dazu beiträgt, diese Diskussion zu erheitern:

http://www.berliner-sippschaften.de/pages_dt/kuenstlerliste.htm

Nicht gleich von der Mittelalter-Lederoptik abschrecken lassen, die Künstlerliste spricht für sich und der Gedanke ist zumindest sehr stark an der Realität orientiert.
Diese Seite, in der Käthe Kruse von der Tödlichen Doris unter anderem "Textportraits" anbietet, zeigt doch in aller Deutlichkeit, welches Verhältnis zum Markt sich mit der Zeit entwickelt.
Das ist sehr realistisch!

Michael Waitz | 14.12.09

 

Guten Tag Herr Müller, ich finde es schier unerträglich, wie ernst Sie sich selbst nehmen.

Tine Furler | 25.12.09

 

Liebe Tine Furler, ich verstehe Ihren Kommentar nicht.

Warum sollte ich mich denn nicht ernst nehmen? JEDE/R ist (zunächst) ernst zu nehmen. Das halte ich für eine entscheidende Qualität eines lebens- und liebenswerten Miteinanders.

Wie und woraus bildet sich also tatsächlich das "schier unerträgliche" von dem Sie geplagt werden?

Wolfgang Müller | 03.01.10

 

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