Adib Fricke | Der Film zum Sonntag

Alice Forever

Der Film zum Sonntag #16
Alice in Wonderland, England 1903, 8:20 min

Alice in Wonderland, England 1903, 8:20 min

Kurz vor Jahresende machte die Kunst-Blog-Redaktion noch einen gemeinsamen Ausflug ins Kino: »Avatar – Aufbruch nach Pandora« von James Cameron war der Film der Qual. Wenn schon, denn schon – also bitte in der 3D-Version. Die Filmtechnik war schockierend gut. Die extra zu erwerbende 3D-Brille brachte die Augen nicht zum Tränen sondern gab dem Blick eine ungewöhnliche Tiefe. Und die Animation war klug gemacht: Kleine Insekten im Vordergrund anstelle aufdringlicher Monsterköpfe mit weit aufgerissenen Mäulern, die Zuschauer in der 1. Reihe zu fressen scheinen, machten die virtuelle Räumlichkeit zu einem spannenderen Blickfeld. Die Leinwand wirkte wie ein Diorama in einem besseren Naturkundemuseum, was ganz amüsant war. Dass das immer wieder kehrende Thema der Kulturbegegnung zwischen zwei Gesellschaftsformen – hier in der Variante von erobernden weißen Männern und lieben Indianern erzählt – eposartig auf 161 Minuten ausgebreitet werden musste, war allerdings nicht zu verstehen. In der offiziellen Pinkelpause verließen wir das Kino. Die Diskussion beim filmanalytischen Abschlussdrink ging mehr um die Technik und um den in der Vorschau angekündigten neuen »Alice in Wonderland«-Film von Tim Burton (der von Disney ebenfalls in einer 3D-Variante produziert wurde).

Das traf sich gut, weil ich sowieso schon seit zwei, drei Wochen eine kurze Alice-Verfilmung in dieser Kunst-Blog-Rubrik vorstellen wollte: Die vermutlich älteste Filmadaption des 1865 von Lewis Caroll veröffentlichten Kinderbuchs. Diese enstand 1903 in England, Regie führte Cecil M. Hepworth, der Film ist nur noch unvollständig erhalten. Kaum eine Geschichte eignet sich wohl so gut, das Absurde und Fantastische episodenhaft mit visuellen Mitteln auszuloten und der realen Welt mit ihren physikalischen Gegebenheiten auf die eine oder andere Weise ein Schnäppchen zu schlagen.

P.S. Weitere Alice-Adaptionen werden bei YouTube in einer 8 Min. Zusammestellung des Nutzers movietvlover vorgestellt.

Adib Fricke, 03.01.10 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor

 

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Kommentare

Das könnte ja Anlass für den zweiten Redaktions-Kinobesuch sein. Bin sowieso ein großer Fan von Tim Burton. "Avatar" ist wahrscheinlich in ´ner Vierzigminutenversion als technische Demonstration klasse. Die Geschichte nervt allerdings derart ob ihrer klischeestrotzenden Breite, dass man es echt nur unter Drogen aushält. Und rauchen darf man ja bekannterweise im Kino nicht. Man sollte es vielleicht mal mit was anderem versuchen ;-)

Der Dritte im Bunde unkte zwar, dass sich die Drei-D-Brillen-Kiste auch jetzt nicht durchsetzen werde, aber nachdem er sich besagte übergroße Sehhilfe auf die Nase geschnallt hatt, war er doch erstaunlich still. Ich denke, dass die Sache mittlerweile technisch so ausgereift ist, dass wir uns da noch öfter reinbegeben werden. Das Stichwort heißt "immersiv" - und das war beim großen Second-Live-Hype ja schon ein Thema.

Allerdings darf uns da auch einer wie James Cameron keinen Verschnitt von Winnetou, Arielle und Bambi vorsetzen.

Markus | 04.01.10

 

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