Michael Reuter | Region Stuttgart
Debütausstellung I: Friedemann Flöther “Rich Punks” in der Kunstaka Stuttgart

Friedemann Flöther: Der Kuss, 2008, patinierte Bronze, 75 x 35 x 35 cm
Wo Damien Hirst mit seinem Diamantenschädel "For the Love of God" schon das eigene Ableben beklagt, geht es bei Friedemann Flöther noch ums Arbeiten. „Carve!“ klopfte er zur Freude der Hausmeister in eine Wand der Ausstellungshalle und legte sein Werkzeug gleich dazu, gebettet auf schwarzem Samt und mit Strasssteinen überzogen, zum Arbeiten nun gänzlich ungeeignet. Flöther stellt in der Kunstakademie Stuttgart noch bis zum 24. Januar unsere Vorstellungswelt infrage. Harte Superhelden dürfen sich auch mal küssen, Raketen tauschen ihre ölverschmierten Metallhüllen gegen ornamentale Tapetenmuster und ein friedfertiges Einhorn bohrt Selbiges wütend in eine Wand.
Die Verdrehung von Idealwelt und Realität kommt vielleicht etwas zu plakativ daher, ist dafür aber handwerklich perfekt und mit einem augenzwinkernden Blick auf das eigene Werk umgesetzt.

Friedemann Flöther: Hammer und Meißel, 2009, Strasssteine, Hammer, Meißel, 34 x 18 x 4 cm
Michael Reuter, 12.01.10 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor
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Kommentare
Lol! Den Spruch carve ich mit in meine Wohnzimmerwand: "Englisch, das Latein von Heute!"
Ich habe ja jetzt kein Latinum, weder groß noch klein, aber mein kleines Googeln hat keinen Hinweis darauf ergeben, dass "Carve" irgenwie lateinisch sein könnte. Allerdings vermute ich bei den allermeisten jüngeren Kunststudenten, und von denen habe ich einige Kohorten kennengelernt, auch weder große noch kleine Lateinkenntnisse. Dafür aber reflex- und zwangartiges Englisch in Titeln und Beschreibungen.
Markus | 13.01.10
Hmm. Ich kann auch nix finden. Aber jedes Detail einer Pressemeldung nachzurecherchieren ist etwas umständlich. Aber in diesem Fall werde ich mal nachfragen. So gehts ja auch nicht :-)
Michael Reuter | 18.01.10
„Carve!“, lateinisch „Meißle!“, „Behaue Deinen Stein!“ stand in der Pressemeldung zur Ausstellung. War wohl ein kleiner Gag, um zu sehen, wie lange es dauert, bis es jemand merkt.
Dank an Markus für die Nachrecherche.
Artikel wurde geändert.
Michael Reuter | 18.01.10