Gastbeitrag | Kritik
Was macht die Medienkunst?
20 Jahre ZKM
Gastbeitrag von Stefanie Bücker
Das ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe feierte in den letzten Wochen sein 20-jähriges Jubiläum. Mit der Ausstellung „IMAGINING MEDIA@ZKM“ präsentiert das Haus noch bis Ende 2010 die besten Medienkunstwerke, die von deutschen und internationalen KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen seit 1989 am ZKM produziert wurden. So findet man zum Beispiel gleich im Erdgeschoss den „Tree of Knowledge“ von Bill Viola aus dem Jahr 1997. Der Besucher betritt einen langen, schmalen Korridor, ihm gegenüber erscheint ein Baum als Setzling. Je näher er auf den Baum zugeht, desto weiter entwickelt sich dieser. Der Betrachter kann auch an jeder Stelle innehalten und die Entwicklung des Baumes stoppen oder umkehren.
Schräg gegenüber wird die Arbeit „Sono reMorphed“ von Bernd Lintermann und Torsten Belschner gezeigt, die zehn Jahre später entstand. Ein dreidimensional dargestelltes organisches Objekt kann von den Besuchern verändert und aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet werden. Grafik und Klang sind miteinander verknüpft, der Raum wird von immer wieder neuen audiovisuellen Körpern gefüllt. Die Arbeit, so der Werktext, zeigt eine künstlerische Umsetzung von Forschungen über offene Systeme im Bereich der Computertechnologie. Nur etwas für Computerfreaks und Nerds oder interaktiver Spaß für die ganze Familie? Wohl beides, aber hier wird deutlich, wie speziell Medienkunst immer noch daherkommen kann – hat man doch eigentlich das Gefühl, täglich mit computergenerierten Bildern auf den unterschiedlichsten Plattformen konfrontiert zu werden.
Neben 80 Originalwerken werden etwa 150 Dokumentationen von Arbeiten gezeigt, die am Institut für Bildmedien sowie am Institut für Musik und Akustik entstanden sind. Zwischen den Werken sind alte Riesencomputer und Mischpulte ausgestellt. Gerade hier wird einem der rasante Wandel der Technik und des elektronischen Equipments vor Augen geführt. Und man ahnt, dass es nicht das Spezielle der Medienkunst ist, was einen die Ausstellung nicht gleich erfassen lässt, sondern vielmehr die Technologie, die dahinter steht und mit jedem Jahr schneller veraltet. Es wirft somit auch die Frage auf, ob Medien(technologie)kunst sowohl technisch als darin immanent auch ästhetisch und inhaltlich nicht viel zu schnell überholt und unzeitgemäß wirkt?
Andererseits ist Medienkunst stetig im Wandel. Die unterschiedlichen Formen der Kunst wie Videokunst, Multimedia-Installationen, Computer(spiel)kunst entwickeln sich mit der jeweiligen Hard- und Software immer weiter. Ist Medienkunst damit gleich am Puls der Zeit? Zumindest ist sie Teil von Museen, als auch Teil unseres Alltags: Wir navigieren in virtuellen Welten, lassen andere in Echtzeit an unserem Leben teilhaben. Auch wenn die Motive dabei trivial sind: treten wir nicht auch wie die Medienkunstpioniere von damals als Schöpfer von Utopien auf? Eine Arbeit, die diese fließenden Grenzen gut auf den Punkt bringt ist „FLICK_KA“ (Peter Weibel, Matthias Gommel, 2007), ein an das digitale Bildportal flickr.com angelehnte Kunstprojekt: BesucherInnen können über den im ZKM-Foyer installierten Passfotoautomaten ein Portraitfoto erstellen und in die Galerie FLICK_KA aufnehmen oder ihr Bild via Internet in die Online-Galerie einspeisen. Die Porträts werden sowohl im ZKM Museum als auch im Netz ausgestellt.
Doch wohin geht die Reise? Das vermag die Ausstellung nicht klären. So rettet man sich auch in der Beschreibung, das ZKM werfe „einen Blick zurück“. Damit hätte man sich dann allerdings auch das Mobile Tagging sparen können. Über die QR Codes neben den Arbeiten (Quick Response - kleine schwarz-weiße Quadrate, über die Informationen an Handys übermittelt werden) erhält der Besucher weiterführende Informationen zu Künstler und Werk, doch wird er somit eher Konsument von Informationen als Betrachter der Ausstellung. Gut gelungen ist dagegen die Präsentation der Arbeiten selbst: die Galerien und Räume des ehemaligen Fabrikgebäudes bleiben in vielen Teilen offen, es gibt weniger Black Boxes, dafür Projektionen in den weiten Raum. Auch die erstmals farbigen Wände, gehalten im CYMK-Farbmodell, wirken erfrischend, unterstützen die luftige Umgebung, so dass man sich nicht wie in einem mit Technik überfüllten Versuchslabor vorkommt.
Man darf gespannt sein, was in den nächsten 20 Jahren am ZKM passiert. Bis zum 31.12.2010 kann man die von Peter Weibel und Bernhard Serexhe kuratierte Ausstellung in Karlsruhe sehen und in Panoramen und interaktive Environments eintauchen.
IMAGINING MEDIA@ZKM // Eine Ausstellung zum 20-jährigen Jubiläum des ZKM
bis 31.12.2010
im ZKM | Medienmuseum
Lorenzstraße 19, 76135 Karlsruhe
Tel. +49(0)721-8100-0
Email: info@zkm.de
http://www.zkm.de/imagining-media
Mi-Fr 10-18 Uhr / Sa + So 11-18 Uhr / Mo + Di geschlossen
Gastbeitrag, 07.01.10 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor
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