Dirk Teschner | Alles
Rettet den Rundpavillon auf dem ega-Gelände in Erfurt!

Der Rundpavillon auf dem ega-Gelände in Erfurt wurde 1974 vom Architekten Klaus Thiele errichtet, als multifunktionaler Veranstaltungspavillon, ursprünglich als Theater-, Kino- und Ausstellungsort genutzt, wurde er später zu einem Café. Jetzt ist das Gebäude, als Teil des Gesamtensembles „iga 61“ seit Mitte der 1990er Jahre unter Denkmalschutz stehend, vom Abriss bedroht.
Er ist der optische und funktionale Mittelpunkt des nord-westlichen Teilbereichs.
Seine gärtnerisch-freiräumlich Ausgestaltung erfuhr dieser Anfang der 70er Jahre im Vorfeld der 15. Arbeiterfestspiele der DDR. Zu dem unter dem Thema "Freizeit - aktive Erholung" angelegten Ausstellungskomplex gehörten verschiedenste Spielwiesen, Spielplätze, ein Wasserspielplatz, sowie Freibereiche für Freizeitspiele und Fitness.
Einzigartig ist die Konstruktion und bauliche Gestaltung. Der Pavillon ist über einen polygonal gebrochenem Kreisgrundriss errichtet, als Stahlbau mit einer abgespannten Dachkonstruktion. Das Tragwerk ist von den raumbildenden Verglasungen und Wänden deutlich abgesetzt und unterstützt dadurch die filigrane, gleichsam entmaterialisierte Erscheinung des Bauwerks.

Der innere Raumeindruck ist von einer eindrucksvoll gefalteten und an den Expressionismus erinnernden Deckenuntersicht geprägt.
Dem Rundbau kommt eine nicht zu unterschätzende Fernwirkung und Symbolfunktion zu, die durch die prägnante zeichenhafte Formgebung des Bauwerkes unterstützt wird.
Der Rundpavillon ist einerseits ein typischer Vertreter der DDR-Moderne - zu der auch die oft konstruktiv gewagten Anlagen von Ausflugsgaststätten in den sogenannten Naherholungsgebieten zählen - , andererseits hebt er sich durch seine expressive "Kronen-Form" von den wenigen noch erhaltenen vergleichbaren Exemplaren (in Thüringen nur noch: Pavillon im Paradiespark Jena, Gaststättengebäude am Hohenfeldener Stausee und Auto-Pavillon in Eisenach!) deutlich ab.

In dem von der Bauhaus-Universität Weimar herausgegebenen Standardwerk "Architekturführer Thüringen" wird der Rundpavillon auf dem Buchtitel als das markanteste thüringische Gebäude der 1970er Jahre vorgestellt. Darüber hinaus ist das Bauwerk eines der letzten, das in Erfurt die "DDR-Architekturmoderne" repräsentiert.
Vom Betreiber der ega wird argumentiert, dass ein Abriss mit anschließendem Neubau kostengünstiger als eine notwendige Restaurierung wäre. Der Klub 500 startete jetzt eine Rettungsaktion http://www.klub-500.de, die Stadtratsfraktion von Bündnis 90/ Die Grünen wollen einen Antrag auf Erhalt des Pavillons stellen und das beste Cafe der Stadt würde sofort die Bewirtschaftung übernehmen.

Alle Fotos, außer der Innenaufnahme, sind von Christoph Blankenburg.
Dirk Teschner, 22.04.10 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor
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Kommentare
Es freut mich zu lesen, dass etwas für diesen in seiner Architektur nahezu einzigartigen Pavillon etwas getan wird. Dass Denkmalschutz heutzutage kein hinreichender Grund mehr ist, um Gebäude aus Kostengründen dennoch nicht abzureißen, ist sehr schade und ärgerlich.
Josi-Su | 23.04.10