Gastbeitrag | Kritik
Wo geht´s hier bitteschön zur Kunst!
Zur Preisverleihung des Gabriele-Münter-Preises 2010
Von Ille von Rott zu Schreckenstein
Am 13. 04. 2010 wurde im Martin-Gropius-Bau der Gabriele-Münter-Preis an Christiane Möbus verliehen. Seit 1994 wird dieser hoch dotierte Preis (20.000 Eur) alle 3 Jahre an herausragende Künstlerlerinnen über 40 Jahre vergeben.
Aus den Statuten: „Der Preis wurde ins Leben gerufen, da Frauen dieser Altersgruppe bei hoch dotierten Auszeichnungen deutlich unterrepräsentiert sind.“
Wenn man sich die begleitende Ausstellung ansieht: 40 Künstlerinnen von 1.362 sich insgesamt Bewerbenden, dann scheint die Jury nicht viel Arbeit gehabt zu haben. Christiane Möbus ist mit Abstand wohl die interessanteste Künstlerin und keine der Teilnehmenden hätte ihr den Preis streitig machen können. Einzig vielleicht die Künstlerin Sabine Groß mit ihrer Arbeit „Happy Tears“. Groß hat sich ein bekanntes Werk der Kunstgeschichte angeeignet (das gleichnamige Werk des Pop-Art-Künstlers Roy Lichtenstein) und dieses Bild regelrecht aus dem Rahmen herausgenommen und in eine eindrückliche, sehr poetische visuelle Sprache eines Videos transferiert. Über die nicht zur Ausstellung ausgewählten Künstlerinnen kann man natürlich nichts sagen. Vielleicht haben sich aber genau in den restlichen 1.322 Künstlerinnen die richtig interessanten und guten befunden. Ich hoffe es, denn als ich durch diese Ausstellung ging, traute ich meinen Augen nicht: Ist das die Repräsentanz zeitgenössischer Kunst aus Frauenhand über 40? Natürlich nicht! Aber wenn nicht, dann stellt sich die Frage: Wer bewirbt sich für diesen Preis und wer lässt es sein? Und folgend könnte die Frage lauten, wenn man sich für diesen Preis nicht bewirbt, warum nicht?
Die große Angst missverstanden zu werden:
Die Ausstellung zeigt aufs Trefflichste, was „man“ gemeinhin mit Frauenkunst betitelt. Ein vermeintliches Labyrinth aus zartem Stoff in pastellenen Tönen, florales Gefieder, Selbstjustiz im Anblick der Mutter, überdimensionierte gehäkelte Spielzeugtiere, feinste gezeichnete Wasserbahnen, didaktisch im eigenen Griff zum Stift korrespondierend aufgenommen, etcetera pepe - und nicht zu vergessen den wollüstigen Ammenkörper dahinschmachtend im Bett der Natur. Ich mag nicht aufzählen, wer hier gefehlt hat, um ein My, das zu repräsentieren, woran Künstlerinnen in ihren Ateliers arbeiten.
Die Bedenken in eine „weibliche Schublade“ gesteckt zu werden sind groß. Sehr groß. Die Juroren leisten dem Ansehen des Gabriele-Münter-Preises keinen Dienst, wenn sich durch die Vergabe und die begleitende Ausstellung keine interessanten, prickelnden und aktuellen Kunstströmungen widerspiegeln. Man könnte fast annehmen, man hätte Christiane Möbus gebeten, sich doch für diesen Preis zu bewerben, sodass wenigstens durch die Preisträgerin der Preis eine Reputation erfährt.
Aber wie dem auch sei, schade ist es, dass man wieder einmal eine Chance vertan hat.
Gastbeitrag, 16.04.10 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor
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