Dirk Teschner | Kritik
Lust auf 2010?
Der neue Trend - „Freies Fluten“
Ich will die Kritik von Raymond Unger an den Entwicklungen der Satellitenmessen in seinem Text „Kunstmessen für Jedermann?“ aufgreifen. Es betrifft nicht nur Satellitenmessen, ein aktuelles Beispiel dafür ist die am 7. Mai eröffnete „1. Bazonnale LUST2010“ in Weimar.
Die Fotografien zu diesem Beitrag mussten leider auf Wunsch der Ausstellungsleitung entfernt werden. In der Ausstellung herrsche Fotografierverbot wurde uns mitgeteilt. Alternativ wurde Kunst-Blog angeboten die offiziellen Pressefotos zu verwenden - worauf wir allerdings, angesichts der allzu glatten und schöngefärbten Aufnahmen verzichten.
Der geneigte Leser kann sich aber auf der Homepage der Ausstellung selbst ein Bild machen.
LUST2010 ist das Pilotprojekt der Ausstellungsreihe Bazonnale, die jedes halbe Jahr ein „Thema aus Gesellschaft, Politik und Philosophie auf den künstlerischen Prüfstand stellen will“. Die Schirmherren der juryfreien Ausstellungsserie die bis zum 30. Juni 2010 in der Weimarer Viehauktionshalle zu sehen ist, sind Achim Preiß (Kurator der Ausstellung „Aufstieg und Fall der Moderne“, 1999 in Weimar) und Bazon Brock. Die Ausstellungsserie –„eine der größten internationalen Kunstausstellungen des Jahres in Deutschland“ – ruft international Künstler dazu auf, ihre Arbeiten einzureichen und sie der „Beurteilung durch Publikum und Medien auszusetzen“.
Bei der „1. Bazonnale LUST2010“ haben unter dem Gassenhauer-Slogan „Kunst kommt nicht von Können - Kunst kommt von Lust“ 200 teilnehmenden Künstlern 500 Arbeiten in der 2500 qm großen Viehauktionshalle, am Rande Weimars, gezeigt. Es gab weder Auswahlkriterien noch einen sichtbar lenkenden Kurator bei der als „internationale Independentausstellung“ deklarierten Show. Alle, die sich beworben hatten durften mitmachen, ohne finanzielle Beteiligung, Galerien wurden nicht eingeladen. Da konnte man ahnen was auf einen zukommt. Das es dann doch zu solchen krassen Qualitätsunterschieden bei den gezeigten Malerei, Plastik, Fotografie, Objektkunst und Grafik kam hätte ich so nicht für möglich gehalten. Was da alles an die Oberfläche gespült wurde, bemalte Leinwände, die man zu recht bisher nie sehen musste. Sicher war auch die Zahnarztfrauen-Kunst, die im Text von Raymond Unger treffend beschrieben wurden, anwesend. Ein „Edel-Kunstflohmarkt“ wurde es nicht, man muss das „Edel“ streichen. Schade um die wenigen guten Arbeiten, die doch dabei waren. Die Erfahrungen mit der 1999 umstrittenen Ausstellung „Aufstieg und Fall der Moderne“ über Kunst in Nazideutschland und in der DDR hätten doch alle Alarmglocken in Bewegung setzen müssen. Nur fehlte diesmal der schwarze Folienhintergrund. Wieder dabei die Petersburger Hängung und die Baustrahler als einzige Lichtquelle.
Die Themenwahl der „1. Bazonnale“ beschrieben die Veranstalter so: „Es gibt kaum eine Frage, die so kontrovers beantwortet werden kann, wie die nach der Lustdefinition in unserer Gegenwart. Eine genaue Definition der Lust heute gibt es nicht - dafür aber reichlich lustreichen Stoff zur künstlerischen Auseinandersetzung.“ Und zum Sinn des Ganzen sagten die Veranstalter von VDG Weimar und Portal Kunstgeschichte (geleitet von Frau Preiß): „Die Künstler stellen nicht nur aus, sie können auf der LUST2010 ihre Werke auch provisionsfrei direkt an das Publikum verkaufen. Mit der Ausstellungsserie BAZONNALE wird zeitgenössischen Künstlern den direkten Kontakt zum Publikum und zu Sammlern ermöglicht.“
Aber was hat nur den umtriebigen Kunstkritiker und Professor Bazon Brock geritten, bei dieser Ausstellung mitzumachen? Reicht es heutzutage schon aus wenn eine Ausstellungsreihe den eigenen Namen trägt. Zweierlei ist aber anders als bei den Satellitenmessen. Bei der Bazonnale haben die Schirmherren und Veranstalter Geld investiert und aufgetrieben und die Auswahlkriterien sind demokratischer, nicht nur Hobbykünstler mit Geld, sondern alle Hobbykünstler durften mitmachen.
Henryk Goldberg merkte treffend in der Thüringer Allgemeinen (TA) an: „Insofern manifestiert sich hier, mit dem Anspruch tatsächlicher Demokratie, postmoderne Beliebigkeit. Eine Haltung, die jeden limitierenden Begriff von Qualität als undemokratisch desavouiert, mag der verbreiteten Beliebigkeit entsprechen. Wenn Gleichgültigkeit als Konzept Zukunft hat, dann ist es nicht gut bestellt um diese.“
Dirk Teschner, 09.05.10 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor
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Kommentare
Am 7.5.2010 eröffnete in der Weimarer Viehauktionshalle die Kunstausstellung LUST2010 als erste einer Serie von Ausstellungen, die unter dem Titel Bazonnale im halbjährlichen Rhythmus stattfinden wird – mezzannale Bazonnale sozusagen. Es handelt sich um eine private Initiative jüngerer und älterer Kulturprofis, die das Lustthema Ende 2009 in den allgemeinen, internationalen Kunstraum hineinriefen und damit überraschend viele Beteiligungswünsche aus der Künstlerschaft ernteten.
Die unerwartet hohe Teilnahme ergab sich aber nicht vorrangig aus dem Thema der Lust und seiner Kommentierung, sondern mehr noch aus dem Mangel an Ausstellungs- und Verkaufsgelegenheiten für die Künstlerinnen und Künstler, der in den letzten Jahren vornehmlich durch die Einsparungen der öffentlichen Kassen noch gravierend zugenommen hat. Als die Anmeldungen den räumlichen Rahmen eines gewöhnlichen Lustschlosses sprengten, glaubten die Veranstalter daher, daß es gerechtfertigt ist, den ursprünglichen Ausstellungsort aufzugeben und nach neuen zu suchen, die eine so große Anzahl von Exponaten bewältigen konnten und so gelangte die Ausstellung schließlich in die aus gutem Grund überwiegend leerstehende Viehauktionshalle auf der Rückseite des Weimarer Bahnhofs.
Den Veranstaltern ist fast unbemerkt geblieben, daß die Vergrößerung des Raumangebots wegen der steigenden Beteiligungswünsche die sonst üblichen Vorbereitungen und Durchführungen von Kunstausstellungen ins Gegenteil verkehrte, denn gewöhnlich reduziert eine Jury oder Kommission die Anzahl der Exponate. Ein solches Ausfiltern war jedoch zu keiner Zeit der Vorbereitung für die LUST2010 ernstlich von den Initiatoren erwogen worden, die zum Teil selbst künstlerisch tätig sind und mit eigenen Werken an der Ausstellung teilnehmen. Es wurde daher schon als ein Gebot der Höflichkeit verstanden, die eingeladenen Kolleginnen und Kollegen nicht wieder vor die Türe zu setzen. Außerdem stiegen mit jeder neuen Anmeldung die Neugier und die Lust zu erfahren, wie andere mit dem Thema umgehen. Und eben diese Neugier führte auch unter den vermeintlich schwächeren Werken immer noch zu Funden und Entdeckungen, und sei es nur eine elegant geführte Linie oder eine interessante Farbkombination. Schließlich gingen die Organisatoren auch davon aus, daß ein schaulustiges und entdeckungsfreudiges Publikum am besten auf seine Kosten kommt, wenn ihm nichts vorenthalten wird, was nicht gegen Recht und Gesetz verstößt.
Überraschender Weise entwickelte sich diese unzensierte Dokumentation der artistischen Lustverhältnisse (bei über 500 Exponaten darf man schon von dokumentarischer Qualität sprechen) zum Stein Anstoß in einigen Feuilletons und den Meinungsäußerungen einiger Fachleute. Die ablehnende Argumentation lautet etwa so: In dem großen Gemisch der vielen Exponate geht das sich in der extremen Minderheit befindliche Gute deswegen unter, weil es von dem mehrheitlich Schlechten irgendwie überblendete und in der Wirkung erdrückt wird. Hier handelt es sich um den ersten Argumentationsfehler, da alle Werke in der Ausstellung gleich sichtbar sind und, daß ein schwaches Werk ein starkes bis zur Unkenntlichkeit schwächen kann, ist eine unzulässige Übertragung menschlichen Verhaltens auf Kunstausstellungen. Auf diesem maroden Fundament baut dann der nächste Einwand auf, nach dem der ungeschützte Verkehr des Laienpublikums mit der Kunst extreme Mißbildungen zur Folge haben kann. Laien streben der Qualitätslosigkeit zu und verschaffen ihr Quantität in Form von Zuspruch, Einschaltquote, Umsatz und Gewinn, hingegen die Qualität verkümmert und verdorrt. Diese Kunstverelendung durch die Laien kann nur ein hohes Kunstgericht aufhalten, daher ist Jury, Kommission und Zensus ein unverzichtbarer Bestandteil der künstlerischen Entwicklung. Auch diese Argument, das hauptsächlich die Einkommen der Kunstrichterinnen und Kunstrichter legitimiert, ist schwach, da zum Beispiel viel Qualität an den Kunstgerichten der Vergangenheit vorbeigeschmuggelt werden mußte. Kunstgerichte sind logischer Weise verschnarcht und kleben an den Kriterien der Vergangenheit. Neues erscheint nur als Krise des Hergebrachten und deswegen sorgen die Jurys auch nicht für Qualität, sondern überwiegend für Langeweile und verdeckt auch für ihre Selbsterhaltung.
Seit den 1860er Jahren wurden in Paris die Salons des Refusés veranstaltet, die Werke von Courbet, Manet, Renoir, Monet und andere zeigten, welche die offiziellen Ausstellungsjurys zuvor abgelehnt hatten. Diesem prominenten Beispiel von kunstrichterlichem Fehlurteil ließen sich noch viele beifügen, so daß man doch eigentlich von einer allgemeinen Skepsis gegenüber solchen Entscheidungen gerade in Fachkreisen ausgehen müßte. Der Ruf nach Jurys, nach Vorauswahl und verbindlichen Qualitätskriterien ist also anachronistisch und bei denen, die sich darüber bewußt sind, als Angstruf zu verstehen – Angst vor der Zukunft, vor Veränderungen, vor dem Markt, vor dem Publikum, schließlich vor der Bedeutungslosigkeit, die außerhalb der schützenden Kulturräume droht. Die lieben die langweiligen Ausstellungen und versichern sich gegenseitig mit dem Eröffnungsprosecco ihres tiefen Einverständnisses mit den herrschenden Regeln des Kulturbetriebs.
Die LUST2010 erscheint dagegen als eine ärgerliche, gar gefährliche Form der Unterhaltung, denn wie leicht hat man sich blamiert, wenn man das Falsche lobt, ohne die Verantwortung dafür einer Jury unterschieben zu können. Die Möglichkeiten selbständiger Entscheidungen und Entdeckungen ist also skandalös. Daß ein Teil der gezeigten Werke von sonderbaren, nicht unbedingt erfolgsorientierten Formen menschlicher Fortpflanzungsbemühungen, kurz von perversem Geficke, handelt, hat dagegen offensichtlich jegliche Erregungsfunktion eingebüßt. Vielleicht hätten die Veranstalter doch eine Erregungsjury, ein Gremium aus Erektionskommissarinnen und -kommissaren mit weitreichenden Entscheidungsbefugnissen einsetzen sollen und Gelegenheit gehabt einer anschließenden Veröffentlichung der Sitzungsprotokolle als Beitrag zum Entwicklungsstand des Beamtensex´ am Beginn des 21. Jahrhunderts.
Preiß | 15.05.10
Preiß liegt richtig und Brock hat schon immer mehr von Kunst und Kultur verstanden als die Sammler und Mäzene, die Kunst als Spekulationsobjekt - jenseits des inzwischen in die Jahre gekommenen Kapitalmarkts - für ihre Bereicherung genutzt haben.
Auf der Bazonnale haben Künstler eine faire Chance ihre Werke provisionsfrei zu verkaufen.
Die Fülle und auch die Qualität kann sich sehen lassen.
Und: das ist erst die erste Bazonnale. Es werden weitere folgen und die Zahl der teilnehmenden Künstler wird stetig steigen.
Jawohl, sie haben richtig verstanden. Hier wird gerade ein Paradigmenwechsel in der gesamten Kunstszene eingeläutet. Es wird also wieder spannend und es darf endlich mal wieder diskutiert werden.
Und der Vergleich mit der ollen Klamotte, der 99er Ausstellung "Aufstieg und Fall der Moderne", zeigt doch deutlich dass die Kritiker beseelt davon sind, dass Kunst gefälligst "everybodys darling" zu sein hat.
Nein! Kunst ist frei
Michael Cremer | 17.05.10
solang ein organisator so enthemmt kuratiert und arbeitet braucht er sich eigentlich nicht in dieser weise zu verteidigen, wie es herr preiß im ersten kommentar dieses blogs über alle maßen tut.
ich habe als beteiligter künstler ein nicht ganz gutes gefühl in hinsicht auf die organisation. der erste aufruf zur teilnahme war anlass vieler gedanken zum thema und vorstellungen zur präsentation meinerseits. thüringer schlösser und gärten!? ja das hatte mir gefallen... ja dafür hatte ich meinen beitrag gerne leisten wollen. ein romantisches gleichzeitig sehr zeitgenösisches bild hatte ich vor augen. in diesem kontext hätte es sich auch gelohnt den lust begriff eben weg von der banal eindimensional wirkenden erotisch verklärten richtung zu bewegen. ich denke, daß viele künstler genau solche weiter führenden ansätze hatten. daß dann aber eben solche feinsinnigen bewegungen in dieser menge an ausgestellten exponaten untergehen, ist schade. irgendwie wirkt diese „demokratische bewegung“ (nach herrn preiß) ein wenig wie lustlosigkeit sich im vorfeld mit den einzelnen positionen auseinander setzen zu wollen.
dass sich jedoch im gegensatz zum anfänglich beschriebenen konzept die letztendliche präsentation soweit gewandelt hat, wurde meiner ansicht nach den beteiligten künstler/innen nicht transparent genug kommuniziert und wurde damit der anfänglich vermittelten vorstellung nicht gerecht. ich habe den verlauf mal anhand meiner informationsmails nachverfolgt: die erste einreichfrist war der 12. februar, diese wurde verlängert bis zum 31.märz. am 8. april bekam ich dann den ersten newsletter, in der die neue lokalität, viehauktionshalle, kommuniziert wurde. das ist für meine begriffe zu spät, um die einreichung auch für die künstler/innen gerecht zu vermitteln. vielleicht wäre ohne eine derartige verlängerung der einreichungsfrist auch die menge der arbeiten in dem rahmen gewesen, dem einzelnen werk und der anfänglich transportierten vorstellung (in der wahl des ausstellungsortes und der art der einzelnen präsentation) gerecht zu werden. auch die anfängliche formulierte einschränkung der einreichungen auf die medien grafik, malerei und kleinplastik, hat da genauso in das bild meiner vorstellung gepasst und verdeutlichte ein positionierende kuratorenschaft, an der es nun im nachinein mangelt.
naja nun ist es alles... und vielleicht nichts... aus meiner sicht – schade. ...schauen wir also, ob sich die künstler/innen im einzelnen so gut aufgehoben gefühlt haben und ob es bei der nächsten groß-kunst-floh-markt-aktion wieder so viele einreichungen geben wird.
Konstantin Bayer | 18.05.10
Herr Schierz hat ja reichlich Erfahrung mit dem Druck der Öffentlichkeit, wenn es um die Beurteilung von Kunst geht. Vielleicht sollte er eine Abstimmung über die Bazonnale initiieren. Dabei ist aber zu berücksichtigen, dass in der Bazonnale ausschließlich privates Geld steckt und kein Cent Staatsknete. Ich bezahle gerne noch mal den Eintritt von Herrn Schierz -kein Scherz - wenn er dann den Mut hat zu kommen um konkret zu sagen was er meint, wenn er von "dünner Soße" bazoniert. Am 2. und 3. Juni bin ich in Weimar und halte mich bereit. Wir sehen uns in der Halle.
Michael Cremer | 18.05.10
Sehr geehrter Herr Bayer, nachdem nun plötzlich der Artikel von Kai Uwe Schierz aus diesem Blog verschwunden ist und stattdessen Ihr Komentar als beteiligter Künstler erscheint, möchte ich Ihnen doch schnell antworten in meiner Eigenschaft als Organisatorin und vor allem Finanzier der Bazonnale.
Die Ausstellung hat uns alle viel Arbeit und Energie abverlangt, viele haben ehrenamtlich mitgearbeitet und die Sache trotz aller Widerstände (und dazu gehören auch die großen Mengen von Einsendungen) zustande gebracht. Ihnen als beteiligter Künstler ist es unbenommen Ihre Arbeiten sofort aus der Ausstellung zurückzuziehen, was Sie ja auch schon hätten tun können als Ihnen auffiel, dass Ihr Werk in der "groß-kunst-floh-markt-aktion" untergeht, denn schließlich läuft die Ausstellung schon fast zwei Wochen. Die "enthemmte Kuratierung" möchte ich Ihren Arbeiten nicht länger zumuten. Andere Künstler haben bereits Kaufanfragen erhalten und Kontakt mit Kunden aufgenommen.....
bettina preiß | 19.05.10
Konstantin Bayer, Künstler und Ausstellungsmacher aus Weimar weiß wo von er spricht. Die, von ihm mit gegründete und betriebene, Galerie Eigenheim ist neben dem ACC der einzige Ausstellungsraum in Weimar mit einem kontinuierlichen, frischen Programm internationaler, zeitgenössischer Kunst. Dass er nicht der Einzige ist, der mit der Bazzonale unzufrieden ist kann z.B. auf folgendem Blog nachgelesen werden.
http://www.claus-bach.net/?p=3308
Zu der Unfähigkeit Kritik zuzulassen und in eine ernsthafte Debatte einzusteigen, wie man den Kommentaren der Organisatoren entnehmen kann, fällt einem nichts mehr ein. Eine unseriöse Beschimpfung der teilnehmenden Künstler, die sich kritisch mit der Bazzonale auseinandersetzen ist aber peinlich, unprofessionell und jenseits allem erträglichem.
Und im Übrigen, sehr geehrte Frau Preiß, ist der Beitrag von Prof. Schierz nicht aus dem Blog verschwunden. Einfach mal die aktuellen Texte im Blog ansehen.
Dirk Teschner | 19.05.10
Wer hat mein Schinken auf der Weide vergessen?
Ich hatte wenig Verständnis als mir 2 STUNDEN!!! vor der Vernissage zur Ausstellungseröffnung mitgeteilt worden ist, dass mein Bild und die Bilder sämtlichen Kollegen nicht präsentiert werden könnten (offizielle Erklärung: "die Wände waren nicht hoch genug und man habe sich verschätzt". Mein Interpretation: "Größer ist Geiler".) Ich habe trotz freier Zugang zur Ausstellung die Vernissage dann wohl verpasst...
Deshalb bin ich auch nicht einverstanden mit dem Begriff "unzensierte Dokumentation". Bis heute habe ich kein Nachricht enthalten ob mein Vieh in der Auktionshalle eingeführt wurde - oder noch im Regen steht.
Eigentlich ist es mir würscht. Ich beteilige mich an mehreren Ausstellungen im Jahr, und Bazzonale hin oder her, die einzige Fragen die mir meinen Agentin stellte sind:
@ArtLawyer: "Darfst du in deinem künstlerischen Lebenslauf eine Ausstellung angeben woran du gar nicht beteiligt worden bist, und dürfen die Ausstellungsmacher mit deinen Namen und Werken werben? (Dies ist keine Qualitätsfrage, sondern eher eine rechtliche...)"
@Dirk: Unseriös ist was anders. Ich finde es auch erschreckend, aber die lehrerhaftliche Formfehler von Frau Preiß ist einen typischen Anfängerfehler.
@MeinDeutschIstBesserAlsDeins: (Sorry für meinem imperfekten Deutsch - aber ich bin nicht davon ausgegangen, dass Englisch hier ernst genommen wird, und meine Agentin ist gerade unterwegs.)
daniel caleb thompson | 19.05.10
Das Besondere und einzigartige des Ausstellungsprojektes „Lust 2010“, Bazonnale I, ist, dass sich diese Veranstaltung vollständig aus eigener Kraft entwickelt und realisiert hat. Ein kleines Team investiert seine Arbeitskraft und privates Kapital in eine Ausstellung, ohne auf öffentliche Gelder zurückzugreifen, riskiert und versucht auf diese Weise sein Glück.
Allein dieser Schritt verdeutlicht, dass Kunst Arbeit ist und wie jede andere Arbeit nach Investition verlangt und der Erwirtschaftung des eigenen Lebensunterhalts dient. Als Mitstreiterin des Bazonnale-Teams und teilnehmende Malerin erfahre ich die Realisierung dieses einfachen Gedankens innerhalb unseres Projekts. Aus diesem Grund empfinde ich die veröffentlichte und schon vielfach vernommene Äußerung, es sei unzumutbar, wenn man für diese Ausstellung Eintritt verlange, als Herabwürdigung unserer Arbeit, die wir mit vollem Einsatz leisten. Es ist selbstverständlich, dass Eintrittsgelder eingenommen werden, um die Kosten der Ausstellung zu decken. Nichts, was einen Wert hat, ist kostenlos.
Als Malerin schätze ich die Bazonnale aufgrund der Möglichkeit für die Künstler, in direkte Konkurrenz zueinander zu treten und damit einen vielfältigen und spannungsvollen Markt zu bilden, der es unseren Kunden erlaubt, sich einen repräsentativen Überblick über die aktuelle Kunstproduktion zu verschaffen und daraufhin auszuwählen. Dabei nehmen wir unsere Eitelkeit zugunsten unseres Erfolgs auf dem Markt etwas zurück. Konkret am Beispiel der Bazonnale bedeutet das: Ausstellungsarchitektur und die „Hängung auf Konfrontation“ sind souveräne Entscheidungen von erfahrenen Ausstellungsmachern, die ich als Malerin akzeptiere, da ich um deren Professionionalität weiß. Im Gegenzug erkennt das Bazonnale-Team die künstlerischen Arbeiten ohne Außnahmen an. Daher sind Arbeiten, so sie hängbar oder aufstellbar sind, aller Künstler in der Ausstellung vertreten, was ich für außergewöhnlich und sehr fair halte.
Eine Bestätigung für den Erfolg dieses Vorgehens erhalten wir täglich durch viel positive Resonanz der Besucher, die sich meist stundenlang diskutierend und amüsiert durch die Viehauktionshalle bewegen. Die Besucher der Bazonnale fühlen sich sichtlich sehr gut unterhalten und das ist neben den Verkäufen das wichtigste, worum wir uns als Ausstellungsmacher bemühen. Daher kann ich die Vermutung, dass sich eine gewisse Lustlosigkeit im Kuratorium breit gemacht habe, revidieren. Im Gegenteil wir hatten trotz schwerer ganztägiger körperlicher Arbeit, kleiner und großer Pannen und hohem Zeitdruck viel Freude am Aufbau und dem Zusammenstellen der Arbeiten.
Mit den Positionen der einzelnen Arbeiten setzt sich nun täglich unser Publikum auseinander, dass gerade aufgrund der Tatsache, dass im Vorfeld nichts ausgewählt, verglichen und auseinandergesetzt wurde, nun umso mehr Spaß am Entdecken,Vergleichen und Konsumieren von Kunst hat.
Jasmin Kleingärtner | 20.05.10
Jetzt machen Sie aber mal halblang Herr Teschner, im Beschimpfen der Künstler sind Sie weit besser als ich, Zitat: " Was da alles an die Oberfläche gespült wurde, bemalte Leinwände, die man zu recht bisher nie sehen musste." Ich bezweifele auch nicht Herr Bayers Kompetenz als Galerist, ich biete ihm lediglich an, seine Werke aus einer Ausstellung zurückzuziehen, die er selbst für "ungehemmt kuratiert" bezeichnet und für eine "groß-kunst-floh-markt-aktion" hält. Wozu die ganze Aufregung? Wer Augen hat zu sehen, der sieht, wer nicht, der eben nicht.
bettina preiß | 20.05.10
Es wurde ja schon eine Menge diskutiert, sachlich und weniger sachlich argumentiert, sogar beschimpft, runtergemacht, freundlich klar gestellt ...
Ich kann nur eins sagen: Bei fast allen kuratierten Ausstellungen der letzten Jahre habe ich mich ganz fürchterlich gelangweilt - ich mag schon gar nicht mehr hingehen zu den verknöchert-einseitigen Nabelschauen diverser Kuratoren (Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel!!!!) - aber über diese „Bazonnale Lust“ zu schlendern und zu entdecken oder zu verwerfen, zu schmunzeln, zu staunen, angezogen oder auch abgestoßen zu werden, das hat schon echt Spaß gemacht, das hatte etwas von „prallem“ Leben ...
Oh pardon, so was sollte man im Zusammenhang mit zeitgenössischer Kunst wohl besser nicht über die Lippen kommen lassen ... ;-)
Zur Hölle mit dem etablierten Kunstbetrieb!
Selten habe ich mich nach einer Ausstellung so lebendig gefühlt!
DAS KONZEPT WAR LÄNGST ÜBERFÄLLIG!
karin rindler | 20.05.10
Eine kontroverse Diskussion halte ich für gut, weil da unterschiedliche Standpunkte an die Öffentlichkeit gelangen. Die Wortwahl der Kritiker lässt vermuten dass diese - aus welchem Grund auch immer - verletzt sind, weil gute und weniger gute Kunstwerke nebeneinander ausgestellt werden. Das aber genau ist der Sinn einer juryfreien Ausstellung. Und wer sich traut so zu urteilen wie Sie, Herr Teschner und Herr Schierz, der sollte sich einer öffentlichen Diskussion stellen ohne dabei desavouierend über einzelne Werke, das Tun anderer und den Wert - den andere geschaffen haben - herzuziehen.
Michael Cremer | 20.05.10
ein kommentar einer ausstenstehenden (ich war nicht auf der bazzonale und die rezensionen machen nicht gerade LUST dort hin zu gehen):
mit schmunzeln lese ich die beiträge. und sehe verwundert dass in der angeblich ach so juryfreien ausstellung plötzlich die bilder zurück gezogen werden mussten! zeigen diese ansichten die dem veranstalter nicht gelegen kommen? unterstützen diese bilder evtl. die ansichten von herrn teschner und herrn schierz?
"Hier handelt es sich um den ersten Argumentationsfehler, da alle Werke in der Ausstellung gleich sichtbar sind ". herr preiss hat wohl den metaphorischen gedanken der angebrachten kritik nicht verstanden. klar alles ist gleich sichtbar, fragt sich nur ob man noch sehen kann wenn die augen am liebsten sich verschließen möchten.
im übrigen stimme ich herrn schierz zu, die ausstellung mit den salon des refusés zu vergleichen ist absolut abwegig, aber das hat herr schierz ja schon ausgiebig und nachvollziehbar argumentiert.
"Jawohl, sie haben richtig verstanden. Hier wird gerade ein Paradigmenwechsel in der gesamten Kunstszene eingeläutet." sagt herr cremer. na herr cremer ob man das feststellen kann mit dem only lässigen konzept der juryfreien auswahl? zudem wie wir nun jetzt wissen, die ausstellung doch nicht so juryfrei war. ausser hier im kunstblog habe ich noch nie von der messe gehört, geschweige denn wurde darüber diskutiert. wie soll denn ein paradigmen wechsel stattfinden, wenn dieser auf keine resonance stößt?
eine ausstellung die lediglich immer wieder von den machern auf ihre juryfreiheit, der großartigen kraft die man aufwendet und die großartige ehrenamtliche arbeit hinweist kann von einem aussenstehenden nicht als qualität oder maßstab verstanden werden. das ist realität mit der man sich - nicht nur - als künstler tagtäglich umgibt, selbst wenn man nicht im olymp aufgestiegen ist. das alleine ist zu wenig, das ist voraussetzung. darüber braucht man nicht zu reden. also wo ist ihr konzept, wo ist ihre bereitschaft zur diskussion, wenn denn nun schon so viel kommt an kritik. man sollte sich dieser eher stellen als alles nur zu verteidigen mit der ach so vielen arbeit die man geleistet hat.
zum schluß: die bestätigung mit der zahl der amüsenten besucher zu erklären ist eher dürftig. einschlaltquoten sagen nichts über qualität aus.
nützen sie doch die rege kritik als chance, um zukünftig eine juryfreie ausstellung zu machen, die aber in ihrem konzept ein wenig stichhaltiger ist im vorfeld. jahrmärkte haben wir doch schon genug.
heidi sill | 20.05.10
„In Zeiten, in denen selbst Liebe unter zwei Personen zur Arbeit geworden ist, ist Rezeption allemal Arbeit. Dagegen hat sich zum größten Teil das Publikum gewehrt; dagegen haben sich vor allem auch Kritiker und Künstler selbst gewehrt, denn sie fürchteten, beim Publikum an Interesse zu verlieren, wenn Kunstvermittler wie ich ihm klarmachen, daß Rezeption Arbeit ist. Das Publikum strömt diesen Künstlern vornehmlich deswegen zu, weil es dort Attraktionen analog zur Zirkuswelt und zum Unterhaltungsgewerbe vermutet. Bloß keine intellektuelle Überfrachtung, bloß keine Anstrengung des Begriffs, bloß keine historischen Exkurse, bloß keine ikonologischen oder sonstigen spezifischen Studien, denn das könnte ja bedeuten, daß bei einer solchen Anstrengung die Attraktivität der Kunst verloren geht. ..
Ein Ausstellungsmacher bzw. Kurator ist ein Stellvertreter für das Publikum, der zeigt, wie man mit den Zumutungen von Kunst fertigwird, die nicht durch Besitz, Kritik, Anerkennung, Wissen, Einordnung usw. zu befriedigen sind. Bei der Tätigkeit des Kurators geht es um das Produktivwerden von Kommunikation.“ Bazon Brock
Wir reden ja hier nicht darüber, dass es eine Fülle kuratierter schlechter Ausstellungen gibt. Da die meisten Ausstellungen kuratiert sind und die meisten Ausstellungen schlecht und langweilig sind ist das zwangsläufig. Aber es gibt sie, die gut kuratierten guten Ausstellungen. Wer in Weimar diese seltene Spezies sehen will brauch sich nur die Ausstellungen im ACC anzusehen. Seit längerer Zeit gibt es aber eben auch jenseits der etablierten Kunstbetriebe gute Ausstellungen zu sehen, in kleinen Galerien, temporären Industriebauten oder Kunsthäusern. In meiner langjährigen Laufbahn als Kurator und Ausstellungsmacher bestand die kuratorische Arbeit zu aller erst in der Auswahl der Künstler und der thematischen Auswahl, mit dem Versuch den Künstlern die größte mögliche Freiheit zu lassen. Aber Ausstellungsmacher sind Ausstellungsmacher weil sie Ausstellungen machen können und Künstler sind Künstler weil sie Kunst machen können. Dazu gehört dann eben auch den Künstlern gegenüber ehrlich zu sein, dass heißt Schrott muss auch als Schrott bezeichnet werden. Und mit dem Publikum als kritische Masse ist es so eine Sache. Den meisten Zuspruch in Thüringen hat die Erotikmesse …
Dirk Teschner | 21.05.10
Sehr geehrte Frau Sill,
ich kann Ihnen nur dringend empfehlen die Ausstellung zu besuchen, dann können Sie sich ein Urteil bilden. Ein Urteil erlauben können Sie sich auch, wenn Sie die Ausstellung nicht gesehen haben. Aber wer soll bitte einem solchen Vorurteil Glauben schenken?
Sehr geehrter Herr Teschner,
Bazon Brock hat mehrere tausend Seiten veröffentlicht und unzählige Interviews gegeben, bitte nennen Sie Ihre Quelle.
Michael Cremer | 21.05.10
Zitat:
„Dazu gehört dann eben auch den Künstlern gegenüber ehrlich zu sein, dass heißt Schrott
muss auch als Schrott bezeichnet werden. Und mit dem Publikum als kritische Masse ist es > so eine Sache. Den meisten Zuspruch in Thüringen hat die Erotikmesse …“
Wäre es nicht sinnvoller, ganz andere Formen der Qualitätsschulung zu entwickeln, die es den Rezipienten ermöglichen, selbst gute Kunst von schlechter Kunst zu unterscheiden, als ihn, wie dezent auch immer, aus dem Elfenbeinturm heraus zu bevormunden?
Dass die Erotikmesse solchen Zuspruch hat, verwundert nicht: Ein wenig haben die Besucher schon den Eindruck, dass viel mehr möglich sein könnte, als sich im eigenen Schlafzimmer abspielt und dass vielleicht eigene geheime Sehnsüchte nicht auf immer und ewig unerfüllbar sind?
Und was haben die meisten für Gefühle, wenn sie den oft kryptischen Ausführungen der Kunstexperten lauschen? Dass sie nix verstehen, ungebildet, unsensibel, außen vor sind ...
gerade keine günstige Voraussetzung für einen konstruktiven Lernprozess.
karin rindler | 21.05.10
Glücklicherweise gehöre ich zu den Künstlern, die sich rechtzeitig zurückgezogen haben von der "Bazonnale". Konkrete Fragen zur Ausstellungsgestaltung wurden im Vorfeld nicht beantwortet; alles schien mit der heißen Nadel gestrickt. Die Fotos von der Eröffnung, die inzwischen nicht mehr im Web zu sehen sind, sagten mir, dass meine Entscheidung richtig war: Chaotische Hängung, kaum verkraftbare Massen an Bildern, das einzelne Werk geht völlig unter, somit auch der einzelne Künstler. Nur Herr Bazon Brock nicht, und das war ja wohl auch der Sinn der Übung: Selbstdarstellung und Quote. Gratuliere, damit reiht sich die Schau ein zwischen Bildzeitung, Musikantenstadl und Freitagskrimi. - Wieso eigentlich wird das Fotografieren in der Ausstellung verboten? Und warum sind die Fotos von der Eröffnung verschwunden? Die Gründe, das schlechte Gewissen und die Angst vor weiterer Kritik, sind so offensichtlich, dass es keiner Kommentierung bedarf. Bleibt nur die Aufnahme mit Minikamera durchs Knopfloch, damit der Nachwelt die Warnung erhalten bleibt. Weimar scheint sich den Ruf eines Ortes von Ramschausstellungen sichern zu wollen (Aufstieg und Fall der Moderne 1999). - Bezeichnend auch, dass in der jetzigen Diskussion nirgends von Kunst die Rede ist geschweige denn von einzelnen Bildern. Die Macher ziehen sich auf Verteidigungspositionen zurück, mehr oder weniger beleidigt, die übrigen lobhudeln oder kritisieren, je nach Meinung. Über die Kunst, die Werke, redet keiner. Vielleicht, weil man sie vor Chaos nicht sieht?
Rudolf Sittner | 24.05.10
Dem Künstler seine Kunst, dem Kritiker die Kunstkritik.
Eggs Gildo | 25.05.10
Sehr geehrter Herr Sittner, wir haben keine Angst vor Kritik und auch kein schlechtes Gewissen. Auf der Seite der Bazonnale (www.bazonnale.de) können Sie alle Bilder der Eröffnung, der Vorbereitungen und auch alle teilnehmenden Kunstwerke anschauen (http://www.bazonnale.de/lust2010/news/?id=3343) oder auch (http://www.bazonnale.de/lust2010/presse/).
Die von Herrn Teschner eingestellten Bilder waren ohne unser Einverständnis gemacht worden, wir haben für die Bazonnale einen eigenen Fotografen, somit ist das urheberrechtlich geklärt und die VG BildKunst ist darüber offiziell in Kenntnis gesetzt. In einem Punkt gebe ich Ihnen vollkommen recht: es wird nicht über die Kunstwerke gesprochen, alle Beiträge beziehen sich auf die Ausstellung und die Kritiker belassen es dabei, mit Kritik der Ausstellungskonzeption, über die man ja durchaus verschiedener Meinung sein kann, pauschal die Kunstwerke als "minderwertig" anzuprangern. Keiner wagt es allerdings Dinge wirklich beim Namen zu nennen. Wo in der Ausstellung hängt denn nun nach Meinung der Kenner und Fachleute der "Kitsch"? So kommt dann doch eher der Verdacht auf, es geht wirklich gar nicht um die Kunst und die Kunstwerke sondern darum, dass wir es gewagt haben "in fremden Revieren zu wildern". Die Karten sollen wohl so verteilt bleiben wie sie sind, die Leiter von Kunstvereinen und Galerien möchten eben eine solche Veranstaltung nicht. Argumente werden nicht viele ausgetauscht. Warum zum Beispiel meinen Sie, dass das einzelne Werk in der Masse untergeht? Die Petersburger Hängung war in früheren Jahrhunderten die übliche Form Bilder zu präsentieren ob im privaten Umfeld oder im repräsentativen Bereich. Unsere Sehgewohnheiten sind durch Museumspräsentationen des 20. Jahrhunderts geprägt, die aber ja nicht ewig gelten müssen und auch nicht der Endpunkt einer Entwicklung darstellen müssen. Lassen Sie uns das doch mal ohne die ständigen Vorwürfe und Bitterkeit wirklich diskutieren und eben auch ausprobieren. Warum kann eine Ausstellung nicht mit ungewohnten Formen experimentieren? Die Unterstellung der Kritiker ist die der Inkompetenz, der Ideologie und des sonstigen Banausentums ( und das immer sehr persönlich gegen Achim Preiß gerichtet), echte Auseinadersetzung mit dem Konzept gibt es nicht, denn wenn man von vornherein Konzeptlosigkeit unterstellt, macht man es sich leicht, man braucht nur bissig zu sein, aber muss sich nicht auseinandersetzen. Wir laden ein zur Diskussion und dazu gehört, dass man zuhört und liest was der andere zu sagen hat.
bettina preiß | 25.05.10
Leute! Schaut euch doch einfach Kunst an!
Mareike Freitag | 25.05.10
Sehr geehrte Frau Preiß,
gelesen habe ich lediglich Ihren letzten Kommentar. Da kann ich sagen, keine Angst: Solange Sie nichts verkauft haben, haben Sie auch nicht gewildert. Und selbst dann, kann man sich nur freuen. Meine inhaltliche Meinung kennen Sie aus meinem Blog.
Jetzt aber die Dinge beim Namen nennen.
Da fange ich mit Jeffrey Isaac an. Sie haben ja den Dreierzyklus Asmodeus erhalten. Ich mag ihn. Trotzdem kann ich hier die Kritik verstehen, dass das Thema Lust nicht ganz transparent ist und die Verknüpfung Lust und Sünde vielleicht nicht die populärste ist. Kein Kitsch, meiner Meinung nach, aber Geschmäcker sind verschieden. Viele sehen in den Bildern von Jeffrey Isaac oft zu viel eigenen Samen, bzw., Ego. Damit hat er aber sehr viel Erfolg. http://bazonnale.de/lust2010/kuenstler/?id=4778
Als zweites will ich die Zeichnung von Peter Hintz ansprechen. Peter mag es mir verzeihen, aber diese ging ein bisschen in die Hose. Es ist eine Neuauflage einer älteren Zeichnung. Bei Lustige Staaatsgewalt ist man zuerst ein bisschen irritiert ob der entblößten Intimbereiche des kleinen Kindes. Doch dann merkt man, dass die ganze Haltung eher an das Hochhalten zum Wasserlassen erinnert. Ein schöner Doppelwitz. Wer aber die erste Fassung kennt, der vermisste sie. Wenn möglich, kaufen sie die erste. http://bazonnale.de/lust2010/kuenstler/?id=4888
Das Hansa Wißkirchen ein Punk sein soll, lässt sich bei einem Blick auf sein "Vorhang auf" kaum erraten. Denn das Material ist sehr clean. Dennoch hat es eine gute Spannung, ist witzig und erwerbenswert. Ich würde mit Hansa den Preis aber noch einmal diskutieren. http://bazonnale.de/lust2010/kuenstler/?id=4849
Zuletzt sei Anna Genger erwähnt. Ihre Zeichnungen und das eine Gemälde sind einfach nur geil. Damit landen wir, obwohl abstrakt, gleich bei der Lust, denn das machen die auf alle Fälle. Kein Wunder, dass sich die renommierte Galerie Upstairs diese Künstlerin gesichert hat. http://bazonnale.de/lust2010/kuenstler/?id=4764
Wen das hier jetzt gerade zu schamlos ist, der sei erinnert:
Ich wurde nach meinem Geschmack gefragt und habe geantwortet.
Und weiter ist die Aufgabe eines Förderers, Galeristen und Händlers, die Künstler und nicht sein Ego zu fördern.
In diesem Sinne kann ich allen Leserinnen und Lesern nur empfehlen, die angesprochenen Exponate zu kaufen. Neben dem garantierten Kunstgenuss ist bestimmt noch eine kleine oder große finanzielle Spanne drin.
Gruß
Theo Feig
Theo Feig | 26.05.10
Super! Danke Theo Feig, dass Sie endlich den Einstieg gegeben haben, über die Werke zu spekulieren, einzuschätzen und Kaufvorschläge zu machen! Es ist richtig, dass die meisten Künstler bereit sind, über die Preise zu reden, um sich mit dem Interessenten auf einen Kaufvertrag einigen zu können.
Also: Einfach Kaufinteresse direkt vor Ort oder über die Website bekunden und der direkte Kontakt zum Künstler ist sicher!
Bislang stoßen unter anderem die Arbeiten von Gunther Lerz, Ingo Lehnhof, Katja Triol und Ann Besier auf reges Interesse. Chris Popovics Malerei interessiert mich persönlich am meisten. Vor allem "Cubicularum 35" finde ich aufgrund seiner ruhigen, morgendlichen und reinen Stimmung, die doch einen Hauch von Rätsel und Spannung transportiert, wunderbar.
In diesem Sinne wünsche ich weiterhin allseits große Kauflust!
Jasmin Kleingärtner | 27.05.10