Markus Wirthmann | Vorschau
Vom Club ins Museum II
Vor fünf Jahren organisierte ich, als Teil von lueckeundpartner, unter Federführung von Peter Lang und Lillevan als Kuratoren, die Ausstellung Vom Club ins Museum? Sie ging, laut Untertitel, den Fragen zur Zukunft digitaler Bilder nach. Damals wollten wir die Wirkung und Auswirkung der Arbeit von VeeJays, den oft als Livestream produzierten Club-Visuals, auf die Bildende Kunst und den Kunstbetrieb erforschen.

Unter anderem Lillevan gestern (3/3)

Lillevan morgen
Zu diesem Zweck luden die Kuratoren "Vierzehn mit elektronischen Medien arbeitende Künstler" ... ein, um ... - das führt mit jetzt zu weit und außerdem kann man es in einem liebevoll gemachten PDF-Katalog hier selbst nachlesen.
Und warum wärme ich die ollen Kamellen wieder auf? Weil ich gestern beim twittern über eine Ausstellung, respektive einen Zeitungsartikel über eine Ausstellung gestolpert bin, der eine ganz ähnliche, wenn nicht sogar dieselbe, Fragestellung beackert:
... Analog zum DJ, zum Disk Jockey, nannten sie sich VJs, Video Jockeys. Gereon Schmitz von visomat inc. erklärte 2004: „Die ganze Welt hat eine extrem starke Medialisierung erfahren. Ein VJ ist im Idealfall jemand, der sehr virtuos, sehr bewusst und sehr genau mit Bildern umgehen und sie in einen anderen Kontext setzen kann – um mit ihnen subversiv und affirmativ zu arbeiten.“
Der ideale Präsentationsort für einen solchen Bilderreigen wäre das Fernsehen. Aber natürlich verweigerten die Sender jenseits einiger Formate im Musikfernsehen die Ausstrahlung. Zwar arbeiteten einige wenige der Akteure im Kontext von Galerien, aber der nüchterne, interesselose Blick des Kunstpublikums interessierte die Videokünstler weniger. Ihre Zuschauer sollten nicht die kantisch sozialisierten Betrachter der Hohen Kunst sein. Vielmehr zielte man auf ein emotionaleres, fragileres Publikum – auf den berauschten, ekstatischen Clubbesucher.Der Autor, der auch als Projektleiter verantwortlich für die Ausstellung zeichnet, kommt allerdings in seinen Ausführungen zu einem wenig euphorisierten Schluss. Während vor fünf Jahren das Team um Lang und Lillevan die Ausstellung noch ins Museum nach Helsinki begleiteten und die VeeJay-Art dort, also im Museum, angekommen sahen resümiert Alexis Waltz:
Wo steht die Kunst der VJs heute? In der Clubszene hat das Interesse an Club Visuals nachgelassen, nachdem sie sich wieder verstärkt der Popmusik aus der Zeit vor Techno zugewandt hat. Es ist wenig überraschend, dass das Wissen der VJs aus dem Kontext des Messebaus und der Produktpräsentation abgefragt wurde. Die Hoffnung, dass das Fernsehen den Remix seiner selbst zum Teil des Programms machen könnte, wurde bis heute nicht eingelöst: Ein Kanal für einen radikal offenen Umgang mit Bewegtbildern fehlt nach wie vor.
Alexis Waltz in der Freitag
Morgen: Screendancing
vom 7. Mai bis zum 3. Juni 2010
HBC, (Ungarisches Kulturzentrum), Berlin
Gestern: Vom Club ins Museum?
Fragen zur Zukunft digitaler Bilder
aroma, Berlin
7. bis 13. Februar 2005
Markus Wirthmann, 08.05.10 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor
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