Markus Wirthmann | Alles
Zombies usw.
Vodou. Kunst und Kult aus Haiti
18. Mai - 24. Oktober 2010
Museen Dahlem, Berlin

Zombie war dort nur ein einziger zu sehen, und zwar in Form einer kleineren Steinplastik die einen Houngan zeigt, einen Vodou-Priester, der eine gefesselte Gestalt vor sich hertreibt. Leider ist die Beleuchtung in der Ausstellung derart stimmungsvoll, dass es das blitzlose Fotografieren mit mäßigen Händy-Kameras nahezu unmöglich macht - für´s Gruseln ist das eher zuträglich, aber nun gibt´s kein Foto vom Zombie.

Und überhaupt sei die Zombifikation doch eine höchst selten durchgeführte Praxis, wie die diensthabende Ethnologin erklärte, und nur als äußerste Bestrafung bei Verstößen gegen Kult und Religion üblich. Was die Wissenschaftlerin allerdings als Belege für die tatsächliche Existenz von - sehr seltenen - Zombies anführte, klang irgendwie zwar spannend aber wenig überzeugend. Irgendwie kannte der Bekannte eines Dorfältesten da mal jemand, der eine Frau getroffen hatte, die ...

Wie dem auch sei, mit oder ohne Untote, die Ausstellung bietet Material zum Grausen genug. Skulpturen, deren Köpfe aus Totenschädeln bestehen und deren Körper in dreibeinigen Kochtöpfen enden - die Götter mögen´s schließlich heiß! Ganz garstig wird es angesichts der Bizango-Wächter. Im Halbdunkel tritt man einer kleinen Armee von hockenden und stehenden rötlichbraunen Monsterkriegern entgegen. Mit Amuletten und kleinen Spiegeln verziert, teilweise anscheinend bewaffnet, glotzen sie den Eindringling aus toten Augen an. Das ist der Stoff für Alpträume und Horrorstreifen Marke Hollywood.

Und das ist auch der Absender der meisten Klischees, die über Vodou (oder anglisiert Voodoo) durch unsere Köpfe wabern. So existiert zum Beispiel die nadeldurchbohrte Voodoo-Puppe gar nicht. Sie ist von der Idee her eine Ableitung der Kraftfigur wie sie aus der religiösen Praxis Zentralafrikas bekannt ist. Es handelt sich dabei um meist hölzerne Figurinen von Menschen oder Tieren, die mit unzähligen Nägeln und Metallstücken gespickt und damit spirituell aufgeladen sind. In der Afrika-Abteilung des gleichen Hauses sind diese Objekte in größerer Menge vertreten.

Es empfiehlt sich übrigens, ordentlich Zeit mitzubringen, denn der Eintrittspreis in die doch eher kleinere Vodou-Ausstellung schließt alle anderen Abteilungen des Museums mit ein.







Markus Wirthmann, 28.05.10 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor
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