Gastbeitrag | Kritik

"mirror mirror on the wall ...

Gastbeitrag von Ulrich Diezmann

... who is the fairest one of all"

Diese Zeilen wiederholten sich bei mir im Ohr. Ich hatte vor Jahren ein Lied mit diesem Text gehört und rätsele, von wem es ist. So was passiert, wenn in einer Ausstellung die meisten Werke aus Spiegeln bestehen, an der Wand, im Raum, stehend und auf Tischen aufgestellt.

ou mallon, ein Begriff aus dem altgriechischem, bezieht sich auf die Schule der Skeptiker (Pyrroniker) und meint "an sich ist nichts wahres als etwas anderes,... wir können die Dinge nicht erkennen, wie sie selbst sind, sondern nur wie sie uns erscheinen." Galerieinformation dazu "um nichts eher", weiteres auf http://www.d21-leipzig.de. Mit diesem Wissen aus einem altphilologischem Gymnasium angereichert, hörte ich mir die Rede des Galeriekurators Michael Arzt an. Dabei wurde auch das Geheimnis der Einladungskarte gelöst, diese zeigt auf der Bildseite die geografische Karte der iberischen Halbinsel mit den Ländern Spanien und Portugal.

Die Antwort des Künstlers: Er hat mal nachgelesen das die Grenze zwischen den beiden iberischen Staaten mit unterschiedlichen Längen angegeben wird, 850 laufende km bei den Portugiesen und ca.1200 bei den Spaniern. Wer weiß ob es stimmt, und damit wären wir wieder bei den Skeptikern.

Weniger skeptisch war das Publikum, das sich zu optischen Selbsterfahrungen ...

... und Gruppenchoreografie ...

... natürlich aus verschiedenen Perspektiven zu veränderten Wahrnehmungen und Erkenntnissen hinreißen lies.

Die meisten Arbeiten dieser Ausstellung sind in Ihrer Erscheinung unabhängig und autark. Einige Arbeiten finde ich persönlich ausgesprochen schön. Das ist vor allem im eher konzeptionellen Bereich nicht selbstverständlich. Diese Kunst von Eduard Klein ist klar, ehrlich und poetisch - es fehlt ihnen an nichts

Allerdings stehe ich den vom Künstler ausgelegten geistes- und naturwissenschaftlichen Fährten skeptisch gegenüber.
Vor allem wenn sich die Verbindungen zum Werk erst dadurch ergeben, das es genauere Erklärungen dazu Bedarf.
Zu leichtfertig gerinnen die Kunstwerke dabei zum illustrativen Nachweis angenommenen Gedankengutes und verlieren dabei ihre Unabhängigkeit. Wenn es darum geht das Weltbild bestimmter altgriechischer Philosophie in der heutigen Zeit zur Diskussion zu stellen, ist das klassische Werkzeug der Philosophie - die Sprache - immer noch das überzeugendste Mittel. Das ist hier aber auch nicht die erkennbare Absicht. Wenn Klein seinen Werken die Souveränität zutrauen würde, die sie ohne jeden Zweifel haben und sie für sich allein sprechen ließ, würde ich es begrüßen.

Und trotzdem: wenn ich gut gelaunt in eine Ausstellung hineingehe und noch besser gelaunt heraus gehe, dann ist es dem Künstler zu verdanken.

"mirror mirror on the wall ...

... whoes the throwdest of them all", diese Zeilen sind von Z-Ro, Rapper müßen sowas singen, das gehört zu Ihrem Job,
ist aber auch nicht der Song den ich suche, den der wurde früher veröffentlicht, der den ich meine.

D21 Lab: Eduard Klein - ou mallon
D 21 Kunstraum Leipzig
Demmeringstraße 21
04177 Leipzig
Ausstellung 3.Juli - 18. Juli 2010
geöffnet von Donnerstag bis Sonntag
13:00 - 19:00 Uhr
www.D21-leipzig.de

Gastbeitrag, 08.07.10 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor

 

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