Markus Wirthmann | Netz
Von Zombies, Vampiren und dem Kunstprekariat
Chris Dercon, derzeit noch Leiter des Haus der Kunst in München und demnächst Chef der Tate Modern, schreibt in Monopol über das Elend der zu vielen Kreativen. Was Dercon noch als Vision beschreibt ist allerdings mittlerweile zum Teil schon klammheimlich eingetroffen.
Artikel und Interviews dieser Art sind zwar in letzter Zeit Mode geworden und der Erfolg vieler - im Vergleich zu Früher, na sagen wir vor 15, 20 Jahren - scheinen dem Hohn zu sprechen. Allerdings darf man nicht übersehen, dass den relativ vielen noch viel mehr Nicht-So-Erfolgreiche entgegenstehen. Und es werden immer noch mehr ...
Man nennt sie Enthusiasten: eine Armee sogenannter kreativer Dienstleister. Man spricht von creative industries, aber das ist nur ein Trick, um das ökonomische Modell der kostenlosen Arbeit salonfähig zu machen. Man will Enthusiasten erzeugen, ihren Input nutzen, ohne Löhne zu zahlen. ... Sie haben nichts zu verkaufen, bieten nur ihre Dienste und ihre Ideen an. Oft ist die Hoffnung auf Festanstellung die Motivation für das kostenlose Anbieten der eigenen Dienste. Das nennt sich heute auch Kreativwirtschaft, worunter eine stille Übereinkunft der politischen Parteien von links wie rechts verstanden wird, Selbstausbeutung zu stimulieren. In Frankreich heißen diese Selbstausbeuter les intermittents, woanders digitale Bohemiens – es gibt inzwischen jede Menge theoretischer Schriften über sie ...
Hier geht´s zum Artikel: Das Künstlerprekariat sitzt in der Falle
Markus Wirthmann, 23.07.10 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor
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