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FischGrätenMelkStand, die allerletzte Ausstellung der temporären Kunsthalle im Schnelldurchlauf.
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Markus Wirthmann, 30.07.10 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor
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Kommentare
Hi Markus
was hast du für ein Handy ?
Ulrich Diezmann | 31.07.10
Kein iPhone. Die Ruckel-Zuckel-Ästhetik kommt aber von der nachträglichen Beschleunigung.
Markus | 04.08.10
Is doch egal, weil wie wir wissen: Wenn zu perfekt, lieber Gott böse. Jedenfalls danke für den Hinweis und hier meine Erinnerungen an diese Ausstellung:
Leicht verwirrt verlasse ich den Fischgrätenmelkstand. An einer Wand gegenüber der Fassade dieser Hochburg der Eigenartigkeiten sinke ich zu Boden - und erfahre Erleuchtung. Ach sooo.
Mit einem Schlag erkenne ich die verblüffende Ähnlichkeit dieser Festung des Irrsinns mit meinem Hirn. Eng, verwickelt, undurchschaubar, stellenweise zugemüllt, verletzunganfällig und unfallträchtig – so sieht's aus.
Überall stoße ich mir den Kopf, stolpere über Schwellen und falle Treppen hinunter. Es gibt viel zu staunen und zu lachen, und selten kenne ich den Grund. Zwar sind die Urheber irgendwo benannt auf Zettelchen, aber die gehen leicht unter im Geflimmer. So weiß ich nie genau, wer das alles erfunden hat, manches scheint geheimnisvoll, wie etwa Nina Canells "Anatomy of Dirt in Quiet Water", wo es unter finsterer Oberfläche gärt, aber was genau, da bleibt aber dem Tagesbewusstsein verborgen. Die im Dunkeln sieht man nicht.
So recht kann ich mich auch nirgends konzentrieren, weil mir ständig wer entgegenkommt oder mich überholt, wo ich vorn sein will und geht und steht, wo ich gehen und stehen will.
Anders gesagt: Es ist mal wieder viel zu präsent, das Leben innerhalb der Kunst. Wie in meinem Hirn eben. Zu viel Nicht-Kunst zwischen der Kunst, um klare Gedanken zu fassen oder auch nur die Aufmerksamkeit längerfristig irgendwo hin zu richten. Will ich es aber forcieren und nehme Zuflucht zwischen Kopfhörern, entzieht sich das zu Beobachtende der Beobachtung: Der Film hört auf, der Ton fällt aus, oder ein Kopfhörer von meinem Kopf. (Echt passiert, aber ich bin unschuldig.) Kurz: Meine Erkenntnisinteresse wird systematisch boykottiert und wer Bedeutung sucht, wird Dada ernten.
So klettere ich in meinen ausgelagerten Gehirnwindungen inmitten eines erhöhten Verkehrsaufkommens herum und je höher ich steige, desto bodenloser die Tiefe unter mir. Denn jeder Blick durch die Baugitter zu meinen Füßen fällt in den Abgrund. Mein Hirn ist ein abenteuerliches Konstrukt innerhalb einer Temporären Kunsthalle.
P.S. Was diese von Bock kuratierte Schau von den von ihm produzierten unterscheidet, ist der Mangel an Leichtigkeit. Die bizarre Komik, die sich besonders angenehm überträgt, wenn man seine Videos aus der sicheren Distanz des Kinosessels genießt, vermitteln die hier versammelten Arbeiten nur stellenweise. Wie zur Einstimmung läuft auf der Wand im Eingangsbereich (wo eigentlich stehen müsste: „Fremder, der du hier eintrittst, lass alle Hoffnung fahren“) einer dieser Jahrhundertfilme. Trügerisch langsam, unglaublich präzise, ziemlich brutal und unbegrenzt wieder aufladbar – sogar die (gefühlt) zwanzigste Wiederholung von "Once upon a Time in the West" (zu deutsch „Spiel mir das Lied vom Tod“) ist so hinreißend, dass ich mir fast den Kopf auskugel, um mir keine von Charles Bronsons Bartstoppeln (die Herren sind alle schlecht rasiert, aber Signora Cardinale gleicht die ästhetische Misere aus) entgehen zu lassen – an der Wand über der Schlange der Schaulustigen, die wir auf Zutritt harren zu John Bocks intrazerebraler Großbaustelle.
ChaLi | 07.08.10