Markus Wirthmann | Alles
Ergänzung: Pressemitteilung und offener Brief Berliner Galeristen
Pressemitteilung der Galerie EIGEN + ART die Nichtzulassung zur Art Basel betreffend >>
Offener Brief von Giti Nourbakhsch an die Kollegen Galeristen und -Innen >>
Die Galerie EIGEN + ART ist nicht zur Art | 42 | Basel zugelassen worden. Die stimmberechtigte Jury der Art | 42 | Basel besteht aus 6 Juroren von 6 verschiedenen Galerien :Xavier Hufkens, Xavier Hufkens, Brüssel
David Juda, Annely Juda Fine Art, London
Jochen Meyer, Galerie Meyer Riegger, Karlsruhe
Tim Neuger, neugerriemschneider, Berlin
Claes Nordenhake, Galerie Nordenhake, Stockholm
Eva Presenhuber, Galerie Presenhuber, ZürichDiese Jury hat entschieden, die Galerie EIGEN + ART, die 1983 in Leipzig gegründet wurde und seit 1992 mit einer zweiten Galerie in Berlin ansässig ist, nicht zur Art | 42 | Basel 2011 zuzulassen.
Diese Entscheidung ist anhand der Bewerbung mit den von der Galerie EIGEN + ART vertretenen Künstlern getroffen worden:
Akos Birkas, Birgit Brenner, Martin Eder, Tim Eitel, Nina Fischer / Maroan el Sani, Stella Hamberg, Jörg Herold, Christine Hill, Uwe Kowski, Rémy Markowitsch, Maix Mayer, Carsten Nicolai, Olaf Nicolai, Neo Rauch, Ricarda Roggan, Yehudit Sasportas, David Schnell, Annelies Strba, Matthias WeischerEine nachvollziehbare Begründung für die Ablehnung gab es nicht.
Es hieß im Ablehnungsschreiben:
"Owing to the limited amount of space available at the show, your gallery was unfortunately not among those initially chosen for inclusion in Art 42 Basel. However, the Art Basel Committee has placed your gallery on the waiting list for the Art Galleries sector".Mit der Ablehnung der Galerie durch die Galeristen der Jury wird nicht nur der Galerie der Zugang zum wichtigsten internationalen Messeplatz für Kunst versperrt, sondern im noch extremeren Maße den Künstlern.
Dieser Ausschluss trifft dann auch Sammler, Museen, Kuratoren und Kritiker, die so nicht die Möglichkeit haben, sich über die aktuelle Entwicklung dieser Künstler auf der Art | 42 | Basel zu informieren.Unsere Galerie hat mit ihrer Arbeit die Entwicklung des Kunstmarktes in den letzten 20 Jahren wesentlich gefördert. Das ist uns durch die langfristige und nachhaltige Arbeit mit den Künstlern gelungen, an deren Entwicklung wir aktiv teilhaben und deren Weg wir stetig begleiten. Diese Entscheidung einer Nichtzulassung wurde offensichtlich nicht auf der Grundlage einer künstlerischen Beurteilung gefällt.
Gerd Harry Lybke
"Liebe Kollegen in Berlin,wie vielleicht einige von euch wissen, bin ich nach 5 Jahren aus der Art Basel rausgekickt worden. Die Basler Jury besteht aus 6 Juroren, drei davon sind aus Berlin, Tim Neuger, Claes Nordenhake und neuerdings Jochen Meyer. Ohne deren Votum hätte meine Bewerbung nicht abgelehnt werden können. Eben diese Galeristen sind außerdem Gesellschafter der Gallery Weekend Berlin GmbH, der ich bis Mai 2010 für etwa 4/5 Jahre angehörte, bis ich auf eigenen Wunsch ausgetreten bin. Ich werde den Verdacht nicht los, daß zwischen meinem Austritt aus GWB und der plötzlichen Absage der Art Basel ein Zusammenhang besteht.
Ich war mit einigen Entwicklungen des GWB nicht einverstanden, ua weil der Nutzen, der daraus gezogen werden konnte, nicht gleichmäßig verteilt wurde. Am Erfolg des GWB war mir immer sehr gelegen, aber die zunehmenden Richtungskämpfe blieben einseitig, Vorschläge versandeten. Die Gesellschaftergruppe setzte sich zu dem Zeitpunkt aus einigen der maßgeblichen Galerien Berlins zusammen und ich verstand meinen Sitz als Vertrauensperson für die Interessen junger Galerien. Trotz meines Austritts als Gesellschafterin war ich fest entschlossen, weiterhin am GWB teilzunehmen. Nach meinem Rücktritt, der überraschenderweise keine Sympathie in der Gesellschaft fand, sind ua Joanna Kamm und Meyerriegger Gesellschafter geworden.
Mir war bei meinem Austritt deutlich bewußt, daß ich meine Präsenz in Basel gefährden könnte. Es ist allgemein verbreitet, daß man sich den Juroren der Art Basel nicht widersetzt, auch wenn der Schauplatz Berlin ist, oder gerade deswegen nicht. In der Basler Jury sitzen verhältnismäßig viele Galeristen aus Berlin, auch wenn der eine oder andere noch seine Stellung im Herkunftsort -Stockholm, Karlsruhe-hält. Man befürchtet also in Misskredit zu fallen. International ist die Meinung verbreitet, daß es deswegen in der Berliner Galerienlandschaft rigide zugeht. (Nach meiner Ablehnung wurde mir ua erzählt, daß einer der Berliner Juroren der Art Basel offen eine britische Galerie zur Teilnahme am ABC mit dem Argument ermutigt hat, von der Teilnahme hinge auch Basel ab. Ich nehme an, daß die Art Basel über diese Praxis nicht informiert ist.) Natürlich hat mich die Ablehnung der Art Basel sehr getroffen. Mir ist die Lust vergangen, in dieser verfilzten Stadt weiterhin arbeiten zu wollen. Ich wählte Berlin, weil diese Stadt für mich mehr als andere deutschen Städte für Freiheit und Offenheit stand. Diese Umgangsformen lehne ich ab und sie sind für mich politisch nicht akzeptabel.
Ich bin nach Indien gefahren und habe Abstand von dieser Affaire genommen. Dort habe ich eine Welle von Nachrichten bekommen. Mir wird viel Sympathie und Solidarität entgegen gebracht. Denn niemand nimmt an, daß sich die Ablehnung sachlich begründet. Im Interesse meines Betriebs, meiner Werte und Lebenseinstellung breche ich das allgemeine Stillhalten und Schweigen und lasse mich nicht einschüchtern.
Ich habe meine Teilnahme am GWB 2011 abgesagt.
Um in Zukunft Mißverständnisse zu vermeiden, wäre es gut, die Jury des GWB bestünde nicht fast zur Hälfte aus Mitgliedern der Basler Jury. Warum wurden Meyerriegger, die sich vor allem durch ihre vielen Sitze in Auswahlgremien hervortun, Gesellschafter des GWB, und nicht andere Galerien, die mit ihrem Programm für signifikante Tendenzen stehen wie Johann König, Isabella Bortolozzi, Barbara Weiss, Barbara Wien, Guido Baudach oder ganz junge Galeristen? Wenn man die Zugezogenen berücksichtigt, warum nicht BQ oder Buchholz, Philomene Magers .. ?
Der Verdacht liegt nahe, daß sich eine Basler Entscheider Clique in Berlin etablieren will, die das sowieso latent opportunistische Klima in Berlin verstärkt und festigen soll. An meinem Beispiel könnte ein Exempel statuiert worden sein, wie man mit Meinungsverschiedenheiten umgeht. Junge, aber nicht nur junge Galeristen haben mir schon oft gesagt, daß sie sich entweder ruhig verhalten oder/und gegen ihren Willen den für sie sehr hohen Beitrag zahlen und am GWB teilnehmen, um "einen Fuß in Berlin an Land zu bekommen, in Basel reinzukommen bzw zu bleiben".GWB war zum Wohle aller Berliner Galerien gedacht, nicht nur für die happy few, die daran profitieren. Außerdem sollte die Veranstaltung die Stadt nicht spalten zwischen den Guten, die bezahlen und teilnehmen und den anderen teilen. Die Öffentlichkeit schätzt Berliner Galerien besonders durch die Vielfältigkeit und die Jungen. Die Vollversammlung im Herbst bei Nordenhake, die ein transparentes brainstorming und ein pool für Kritik, Anregung und Lob sein sollte, führte trotz diverser Vorschläge zu keinen Veränderungen des GWB, außer das ich aus Basel rausflog.
Ich wünsche euch ein schönes neues Jahr,
liebe Grüße
Giti"
Pressemitteilung der Galerie EIGEN + ART die Nichtzulassung zur Art Basel betreffend >>
Markus Wirthmann, 17.01.11 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor
Kunst-Blog.com, Copyright 2005-2012. Alle Rechte vorbehalten.
Soweit nicht anders angegeben liegen die Rechte bei den jeweiligen Autoren und Künstlern, die die Urheber der Beiträge sind, und bei Kunst-Blog.com. Für Webseiten, auf die von dieser Site aus verlinkt wird, sind ausschließlich die Betreiber der jeweiligen Angebote verantwortlich.
Kommentare
"Unsere Galerie hat mit ihrer Arbeit die Entwicklung des Kunstmarktes in den letzten 20 Jahren wesentlich gefördert."
=> Lieber Julie, wenn du Deine Ellenbogen etwas weniger ausgefahren hättest, hätten sich bestimmt gerne weitere 'Kunstmarkförderer' gefunden.
"GWB war zum Wohle aller Berliner Galerien gedacht, nicht nur für die happy few, die daran profitieren."
=> Liebe Giti, das glaubst du doch selber nicht.
Ein bisschen peinlich mutet es schon an, wenn hier diejenigen, die niemals und zu keinem Zeitpunkt für Pluralität und Offenheit der Berliner Kunstszene einstanden öffentliches Weinen zelebrieren. Wer so lange zu den "happy few" gehörte und sich derart lange am entsprechenden Distingtionsgewinn labte, darf sich nicht wundern, wenn die Regeln die er bzw sie (mit)etablierte, nun den eigenen Fall beschleunigen.
Philipp Runge | 29.01.11