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Erinnerung an den 13. Januar 1938, eine Momentaufnahme aus der Kette nationalsozialistischer Verbrechen
Gastbeitrag von CPE
Adolf Hitler und Gefolge besichtigten am 13. Januar 1938 ihren großen Raubzug. Der Vorgang hatte Bedeutung für die Nachwelt seines „Tausendjährigen Reiches“ und wurde deshalb auch vom „Reichsbildberichterstatter“ festgehalten. Der Getreidespeicher „Viktoria I“ am Ufer der Spree in Berlin wurde zum Schauplatz einer gespenstischen Szenerie. Aufgestapelt oder an die Wand gestellt befanden sich darin mehr als 16.000 Kunstwerke der Klassischen Moderne, die aus deutschen Museen zuvor entführt und an ihren Richtplatz verbracht worden waren.
Nach einer zweistündigen Visitation durch den höchsten Repräsentanten des NS-Staates, den Reichskanzler Adolf Hitler, der gern als der größte Kunstsachverständige firmierte, erfuhren die „Gefangenen“ sein Urteil und das fiel vernichtend aus: kein Bild fand Gnade.
Was spräche gegen seinen Spruch? Mindestens seine Kennerschaft. Vor ihm lag das Beste, was die Bildnerische Moderne in den letzten Jahrzehnten hervorgebracht hatte.
Aber ging es überhaupt um die „Kunst“? Hitler forcierte allein seine Macht und liebte zur eigenen Darstellung jeden Exzess. Sein Götze hieß Terror. Das erste Opfer bei Diktatoren seines Schlages ist immer das freie Wort und die Kunst, die leicht zu erledigen sind. So auch hier und vollstreckt wurde ohne Gnade, augenblicklich. Verkauf oder Tausch hieß die Devise, ansonsten Vernichtung. So einfach und dabei ganz ohne jeden Skrupel, als entledigte man sich beim Marsch eines überflüssigen Gepäckstückes, handelten die Nationalsozialisten.
Dem echten Nazi galt „Kultur“ oder schlimmer noch „Kunst“ rein gar nichts. Was allein zählte, war ein durch Terror entfachter Fanatismus gegenüber der „Volksgemeinschaft“, die auf den „Führer“ eingeschworen werden sollte, um danach - zu allem befähigt - bereitzustehen hatte.
Die Männer in seinem Gefolge, die der Haupt- und Staatsaktion damals beiwohnten, gehörten zum Exekutionskommando, sie waren Mitglieder seiner Beschlagnahme-Kommission „Verfallskunst“. An deren Spitze, der „Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda“, Dr. Joseph Goebbels, im Volk einfach das „Reichslügenmaul“ genannt. Bei den sonstigen Herrschaften handelte es sich um die üblichen Hofchargen, allenfalls treue Parteigänger und Karrieristen mit kleiner Parteibuchnummer.
Dr. Franz Hofmann, Kunsthistoriker, NSDAP-Mitglied seit 1923, aufgestiegen zum „Abteilungsleiter >Bildende Kunst< im Reichspropagandaministerium“; Adolf Ziegler, NSDAP-Mitglied seit 1925, ein unbedeutender Maler, der als Lieblingsmaler des „Führers“ zum Professor und „Reichskunstkammerpräsidenten“ avancierte; Heinrich Hoffmann, Fotograf, NSDAP-Mitglied seit 1920, ein persönlicher Freund des „Führers“, mit dem Titel eines „Reichsbildberichterstatters“ und dem Vermögen daraus belohnt; Dr. Dr. Rolf Hetsch, Jurist und Kunsthistoriker, zum Zeitpunkt der Aufnahme parteilos. Sein Eintritt in die NSDAP erfolgte 1941 mit seiner Ernennung zum Oberregierungsrat. Er war der verantwortliche Referent im Reichspropagandaministerium, ausdrücklich bestellt zur „Abwicklung und Verwertung“ der Beute „Entartete Kunst“ und, wie zum Hohn, auch zuständig für die „Wahrung der Interessen der deutschen Museen“ bei diesem coup de maine. Eine Farce also.
Inzwischen ist das und was darauf an Verbrechen der Nationalsozialisten noch folgte Geschichte.
„Aus dem Geschehenen wollen wir auf das schließen, was geschehen kann.“ - J. J. Rousseau, „Der Gesellschaftsvertrag“. Die Angriffe auf die Freiheit des Wortes und der Kunst sind eindeutige Symptome, die verhängnisvolle Entwicklungen ankündigen. Es gibt sie beileibe noch an vielen Orten in der Welt und zunehmend wieder im europäischen Raum.
Gastbeitrag, 16.01.11 | Mehr von dieser Autorin/diesem Autor
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