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Gastbeitrag | 28.11.08
Intellectual Property and Conceptual Art
by Ben Judson

Detail of Sol LeWitt wall drawing at Dia Beacon (photo by Flickr user stan)
Julian Sanchez took a stab at describing the complex relationship between conceptual art and intellectual property recently on Ars Technica. I think he hits the major issues pretty well, and does a good job describing how they relate to work by Sol LeWitt, John Cage, Terry Riley, and even Glenn Gould (the story of Jeff Koons’ String of Puppies might have been an interesting one to add to the mix).
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Michael Reuter | 27.11.08
In the World Race, we are the outsiders

Haus der Künstler © Art / Brut Center Gugging, www.gugging.org
Randständige, Irre, Spiritisten, Unangepasste, Knackies: Die rohe, unverfälschte Kunst von gesellschaftlichen Außenseitern findet in der offiziellen Geschichtsschreibung selten Anerkennung, übt jedoch einen erheblichen Einfluss auf die etablierte Kunst aus.
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Christoph Bannat | 23.11.08
80 Jahre Mickey Mouse und Epcot

Am 18. November 1928 startet "Steamboat Willie" von Ub Iwerks und Walt Disney seinen Siegeszug um die Welt. Die Musikclips Mickey’s Choo Choo, The Karnival Kid, Haunted House und der wunderbare Skeleton Dance (alle auf Youtube) entstanden zwischen 1928 und 1929. Damit war der Grundstein für einen global player gelegt.
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Michael Reuter | 06.10.08
Immer wieder malen gehen. Die Bilder von Felix Wunderlich

Prozession, 130 x 110 cm, 2002
Ich glaube an das Gute und das Böse in der Malerei. Sie friert beide Zustände ein, macht sie bestimmbar. Im wirklichen Leben fließt das Gute übergangslos in das Böse, egal wie viel Rosenkränze auch gebetet werden. Ich kann Gott malen, in Wirklichkeit ist er nicht zu sehen.
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Michael Reuter | 01.09.08
„Als ich euch verlies, war ich euer Schüler, nun bin ich der Meister“

Portrait HS_by Philip Sdarr
Auf der Flucht vor weichgespülter Flachware stolperte der Rezensent auf der diesjährigen Art Cologne in der Koje der Galerie Fiebach&Minninger über beglückend Wüstes. Geboten wurde ein Konvolut von Arbeiten des 1983 geborenen Henning Straßburger. „YOU LOOK LIKE SHIT. IS THAT STYLE NOW“ war leider schon weg, „F*** ME I´M FAMOUS“ für ambitionierte 4.800 € noch im Angebot. „Parolenbilder“ mit neongreller Schrift und verwischten, abstrakten Übermalungen, garniert mit kleinen Collagen aus figürlichen Zeitschriftenschnipseln. Was die Brieftasche nicht hergibt, wandert zumindest auf die persönliche Watchlist, und wie der Zufall es wollte, bespielte der Künstler Ende Mai den „gez. – raum für urheber“ in Stuttgart.
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Christina Zück | 18.05.08
Pandoras Farbmaschine
Wolfgang Tillmans, "Lighter", Hamburger Bahnhof, 21. März - 24. August 2008
"Faszination Raum", Plakatkampagne der Firma Audi auf dem Bettenhaus des Campus Charité Mitte
Was passiert, wenn man ein großes, aufgezogenes Foto in einem weißlackierten Rahmen neben einen losen DIN-A4-Abzug an die Wand hängt? Das kleinere Foto sieht armselig aus. Bei Fotografie, die aus Lichteffekten auf einem Trägermaterial silbergelatiniger oder elektromagnetischer Art besteht, muss man anschließend Entscheidungen treffen: Soll das jetzt größer oder kleiner werden, teurer oder billiger, auf Fotopapier oder als Inkjetausdruck, als Fine-Art-Print oder mit Schmodder von den Walzen der Farbmaschine drauf, mit weißem Rand oder ohne, mit verschobenem weißen Rand, vergilbt, solarisiert, kaschiert oder an Foldbackklammern hängend, gerahmt, aber welches Material in welcher Farbe? Wolfgang Tillmans führt uns in seiner Ausstellung im Hamburger Bahnhof mit becherscher Hartnäckigkeit die ganze product range der Möglichkeiten vor, wie man ein fotografisches Bild an die Wand bekommen kann, oder aber in die Vitrine, oder auf den Tisch. Daraus entstehen Differenzen, die... na ja, was machen die denn so? Irgendeine Thermosublimationsdynamik zwischen den pieces?
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Gastbeitrag | 20.02.08
Künstler und Geld
/ Ein Aufruf
von Andreas Koch
Wenn man vom Flughafen Tegel nach Mitte will, führt ein Weg durch die Lehrter Straße. Dort fällt rechterhands ein riegelartiges Gebäude auf, das unmittelbar an die Straße angrenzt. Das aus Sichtbeton gegossene Haus mit großen eingelassenen Panoramafenstern ist das neue Atelierhaus der Künstlerin Katharina Grosse. Es steht für einen Wandel im Berliner Kunstbetrieb, der in den letzten Jahren große Summen Geld nicht zuletzt in die Taschen der hiesigen Künstler gespült hat. Der Markt brummt immer noch und die Künstler rüsten auf. Auffallend an dem neuen Atelierhaus der eben nach Berlin gezogenen Grosse ist die Ähnlichkeit mit dem Galerienhaus, das sich der Berliner Kunsthändler Heiner Bastian an der Museumsinsel gebaut hat. Beide Gebäude sind quaderähnliche Klötze mit großzügigen Fensterflächen. Trotzdem haben beide Häuser etwas Trutzburghaftes und verschließen sich in ihrem monolithischem Auftreten ihrer Umgebung.

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Gastbeitrag | 30.01.08
Leben bevor die Handwerker kommen
– zur Ästhetik des Durchwurstelns
von Ulrich Heinke
„Die eigentümliche Ausschließung, die der Arme seitens der ihn unterstützenden Gemeinschaft erfährt, ist das bezeichnende für die Rolle, die er innerhalb der Gesellschaft, als ein besonders situiertes Glied derselben spielt; indem er technisch ein bloßes Objekt der Gesellschaft ist, ist er im weiteren soziologischen Sinne ein Subjekt, das einerseits wie alle anderen die Realität derselben bildet, andererseits, wie alle anderen, jenseits der überpersönlichen abstrakten Einheit derselben steht.“1
KünstlerInnen sind vielleicht mittellos, aber nur selten motivationslos. Wenn einer in seinem Souterrain aus Spanplatten vom Sperrmüll Skulpturen schraubt ist er nicht zwangsläufig ein Verweigerer, sondern jemand mit festen Überzeugungen: geschäftsführend weltverbessernd. So üben die KünstlerInnen selten den Teilnahmeverzicht, sondern sehen sich als gesellschaftstheoretische Speerspitze, die für ihre überdurchschnittlichen Ansichten den Preis der relativen Armut bezahlen. Sicher, eine Minderheit von KünstlerInnen ist so wohlhabend, dass die Bank zur Steuerflucht rät. Der größere Teil kann sich zwar den Drink an der Bar leisten, aber ob es eine Krankenversicherung gibt, die den Sturz vom Barhocker auffängt ist dann schon die nächste Frage. KünstlerInnen leben nicht in stigmatisierter Armut, aber soziale Sicherheit gibt es nur in der Light – Version; ein bürgerliches Leben ist selten gewünscht, aber auch selten erreichbar.
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Gastbeitrag | 07.11.07
Fun-de-siècle: Die Nuller
von Melanie Franke
Dieser Text erscheint auch in der vierten Ausgabe des Berliner Review-Hefts
von hundert, die am Freitag den 9.11. herauskommt.

Es war auf der Berliner Messe Art Forum, auf der ich mich fragte, warum sich noch immer die Bildwelten des Fin-de-siècle in der gegenwärtigen Kunstproduktion tummeln? Warum müssen Mythen- und Sagenstoffe sowie Elemente des Phantastischen und der Science-Fiction und Fantasywelten als Referenzebene wie Ideenreservoir herhalten, wenn doch Themen wie Globalisierung, Urbanisierung oder Migration eigentlich gegenwärtig sind? Warum hält die Realitätsflucht und mit ihr der Hang zum Erzählerischen im System der Repräsentation an; mit rätselhaften Symbolen, Allegorien und Metaphern, deren Blütezeit doch die des Fin-de-siècle war? Was verbindet die gegenwärtige Generation mit der längst Vergangenen?
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Christina Zück | 09.02.07
Tintoretto
Museo Nacional del Prado, Madrid
30. Januar - 13. Mai 2007

Beim ersten Anschauen finde ich Tintorettos Malerei grässlich. Die stürzenden und verrenkten Körperwülste, die überdrehten Bewegungen, die schematischen Gesichter, die Heiligenscheine, all das verteilt auf Flächen von manchmal bis zu 20 Quadratmetern, hauen mich um. Ich bin in einem übermüdeten Zustand und schleppe mich von Sitzgelegenheit zu Sitzgelegenheit. Wie liest man ein Bild? Indem ich Quadratzentimeter für Quadratzentimeter mit dem Auge abtaste und mir innerlich sage: hier ist ein kleiner grüner Vogel, dort ein Fuß, wie ist der gemalt? Unter dem Fuß wachsen Wurzeln im Schlamm zum Wasser hin. Das da soll Alkmene sein, es steht auf dem Text neben dem Bild an der Wand, wer war das nochmal? Strahlen spritzen aus ihren Brüsten. Ein kleiner Körper wird von oben an sie angedockt, ein Säugling. Aha, die Milchstraße. Warum habe ich solche Vorurteile diesen Schinken gegenüber? Was ist das für ein Wissen, ich meine innere Bewegung, ich meine vielleicht Pleasure, das einem zeitgenössischen Museumstouristen nach einer Stunde Schlange Stehen übermittelt werden kann, abgesehen vom Raten und Wiedererkennen der Geschichten aus dem Fundus der altgriechischen oder christlichen Mythologie?
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Max Glauner | 08.02.07
Palimpsest 0701 - 03 KunstReligion Teil 2

Reliquienverehrung, Kunstbetrachtung und die Entrückungen des
Künstlerheroen
Kulturhistorisch betrachtet, lässt sich die Perspektive einnehmen, nach der das Heilige, wie es sich in Holzstückchen und Dornenkrone Ludwig IX. manifestierte (siehe Palimpsest 0701 02), nicht vergangen ist, sondern als Verschobenes, Verborgenes, Verdrängtes und Vergessenes gegenwärtig bleibt. Im Feld der Kunst zumal: In der Aura des Kunstwerks fände sich jene spirituelle Erfahrung des Religiösen, in der das Transzendente im Immanenten, das Immanente in seiner Transzendenz erfahren wird.
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Max Glauner | 05.02.07
Palimpsest 0701 - 02 KunstReligion Teil 1

Das Verhältnis von bildender Kunst und Religion ist im gegenwärtigen Kunstbetrieb keineswegs geklärt
Auf seiner zweiten Betteltour an die Fürstenhäuser Italiens und Frankreichs hatte Balduin II, Kaiser von Byzanz, ein paar ganz besondere Stücke im Gepäck: Teile des heiligen Kreuzes, die Spitze der Lanze des Longinus, sowie die Dornenkrone des Erlösers. Zur Finanzierung seines maroden Staatshaushaltes veräußerte er die Reliquien an Ludwig IX., den Heiligen, von Frankreich. Dieser ließ den kostbaren Artefakten ein besonderes Schatzhaus bauen, geweiht 1248: Die Sainte-Chapelle in Paris.
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Gastbeitrag | 17.10.06
Die Unhintergehbarkeit der Buchhaltung - 6. Schlussbemerkung
von Manuel Bonik
1. Teil: Fünftausend
2. Teil: Artitüden
3. Teil: Komplexität
4. Teil: Lektüren
5. Teil: Die Unhintergehbarkeit der Buchhaltung
"Die Durchtriebenen verrieten ihre Geheimnisse den Neugierigen, die gar nicht zuhörten" (19), heißt es einmal bei Balzac, als er die Ekstasen eines Großstadt-Gelages schildert. Wer liest noch diesen Epilog? Wer liest Kritiken oder gar ästhetische Abhandlungen? Will Kunst irgendwas von ihrer Verwissenschaftlichung wissen? Oder werden Artotope wie Berlin sie immer noch weiter galapagosisieren? - Während meiner optimistischeren Momente hoffe ich auf eine Künstlergeneration, die mit dem Computer aufgewachsen ist und diesen heuristischen Vorteil nutzt.
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Gastbeitrag | 12.10.06
Die Unhintergehbarkeit der Buchhaltung - 5. Teil
von Manuel Bonik
1. Teil: Fünftausend
2. Teil: Artitüden
3. Teil: Komplexität
4. Teil: Lektüren
versuchst du es nicht wirklich. COLEMAN HAWKINS
Andererseits: Warum sollte ein Künstler nach Beuysscher oder Duchampscher Art noch etwas zu seinen bereits gemachten Werken, extra, sagen wollen? Wer erdreistet sich Erklärungen zu fordern, nicht wissend, dass manche beste Künstler nicht auch gleichzeitig die eloquentesten sind? Wer möchte nicht durch Kunst "Anregungen geliefert" bekommen, "in geheimnisvolle Welten entführt" werden oder vor die Aufgabe gestellt sein, "eigene" Interpretationen zu liefern? Je ne sais quoi... – Weiss es, jenseits der Feuilleton-Floskeln, der Künstler mit dem absichtsvollen Schweigen und dem wichtigen Lächeln seiner Renaissance-Taktiken?
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Gastbeitrag | 03.10.06
Die Unhintergehbarkeit der Buchhaltung - 4. Lektüren
von Manuel Bonik
1. Teil: Fünftausend
2. Teil: Artitüden
3. Teil: Komplexität
aber nicht einfacher. ALBERT EINSTEIN
Ich lese z.B. ein Mathematikbuch: Definitionen, Sätze, Lemmata, Beweise, Korollare etc. – All diese Momente sind hierarchisch aufeinander bezogen und haben ihren Platz in einem explizit formulierten System, das der Autor konstruiert hat und das ich, lesend, nach-denkend, re-konstruiere. Habe ich eine Definition übersprungen und nicht richtig verstanden, wird sie mir an einer späteren Stelle meiner Lektüre fehlen. Das Buch als - hoffentlich konsistentes - System gibt mir die Möglichkeit, zurückzugehen und mein Verständnis nachzuholen.
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Gastbeitrag | 29.09.06
Die Unhintergehbarkeit der Buchhaltung - 3. Komplexität
von Manuel Bonik
1. Teil: Fünftausend
2. Teil: Artitüden
wir backen noch mit Herz und Hand.
Ich nehme positiv an, dass der Wert eines Kunstwerks in seiner Komplexität liegt. Alternativen wären etwa Affirmation (es bestätigt, was ich ohnehin schon weiss oder meine, und diese Bestätigung freut mich) oder Dekoration (ästhetische Affirmation; Design; Folklore) oder Statussymbol (völlig egal, was das für ein Dingsbums ist; Hauptsache es macht gegenüber anderen was her) etc. Komplexität wäre die Komplexität eines Gedankens des Künstlers, die im Kunstwerk codiert zum Ausdruck kommt, und der Betrachter hätte das zu entschlüsseln – die Decodierungsversuche (oder auch ihre Fehlschläge) machen mir Lust. Hintergrund dafür ist ein Fundus von Kunst- und anderen Geschichten, und der entscheidet dann, ob ich den / die kodierten Gedanken als originell empfinde; weitere Lustmomente.
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Gastbeitrag | 18.09.06
Die Unhintergehbarkeit der Buchhaltung - 2. Artitüden
von Manuel Bonik
Wäre es möglich eine photographische Darstellungder in meinem Kopfe sich abspielenden Vorgänge,
des bald äußerst langsam, bald – bei übermäßiger Entfernung –
mit rasender Geschwindigkeit erfolgenden
Züngelns der vom Horizont herkommenden Strahlen zu geben,
so würde sicher für den Beschauer jeder Zweifel
an meinem Verkehr mit Gott verschwinden müssen. DANIEL PAUL SCHREBER
Die anderen sind hiergeblieben und beschäftigen sich weiterhin mit Kunst. Die Situation ist dabei eine merkwürdige Mischung aus Konsolidierung und neuartiger Krise, die nur entstanden ist, weil man nach einem Jahrzehnt der Aufbruchsstimmung schließlich etwas zu verlieren hatte und nun feststellt, dass man es auch tatsächlich verlieren könnte. Verwertungszyklen können manisch und auch depressiv sein.
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Gastbeitrag | 14.09.06
Die Unhintergehbarkeit der Buchhaltung - 1. Fünftausend
von Manuel Bonik
An english version of this text is available at zg Berlin
Es gibt ein Loch in Brandenburg.Es heißt Berlin.
Wir leben mit und drin. (1) IRA SCHNEIDER
Verbunden mit dem Kunst-Boom der (Londoner und) Berliner 90er Jahre wurde Künstler zum Traumberuf, zeitweise war Künstler Berufswunsch Nr.1 unter deutschen Abiturienten (2). Die Akademie-Professoren des deutschen (jetzt in Abwicklung sich befindenden) Meisterklassen-Systems hatten nichts dagegen: die erhöhte Nachfrage war gut für ihr Geschäft. Und offensichtlich war die Situation von Studenten an einer Akademie introvertiert und isoliert genug, um ihnen das Gefühl zu geben und die Attitüde auszubilden, etwas je Einmaliges zu sein, etwas, auf das die Welt nur gewartet haben wird, wenn er/sie dereinst die Hallen der Akademie verläßt. Nicht aber nahmen sie wahr, wie sehr der Beruf des Künstlers eben die Exklusivität, die er durchaus einmal besessen haben mag, verloren hatte und, Berlin-katalysiert, zu einem Stereotyp geworden war. Das wird einem vielleicht erst mit dreißig ff. klar: dass man sich so individuell dünken kann, wie man will, und doch machen ein paar tausend Menschen der aktuellen 8.000.000.000 etwas, das dem eigenen Schaffen verflixt ähnlich ist. In Berlin leben nach offiziellen Schätzungen zur Stunde fünftausend professionelle (3) Künstler, hinzu kommen die, die’s noch werden wollen, und eine Dunkelziffer, und die nicht-professionellen, und dort draußen gibt’s noch viele viele weitere Tausende, und alle alle wollen sie Aufmerksamkeit, denn sie sind ja sowas von einmalig... – Will sagen: Die Galerien und Museen warten nicht ausgerechnet auf dich, und die Worte, die dein Tun, im Rahmen der vagen Sprache der Kunst, ziemlich genau beschreiben, sind schon so oft bemüht worden. Und die Galerien selbst sind ein Klischee geworden im Berlin dieser Tage, nächste Woche eröffnen wieder drei.
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Gastbeitrag | 13.08.06
Moderne und aktale Kunst
Ein Einwurf zu Jochen Gerz’ Beobachtungen über das Gestrigwerden von Gegenwartskunst
von Robert Krokowski

Was wären die Effekte eines radikal neuen Kunstbegriffs? Gebildet im Kontext der Vermutung, dass Kunst sich heute in einer ihr immer ähnlicher werdenden Umgebung auflöst? Jochen Gerz spricht diese Vermutung aus (in: »Die Gegenwartskunst ist gestrig geworden«, art 7/06, S. 54–57). Und er stützt seine Vermutung auf die Beobachtung einer Ästhetisierung der Gesellschaft, die es der Kunst unmöglich mache, sich als solche zu erkennen zu geben.
»Sich als Kunst zu erkennen geben« – eine Formulierung, die Kunst in einen besonderen, vielleicht gar nicht mehr selbstverständlichen Blickwinkel rückt. Kunst vermag sich also offenbar (folgen wir der Vermutung) nicht mehr als etwas zu zeigen, was aus Perspektive des Beobachters, dem sie sich zu erkennen geben will, als Kunst begriffen wird. Fehlt also dem Beobachter das Unterscheidungsvermögen – oder der Kunst die Fähigkeit, sich so darzustellen, dass sie im Begreifen von Kunst, das die Beobachtung schematisiert, keinen blinden Fleck macht? Und betrifft dies jede Kunst oder nur diese oder jene Kunst? Gegenwartskunst zum Beispiel oder moderne Kunst? Die Kunst von Jochen Gerz und/oder die von Bruno Thorbach?
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Max Glauner | 08.06.06
Palimpsest0602 - 05 Undine singt
Was it real, was it in my dreams? – Susan Philipsz Klanginstallation Follow me zur bb 4 auf dem Garnisionfriedhof
Die 4. berlinbiennale geht, das sonambiente-Festival für Klangkunst kommt. So gering die Klangkunst auf der Biennale vertreten war, markierten zwei Arbeiten, die sich vor allem auditiv erschlossen, symbolisch den Eingang und den Ausgang der Auguststraße: Nach Westen Kris Martins blind klappernde Anzeigetafel in der St-Johannes-Evangelist Kirche und nach Osten Susan Philipsz Lautsprecherinstallation "Follow me" auf dem Alten Garnisonfriedhof. Beide Arbeiten waren keine Auftragswerke. Kris Martins "Mandi III" entstand 2003, Susan Philipsz Installation "Follow Me" 2004 für den Moryon-Park in London, in dem Michelangelo Antonioni Teile seines legendären Film "Blow Up" gedreht hatte. Dennoch stellten beide Arbeiten – jenseits der Intention der Künstler – einen signifikanten Bezug zu ihrer Umgebung her, der Kirche einerseits, dem Friedhof andererseits. Dabei erzeugen sie einen Bedeutungszusammenhang, der weit über die spezifische Arbeit und ihren Ort hinausweist: Kris Martin zur Spiritualitätserfahrung frühchristlicher Mystik, Susan Philipsz zu einer nach wie vor aktuellen Geschlechterproblematik der deutschen Romantik.

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thw | 15.02.06
Krise? Krise!
Der NBK im Rückzug aus dem Rückzug
Von Krise mag man im Falle des Neuen Berliner Kunstvereins nicht mehr reden. Erst recht nicht, nachdem der Direktor Alexander Tolany laut offiziösen Quellen den Rückzug von seinem Rückzug angetreten hat. Offensichtlich gibt es noch genug Länder, deren zeitgenössischen Fotokunst präsentiert werden kann. Und die Stadt selbst hat auch genug Kuratoren, um die Reihe der »Ortsbegehung« fortzusetzen. Darüber hinaus aber gehört der Neue Berliner Kunstverein zu jenen Orten in der Stadt, die scheinbar weder ein Krisenbewusstsein entwickeln noch Gedanken darauf verschwenden wollen, wie man darauf reagieren kann. So bleibt im Moment das einzig Neue am Neuen Berliner Kunstverein das »Neue« im Namen.
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Gastbeitrag | 04.11.05
Kunst ist Sirup, der einem durch die Finger fließt
Zum Kunstwerkbegriff im Urheberrecht
von Christine Fuchs

Eine von Elaine Sturtevants Warhol, Flowers-Variationen
Christine Fuchs ist Juristin mit ergänzender künstlerischer und kunstwissenschaftlicher Ausbildung. In ihrer Dissertation Avantgarde und Erweiterter Kunstbegriff plädierte sie für eine Erweiterung des Kunstbegriffs, damit auch konzeptuelle Arbeiten wie die Ready-Mades von Marcel Duchamp oder Werke der Appropriation Art im urheberrechlichen Sinne schützbar sind. Dafür forderte sie, individuelle Kunstbegriffe und (Fundamental)Konzeptionen der Werke in die rechtliche Beurteilung mit einzubeziehen. Exemplarisch an den Arbeiten von Elaine Sturtevant vermittelt sie die von ihr vorgeschlagene Vorgehensweise einer veränderten Beurteilung. Während sich Juristen ihrer Position gegenüber nach wie vor distanziert oder kritisch zeigen, finden ihre Vorschläge bei Philosophen beispielsweise mehr und mehr Beachtung.
Ihr Kunst-Blog-Beitrag ist die gekürzte Fassung eines Vortrages anlässlich der Tagung Copyright & Art, die vom 17. bis 20. Mai 2005 am Zentrum für interdisziplinäre Forschung der Universität Bielefeld stattfand (siehe auch Gastbeitrag von Eberhard Ortland). Sie arbeitet beim Arbeitskreis für gemeinsame Kulturarbeit bayerischer Städte in Ingolstadt.
--A.F.
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Sue Hubbard | 29.08.05
A Ribbon around a Bomb
Frida Kahlo
Tate Modern, London
Until 9 October

Self-Portrait with Monkey 1938
Albright-Knox Art Gallery, Buffalo NY
Bequest of A. Conger Goodyear, 1966.
© Banco de México and INBAL, Mexico, 2005
The personal is political. Thus went the credo of the 60s and 70s feminist movement. Feminists argued that sexual difference was produced through the interconnection of social practice and institution. The destabilising of traditional gender roles which saw women primarily as carers and mothers - financially disempowered, dependent domestic angels - was also part of the matrix that identified white male patriarchy as the root of both colonialism and world poverty. To explore the history of women in culture and art was to reveal how history itself was written; to expose it prejudices, its assumptions, its stubborn silences. Such investigations did not simply make visible the role of women in society but held up a mirror to the way society itself was constructed. Women, along with the poor, were its silent, disenfranchised victims. Neither group had a voice, neither had the power to determine the way their destinies unfolded. Women, before the age of contraception, were enslaved by their bodies to years of childbearing, miscarriages and abortions; the poor were enslaved to their landlords and bosses.
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Heinz-Werner Lawo | 24.08.05
Hochzeitsbild
Das Goethe-Institut machte es im letzten Herbst mit seinem Wettbewerb Das schönste deutsche Wort vor, wie mit der Einbindung der Bevölkerung ein medienwirksames Event inszeniert werden kann, wenn man alle bei der Suche nach einem Schönsten mitwählen lässt. Heraus kamen die Habseligkeiten als Gewinner und The British Council inszenierte ebenfalls einen solchen Kulturwettbewerb. Damals war die Endauswahl zumindest noch einer Fachjury vorbehalten und international ausgerichtet. Nun kamen - davon beinflusst oder nicht - die BBC (Radio 4) zusammen mit der National Gallery, London auf die Idee, das grossartigste Gemälde Englands (The Greatest Painting in Britain) durch die eigenen Medienkonsumenten küren zu lassen. Die erste Runde, bei der jedes sich in einer öffentlichen Sammlung in England befindende Bild vorgeschlagen werden konnte, ist abgeschlossen. Die dreiköpfige Jury, die zehn der vorgeschlagenen Bilder auswählte, hatte nur Interimsfunktion. Über die zusammengestellte »Shortlist« darf die britische Nation nun via BBC-Webseite oder per SMS bis zum 5. September kollektiv fast wie bei bekannten Schlagersänger-Wettbewerben abstimmen. Den tieferen Sinn der Marketing-Aktion erklärt Charles Saumarez Smith, der Leiter der National Gallery: »... the search for ’The Greatest Painting in Britain‘ will tell us a great deal about how 21st century, multicultural Britain sees itself ... « Alle haben also was davon und man darf dann beim Bier erzählen, welches das schönste Was-auch-immer ist. Bestimmt werden bald im monatlichen Takt weitere solche Wettbwerbe folgen: das lustigste Zootier, das schönste Gebäude oder die schönste öffentliche Toilette in ...
Mit in der Auswahlliste der zehn Bilder ist auch Die Arnolfini-Hochzeit von Jan van Eyck. Aus diesem Anlass hat Heinz-Werner Lawo für Kunst-Blog.com einen 1993 entstandenen Text bereitgestellt, den er zu Ehren der Hochzeit von Freunden verfasst hatte.
-- A.F.

Die Arnolfini-Hochzeit als kommentiertes Bild bei Flickr.com
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Gastbeitrag | 01.08.05
Between Lead and Gold
by Mark Gisbourne
Mark Raidpere - Isolator
The Venice Biennale - Estonia
Palazzo Malipiero
12.06.2005 - 06.11.2005

Passport Photo
Lead Sign 
The biochemistry of human life and desire, and therefore the seat and cause of human emotions, owes a great deal to the analogous condition and complex traditions of the alchemical imagination. However, this analogy does not intend to valorise the implausible practice of alchemy, but rather in the familiar sense of alchemical thinking creating a personal secret knowledge that both confers and develops an uncertain hermeneutic confusion as to what is being said or expressed.(1) It is analogous to that which we might call our daily struggle to grasp and communicate with the incommunicable dwelling within ourselves: the mysterious and inexplicable mutations of our human feelings and how we might begin to translate them. For in some ways those feelings we direct towards ourselves, as well as to others, always remain - to some non-definable extent - in a state of estranged incommunicado. And, so it is with all human life, its secret feelings and emotions, since there are thoughts thought but unspoken, and imagined feelings of the transmutable mind that are still somehow not (or, at least not yet) easily realisable through the tongue of transference.(2)
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Anette Dekker | 04.05.05
what’s in a name
The synaesthesia of sound, smell, image and light has become a prominent feature in our day-to-day life. When we walk into shops and cafes or stroll along the street, our various senses are under constant assault. People get overwhelmed with musical beats accompanied by flickering lights and video and digital imagery, all of them trying to keep up with the music. These happenings come together in the club scene where the sounds merge with light, images, smoke, and even smell. After the popularity of the Disc Jockey (DJ), the Video Jockey (VJ) entered the club scene in the late 1980s. The term VJ was popularised in the beginning and mid-‘80s by television broadcaster MTV. A few years before, the end of the 70s, the term was introduced by the crew of the Peppermint Lounge, a popular dance club in New York. The performers wanted to distance themselves from the stuffy video artists that were part of the art- and cultural scene in New York.
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Gastbeitrag | 02.05.05
Christiane Möbus – Wanderdünen
Kunsthalle Bremen
vom 1. Mai bis 19. Juni 2005
Auszug aus der Einführung in die Ausstellung von Dr. Henrike Holsing, Kunsthalle Bremen.

Gehörne und Geweihe haben Christiane Möbus von jeher fasziniert. Auch in ihrer neuesten, in der Kunsthalle Bremen gezeigten plastischen Arbeit In den ewigen Jagdgründen rückt Christiane Möbus Gehörne in den Blickpunkt. Gleich acht eindrucksvolle Hirschgeweihe besetzen die Innenseite eines monumentalen Ringes aus Holz und Metall.

Der Zylinder, 3,60 m im Durchmesser, 1,20 m hoch, hängt im Mittelraum des Sonderausstellungsbereiches und scheint ihn vollkommen zu beherrschen. Die Wirkung ist fast gewaltsam, und gewaltsam sind die Hirsche, die ihre Geweihe als Trophäen an die Jäger hergeben mussten, zu Tode gekommen.
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