Gastbeitrag | 24.02.11
Alberto Giacometti
Der Ursprung des Raumes
Retrospektive des reifen Werkes
noch bis zum 6.3.2011 im Kunstmuseum Wolfsburg
Unbedingt empfehlenswert ist diese Ausstellung in der ostniedersächsischen Kunstmetropole Wolfsburg - großes Kompliment - Raum, Museum, Kunstwerke alles bildet eine Einheit.
Da fotografieren verboten war, erscheint dieser Bildbericht ohne Autorenschaft.
Die teilweise unscharfe Qualität der Abbildungen ist aus demselben Grund zu entschuldigen.

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Dirk Teschner | 01.02.11
Die Selbstausbeuter
In der Berliner Zeitung erschien ein guter Text von Berthold Seliger über das Kultur-Prekariat, vom Praktikanten bis zum Unternehmer.
Nur etwa 50 Prozent der Beschäftigten in der deutschen Kulturbranche haben überhaupt noch einen festen Arbeitsplatz - und der liegt anders als bei den Spitzenverdienern in den Opernorchestern oft genug knapp über Hartz-IV-Niveau. Von den anderen 50 Prozent, den Freiberuflern, leben zwei Drittel in prekären Verhältnissen, wie gerade eine Studie über die Lage darstellender Künstler zutage förderte.
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Gastbeitrag | 01.02.11
SENT BY MAIL
von John Beeson
SENT BY MAIL
Galerie Barbara Weiss, Berlin
7.12.2010-29.01.2011

John Miller, Untitled, 2009. Courtesy Galerie Barbara Weiss. Photo: Jens Ziehe
Die neue Ausstellung in der Galerie Barbara Weiss entstand aus einem Aufruf an verschiedene Künstler mit der Bitte: Teilnahme an einer Gruppenausstellung, aber nicht durch eine Einsendung der Kunstwerke per professioneller Kunstspedition, sondern durch Einsendung per Post. Traditionellerweise hält „Mail Art“, die ursprünglich als eine Abteilung von Konzeptkunst ihre Inspiration aus den Standards und Ordnungen der Post nahm, an bestimmten formalen und thematischen Tendenzen fest. SENT BY MAIL jedoch zerstreut Vorbehalte über die Limitationen von „Mail Art“ und ist gleichzeitig eine beeindruckende zeitgenössische Ausstellung. Das Konzept war eine einfache und ehrliche Geste - eine oberflächliche Verlinkung von diversen Künstlern - und die Einsendungen der Künstler sind sehr persönlich und zeigen ihre Macher aus dem Takt, oft Halt suchend in gewohntem Terrain, aber auch auf der Suche nach neuen Ausdrucksformen.
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Dirk Teschner | 25.01.11
HABEN UND BRAUCHEN – DER OFFENE BRIEF
Berliner Künstler und Künstlerinnen sowie Akteure und Akteurinnen auf dem Feld der Berliner Kunst haben einen offenen Brief an den Kultursenator und Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) unterzeichnet. Die Petition bezieht Stellung zu Wowereits Plänen für die „Leistungsschau junger Kunst aus Berlin“ im Sommer und zur Kulturpolitik im Bereich bildende Kunst.
Sehr geehrter Klaus Wowereit,
nachdem es 2008/2009 nicht gelang, den Bau einer ständigen Berliner Kunsthalle mit Hilfe privater Investoren zu realisieren, planen Sie nun für Sommer 2011 eine einmalige „Leistungsschau junger Kunst aus Berlin“, welche die Debatte um eine Kunsthalle neu beleben und eine Entscheidungsgrundlage für deren öffentliche Finanzierung liefern soll.
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Dirk Teschner | 20.01.11
Basel-Blues
Selten waren sich Feuilleton, Kunstkritiker, Galeristen und Künstler so einig – es ist ein Skandal, dass die Galerie Eigen+Art an der diesjährigen Art Basel nicht teilnehmen darf. Und das nach zwanzigjähriger Basel-Präsenz in Folge. Nicht nur Judy Lybke darf nicht, auch Giti Nourbakhsch und Mehdi Chouakri. Nun kommt diese Entscheidung nicht so überraschend wie die Zeitungen meinen.
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Gastbeitrag | 20.12.10
Für Katalog und Renommee!
Gastbeitrag von Ute Weiss Leder
Am 13.12. fand eine offene Diskussion zur geplanten „Leistungsschau junger Kunst aus Berlin“ im Salon Populaire in der Bülowstrasse 90 unter der klugen Moderation von Ellen Blumenstein und Florian Wüst statt.

Künstlerinnen und Künstler waren zahlreich erschienen, Kuratoren saßen neben Vertretern Berliner Kunstinstitutionen, Unterstützer der Initiative Berliner Kunsthalle und der Partei der Grünen, der Kulturprojekte Berlin GmbH mit zwei von ihnen beauftragten Kuratoren für die „Leistungsschau“ ebenso wie Kritiker, Architekten und auch der Vorstand des bbk berlin waren im Publikum. Eine ausgesprochen repräsentative Mischung drängte sich in den zwei zur Verfügung stehenden Räumen. Alle Anwesenden kamen gleich zur Sache und schnell wurden die unterschiedlichen Interessengemenge einerseits und die desperate konzeptionelle Vorbereitung des Artist Open Call der Kulturprojekte GmbH deutlich.
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Gastbeitrag | 13.12.10
bauhaus 2.010
Silke Opitz
Betrachtungen zu der aktuellen Ausstellung im Kunsthaus Erfurt.
My Bauhaus is better than yours: Bauhaus-Universität, Bauhaus 09, Bauhaus Essentials und schließlich das neue bauhaus 2.010 – was vielleicht wie eine Vorlage zum Poetry-Slam anmutet, erweist sich zunächst als Spiel mit dem Label, der Marke – auch marke.6, die Bauhaus-Universitätsgalerie, wäre hier noch zu nennen.

Lucian Patermann, Video
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Dirk Teschner | 06.12.10
Geistprojekt und ...
... "Der Kampf um die Kunsthalle"
Auf einer sehr sparsamen Internetseite von Geistprojekt wurde für den 2. Dezember der Termin für eine selbsständige Begehung der Temporären Kunsthalle angekündigt. Was dann geschah konnten wir im Tagesspiegel nachlesen:
"Der Versuch einer Hausbesetzung: Wie junge Künstler und Klaus Wowereit um die Temporäre Kunsthalle kämpfen." und
"Ausgeschlossen. Zur Besetzung versammelte Künstler vor der Temporären Kunsthalle, die nun abgebaut wird."
"Es hätte so schön werden können. Kerzenlicht, Gelächter, Gläserklirren. Das kollektive Gefühl, dem System zu trotzen, Regeln aufzuweichen. Stattdessen blickt man in ratlose Gesichter, auf frierende Hände. Hört hier ein enttäuschtes „Wir haben ein Problem“, dort ein resigniertes „Das war’s dann wohl“. Der Traum 65 junger Künstler, die geschlossene Temporäre Kunsthalle zu besetzen und mit einer letzten, legendären Werkschau zu bespielen, ist gerade geplatzt."
Ganzen Text im Tagesspiegel lesen >>
Dirk Teschner | 09.11.10
Berliner KünstlerInnen bewerbt Euch für die große „Leistungsschau“
Der Rat für die Künste ruft auf: Berliner KünstlerInnen bewerbt Euch für die große „Leistungsschau“ Unterstützt Klaus Wowereit – Regierender Bürgermeister und Kultursenator – in seinen Bemühungen zu erkennen, dass Berlin eine Stadt der KünstlerInnen ist! Ja zur KünstlerInnenzählung in Berlin! Verlängerung der Fristen für das Einreichen der Unterlagen!
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Gastbeitrag | 08.11.10
Sankt Gentrifizian
Andrej Holm
Kunst und Aufwertung ist ja oft ein vermintes Themenfeld mit vielen Stolperfallen und komplizierten Verstrickungen. Das Pionierdilemma der Künstler/innen, die ein Viertel symbolisch aufwerten und später von den steigenden Mieten selbst verdrängt werden, ist so was wie ein Klassiker unter den Gentrification-Beschreibungen. Doch immer öfter setzen sich Künstler/innen mit ihrer verzwickten Rolle auseinander oder versuchen sogar in ihren künstlerischen Arbeiten selbst Positionen zur Gentrification zu beziehen.
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Gastbeitrag | 06.11.10
Afrika ist schwarz – Europa ist weiß
Wolfgang Müller
Könnte solch proto-normalistischer Gegensatz ein Fundament sein, auf dem ein Künstler sein Kunstgebäude errichtet? Carsten Höller zählt zu den begehrten Superstars des Kunstbetriebs, die für spektakuläre Ereignisse stehen. Ob die Installation eines riesigen künstlichen Wasserfalls in New York (Olafur Eliason), tausend lebende Schmetterlinge (Damien Hirst) oder eine große Metallrutsche in der Tate Gallery (Carsten Höller): der „Event“-Charakter großformatiger Kunst-Inszenierungen verbindet sie: Dies verspricht dem Publikum Aktivität und exklusive Inklusion.
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Dirk Teschner | 05.09.10
Das Haus der Anarchie
von Bert Papenfuß
Die Stadt wieder aneignen! Im Berliner Gentrifizierungsviertel Nummer eins eröffnete die »Staatsgalerie Prenzlauer Berg« und bald auch die Kneipe »Rumbalotte continua«.

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Charlotte Lindenberg | 26.08.10
Diesmal nicht.
„Tales of Resistance and Change“ im Frankfurter Kunstverein
Normalerweise funktioniert sie ja, die „Verfertigung der Gedanken beim Sprechen“ - oder meinetwegen „Schreiben“, um Kleists Zitat abzuwandeln - jedenfalls der während des Schimpfens eintretende Sinneswandel, der beweist, dass Abwehr eine Voraus- zu konstruktiver Auseinandersetzung sein kann. Denn tatsächlich erweist sich anfänglicher Widerstand dank der Gnade der späten Reflexion oft als Beginn einer wunderbaren Freundschaft.

Millan Si gano poco, como poco, 08, Foto Lo Bianco, courtesy the artist.
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Gastbeitrag | 18.08.10
God shuffled his feet and glanced around …
von Volkmar Hilbig
Olaf Nicolai
faites le travail qu’accomplit le soleil
Kestnergesellschaft Hannover
11. juni bis 22. august 2010
Zufrieden konnte er sein; Sonne und Gras, die er geschaffen hatte, taten das, wozu er sie einst auserkor.

Auch der Mensch, mit dem ihm am 6ten Tag die zweifelhafte Krönung seines Werkes gelungen war, führte nicht nur Kriege und baute babylonische Türme, sondern seine aufgewecktesten Exemplare dachten auch über die Arbeit von Sonne und Gras nach. War doch nicht alles verloren?
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Gastbeitrag | 24.07.10
M120 – Moganshan umgenutzt!
von Susanne Junker, Shanghai

120 Moganshan Road, Shanghai, China. Gleich neben dem Galerieviertel in Shanghai, dem so genanten M50 auf der 50 Moganshan Road, befindet sich heute eine Abrissstelle. Vor gut 10 Jahren waren Künstler und die ersten Galerien in eine alte Textilfabrik auf die 50 Moganshan Road gezogen. Der Komplex war jahrelang vom Abriss bedroht, während sich in nächster Nachbarschaft Hochhäuser in die Höhe schraubten. Über die Jahre entwickelte sich dann in der 50 Moganshan Road eine Kunstoase, die schließlich immer kommerzieller wurde und dadurch ihr Bestehen sichern konnte.
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Gastbeitrag | 24.07.10
莫干山路120再创造!
Susanne Junker, 上海
这片碎石所在——中国上海的莫干山路120号,紧邻上海著名的艺术区——‘M50’或 ‘莫干山路50’。10年前,艺术家们和画廊们陆续搬入这里的一个老厂区。长久来, 这个老厂区一直饱受周边越建越高的商业大厦的吞食。逐渐地,连这片绿洲本身也不得不变地愈加商业化以维持其存在。
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Gastbeitrag | 24.07.10
M120 – Moganshan re-used!
by Susanne Junker, Shanghai
The rubble site, 120 Moganshan Road in Shanghai, China, is located right next to the gallery district in Shanghai, the so called M50 on 50 Moganshan Road. Just over 10 years ago, artists and galleries moved to an old textile factory located at this address. This complex was threatened with demolition for years while newly build high rises changed the surrounding of this art oasis. Eventually it became more commercial over the years and could so secure its existence.
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Gastbeitrag | 24.07.10
Sachlich gesehen…
von Daniela Höhn
Kann Kunst Gefühle ausschließen? Eine Ausstellung im Berliner Kupferstichkabinett zeigt „Neue Sachlichkeit“, die Kunst der krisengeschüttelten Weimarer Republik und der „goldenen Zwanziger“ …
„Gefühl ist Privatsache“ – hat Bertold Brecht 1926 gesagt. Als Titel einer Kunstausstellung, einfach so in den Raum gestellt, macht ein solch nüchterner Aussagesatz neugierig.
Es geht um Verismus und „Neue Sachlichkeit“. Dazu läuft derzeit im Berliner Kupferstichkabinett eine Ausstellung, die sich den Brecht-Spruch zum Leitmotiv gewählt hat, anstachelnd irgendwie, aber doch hintergründig, nicht offensichtlich.
Das drückt ein gewisses Understatement aus und trifft damit den Nerv der Zeit. Damals, zu Beginn des Ersten Weltkrieges war die europäische Avantgarde mit ihren Experimenten rasch vorangeschritten, vielleicht mit zuviel Tempo. Anita Beloubek-Hammer, die die Ausstellung im Kupferstichkabinett kuratiert hat, spricht von „Überhitzung“. Der Krieg bildete jedenfalls eine Zäsur. Danach kehrte man zur Ordnung zurück. So hieß es.
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Gastbeitrag | 24.07.10
Erschütterungen führen zum Kunstverbot
von Theo Telsop
19 Uhr Eröffnung der Ausstellung der Diplomanden der Fakultät Bildende Kunst der Hochschule für Bildende Künste Dresden
Ca. 20 Uhr 30 verbietet der Rektor den weiteren Betrieb einer elektrisch angetriebenen Figurine des Diplomanden Klaus Beckmann.
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Gastbeitrag | 08.07.10
mirror mirror on the wall ...
Gastbeitrag von Ulrich Diezmann

... who is the fairest one of all"
Diese Zeilen wiederholten sich bei mir im Ohr. Ich hatte vor Jahren ein Lied mit diesem Text gehört und rätsele, von wem es ist. So was passiert, wenn in einer Ausstellung die meisten Werke aus Spiegeln bestehen, an der Wand, im Raum, stehend und auf Tischen aufgestellt.
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Dirk Teschner | 28.06.10
tot ist tot – oder: BAADER wird niemals sterben!

Foto: Klick + Kuno Rudolph
wir soffen rauchten und waren unglücklich
unsre kinder zeugten wir stets im stehn
immer zwischen 7 und 10
so vergingen unsre tage
wer an etwas glaubte wurde erschossen
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Gastbeitrag | 25.06.10
InnenStadtAußen
von Hugo Boadas
zur Ausstellung
Innen Stadt Außen
von Olafur Eliasson
Martin Gropius Bau
28.4.-9.8.2010
täglich 10–20 Uhr, am 6. Juli 10–24 Uhr
»Kann man Werke machen, die nicht ‘Kunst’ sind?« fragte sich Duchamp in seinen Notizen (»A l’infiniti«f). Man muss die Bemühungen von Eliasson in dieser Hinsicht würdigen: Er hat es tatsächlich geschafft, was Duchamp versagt blieb, er macht keine Kunst. Aber was ist es dann, was den Besuchern im Martin Gropius Bau geboten wird und weshalb die »Show« zum Publikumsmagneten wird? Haben wir es vielleicht mit einer Verbindung von Kunst und Wissenschaft zu tun? Wird die Kunst zum Mittel einer Popularisierung der Wissenschaft? Oder bedient sich hier die Kunst wissenschaftlicher Vorgehensweisen, um auf ihrem eigenen Feld voranzukommen? Ist Eliasson vielleicht sogar jemand, der dem Szientismus verfallen ist? Wahrscheinlich wäre es etwas überzogen, Eliasson Wissenschaftsgläubigkeit zu unterstellen, aber ein Skeptiker ist er auch nicht, denn seiner Kunstidee fehlt das Befremdliche, das eine Mindestanforderung an jede Kunst sein sollte. Dieses spekulative Element würde es ihm erst erlauben aus der didaktischen Form und Effekthascherei herauszutreten und einen erstzunehmenden, künstlerischen Gegenpol zum Szientismus zu bilden.
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Gastbeitrag | 21.06.10
Sozialromantik: Künstler entdecken die Wirklichkeit in Kreuzberg
von Wolfgang Müller
Überraschend meldet sich mein alter Freund Isse Carsten aus Helsinki. Gerade sei er in Berlin angekommen. Von irgendeiner EU-Institution bekam er einen Freiflug zur 6. Berlin Biennale. Deren Leitmotiv lautet: „was draußen wartet“. Die Blickrichtung ist klar: Aus dem Kunstraum hinaus in die Wirklichkeit. Eine etwas sterile Kunstwelt entdeckt Kreuzberg derzeit als „lebensecht“, sprich: „authentisch“.
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Gastbeitrag | 19.05.10
Debatte zur Bazzonale
von Kai Uwe Schierz
Dieser Artikel ist ein Beitrag zur Debatte um die zur Zeit stattfindende "juryfreie Verkaufsaustellung" Bazonnale Lust 2010 und Erwiderung auf den Kommentar hier. Die Ausstellung steht under der Schirmherrschaft von Bazon Brock, Philosoph, Kulturwissenschaftler und Impresario und Achim Preiß, Professor für Architekturgeschichte an der Bauhaus Universität Weimar.
"Die Vielfalt der künstlerischen Perspektiven der Lust zu präsentieren ist Ziel dieser Ausstellung, zu der national sowie international Künstler aufgefordert wurden, ihrer Lust zu folgen und sie künstlerisch umzusetzen", schreiben die Veranstalter in der Pressemitteilung.
Nein, Herr Preiß hat m. E. nur eine bestimmte Vorstellung von der Kunst. Dass er von der konkreten Kunst viel verstünde, d. h., dass er sie ernst nähme, habe ich seinen Ausstellungen bis jetzt nicht anmerken können. Denn zum Kunstverstehen und -ernstnehmen gehört eine etwas gesteigerte Portion Sensitivität, die sich dazu bekennt, subjektiv zu sein, die sich also als subjektive, aber irgendwie auch begründete Perspektive auf einen bestimmten Gegenstand zu erkennen gibt.
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Gastbeitrag | 18.05.10
Mehr Menschen wohnen ...
... jetzt seit irgendwann 2008 in Städten ...
von Ludwig Billy Costa
Die Stadt . Vom Werden und Vergehen
08.05.2010 - 04.07.2010
c|o Berlin, Postfuhramt
... als »auf dem Land«, heisst es, und das war wohl unter anderem ein Grund warum die für so eine Art Überleben oder Neuaufleben eines irgendwie »freien«, abenteuerlich investigativen, jeweils One Woman oder One Man Fotojournalismus und Ähnlichem stehende Fotoagentur Ostkreuz, ehedem ein Zusammenschluss von Ostberliner Fotografen (Sieben Fotografen schlossen sich 1990 zusammen und gründeten die Agentur OSTKREUZ. Alle zählten zu den wichtigsten Fotografen Ostdeutschlands und setzten es sich gemeinsam zum Ziel, ihre Arbeit in der Tradition der Autorenfotografie fortzusetzen, die mehr will, als das „schöne Bild“) , jetzt seit längerem mit teilweise auch westdeutschem Nachwuchs dabei, im c|o Berlin eine ziemlich große Ausstellung einiger ihrer Mitglieder mit dem Titel »Die Stadt.Vom Werden und Vergehen« zeigt, und es auch noch ein bodenständig gut gemachtes, sehr dickes Buch dazu gibt.
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Dirk Teschner | 09.05.10
Lust auf 2010?
Der neue Trend - „Freies Fluten“
Ich will die Kritik von Raymond Unger an den Entwicklungen der Satellitenmessen in seinem Text „Kunstmessen für Jedermann?“ aufgreifen. Es betrifft nicht nur Satellitenmessen, ein aktuelles Beispiel dafür ist die am 7. Mai eröffnete „1. Bazonnale LUST2010“ in Weimar.
Die Fotografien zu diesem Beitrag mussten leider auf Wunsch der Ausstellungsleitung entfernt werden. In der Ausstellung herrsche Fotografierverbot wurde uns mitgeteilt. Alternativ wurde Kunst-Blog angeboten die offiziellen Pressefotos zu verwenden - worauf wir allerdings, angesichts der allzu glatten und schöngefärbten Aufnahmen verzichten.
Der geneigte Leser kann sich aber auf der Homepage der Ausstellung selbst ein Bild machen.
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Gastbeitrag | 06.05.10
Kunstmessen für Jedermann?
Vom Wandel der Satellitenmessen
von Raymond Unger

Ja, die Krise ist nicht überwunden, alle wissen das. Seit Jahren widmen sich nun Monopol, Art und diverse Kunstmagazine dem Niedergang der Kunstszene, rätseln, wann das Ende des Tunnels erreicht ist, berechnen neue Trends oder beschwören das reinigende Gewitter, das nun endlich wieder „Qualität“ nach oben spülen soll. In der Regel beschäftigen sich diese Blätter mit den großen, offensichtlichen Phänomenen der Szene: Dem Preisverfall der Auktionshäuser, dem beleidigten Rückzug der Sammlermogule oder den neuen Strategien der reichsten 50 Künstler. Doch wer nicht zu diesen Kreisen gehört, wer also wie ich immer noch im Schlamm der Szene robbt, kann zudem noch ganz andere Phänomene ausmachen. Tatsächlich scheint die Krise jetzt auch an der Basis angekommen zu sein, ich spreche von dem aktuellen Gebaren der Veranstalter der Satellitenmessen. Die zwei wichtigsten Meldungen vorab: 1. Die Satellitenmessen sind jetzt billiger geworden! 2. Fast jeder kann mitmachen! Doch sind das wirklich gute Nachrichten? Da sich nicht jeder mit dem System der Kunstmessen und ihren Satelliten auskennt, hier eine kleine Einführung in die gute alte Zeit:
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Gastbeitrag | 03.05.10
Es waren auf jeden Fall zu wenige Ausstellungen
von Tai Andy Hund & Ludwig Billy Costa
Peyton bei neugerriemschneiders Projektraum gegen Tom Burr in Neu´s Zweitraum: Sieger auf jeden Fall Tom Burr, allerdings was den Raum angeht: Peyton, so hübsch der alte Eisenwarenladen, die Bilder konnten eben aber fast nicht konkurrieren.
Aber auch die Wohnung am Mehringdamm, sehr schön.
Allerdings andersrum Nick Mauss bei Neu zu Haus´, naja, hmmm …, dagegen eine sehr anständige und umfangreiche Show mit dem Titel »Lost and Found« im neugerriemschneiders Stammsitz. Besonders angetan waren wir von »Various Things with Similar Shape« oder »Various Shapes and Materials« oder so ähnlich, von Jimmie Durham.
Auch Mike Nelsons »Golems Skalk (Andy)« ist aufgefallen, kryptisch, schön, keine Ahnung, schwierig wenn man sonst nichts kennt, aber wie gesagt, schon toll. Der rote Film von Simon Starling war in dem Moment nicht mehr zu schaffen, der Hunger war zu groß, sah aber spannend aus, ich geh noch mal hin.
Viele Teppiche gab es auch zu sehen, allerdings gute 20 Fahrradminuten entfernt, in einem anderen Stadtteil, übrigens ein schönes Moment dieser Ausstellungsschnitzeljagd, man sieht viel von Berlin, unterschiedliches Berlin, prima, also die Teppiche, leider alle zusammen, nebeneinander, sie stehlen sich die Show, ach so!! es sind ja alles Teppiche, keine Frage, die Illustration des Titels ist direkt und schließt Fragen aus, kein Entdeckungsmoment mehr, schade, ein, zwei gefallen mir schon sehr, vor allem der grob zerlegte, zersägte Teppich von Kai Althoff. Und die Afghanischen Teppiche habe ich alle gekauft.
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Gastbeitrag | 16.04.10
Wo geht´s hier bitteschön zur Kunst!
Zur Preisverleihung des Gabriele-Münter-Preises 2010
Von Ille von Rott zu Schreckenstein
Am 13. 04. 2010 wurde im Martin-Gropius-Bau der Gabriele-Münter-Preis an Christiane Möbus verliehen. Seit 1994 wird dieser hoch dotierte Preis (20.000 Eur) alle 3 Jahre an herausragende Künstlerlerinnen über 40 Jahre vergeben.
Aus den Statuten: „Der Preis wurde ins Leben gerufen, da Frauen dieser Altersgruppe bei hoch dotierten Auszeichnungen deutlich unterrepräsentiert sind.“
Wenn man sich die begleitende Ausstellung ansieht: 40 Künstlerinnen von 1.362 sich insgesamt Bewerbenden, dann scheint die Jury nicht viel Arbeit gehabt zu haben. Christiane Möbus ist mit Abstand wohl die interessanteste Künstlerin und keine der Teilnehmenden hätte ihr den Preis streitig machen können. Einzig vielleicht die Künstlerin Sabine Groß mit ihrer Arbeit „Happy Tears“. Groß hat sich ein bekanntes Werk der Kunstgeschichte angeeignet (das gleichnamige Werk des Pop-Art-Künstlers Roy Lichtenstein) und dieses Bild regelrecht aus dem Rahmen herausgenommen und in eine eindrückliche, sehr poetische visuelle Sprache eines Videos transferiert. Über die nicht zur Ausstellung ausgewählten Künstlerinnen kann man natürlich nichts sagen. Vielleicht haben sich aber genau in den restlichen 1.322 Künstlerinnen die richtig interessanten und guten befunden. Ich hoffe es, denn als ich durch diese Ausstellung ging, traute ich meinen Augen nicht: Ist das die Repräsentanz zeitgenössischer Kunst aus Frauenhand über 40? Natürlich nicht! Aber wenn nicht, dann stellt sich die Frage: Wer bewirbt sich für diesen Preis und wer lässt es sein? Und folgend könnte die Frage lauten, wenn man sich für diesen Preis nicht bewirbt, warum nicht?
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Markus Wirthmann | 03.04.10
Sei Dein Zirkel
Alexander May
What kind of shadow are you
2. April bis 10. April 2010
TÄT, Berlin

Extending the length of my body across in a spinning motion in order to create a template
circular shape
a record of my own circumference
a physical radius becomes fixed.
Feet and hands will be used to mark the territory using white chalk. The temporary floor will record this record
flat work.
I will then remove the shape,
place the extended circumference against the wall.
Another shape is then considered by mirroring each other in a lopsided configuration.
- Genau! Mehr muss man dazu gar nicht sagen.
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Gastbeitrag | 01.04.10
Kunst als Friedensstifter?
von Daniela Höhn
„Über Wut“ - eine Ausstellung im Haus der Kulturen der Welt in Berlin:
Über Wut / On Rage
Haus der Kulturen der Welt, Berlin
noch bis 9. Mai 2010
Kunst als Friedensstifter? - „Über Wut“ - eine Ausstellung im Haus der Kulturen der Welt in Berlin:
Wut ist ein Gefühl. Man hat sie im Bauch, die Nase voll, die Fäuste geballt, bereit, zuzuschlagen. Wut ist ein unangenehmes Gefühl, gesellschaftlich nicht wirklich akzeptiert. Dennoch ist ihr eine Ausstellung gewidmet, die derzeit im Haus der Kulturen der Welt in Berlin läuft.
Wer sehen will, was Kunst über Wut zu sagen hat, muss zunächst eine hölzerne Konstruktion passieren, eine eigenwillige Interpretation des Ischtar Tors, wie sich herausstellt. Das originale Ischtar Tor, das einstige Wahrzeichen Babylons, ist heute ein Highlight des Berliner Pergamonmuseums und Babylon ein fernes Land, das wir Irak nennen. Symbole der westlichen Konsumkultur schmücken das von Michael Rakowitz nachgebaute Ischtar Tor im Haus der Kulturen der Welt: Pepsi-Cola und Lipton, dazu arabische Schrift. Samuel Huntington bezeichnete sowas als „Clash of Civilizations“: ein Zusammenprall der Kulturen, der sich in Gewalt entladen kann, die wesentliche geopolitische Konfliktlinie des 21. Jahrhunderts.
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Markus Wirthmann | 29.03.10
BILD Dir Deinen Kunstverein
Hamburger Kunstverein - der echt alte* - auf Kuschelkurs mit Street-Art und Springer-Presse.
Stefan Marx
19. Dezember 2009 - 28. November 2010
im Foyer und
Uns Hamburg
27. März - 24. Mai 2010
Der Kunstverein, seit 1817. Hamburg
Seit langem war ich mal wieder in Hamburg und seit noch viel längerer Zeit habe ich eine Eröffnung im Kunstverein miterlebt. Machte ´nen merkwürdig gestrigen Eindruck, der Verein.
*Eine der ersten Amtshandlungen Florian Waldvogels, als er letztes Jahr die Leitung des Kunstvereins in Hamburg antrat, so erzählen mir Freunde, war die Neu- bzw. Wieder-Alt-Benennung des Kunstvereins durch den Zusatz „seit 1817“. Ne olle Kamelle also, der Hamburger hat sich schon daran gewöhnt - aber wie gesagt komme ich ja nicht so oft an den Hafen. Mit so ´ner Umbenennung wird gleich mal den Vorgängern ans Bein gepinkelt und die eigene Duftmarke hinterlassen. Riecht hier aber muffig wie von 1817.

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Gastbeitrag | 22.02.10
Martin Waldes „Unken“ im Marta Herford
Gastbeitrag von Rüdiger Oberschür
Die Ausstellung des Wiener Künstlers ist ein Teil des Ausstellungs-Triptychons „A Second Home for Schrödingers Cat“ und ein synästhetisches Erlebnis zugleich - Zweitausstellung „Ich weiß gar nicht, was Kunst ist“

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Markus Wirthmann | 19.02.10
Es gibt immer noch keine Medienkunst
Coincidence Engines One & Two - Hommage à Ligeti
[The User] - Emmanuel Madan und Thomas McIntosh
.CHB, Berlin
noch bis zum 28. Februar

Die Transmediale.10 ist zu Ende gegangen aber einige Satelliten sausen noch durch den luftleeren Berliner Medienkunst-Kosmos. Einer davon ist die Präsentation der Koinzidenz Maschinen des kanadischen Künstlerduos [The User] im Collegium Hungaricum Berlin.
Das tausendmal gehörte Ticken einer Uhr verwandelt sich in den Arbeiten von [The User] in eine reichhaltige Quelle komplexer akustischer Strukturen. Mit einer Unzahl verschiedener Zeitmessgeräte erkunden die beiden Künstler Themen wie Reglementierung, Vielfalt, das Perfekte und Imperfekte sowie die Entropie. - Quelle: Transmediale.10
Grund genug wieder mal die Einlassungen von Stefan Heidenreich zur Transmediale des Jahrs 2008 aus dem Sack zu ziehen und sie sich genüsslich auf der Zunge zergehen zu lassen:
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Gastbeitrag | 17.02.10
Faultierpauschale
Gastbeitrag von Melanie Franke aus der aktuellen von hundert
Manuel Graf
Buchtipp 2
Johann König, Berlin
15.01.–06.03.2010

Was würde man arbeiten, wenn man nicht arbeiten müsste? Wenn es also keinerlei Zwänge für den Broterwerb gäbe, sondern wenn für all die Notwendigkeiten, deretwegen man sich mit der Lohnarbeit abmüht, schon gesorgt wäre. Würde man dann weniger arbeiten oder mehr den eigenen Interessen nachgehen? Oder bliebe am Ende alles wie es ist, weil einem ja doch kein besserer Zeitvertreib einfiele? Zu dem „was“ man arbeiten würde, stellt sich auch die Frage „wie“ diese möglicherweise frei gewählte Tätigkeit verrichtet werden würde. Vielleicht würde man mit der neuen Freiheit ja wieder von Hand arbeiten, wie Manuel Graf, der die Objekte seiner bühnenartigen Installationen alle selbst durch Handarbeit herstellt. In Anbetracht der beiden Couchbänke, Tische und Schuhen erscheint dies zunächst absurd, hätte man die doch ebenso gut herstellen lassen können. Sie weisen auch keine gravierenden Unterschiede zu industriell hergestellten Produkten auf, warum also die Mühe, fragt man sich und das Phänomen ist komplexer, als es zunächst den Anschein hat.
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Gastbeitrag | 12.02.10
Corinne Wasmuth´s Weg ins Reich der Zwischenwelten – Ein One Way Trip
Gastbeitrag von Ille von Rott zu Schreckenstein
Ich mach mich auf den Weg durchs verschneite Berlin in Richtung Zehlendorf. Mein Ziel ist die Ausstellung „Supracity“ von Corinne Wasmuth im Haus am Waldsee. Die 1964 geborene Künstlerin, soll zu den einflussreichsten Malerinnen Ihrer Generation in Deutschland gehören. Begriffe wie „unzeitgemäße Langsamkeit“ oder „traumgleiche Tiefenräume“ oder „Ölgemälde in altmeisterlicher Manier“, schwirren durch meinen Kopf und machen mich mehr als neugierig.
Ich betrete das Haus und werde sogleich von einer Wand von Kritiken zu der Ausstellung in Empfang genommen. Super! Freue mich. Alle die hier hängen, schreiben in den höchsten Tönen, bezaubernde Sätze. Superlative! So auch Katja Blomberg, die Kuratorin der Ausstellung: „Man kann sich ihnen kaum entziehen, diesen Farbchoreografien und bühnenhaften Tiefenräumen. Zu unmittelbar entfalten sie ihren hypnotischen Sog, ziehen einen in imaginäre Tunnel, über rasende Autobahnen, in Kristalllandschaften fremder Planeten. Und sie zwingen zum Innehalten, so wie die Bilder selber ein Innehalten sind und zu Momentaufnahmen ferner und doch so naher Sehnsuchtsorte werden.“
Ich falle auf die Knie!
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Gastbeitrag | 12.02.10
Ästhetik des Hässlichen
im Friedberger Kunstverein
Gastbeitrag von Rüdiger Oberschür - Region Mittelhessen
Spuren einer Performance: Egon Schrick eröffnet seine „Amazonas“-Ausstellung mit einer archaischen Aktion, deren Ergebnis die Ausstellung erst komplettiert.

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Gastbeitrag | 27.01.10
Mit Jáchym Fleig endet im Neuen Kunstverein Gießen die Reihe „Stadt – Raum“
Gastbeitrag von Von Rüdiger Oberschür – Region Mittelhessen

Wer genau nach oben schaut, entdeckt kleine Flugzeuge: Fleigs „Deckenrelief“ spielt auf ein ehemaliges Geschwader-Denkmal gegenüber des Kunstvereins an.
Gastbeitrag | 25.01.10
Oberhessisches Museum zeigt Fotografie im Dialog
Susanne Esche und Robert Blaszczyk eröffnen Einblicke in die Möglichkeiten eines Mediums unter generellem Realismusverdacht
Gastbeitrag von Rüdiger Oberschür - Region Mittelhessen

Unschärfe als Brücke, als Verbindung – das fällt einem bei Susanne Esches und Robert Blaszczyks Arbeiten im Oberhessischen Museum Gießen unmittelbar ein. „Fotografie im Dialog“ ist die Ausstellung untertitelt. Und gerne sieht man den beiden (ehemaligen) Essener Folkwangschülern bei ihren Gesprächen zu. Die 61-jährige Esche und der junge Eleve Blaszczyk – zwei Generationen, zwei Ästhetiken, zwei Geschlechter – gehen in ihren fotografischen Erlebnisräumen über die Fragen von Ist-Zustand und objektivem Ideal weit hinaus. Oder besser: dran vorbei. Was heißt Zeit und was bedeutet Raum?
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Gastbeitrag | 22.01.10
Nationale Identität statt Hakennasen
Gastbeitrag von Daniela Höhn
Die Ausstellung „Fremde? Bilder von den Anderen in Deutschland und Frankreich seit 1871“ zeigt, dass Klischees langlebig sind – auch wenn sie manchmal ihre Erscheinungsform ändern.
Wer ist ein Deutscher? Wer ein Franzose? In Frankreich wird gerade über nationale Identität debattiert. Dabei geht es viel um den Islam. Kopftücher und Minarette – so hört man immer öfter – passen nicht zu „europäischen Werten“. Anders ist, was anders aussieht – oder etwa nicht? Doch sagt ein Kopftuch wirklich etwas aus über die Frau, die es trägt? Und ist es fair, von Minaretten auf Terrorismus zu schließen? Die Ausstellung „Fremde? Bilder von den Anderen in Deutschland und Frankreich seit 1871“ im Deutschen Historischen Museum in Berlin zeigt, dass sich, was den Umgang mit Andersartigkeit betrifft, im Laufe der Geschichte gewisse Kontinuitäten erhalten haben.
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Charlotte Lindenberg | 19.01.10
Schöner Wohnen
Unbrauchbar aber gepflegt: "raumpflege" macht sich´s gemütlich

Speisezimmer: Göbel (Wandobjekt), Richter-Kundel (Esstisch & Stühle) und Fass (Kartoffelteppich), Foto CL
Das mit der "raumpflege" ist ein spaßiger Titel, der keine wirklich zutreffende Arbeitsplatzbeschreibung liefert. Wahr ist, dass sich die Arbeiten der vier Künstlerinnen mit Innenarchitektur in Verbindung bringen lassen. Dieses "in Verbindung bringen" geht so:
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Gastbeitrag | 18.01.10
Marburger Kunstverein blickt mit zehn Künstlern zurück auf eine Dekade
Gastbeitrag von Rüdiger Oberschür - Region Mittelhessen
Über 65 Ausstellungen hat der Marburger Kunstverein seit dem Einzug im Oktober 2000 am Gerhard-Jahn-Platz, unterhalb der Marburger Oberstadt zwischen Großkino und Bankhaus bereits realisiert. Was 1953 im Gewölbekeller der ehemaligen Stadtsäle als Künstlerkreis begann, hat sich zum markanten Aushängeschild der Stadt gemausert. Allein zur Fotoausstellung von Martin Liebscher im vergangenen Herbst kamen insgesamt über 3000 Besucher. Nun blickt der Verein mit zehn ausgewählten Künstlern, die hier alle schon ausgestellt haben, auf eine Dekade zurück. Die Malerei steht im Vordergrund, doch auch Zeichnung, Skulptur, Fotografie und Videokunst sind vertreten.
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Gastbeitrag | 07.01.10
Was macht die Medienkunst?
20 Jahre ZKM
Gastbeitrag von Stefanie Bücker
Das ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe feierte in den letzten Wochen sein 20-jähriges Jubiläum. Mit der Ausstellung „IMAGINING MEDIA@ZKM“ präsentiert das Haus noch bis Ende 2010 die besten Medienkunstwerke, die von deutschen und internationalen KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen seit 1989 am ZKM produziert wurden. So findet man zum Beispiel gleich im Erdgeschoss den „Tree of Knowledge“ von Bill Viola aus dem Jahr 1997. Der Besucher betritt einen langen, schmalen Korridor, ihm gegenüber erscheint ein Baum als Setzling. Je näher er auf den Baum zugeht, desto weiter entwickelt sich dieser. Der Betrachter kann auch an jeder Stelle innehalten und die Entwicklung des Baumes stoppen oder umkehren.
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Dirk Teschner | 05.01.10
Die Addition der Differenzen

Bert Papenfuß, aus Einem verreckten Kater die Scheiße aus den Därmen dreschen
Ich hatte mir schon seit Wochen vorgenommen einen Beitrag zu der Ausstellung „Poesie des Untergrunds“ zu schreiben, nun nach dem Beitrag „Utopie und Untergrund“ von Daniela Höhn wurde es doch notwendig. Es ist interessant zu erfahren, dass Leute aus dem Westen und Jüngere wohlwollender diese Ausstellung empfanden als Dabei gewesene. Mit einer gewissen Unbefangenheit wirkt sie spannender als wenn man anfängt zu grübeln.
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Gastbeitrag | 05.01.10
Utopie und Untergrund
Gastbeitrag von Daniela Höhn
Poesie des Untergrunds
Prenzlauer Berg Museum, Berlin
noch bis 7. Februar 2010
Die Ausstellung „Poesie des Untergrunds“ im Prenzlauer Berg Museum zeigt, was Gegenkultur in der DDR ausmachte und relativiert damit auch einige Mythen der Nachwendezeit
Das Jubiläumsjahr 2009 – 20 Jahre Fall der Berliner Mauer – ist zu Ende gegangen. Zeit, Bilanz zu ziehen: Heute gilt Berlin als kreativ und weltoffen. Paradoxerweise rührt dieser Ruf daher, dass es einmal Frontstadt im Kalten Krieg war. Aus dem grauen Ostberlin – so der Mythos - wurde nach der Wende ein buntes, avantgardistisch anmutendes Künstlerparadies. Die pluralistische Kultur des Westens scheint sich selbst übertroffen zu haben. Aber war die „Hauptstadt der DDR“ nicht auch ein Hort der Opposition und der staatlich überwachten, nur widerwillig hingenommenen Gegenkultur?
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Gastbeitrag | 03.01.10
Weißer Terror – Portraits nordamerikanischer Erstbewohner
von Wolfgang Müller
Vielstimmige Begeisterung herrscht in der Kunstkritik vom Tagesspiegel bis hin zur Berliner Zeitung über den „White Cube“ von Karin Sander in der Temporären Kunsthalle. Tom Mustroph stimmt in der tageszeitung eine Eloge auf den weißen Kubus an: „Keine Objekte verstellen den Blick.“ Doch woher bezieht der weiße Würfel als sakraler Erhebungsraum in Zeiten des neo-individualliberalen Konsenses seine unhinterfragte Re-Artikulation?
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Gastbeitrag | 29.12.09
Nicht einfach, die Welt in 90 Tagen zu retten
Über die junge türkische Kunstszene
Gastbeitrag von Ann-Katrin Frank
TANAS, Berlin
14.Dezember – 13. März 2010

Sener Özmen & Erkan Özgen, "Road to Tate Modern", 2003, Video, 07:13 min
Bei diesem Titel muss man an den Klimagipfel in Kopenhagen denken. Aber hier geht es nicht um schmelzendes Eis, Dürre und Treibhausgase. TANAS zeigt Arbeiten junger türkischer Künstler, die kritisch die Hegemonie des Westens im Urteil über Recht und Unrecht, die westliche Definitionshoheit über die Kunstbewertung und die häufige Ausgrenzung nicht-westlicher Kunst betrachten. Auch geht es um eine Auseinandersetzung mit den Strukturen der eigenen Gesellschaft und Lebenssituation, häufig mit einem Augenzwinkern.
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Charlotte Lindenberg | 13.12.09
Der Müll, die Stadt und das Land
Rachel Harrison im Portikus

Rachel Harrison, HAYCATION, Installationsansicht, Portikus 09, Foto Katrin Schilling
Die Teilnehmerin der letzten Bienale von Venedig verarbeitet nur Künstliches. Und wenn es sich noch so natürlich gibt.
Universal Lobster
Und da isser wieder. Ein silbriger Hummer ruht an der Schulter einer der für Harrison charakteristischen Figurinen, deren Bestandteile eine sorgfältige Auswahl aus dem darstellen, was Sperrmüll so zu bieten hat. "Consider the Lobster" war schon der Titel von ihrer vorhergehenden Ausstellung, die bis zum 20. Dezember im Center for Curatorial Studies am Bard College zu sehen war (und in der Londoner Whitechapel Gallery im kommenden Frühjahr zu sehen sein wird). Dass der Hummer in Frankfurt wiederkehrt, ist folgerichtig, weil das Tier zwei Schwerpunkte beider Ausstellung vereint: Eigenartige Arten der Freizeitgestaltung sowie den geradezu alchemistischen Vorgang des Umwandelns von Wertlosem in Wert.
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Rachel Harrison im Portikus« weiterlesen ...
Gastbeitrag | 04.12.09
Fühlt sich kalt an
Dramatische Folgen neo-individualliberaler Kunst: Die Berliner Ausstellung »Zeigen«
von Wolfgang Müller
Vor gar nicht so langer Zeit erreichte mich eine Anfrage zur Teilnahme an einer Ausstellung. Der Absender war Karin Sander. Die Künstlerin sei von den Kuratoren der Temporären Kunsthalle Berlin eingeladen worden, ihre Arbeit »Zeigen« zu realisieren: »Die daran teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler geben in ihrem Beitrag akustische Informationen zu ihrem Werk oder ihrer Arbeitsweise, indem Sie ihre künstlerische Arbeit hörbar und damit für den Hörenden ›sichtbar‹ machen. In dem Ausstellungsraum der Kunsthalle werden die Namen der Künstler und Künstlerinnen sowie jeweils eine Zahl auf der weißen Wand zu lesen sein.«
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Dirk Teschner | 03.12.09
Kunst kostet Geld – mehr Kunst kostet mehr Geld

Jim Avignon, 2009
Kunst in der Krise? Das Geld ist weg. Wo ist es geblieben? Der Bund, die Städte und Kommunen haben immer weniger Geld für Kultur. Darunter leiden die Kultureinrichtungen und damit auch die Künstler.
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Charlotte Lindenberg | 29.11.09
Bewegt euch. Ottmar Hörls Englischer Gruß ans Volk

Ottmar Hörl "Ort der Engel", 2009, Dreieich-Götzenhain, Installationsansicht.
"Jeder Mensch ein Künstler." Dies ist das erste Mal, dass ich dieses gern missverstandene Satzfragment des Heiligen Joseph zitiere, und ich tue es nur, weil Hörl es zu seinen Maximen erhoben hat. Tatsächilch dürfte die Tatsache, dass die Digitalisierung zu einer weiteren Demokratisierung der Fotografie geführt hat, im Interesse des um Volkserziehung bemühten Dienstleisters liegen. Schließlich dient sein plastisches Werk dem Zweck, den kunstfernen Teil der Weltbevölkerung - nach Hörls Schätzungen 98 % - mit genau dem bekannt zu machen, was ihnen sowas von egal ist.
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Gastbeitrag | 08.11.09
The Wolfsburg Journey (James Turrell)
Gastbeitrag von Marc Wellmann
James Turrell. The Wolfsburg Project
Kunstmuseum Wolfsburg
24.10.2009 - 05.04.2010

Die meisten Berliner waren noch nie in Wolfsburg, abgesehen von einigen Minuten beim Halt des ICE am Bahnhof, von wo man einen guten Blick auf die „Kilometerarchitektur“ des Volkswagenwerkes hat. Was soll man auch, fragt sich der gemeine Hauptstädter, in einer früheren Arbeitersiedlung am Mittellandkanal, die 1938 unter dem Namen „Stadt des KdF-Wagens bei Fallersleben“ gegründet wurde? Nach schwerer Kriegszerstörung erfolgte 1945 die Umbenennung in Wolfsburg – so heißt ein nahe gelegenes Schloss, hat also nichts mit NS-Wortprägungen wie „Wolfsschanze“ zu tun. Architektonisches Flagschiff der Aufbaujahre ist das 1962 eingeweihte Kulturzentrum von Alvar Aalto. 1973 hat Hans Scharoun in Wolfsburg ein Theater gebaut. Mehr gab es lange Zeit nicht, außer der Fußgängerzone („Porschestraße“) im Herzen der Stadt mit authentischem Charme der 1950er Jahre.
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Gastbeitrag | 06.11.09
Mandy 2009
Ein Gespräch zwischen Susanne Bürner und Heidi Specker über Andreas Slominski bei Neu und Jablonka
Heidi Specker: Susanne, bei Neu steht nur eine Badewanne in der Galerie – ganz minimal, sonst nichts.
Susanne Bürner: Wie nur eine Badewanne, das ist alles?
Specker: Nein, natürlich nicht, kennst ja den Slominski.
Bürner: Das heißt, es gibt sonst noch einiges an technischem Gerät?
Specker: Nicht wirklich, außer ein paar Schläuchen, die an der Wanne hängen und kleinen Böcken auf denen sie steht. Und einem Zettel an der Wand im Eingangsbereich auf dem sich Mandy, Timmi Dee, Destiny, Scott der Sechste oder Sechsscott, Robbee, Porn Fighter longjohn.com, Wixitrixi oder Jerry Steel handschriftlich verewigt haben.
Bürner: Hört sich ja aufregend an.
Specker: Im Büro hängt noch ein kleiner Abzug auf dem man sehen kann, was passiert ist. Vier Frauen hocken nackt auf dem Rand der Badewanne und beugen sich über vier Männer.
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Dirk Teschner | 29.10.09
ARMELLA SHOW - Jenseits von Kunstmessen und Museen
Was tun, wenn in den Städten jenseits der Kunstmetropolen es nur wenige Galerien, Projekträume, Kunsträume gibt? Richtig, man holt diese aus anderen Städten her. Das Kunsthaus Erfurt lud vom 24. Oktober bis zum 1. November 15 Galerien aus 9 Städten mit über 30 Künstlerinnen und Künstler zur ARMELLA SHOW ein.

Jarmuschek+Partner, Berlin // Dieter Lutsch
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Markus Wirthmann | 21.10.09
Protectionismus

Die Weingüter Retzer Land, ein Qualitätsverbund von Top-Winzern im westlichen Weinviertel Österreichs, lud gestern Abend zur Weinprobe in den Dachboden der Botschaft. Der windschiefe Dachverhau wird aus unerfindlichen Gründen auch gern euphemistisch als Österreichisches Kulturforum Berlin bezeichnet und hin und wieder als Ausstellungsfläche zweckentfremdet.
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Markus Wirthmann | 19.10.09
Gewitter in der Zitronenpresse
Anlässlich der Ausstellung "berufen" im Oktogon, der Galerie der HfBK Dresden, installierte Eberhard Bosslet Stroboskope in der verglasten Kuppel, der sog. "Zitronenpresse" und lässt sie elektronisch gesteuert ein hausinternes Gewitter simulieren.
Nachtigall ick hör Dir trapsen - das soll doch wohl keine Anspielung auf den inneren Zustand der Kunstakademie sein? Wurscht, das ganze ist mit relativer Ökonomie der Mittel sehr spannend geraten.
Wie übrigens die ganze Ausstellung, die durchwegs sehenswert und gut arrangiert daher kommt. Das ist selten bei Veranstaltungen wie dieser, bei der die Teilnahmeberechtigung einzig von Stand und Anstellung der Künstler abhängt.
berufen
Ausstellung von Professorinnen und Professoren des Studiengangs Bildende Kunst der HfBK Dresden.
Oktogon, Dresden
9. Oktober bis 22. November 2009
Mit: Hans-Peter Adamski, Peter Bömmels, Eberhard Bosslet, Monika Brandmeier, Lutz Dammbeck, Ulrike Grossarth, Martin Honert, Elke Hopfe, Detlef Reinemer, Ralf Kerbach, Wilhelm Mundt, Christian Sery, Carl Emanuel Wolff
Peter Lang | 10.10.09
Die grüne Tür: Klaus Werner in Berlin
Direkt am Thälmann Park im Prenzlauer Berg wird noch heute und morgen in der Sadtbezirksgalerie parterre die Entwicklung eines der wenigen bemerkenswerten Ausstellungsmacher der ehemaligen DDR gezeigt. Es dreht sich um den Kunstwissenschaftler Klaus Werner und seine "grüne" Tür ist der Aufhänger.
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Constanze Musterer | 05.10.09
Kunst schaut Stadt
BERLIN 89/09 - KUNST ZWISCHEN SPURENSUCHE UND UTOPIE
Berlinische Galerie
Weiter, weiter, ... ! so schreit Ulf Aminde in seinem Video „Weiter“ (2004), in dem er als Regisseur Punks animiert, das mittlerweile auf jedem Kindergeburtstag verpönte Spiel „Reise nach Jerusalem“ zu spielen. Wo die Kleinen Konkurrenzgebaren und Ausgrenzungstaktiken für spätere Managerposten lernen können, durchbrechen die Punks die Spielregeln auf kreative Weise bis das Spiel letztlich in reiner Anarchie endet. Platziert unter der Kategorie „Alternative Konzepte“ im letzten Teil der Ausstellung BERLIN 89/09 - KUNST ZWISCHEN SPURENSUCHE UND UTOPIE präsentiert das Video von Aminde ein Beispiel autonomer Lebenskonzepte in der Metropole und fragt gleichzeitig nach deren Plätzen in der Stadt bei einer stetig wachsenden Subkultur, die sich gegenseitig verdrängen droht.

Tobias Hauser: Walden am Leipziger Platz, 2002
Dia-Leuchtkasten, Holzrahmen
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Gastbeitrag | 25.09.09
Miteinander reden
Gastbeitrag von Jenny Möller
Preview Berlin – The Emerging Art Fair
Flughafen Berlin Tempelhof
25.09.09 bis 27.09.09
LESS REGRESS / MORE CONGRESS - weniger Rückschritt, mehr Begegnung verspricht in diesem Jahr das Motto der Preview Berlin. Das ist ein besonnenes Motto für eine junge Kunstmesse. Sich näher kommen sollen die Galeristen, Sammler und Kunstinteressierten.
Das klappte am Eröffnungsabend schon einmal gut - Die Besucher hatten ob des Gedränges kaum eine andere Wahl als miteinander und den Exponaten auf Tuchfühlung zu gehen. 47 Galerien gewährten einem gut gelaunten Publikum einen ersten Blick auf die Werke von jeweils maximal zwei Künstlern. Präsentiert wurden diese nicht in den messeüblichen Kojen, sondern in Form einer Ausstellung, bei der sich die Besucher zwischen den Exponaten frei bewegen. Trotz des eher zahmen Mottos wirkte die Veranstaltung erfrischend experimentell. Eine Sitzgelegenheit aus aufgetürmten Holzpaletten in der Mitte der Halle bestärkte den Eindruck eines ungezwungenen Beisammenseins: Nach und nach gesellten sich mehr Menschen mit Bierflaschen in den Händen hierher. Manch einer fühlte sich an Zeiten von Klassenfahrten und Schulpausen erinnert.

© Preview Berlin
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Gastbeitrag | 21.09.09
Der Raum ist nicht genug
Gastbeitrag von Stephanie Kloss
Thomas Demand
Nationalgalerie
Neue Nationalgalerie, Berlin
22. September 2009 bis 17. Januar 2010
Vorhang auf für Thomas Demands Schauspiel „Nationalgalerie“
in der Neuen Nationalgalerie zu Berlin.

Donnerstag Abend.
Eine lange Schlange bildet sich vor der Neuen Nationalgalerie.
Über der Menschenmenge steht in erleuchteten Lettern nochmal der Name des Gebäudes, der Ausstellungstitel, damit man weiss wo man ist und was einen erwartet.
Daneben ein großes Festzelt.
Wir wollen nicht Schlange stehen und gehen in das Zelt.
Innen ist es leer und bitterkalt.
Rosafarbenes Licht und paar wenige Stehtischchen bestärken den trostlosen Eindruck. Aus den Lautsprechern schallt deutschsprachige 80er Jahre Musik.
Der ausgelegte Teppichboden spart die festinstallierten Skulpturen vor der Nationalgalerie sorgsam aus.
Weil es doch zu kalt ist, gehen wir wieder ins Freie.
Die Schlange hat sich aufgelöst und wir betreten den großen Raum:
In der „Nationalgalerie“ zeigt uns Thomas Demand, laut Zeit Magazin: „der berühmteste deutsche Künstler des Jahrgangs 1964“, wie er auf sein/ unser Land blickt.
Er hat für die Ausstellung nur Arbeiten ausgewählt, die auf deutsche Orte oder Inhalte anspielen.
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Markus Wirthmann | 18.09.09
Zwei nicht mehr ganz so junge ...
... britische Artisten in Berlin:
Barocke Handwerkskunst vs. postmoderne Appropriation
Mat Collishaw bei Haunch of Venison
und Gavin Turk bei ScheiblerMitte

Dreidimensionales Zoetrop von Mat Collishaw
Mat Collishaw und Gavin Turk sind YBAs (für alle Nachgeborenen: Young British Artists) der ersten Stunde. Sie waren bei Damien Hirsts Ausstellung freeze und Charles Saatchis Sensation dabei. Jetzt sind neue Arbeiten in Berlin zu sehen.
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Dirk Teschner | 16.09.09
Leipzig lädt Hausbesetzer-Künstler aus Hamburg ein
Die Stadt Leipzig hat den Besetzern der Hamburger Gängeviertel-Häuser Asyl angeboten. Nach Angaben der Gängeviertel-Initiative seien die rund 200 Künstler vom Leipziger Bürgermeister und Beigeordneten für Stadtentwicklung, Martin zur Nedden, in die Musik-Stadt eingeladen worden. Auch die städtische Wohnungsbaugesellschaft habe bereits Hilfe signalisiert.
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Gastbeitrag | 14.09.09
England ist nicht die einzige Insel der Welt
Gastbeitrag von Ulrich Diezmann
Eine Ausstellung über das Werk von Klaus Hähner-Springmühl im Kunstraum D 21 in Leipzig-Lindenau
Beteiligte Künstler: Klaus Hähner-Springmühl, Erich-Wolfgang Hartzsch, Frank Raßbach und Karin Wieckhorst

Lindenau liegt im Leipziger Westen, der Kunstraum D 21 ist dort in einem sogenannten "Wächterhaus" in der Demmeringstraße 21 beheimatet, der künstlerische Leiter ist Michael Arzt, gebürtiger Chemnitzer, ehemals Karl-Marx-Stadt.
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Charlotte Lindenberg | 13.09.09
Was soll´s? Über Saisonstarts im Allgemeinen und den Frankfurter im Speziellen
So oder so ähnlich heißt das Wochenende, an dem die Galerien aus dem Sommerloch klettern. Der kollektive Ausbruch des Geschäftsjahres erfordert Kooperation und vollzieht sich daher auf der Grundlage regionaler Netze. Viele Galerien beteiligen sich an Kosten und Organisation von Werbung, Shuttlebussen und Vermittlungsangeboten. Was motiviert GaleristInnen zu Sonderschichten an Abenden und Wochenenden? Während der gemeinnützigen Aktion gestehen Etliche der Anwesenheitsverpflichteten eine leichte Unpässlichkeit infolge beruflicher Verpflichtungen am Abend vor dem Morgen danach. Rituelle Eröffnungen am Freitagabend haben zur Folge, dass Manche zwischen Kampftrinken im Dienste der guten Sache und deren Ende am Sonntagabend leicht sediert wirken. Zwischendurch öffnen sie ihre Räumlichkeiten, um genau das finanzschwache Fußvolk zu empfangen, das sie während des Rests der Saison gern an sich vorrüber gehen lassen.
Gastbeitrag | 08.09.09
Fragwürdiger Siegeszug
Gastbeitrag von Ann-Katrin Frank
SIEGesIKONen / Icons of Victory – transFORM
(100+ Kuenstler - 1980, 1989, 2009)
31. August – 3. September 2009
Humboldt Berlin

Humboldt Berlin (Umspannwerk), Kopenhagener Str. 58, 10437 Berlin
Dicht an dicht drängen sich die Plakate zur Ausstellung SIEGesIKONen an der Fassade vom Umschaltwerk Humboldt in der Kopenhagener Straße, Berlin-Prenzlauer Berg. Ganz so, als befänden sie sich selbst im Siegeszug.
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Markus Wirthmann | 22.08.09
Verrissen
Ceal Floyer
show
KW Berlin
23. August – 18. Oktober 2009

Die Last einer Ausstellungsbesprechung ist dann am größten, wenn man viel erwartet und dann enttäuscht wird. Gestern Abend ist genau DAS eingetreten. Das schnöselige Ambiente der Kunstwerke mit seiner extrem hohen Dichte an Schönen und gefühlten Reichen ertrage ich sowieso nur alle paar Monate, aber die Aussicht auf Ceal Floyers show schien mir die Investition von ein paar Nanometern Nervenkostüm zu rechtfertigen.
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Gastbeitrag | 14.08.09
Entschleunigte Umbrüche
Gastbeitrag von Constanze Musterer
1989-2009: Bewegte Welt – Erzählte Zeit
Zeitgenössische Fotografie und Videokunst aus Russland, der Ukraine, Belarus, Georgien, Kasachstan, Kirgistan, Usbekistan und Deutschland
Akademie der Künste, Berlin
bis 13. September 2009
Es steht außer Frage, die von den Goethe Instituten der Region Osteuropa/Zentralasien ins Leben gerufene Fotografie- und Video-Ausstellung „1989-2009: Bewegte Welt – Erzählte Zeit“ ist im Rahmen des diesjährigen deutschen Jubiläumstumults „20 Jahre nach dem Mauerfall“ eine Besonderheit. Es ist vor allem bereichernd, dass sich der Blick einmal von Deutschland weg auf die Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion und deren unmittelbare Erfahrungen richtet, die aus der gefeierten deutschen Staatenzusammenführung folgten und folgen. Und es ist rühmlich, wichtig und politisch korrekt, zu fragen, wie die Veränderungen in diesen „neuen“ Ländern aus künstlerischer Sicht gedeutet, dokumentiert und, wie es heißt, wahrgenommen werden. Die leitende Kuratorin Jule Reuter arbeitete für die Auswahl der künstlerischen Werke mit lokalen KuratorInnen der in der Ausstellung beteiligten Länder zusammen. Auch dies ist ein durchaus sinnvoller und ebenfalls politisch korrekter Ansatz, der vorhandene Kenntnisse zu nutzen weiß und demokratische Strukturen in den Kunstsektor weitergibt.
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Gastbeitrag | 30.07.09
Surreale Gegenwart
Gastbeitrag von Hugo Boadas
Werner Spies und Neo Rauch: Ein unscharfes Foto für verschwommene Gedanken
Kürzlich durften wir im überfüllten Foyer der Nationalgalerie einem Podiumsgespräch zum Thema „Surrealismus und Gegenwart“ beiwohnen, einer Begleitveranstaltung zur aktuellen Präsentation der Sammlung Pietzsch. Fragestellungen des Surrealismus und ihr Stellenwert für die aktuelle Kunst sollten erörtert werden. Sogenannte Meinungsführer des Surrealismus, Werner Spies und Neo Rauch, wurden von Herrn Kittelmann präsentiert. In seiner Eloge auf die Gäste ließ er uns sogleich teilhaben an seiner wenig informativen persönlichen Betroffenheit, die darin gipfelte, sein Initiationserlebnis, die Ausstellung Paris-Berlin von Spies, als Gesamtkunstwerk zu bezeichnen. Demnach gelten also fortan die Ausstellungsmacher als die eigentlichen Künstler und diese programmatische Selbstanmaßung lässt nichts Gutes erwarten. Werner Spies gab den „Grandseigneur“, der mit den Größen dieser ach so kleinen Kunstwelt auf „Du und Du“ steht. Da möchte man als Neo Rauch dazugehören. Der bemühte sich, seiner inneren Verworrenheiten sprachlich Herr zu werden, um sich als Nachfahre des Surrealismus zu qualifizieren. Hierzu benötigte er Spies ordnende Strichworte, womit die Rollen des Stücks verteilt waren. So geriet das Thema zum Vorwand die Malerei Rauchs durch eine Fachautorität mit einem kunsthistorischen Rahmen abzusichern. Die Zuhörer dagegen wurden zu Klaqueuren einer Talkrunde degradiert, die dankbar sein durften, ohne Eintrittsgeld (Kittelmann: „Für die Ausstellung aber brauchen wir ihr gutes Eintrittsgeld.“) einem intimen Gedankenaustausch beiwohnen zu dürfen.
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Gastbeitrag | 26.07.09
remap Berlin
Gastbeitrag von Stephan Lorenz
Marco Cadioli aka Marco Manray
remap Berlin
Seit 2003 ist der italienische Künstler und Lehrbeauftragte an der "Accademia di Belle Arti, Brescia", Marco Cadioli in virtuellen Welten unterwegs, um zu fotografieren. Ok, es sind Screenshots, was er macht, aber er macht sie mit künstlerisch fotografischem Auge und in der Attitüde des "embedded" Reporters. in der Attitüde eines Robert Capa machte er 2005 Bilder von Kriegen, allerdings von denen in Counter Strike, Quake III und Enemy Territory und berichtete später zum Beispiel aus der virtuellen chinesischen Welt von HiPiHi in einem chinesisch inspirierten Stil. Und natürlich ist er auch "Reporter in Second Life", wie sein gleichnamiges Buch (Shake Edition) heisst.

Oranienburger Straße
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Markus Wirthmann | 25.07.09
Grillfest mit Rirkrit
Rirkrit Tiravanija
Chew The Fat
neugerriemschneider, Berlin
03.07.09 - 30.08.09

Der Grillwalker der neueren Kunstgeschichte, der, wie ich von Astrid Mania auf Artnet lerne, den Vertretern der relationellen Ästhetik angehört, hat ne Doku-Soap produziert.
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Gastbeitrag | 22.07.09
Netzwerke der Überwachung
Gastbeitrag von Constanze Musterer
Die Ausstellung State of Control von Thomas Kilpper im Ministerium für Staatssicherheit
in Berlin

Nichts erinnert mehr an eine Kantine in dem Raum, den Thomas Kilpper im Ministerium für Staatssicherheit (MfS) mit seiner Kunst okkupiert. Ein paar Stützpfeiler durchbrechen die riesige Leere, der man anmerkt, dass sie schon lange existiert. Um die Kunst in diesem merkwürdigen Ambiente der ehemaligen Speisung der Obersten der DDR zu entdecken muss man den Blick auf den Boden richten. Nicht ehrfurchtsvoll vor der Kunst und nicht deprimiert im Angesicht der hier vollzogenen Geschichte, sondern als Spurenleser von in das Linoleum geschnitzten Bildern, die Fakten und Hintergründe staatlicher Überwachung und Repression offen legen wollen.
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Michael Reuter | 20.07.09
„Hast du heute schon dein Viagra gefressen?“
Die frühberufene Künstlerin Jana Kuznetsov malt bei ihren provokanten Performances am liebsten mit Schamröte. Zurzeit stellt sie im Bahnwärterhaus in Esslingen bei Stuttgart aus.

Macht über Macht - Performance mit Sammler und Kunstkritiker Harald Falckenberg, November 2007
Kaum 150 cm hoch, haselnussbraune Kulleraugen und ein zartes Mini-Maus-Stimmchen: „Pffft“ denkt sich der Wolf und pustet die Frau ohne Anstrengung von den Klippen. Aber Obacht, verehrte Kunstfreunde, bevor diese Künstlerin sich wegblasen lässt, wird sie wandelbar wie ein Virus, anhänglich wie eine Zecke, bissig wie ein Rehpinscher und dickfellig wie ein Elefant. Ihr Name ist Jana Kuznetsov: Erdlinge, lauft weg oder kniet nieder.
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Michael Reuter | 15.07.09
Stadtstaat. Szenario für das Verbinden von Städten
Eine Anti-Utopie im Künstlerhaus Stuttgart

Metahaven: Stadtstaat (Poster), 2009
Als Fallstudie für ihr Ausstellungsprojekt im Künstlerhaus Stuttgart wählte das Design- und Forschungsbüro Metahaven (Amsterdam/Brüssel) einen fiktiven Stadtstaat, der aus den fusionierten Städten Utrecht und Stuttgart besteht. Für dieses grenzüberschreitende Gemeinwesen entwarf das Büro Ausschnitte eines Corporate Designs, dass aktuelle gesellschaftliche Diskurse spiegelt und analysiert.
Metahaven konstruiert eine Dystopie, einen durchgestylten, hoch technisierten, pseudodemokratischen Staat, der soziale Netzwerke, globalisierte Marken und Informationstechnologie nutzt, um die Bevölkerung auf Linie zu halten, ohne dass es ihr bewusst wird.
Zum besseren Verständnis gibt es eine Reihe von fiktiven Briefen, die alle mit "Freund" unterzeichnet sind, aber offensichtlich von verschiedenen Personen geschrieben wurden. Die Texte fangen den typografieverliebten, menschenleeren Spekulationsraum von Metahaven auf, schmälern aber die Wertigkeit der Ausstellungsstücke. Es wird auch nicht klar, wozu das Konstrukt Utrecht/Stuttgart benötigt wird. Die These, dass Stadtarchitektur, politische Ideologien und Konsumentenwelten, zumindestens im europäischen Kontext, kaum noch unterscheidbar sind, ist abgearbeitet. Was die Gesellschaft braucht, ist nicht das wiederholte Beschwören eines technoiden Überwachungsstaates, sondern die Förderung einer partizipativen Geisteshaltung, die Demokratie mitgestalten und mitverantworten will.
Michael Reuter | 12.07.09
Die Welt wird Stellwand
Drei Sätze zur Ausstellung »Die Welt wird Stadt« in der ifa-Galerie Stuttgart

Tolles Thema: bildgewaltig, zukunftsträchtig, überlebenswichtig.
Die Umsetzung: Stellwandterror mit langen Texten und einigen verschämten Architekturmodellen.
Abhilfe: Zuhause bleiben, Dossier zum Thema im Netz lesen, den Katalog bestellen oder gleich das 2005 erschienene Buch von Eckhart Ribbeck »Die Welt wird Stadt« kaufen.
Michael Reuter | 10.07.09
Adolf Hölzel im Kunstmuseum Stuttgart

Eher von akademischem Interesse ist die neue Ausstellung „Kaleidoskop. Hoelzel in der Avantgarde“ im Kunstmuseum Stuttgart. Als stolze Besitzer von 400 Werken und damit der weltgrößten Sammlung des 1905 als Professor an die Königlich Württembergische Akademie in Stuttgart berufenen Adolf Hölzels sahen sich die scheidende Direktorin Marion Ackermann und ihr Mannen in einer Bringschuld, „einen der Pioniere der Avantgarde von europäischem Rang, den es als Wegbereiter der Moderne neu zu entdecken gilt“ angemessen zu präsentieren.
Der 400seitige Monsterkatalog, eine wunderbare Urlaubslektüre, die auch als Auffahrkeil für Wohnmobile geeignet scheint, bietet dreizehn AutorInnen die Gelegenheit, Hölzel aus dem Nebel des Vergessens hervorzuzerren und ihn als Avantgarde der Avantgarde zu präsentieren. Ein verkannter Revolutionär, der bereits 1905 mit der „Komposition in Rot I“ eines der frühesten Beispiele abstrakter Malerei schuf, ein bedeutender Theoretiker, der bereits 1901 mit seinem Aufsatz „Über Formen und Massenverteilungen im Bilde“ einen der Schlüsseltexte der Moderne schrieb und ein wegweisender Lehrer, der Künstler wie Johannes Itten, Oskar Schlemmer oder Willi Baumeister maßgeblich beeinflusste.
Tja, woran hat es nun gelegen, das Hölzel (noch) nicht zu den wichtigen Großmalern gezählt wird? Zurückhaltend ist er gewesen. Nicht seine eigene Person war ihm wichtig, sondern die Malerei und sein Werk stellt das „progressiv verlaufende Konzept der Moderne in Frage“. Drei Todsünden, die auch heute noch ins kunsthistorische Nirvana führen können.
Dirk Teschner | 15.06.09
Below the Line
Für viele ist Streetart in Ausstellungsräumen ein alter Hut, im Land der Mützenlosen aber brandaktuell. Wie angedroht ist seit dieser Woche im alten Erfurter Innenministerium eine vom Kunsthaus organisierte Ausstellung mit den wesentlichsten Streetart-Aktivisten Erfurts zu sehen. Zwar ist die Landeshauptstadt Thüringens museal zurecht saniert, doch Graffiti und Kunst im öffentlichen Raum findet man an jedem zweiten Haus.

DEINENUttenKInder
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Markus Wirthmann | 11.06.09
Die warscheinlich kleinste Galerie Berlins
Stefan Heinrich Ebner
Theoretisch tot
Loge, Berlin
11. Juni - Ende August 2009

Ich war gewarnt. Herr Ebner teilte mir schon am Wochenende mit, dass es sich bei seiner Ausstellung um die kleinstmöglich Denkbare handeln würde. Stimmt auch, wenn man sich die gefühlten 0,37 Quadratmeter der Galerie Loge anschaut. Und das muss man von außen tun denn die Arbeit von Ebner füllt den Raum eigentlich komplett aus.
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Markus Wirthmann | 10.06.09
Rocknroll
Gregor Hildebrandt
Der Himmel im Raum
Berlinische Galerie
7. Juni - 31. August 2009

Anlass für die Ausstellung Gregor Hildebrandts in der Berlinischen ist die Verleihung des Vattenfall-Kunstpreises an den Künstler.
Klasse Ausstellung die die Berlinische Galerie da mit der Hilfe von Vattenfall bekommen hat. Für die Berlinische ein absoluter Lottogewinn. Wie übrigens schon die Ausstellung von Ronald de Bloeme, dem Vorgänger im Preise.
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Gastbeitrag | 09.06.09
53. Esposizione Internazionale ...
... d’Arte, La Biennale di Venezia 2009
Subjektive Streifzüge am Eröffnungswochenende.
Von Marc Wellmann

Gleich vorweg: Der von Nicolaus Schafhausen kuratierte und vom britischen Künstler Liam Gillick bespielte Deutsche Pavillon ist ein enttäuschendes Ärgernis. Das betrifft weniger Schafhausens kühl kalkulierte Entscheidung, einen Künstler ohne deutschen Pass einzuladen (das hat Klaus Bußmann 1993 schon mit Nam Jun Paik gemacht, der damals zusammen mit Hans Haacke den Goldenen Löwen für den besten Pavillon erhielt), sondern das absurde Dokument künstlerischen Scheiterns in Form einer ziemlich langen Küchenzeile aus Fichtenholz (Vorbild: die von der Wiener Architektin Margarete Schütte-Lihotzky 1926 für Arbeiterwohnungen entworfene «Frankfurter Küche»), auf der eine ausgestopfte Katze thront. Aus dem Off hört man ihren englisch gesprochenen Monolog, der sich um verschiedene Missverständnisse und perspektivbedingte Fehldarstellungen dreht.
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Gastbeitrag | 06.06.09
„Brote / Spiel“
Franziska Holstein in der Galerie Christian Ehrentraut
Gastbeitrag von Ann-Katrin Frank
Von der belebten Friedrichstraße in Berlin aus gehe ich in einen Innenhof. Alles frisch renoviert, noch wartet das Gebäude darauf, von seinen Bewohnern eingenommen zu werden. Den Lärm und das Gewimmel der Straße lasse ich hinter mir und betrete die großzügigen Ausstellungsräume der Galerie Christian Ehrentraut.

Doch hält das Gefühl von Ruhe nicht lange an. Sogleich werde ich in den Bann von Franziska Holsteins Bilder gezogen. Gegenüber der Tür sind Schwarz-Weiß-Abbildungen von geometrischen Formen zu sehen. Einige sind mir bekannt wie die Bausteine des Spiels „Siedler“. Formen, mit denen die junge Leipziger Künstlerin in ihren Werken spielt.
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Dirk Teschner | 26.05.09
Kunstlawine

Erste Kunstlawinen-Staffel im alten Innenministerium in Erfurt beendet.
Die Kunstlawine ist ein neues Kunstprojekt, welches in unregelmäßigen Abständen stattfinden soll. Die Idee dahinter: Es werden Räume in leerstehenden Gebäuden in Erfurt temporär angemietet und diese mit Kunst und Musik zum Leben erweckt.
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Markus Wirthmann | 25.05.09
Knoebel, Wille und Dorn bei THW
Nachzulesen bei THEORETISCHES-HILFS-WERK, dem Blog von Thomas Wulffen.
Imi Knoebel
Zu Hilfe, zu Hilfe...
Neue Nationalgalerie, Berlin
23. Mai - 9. August 2009
"... Tatsächlich ist die Ausstellung eine Ikone zeitgenössischer Kunst und zeitgenössischen Ausstellungswesen. Einerseits eine Huldigung an den Raum der Neuen Nationalgalerie, von innen und von aussen. Andererseits eine überzeugende Retrospektive, insbesondere durch die Arbeit 'Raum 19' , die in gelungener Weise die schrecklichen Garderoben und Kassen zum Verschwinden bringt: Institutionskritik und Kunstausstellung zugleich. ..."
Barbara Wille & Bruno Dorn
Motive und andere Vorlieben
Finissage der Ausstellung:
Samstag, 30.05.2009, 17.00 Uhr
"Keine Fissimatenten kann man sicherlich bei der Galerie "Visite ma tente" im Wedding sagen in der Ausstellung "Motive und andere Vorlieben" mit Barbara Wille & Bruno Dorn. ..."
Imi Knoebel auch auf Video bei art-in-berlin.
Gastbeitrag | 23.04.09
The Übermensch And The Deep Storage Project
Wolf-Guenter Thiel on Christian Hornsleth´s Deep Storage Project
Please click here for a Chinese version of this text >>
In December 2009 an iron sculpture measuring 5x5x5 meter will be placed in the Pacific Ocean in the 11.000 meter deep Marianer Trench, 200 miles off Guam Island between Japan and the Philippines.
The sculpture will contain 5000 blood drops and hair samples collected from people visiting Deep Storage events 30 locations around the world.
Deep Storage Project Shanghai
Stageback Gallery, Wednesday 6th May
Deep Storage Project Beijing
798 SPACE, Dashanzi Art District, Friday 8th May
Deep Storage Project Hamburg
BN24 Galerie, 2nd - 26th April
Deep Storage Project Lausanne
Galerie de Grancy, Thursday 28th May
What does it mean when artists begin to define themselves by collecting objects, rather than creating them? Artists simulate scientific research by exhibiting things they have gathered, categorized, documented, counted, archived, stacked and stored by analogical thinking as Michel Foucault puts it.

Others are documenting, counting, and archiving aspects of their lives and making objects that record these processes. Kristian von Hornsleth plays on this idea and deconstructs it by mystification of the act of archiving as well as the way of storing the archives. The idea is to create a story like Homers Illiade and make people part of a story which people may tell in the future to understand our times from a future perspective. Hornsleth claims the position of an artist as an "Übermensch".
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Markus Wirthmann | 16.04.09
Amtsschimmel
Maria Luisa Stock, Roos Versteeg
Schachteldenken
Galerie oqbo, Berlin
17. April - 20. April 2009

Das Büro „Schachteldenken“ bietet kompetente Leistungen im Bereich verschachteln! Lassen auch Sie sich überzeugen!
Besuchen Sie uns in der Brunnenstraße 63 und bringen Sie einen Gegenstand zum Verschachteln mit.
Am liebsten hätte ich mich sofort von den beiden Protagonistinnen verschachteln lassen. Aber nein, erst mal ne Wartenummer ziehen. Dann ...
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Gastbeitrag | 07.04.09
Der russische Linienrichter in London
von Martina Schmücker
Marc Wallinger kuratiert
The Russian Linesman*
Frontiers, Borders and Thresholds
The Hayward Gallery, London
18. Februar - 4 Mai
Die Treppe hoch, der schrecklichen Ausstellung von Anette Messager entkommen, wird man freundlich begruesst: Joseph Beuys am Anfang, die Twin Towers als heilige Männer Cosmas und Damian in einem kleinen goldgelben Druck. Wie schön, wenn man an der Tür von einem alten Freund begrüsst wird. Die Erwartung steigt.
Beim nächsten Schritt wird das schon anders, es folgt eine schnelle Orientierung im 20ten Jahrhundert:
Hier baut Sturtevant eine Tür in die Galerie, Duchamp 11 Rue Larrey. Duchamp revisited in der Ecke zum Ausgang aufs Dach der Hayward. Gegenueber ist Giuseppe Pennone wieder jung und arbeitet im Wald, hier hängen schöne schwarz/weiss Fotos von kleinen Arbeiten die er als zweiundzwanzigjähriger an Bäumen gemacht hat und die jetzt wahrscheinlich schon lange mit den Bäumen verwachsen sind. Weiter im ersten Raum, im nächsten Jahrhundert, gibt es Berliner Filme in der dunklen Box. In Berlin Remake zeigt Amie Siegel was einmal war und was grade ist nebeneinander: DDR Filme nachgefilmt in der Gegenwart. Hier die Faszination der Zeit fuer die Künstlerin und für den Kurator die Faszination der lange schon nicht mehr geheimen Verbindung:
Der Krieg, die Zeit, die interessante Stadt. Im Titel ist die Verbindung über den Kanal auch schon enthalten, der Russian Linesman als vielleicht antideutscher kriegsgeschichts-beeinflusster Entscheider der englischen Fussballgeschichte.
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Markus Wirthmann | 04.04.09
Ganz groß im Kleinen
Zirkus Minimus
von großen Visionen
in geschrumpften Märkten
04. – 12. April 2009
Walden-Kunstausstellungen, Berlin

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Michael Reuter | 28.03.09
Ode an die Natur#4
Aljosha

object 63, 2008, medium: acrylic, dimensions: 19 x 19 x 19 cm
Filigrane Strukturen und Architekturen aus Acrylfarbe (!) fertigt der 1974 in der Ukraine geborene und in Düsseldorf lebende Aleksey Alekseevich Potupin, aka Aljoscha. Die Arbeiten erinnern an transparente Bakterien, plastinierte Nervenstränge und Blutbahnen oder an Korallen, Schwämme und kristalline Feststoffe.
Aljosha hat für seine Werke den Begriff Bioism geprägt. Er träumt von einem biotechnologischen Zeitalter, in dem es keine unbelebten Gegenstände mehr geben wird. Der Mensch der Zukunft sitzt auf lebendigen Sesseln in einem lebendigen Haus und die Künstler können frei mit biologischer Materie arbeiten, um immer neue Lebensformen zu erschaffen. „Die Kunstmuseen der Welt werden sich in Zoologische Gärten verwandeln“, träumt Aljosha und betrachtet schon jetzt jedes seiner Objekte als lebendiges Wesen. Als Einzelstücke sind sie von fragiler Schönheit, in der Häufung sehen sie sich allerdings sehr ähnlich. Nachwuchs-Schöpfer Aljoscha sollte noch am Formenreichtum arbeiten – aber Gott hat in den sieben Tagen auch nicht alles perfekt hingekriegt.
Gastbeitrag | 25.03.09
Schöne Aussicht
Von Silvia Beck
Zwei Ausstellungen von John Baldessari und den Berliner DAAD-Stipendiaten Allora & Calzadilla in den „Krefelder Häusern“

BRICK BLDG, LG WINDOWS W/XLENT VIEWS, PARTIALLY FURNISHED, RENOWNED ARCHITECT
Wie im Immobilienteil der Los-Angeles-Times die mondänen Villen der Hollywoodgrößen feilgeboten werden, annonciert der verschlüsselte Titel die aktuelle Ausstellung in Haus Lange. In einer genialen Kontextverschiebung versetzt – Santa Monica based artist – John Baldessari (*1931) die Krefelder Villa an die kalifornische Pazifikküste. Dort hat der „International Style“ von Bauhaus-Baumeister Ludwig Mies van der Rohe ja auch seine Spuren hinterlassen. In dem Krefelder Zwillingsbau Haus Esters – gleich nebenan – beziehen sich außerdem noch zwei Videoprojektionen von Jennifer Alora (*1974) und Guillermo Calzadilla (*1971) auf die Architektur ...
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Michael Reuter | 25.03.09
Ode an die Natur #3
Stefanie Bühler

Galaxie, 2006, epoxy resin, perls, glitter, 94 x 160 x 165 cm, courtesy Galerie Birgit Ostermeier, Fotograf: Uwe Walter
Die 1976 geborene Stefanie Bühler studierte an der HfBK Dresden Bildhauerei und dreidimensionales Gestalten. Ihren Zugang zur Natur findet sie über detailliert ausgearbeitete Skulpturen, die an Objekte aus Lehrmittelsammlungen, barocke Wunderkammern oder Dioramen in Naturkundemuseen erinnern. Ihre Arbeit Galaxie, 2006, hat einen Durchmesser von 160 cm, ihr Urwald, 2006, aus Kunststoffen und Ölfarbe bringt es auf eine Höhe von 120 cm. Ein „tiefenräumliches Naturzitat“ sah die Berliner Zeitung darin, das einen „Hauch von Romantik“ verbreite, „umwehrt von dezent poppiger Ironie“.
Stefanie Bühlers Gewitterhimmel, der zurzeit an der Decke der Galerie Junge Kunst e.V. in Wolfsburg aufzieht, hat ein Gerüst aus Styropor. Die Wolkenstruktur besteht aus Watte, die durch gefärbten Kleister gezogenen wurde.
Der Kurator Marc Wellmann postulierte zur Ausstellung Skulptur heute! Die Macht des Dinglichen das Haptische, Konkrete, Abgeschlossene und Beständige als Schlüsselbegriffe für ein „Zurück zum Objekt“ und plädierte für eine Wiederentdeckung der materiellen Präsenz von Objekten. Stefanie Bühler würde das wohl sofort unterschreiben.
Gastbeitrag | 06.03.09
Ink Games
by R A Suri
Ink Games
Retrospective Exhibition of Dai Guangyu
IFA Gallery, Shanghai

The recent retrospective exhibition of the seminal Chinese performance artist, Dai Guang yu, proved to the one of the foremost events of the winter season in the sphere of contemporary fine art in the Shanghai area. The Chengdu native, known as a core figure for the subversive 86’ movement, has not failed in his incessant pursuit of the question of the instance of performance, versatility and innovations which shatter form, in whatever direction.
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Gastbeitrag | 05.03.09
Am hellichten Tag
Silva Agostinis Ausstellung in der Galerie Isabella Czarnowska, Berlin
noch bis 25. April

Zwei Fotos eines Bauprojekts hängen nebeneinander. Sie zeigen zwei Stadien der Fertigstellung, sie sehen aus wie Orte in denen etwas passieren soll, eine Theateraufführung vielleicht; doch hier sind keine Freilichtbühnen abgebildet, sondern Wohnhäuser. Ohne dass sich dieser Inhalt aufdrängt wird deutlich, dass es sich hier um Orte im Osten Europas handelt. Was stattfinden soll ist Alltagleben; Inszenierung des neuen Wohlstands. Die beiden Fotos sind menschenleer, wer hier einziehen soll ist noch nicht angekommen und ist vielleicht als Element dieses Projektes letztendlich nicht vorgesehen. Eine grüne Bauplane erscheint als farbspektral verschobener Theatervorhang, im anderen Bild ist fast fertig gebaut und das Meer blitzt durch zwei Aussparungen im Hintergrund. Tatort: am Menschen vorbei gebaut.
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Gastbeitrag | 04.03.09
Exquisite Corpse
Guest Contribution by R A Suri
Exquisite Corpse
M97 Gallery, Shanghai

Despite the frequent associations made between the essentially subversive tendencies of contemporary Chinese art since the inception of the now global impact of the nation´s artists, the curatorial stance of an exhibition such as “Exquisite Corpse” proves to be provocative and acts as much as an examination of that of subversion in contemporary art itself rather than as a retroactive reference to the artistic school of Surrealism.
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Gastbeitrag | 27.02.09
Xing Si
Guest Contribution by R A Suri
Xing Si
Yip Lap Wing
Fei Contemporary Art Centre, Shanghai

The entire premises of the newly relocated Fei Art Center Shanghai, were subject to a ten day creation period which culminated as “Xing Si”, an experimental installation work by the German based Hong Kong artist Yip Lap Wing.
Yip Lap Wing is noted for his unusual attention to perspective and visual creations which encompass diverse medium in exploration of themes of trans-culturalism, historicity and subversion of media imagery in works which prove to be volatile and ambiguous in a simultaneity of contrastive references, sensory perception and the demarcation of human experience at a peripheral level.
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Gastbeitrag | 27.02.09
Brandenburgs Stipendiaten - Helden sind schwarz-weiß und Mädels blauäugig
von Ulrich Diezmann
9 Stipendiaten für Bildende Kunst aus 3 Jahrgängen in den Kunsträumen auf Burg Eisenhardt in Belzig.

Burg Eisenhardt am 22.02.2009
Unter dem Titel "Neulanderkundung" präsentiert das Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus in Kooperation mit Kunstpflug e.V., dem Betreiber der Kunsträume, Arbeiten der Stipendiaten für Bildende Kunst des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg.
Jan Beumelburg, Ingar Krauss, Petra Petrick für 2006, Angela Fensch, Ralf Hentrich, Daniel Klawitter für 2007 und Ina Abuschenko-Matwejwa, Göran Gnaudschun und Hardy Kuttner für das Jahr 2008.
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Markus Wirthmann | 25.02.09
Rotlichtbezirk Wedding*
Erika Mustermann
Neue feministische Positionen
Der Strich, Berlin
13. Februar - 7. März 2009
Piotr Baran, Eva Bertram, Heike Gallmeier, Marc Gröszer,
Joe Neave, Alina Rudnitskaya, Ann-Sofi Sidén, Susa Templin

Erika Mustermann ist nach Hysteria die zweite Ausstellung im Atelierhaus in der Tegeler Straße 6, gleich hinter Schering. Eine Gruppe VerschwörungstheoretikerInnen scheinen sich unter dem höchst programmatischen Titel „Der Strich“ und der Verheißung "neuer feministischer Positionen" zusammengetan zu haben, um ... ja um was denn eigentlich und überhaupt?
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Charlotte Lindenberg | 24.02.09
Mushrooms of Cologne
Oh no - not again.
This sigh, which acompanies the history of mankind, came to my mind when I first saw the title of an exhibition in Cologne, Germany, announcing “Beat Poets, Hippies, Funk, Minimal Art. San Francisco 1955-1968”.
Maybe you, the gentle reader, are more attentive than I was and already recognized what I ignored, namly the date “1955”. I however just winced at the sight of the calamitous figure “1968”, which has been haunting me since I started to learn about politics, music and literature of an epoch usually summerized by the token “1968”. Since that period I know that focusing on the date 1968 is a common misunderstanding – at best. Actually 1968 is “the year after” – after all. After all which had been true and authentic. Even after the funeral of the hippie movement, which had been burried ritually in the summer of 1967, when the San Francisco community realized that a sell-off of all what was known as counter culture had begun.
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Gastbeitrag | 22.02.09
That Leibovitz Woman
Gastbeitrag von Jenny Möller
Annie Leibovitz
A Photographer’s Life . 1990 - 2005
Postfuhramt, Berlin
21.02. bis 24.05.09

Eine Menschentraube drängelt sich am Abend des 20. Februar vor dem Haupteingang des ehemaligen Postfuhramts, erklimmt geduldig Stufe für Stufe. Hunderte Menschen warten zwanzig bis dreißig Minuten in der klirrenden Kälte - um sich Bilder anzuschauen, von denen sie sicher viele schon kennen aus Zeitschriften oder Bildbänden und Werbekampagnen. Es handelt sich schließlich um eine Art Retrospektive der Jahre zwischen 1990 und 2005. Aber genau das ist das Geheimnis: Wir wissen, was uns erwartet. Wissen, wir werden faszinierende Porträtfotografien zu sehen bekommen, zu denen wir leicht Zugang finden. Das ist ja nicht unbedingt üblich in der bildenden Kunst, auch in der Fotografie nicht. Oft erschließen sich die Werke nur mühsam oder sie laufen leicht Gefahr als trivial zu gelten. Auf diese Idee wird man nicht kommen wenn es um die Bilder von Annie Leibovitz geht. Gleich ob Magazin-Cover, Star-Porträts oder Familienfotos – sie strahlen. Sie erzählen Geschichten, an denen wir als Betrachter teilhaben dürfen.
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Gastbeitrag | 22.02.09
Hobbyraumpornoaltarskulpturen
Gregor Schneider
Doublings
Konrad Fischer Galerie, Berlin
28.11.–10.1.2009
Gastbeitrag von Andreas Koch
Dieser Text erscheint auch in der neuen "von hundert 08"

Nein, ich habe die Ausstellung nicht gesehen. Trotzdem schreibe ich darüber. Vielleicht weil ich letztes Sylvester mit meiner Freundin, meiner Schwiegermutter, deren Schwester und einer Kusine das erste Mal in meinem Leben Rommé gespielt habe und zwar in Mönchengladbach, nicht weit entfernt von Rheydt, einer protestantischen Nachbarstadt, die mit dem katholischen Gladbach eine nicht sonderlich harmonische Stadtehe führt. Obwohl beide Stadtteile recht ähnlich aussehen. Nirgendwo sonst habe ich so unterschiedliche Arten gesehen, Fenster zu verschließen. Zu den üblichen Plastikjalousien gibt es blickdichte Butzenfenster, alle Variationen von Gardinen mit Vorhängen, ein Haus hatte sogar Glasbausteine mit halb herunter gelassenem Rollladen. Ich schwör’s.
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Charlotte Lindenberg | 21.02.09
The Medium is not the only Message
Until April 19th the Center for Art and Media (www.zkm.de) in Karlsruhe, Germany, will be hosting “Medium Religion” - an exhibition on religion´s appearance in the media.
Contagious
Did you notice the epidemic spreading of the exclamation “Oh my God!”, which is yelled through TV broadcasts and playgrounds worldwide? Previously decent citizens were to confine themselves to “oh my gosh” or “Jee”, if you like. But days are gone when restraint was exercised as far as religion was concerned. Nowadays religious issues are omnipresent. So what has happened to mankind? Where do they all come from, those ardent fighters for truths and values? And this doesn´t mean the ones with firearms but as well those with fiery voices, quivering with emotion. Once again: Has their number increased? The Karlsruhe answer is: not really. The devout representants of (almost) all creeds result from the same source as the mad and maddening outcry “oh my God” does: from the media. As well as language disorders infect one TV series after another before echoing from every Central European corner, so called religious issues trickle from each and every satellite. Briefly speaking: not the amount of believers has increased but their visibility.
Curated by philosopher and media theorist Boris Groys and ZKM´s director Peter Weibel a great number of video screens and installations show religion´s past and present forms of dissemination.
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Markus Wirthmann | 14.02.09
Celeste-Echo aus NY
Jon Meyer, Künstler aus New York, hat sich schon vor einem Monat Gedanken über die Schwachsinnigkeit Eigentümlichkeit des Celeste.Prize09 gemacht und diese in seinem Blog veröffentlicht:
...
But there is a kicker. €50 per artist! That´s how much you pay if you want to submit work. That´s more than twice what competitions like the John Moores prize charge, and goes beyond any definition of an "administration charge."
Poof. Any lofty claims the jurors make about being "an accessible entry without barriers" go up in smoke. The jurors say "Celeste has de-formalised things and extinguished many of the stultifying aspects of traditional art prize administration." If they really believe €50 is not stultifying, they have lost touch with artists. The jurors should not be so self-congratulatory about using this form of income redistribution amongst artists already strapped for cash.
Beitrag »Celeste Prize 09« auf Jon Meyers Blog ganz lesen ...
Markus Wirthmann | 11.02.09
Per un pugno di dollari*
Celeste Prize 2009
Gerade rechtzeitig zur 59. Berlinale kehrt der Italo-Western in Gestalt des Celeste Kunstpreises nach Berlin zurück. Allerdings hat hier ganz offenbar Dieter "Such-Den-Superstar" Bohlen Regie geführt. Hat er natürlich nicht, aber das Drehbuch, vulgo: die Ausschreibung, ist wieder dermaßen bekloppt, dass man hier Scherz, Satire, Ironie ohne tiefere Bedeutung, aber mit böswilliger Absicht vermuten könnte.
Die Bedingungen sind wieder ungefähr die gleichen wie im letzten Jahr. Alle Künstler zahlen – und zwar ALLES. Einer pro Kategorie gewinnt – und zwar ein BISSCHEN. Und damit die ganze Sache nicht so saudumm aussieht hat man auch dieses Jahr wieder einige mehr oder weniger prominente Artworker und -innen finden können, die für den Quatsch ihre Rübe hinhalten.
Für die marktgängigen Formate sind das Mark Gisbourne, Adrienne Goehler, beide Berlin, und Victoria Lu, Shanghai (Nachtigall ick hör dir trapsen! Celeste will doch nicht etwa nach Asien expandieren?)
Beitrag »Per un pugno di dollari*« weiterlesen ...
Markus Wirthmann | 10.02.09
Der Erbsenzähler
Ignacio Uriarte
9 to 5
noch bis zum 22. Februar
Feinkost, Berlin

Ignacio Uriarte kommt aus der Betriebswirtschaft. Nicht aus der Malerei oder der Bildhauerei, woher der deutsche Künstler gerne kommt: „Ich komme eigentlich aus der Malerei ... und habe gleich einen Termin mit meinem Fallmanager“.
Beitrag »Der Erbsenzähler« weiterlesen ...
Gastbeitrag | 07.02.09
A lasting value: Vandel #2
von Marc LeBlanc
Vandel #2
Patrick Alt, Max Brand, André Butzer, Matthias Eckardt, Daniel Herleth, Marik Lechner, Jannis Marwitz, Christian Rothmaler, Philipp Schwalb, Henning Straßburger, Ulrich Wulff, Christoph Wüstenhagen
December 2008
TÄT, Berlin

André Butzer
Usually I go to openings just to the see the work. I don´t care necessarily who will be there, and frankly, I don´t want to stay that long; I may enjoy the paintings, but feeling awkward and generally unwanted in every other regard is no way to spend an evening. It´s one of contemporary art´s most common problems; how does a gallerist, a curator, an exhibitor of whatever kind, negotiate the whole of an exhibition - art and audience?
Beitrag »A lasting value: Vandel #2« weiterlesen ...
Gastbeitrag | 02.02.09
"The Red Flag Flies" alters "film" beyond recognition
Guest contribution: Cui Zien about a film by Zhou Hongxiang.
Please read on for an english language version.


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Markus Wirthmann | 12.01.09
Kapoor
Anish Kapoor
MEMORY
Deutsche Guggenheim, Berlin
noch bis zum 1. Februar

Noch drei Wochen lang kann man die stählerne Blase von Anish Kapoor im Deutschen Guggenheim sehen. Eine Auftragsarbeit und so wie´s aussieht genau für diesen Raum geplant - man fragt sich, ob die New Yorker Guggenheimer, die MEMORY im nächsten Jahr zeigen werden, den Berliner Ausstellungsraum dann nachbauen wollen.
Beitrag »Kapoor« weiterlesen ...
Gastbeitrag | 10.12.08
Licht und Schatten im Schloss Wolfsburg
Von Ulrich Diezmann
2. Verleihung des arti-Kunstpreises
arti 2008
Der Kunstpreis für Wolfsburger Künstler
03/12/2008-08/02/2009
Wolfsburg hat etwas, was Berlin nicht hat, ein Schloss – und das ist sogar echt
und eines der ältesten Gebäude dieser jungen Industriestadt im östlichen Niedersachsen.

Schloss Wolfsburg am Abend des 2.Dezembers
Um das Image eines bloßen Industriestandortes abzulegen, wird viel getan. Ein Kunstpreis, der die lokale Szene zeigt und würdigt, ist ein weiterer Schritt in diese Richtung.
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Markus Wirthmann | 03.12.08
Der lange Marsch zu den chinesischen Kunstfabriken
Apartment Art in China 1970s-1990s (1)
The Ecology of Post-Cultural Revolution Frontier Art
Shuimu Contemporary Art Space, 798 Art District, Peking
Oktober 2008

"Apartment Art" is a term, which I put forward to summarize a very important phenomenon in Chinese contemporary art during the former three or four decades.“ Gao Minglu
Im Westen wundert man sich schon seit geraumer Zeit über das scheinbar plötzliche Auftauchen der Kunstfabriken in Chinas Großstädten - und den damit einsetzenden Boom der zeitgenössischen Kunst im Reich der Mitte. 798, eigentlich die Bezeichnung einer einzigen Fabrikhalle im weitläufigen, ehemals militärisch genutzten Industriegelände von Dashanzi in Peking und, nicht ganz so bekannt, M50 in Shanghai, sind mittlerweile zum Synonym für diese Agglomerationen von Künstlerateliers, Galerien und Projekträumen geworden.
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Dirk Teschner | 25.11.08
Jakobsweg oder Kunstmeile
Der Petersberg thront wie eine Krone über der Altstadt Erfurts. Er ermöglicht einen einzigartigen Blick über die Landeshauptstadt und darüber hinaus. Der Petersberg ist zwar physisch im Stadtraum anwesend, aber für die Einwohner und Touristen Erfurts durchaus nicht präsent.
Immer wieder wurde in den letzten 40 Jahren der Versuch unternommen mit unterschiedlichen Konzepten den Petersberg einschließlich der benachbarten Gebäude stärker zu einem öffentlicher Raum werden zu lassen, der von einem breiten Spektrum der Erfurter Bevölkerung genutzt wird.
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Christoph Bannat | 18.11.08
Dzama, Magritte, Polke u. m.

Marcel Dzama, On the banks of the river, 2008
"Die deutsche Provinz wird immer besser", hieß es Ende der 90er, da sich die Künstler dort anstrengen, nach Berlin zu kommen. Das bezog sich auf die Schauspielkunst. Für die bildende Kunst gilt dies für Frankfurt, Köln versucht noch, krampfhaft bemüht seinen Weg zu finden, und München könnte interessant werden, da von dieser Stadt keiner etwas in Sachen Kunst erwartet.
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Dirk Teschner | 15.11.08
Ein neues Kulturkonzept für Erfurt
Vor einem Jahr hat Oberbürgermeister Andreas Bausewein vom Erfurter Stadtrat den Auftrag erhalten, ein Kulturkonzept für die Stadt Erfurt vorzulegen. Ein Konzeptpapier wurde seitdem zwischen Oberbürgermeister und Kulturdirektion hin und her geschoben oder als vermisst gemeldet.

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Gastbeitrag | 17.10.08
in der Alten Post
von Martin Steffens
post barroco
in der Alten Post
Karl-Marx-Straße 97-99
bis 25.10.2008

Im alten Neuköllner Postamt an der Karl-Marx-Straße ist seit Juni 2008 ein temporärer Kunstort entstanden, in dem bereits verschiedene Ausstellungen auf ca. 1.000 m² präsentiert wurden. Durch das Engagement der [Aktion! Karl-Marx-Straße] konnte in Kooperation mit dem Kulturnetzwerk Neukölln e.V. das exponierte Gebäude nach 5 Jahren Leerstand wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
Mit post barroco ist nun unter der Kuratorin Antje Gerhardt eine Ausstellung realisiert worden, die den Ort – das eigentlich neorenaissancehafte Bauwerk und die Schalterhallen im Stil der späten 70er Jahre – geschickt in Szene setzt. Mit Beratung von Bonaventure S. B. Ndikung (Marseille / Berlin) wurden hier 18 Künstler versammelt, die Arbeiten aus den Bereichen Skulptur, Installation, Video, Zeichnung, Collage, Fotografie und Malerei ausstellen.
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Gastbeitrag | 17.10.08
Rückgekoppelte Abstraktionen
Geka Heinke „Rand“
Diehl Projects, Berlin
12.9.–25.10.2008
von Peter K. Koch

Die schwer zu beantwortende Frage nach dem exakten Übergangspunkt von gegenständlicher in ungegenständliche Kunst beschäftigt die Betroffenen schon lange. Das gilt gleichermaßen für die mittelbar wie für die unmittelbar Betroffenen. Ein kunsthistorisch hell strahlender Fixstern auf dem Weg von der Gegenständlichkeit in die Ungegenständlichkeit ist der hoch geachtete niederländische Maler Piet Mondrian. Er ist seinen steinigen Weg in den frühen Jahren des vergangenen Jahrhunderts gegangen. An der Entwicklung seiner Malerei kann man die intellektuelle Schwerstarbeit auf dem Weg von der ungebrochenen realistischen Abbildung eines Baumes hin zur vollkommen gegenstandslosen und leuchtend klaren Farbfeldmalerei in jedem Schritt nachvollziehen. Das war zweifellos eine große Leistung.
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Gastbeitrag | 15.10.08
Portrait der Spezies Mensch¹
von Roland Fuhrmann
Der Kunstpreis „Kaiserring“ der Stadt Goslar wurde 1994 an die Düsseldorfer Fotolegenden Bernd und Hilla Becher verliehen. Letzten Samstag stand nun ihr ehemaliger Schüler, Andreas Gursky, im großen Saal der alten Kaiserpfalz vor 600köpfigem Publikum und bekam den 33. Ring.

"Pyong-yang" 2007, mit Betrachterschatten
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Markus Wirthmann | 15.10.08
Die asiatische Kräckermischung: 798 Art District in Peking

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Gastbeitrag | 07.10.08
Auf des Messers Schneide
Werke aus der Sammlung J+C Mairet
von Hugo Boadas

Das Polizeifoto zeigt die Anarchistin Germaine Berton, die den royalistischen Propagandisten Marius Plateau ermordet hatte. Dieses Foto wurde für eine Fotomontage in der Nr. 1 der Zeitschrift »La Revolution surrealiste« (Dezember 1924) verwendet. Um das Fotos waren die Mitglieder der Surrealisten gruppiert Darunter stand der Satz Baudelaires: »Die Frau ist das Wesen, das den größten Schatten und das größte Licht in unsere Träume wirft.« (aus dem Nachlass Breton in der Sammlung Mairet).
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Dirk Teschner | 29.09.08
Der Klub 500 und Napoleon
In Erfurt fanden Ende September Feierlichkeiten zum sogenannten Fürstenkongresse statt. Mit militärhistorischen Truppen in den Gassen der Altstadt, Kanonendonner auf dem Petersberg und überall Napoleon, Militaristen und Pferdescheiße. Eine welthistorisch unbedeutende Zusammenkunft von Gaunern und Kriegstreibern vor 200 Jahren wird aufgebläht und dafür wurden hunderttausende Euro verpulvert.
Derweil gewinnt die Debatte über die kulturelle Ausrichtung der Stadt, die Zurückhaltung von städtischen Fördergeldern an das Erfurter Kunsthaus, das fehlende Kulturkonzept und die mangelnde Förderung zeitgenössischer Kunst mehr an Fahrt.

Ausstellungsansicht Klub 500
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Markus Wirthmann | 21.09.08
ShContemporary 2008

Sie ist vorbei, die zweite Kunstmesse nach Schweizer Rezept in China. Eigentlich sollte sie ja ArtBasel Shanghai heißen – jedenfalls rein gefühlsmäßig (ich will hier ja keine Markenrechte ankratzen und mir ein paar Abmahnungen einfangen). Diesen Messen haftet mittlerweile genau so ein Franchising-Muff an wie früher mal Photo-Porst und heute Starbucks und McDonalds. Übrigens ist hier in Südostasien die Dichte der genannten Franchising-Unternehmen deutlich höher als in Europa – und lustigerweise natürlich auch deren Kopien.
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Dirk Teschner | 08.09.08
Verfickter Humankapitalismus

Eine Aktion im Rahmen des Projektes der NGBK unvermittelt - Kampagne für einen Arbeitsbegriff jenseits von Überarbeitung und Mangel vor dem Wirtschaftsministerium in Berlin.
Weitere Informationen www.unvermittelt.net
Michael Reuter | 01.09.08
„Als ich euch verlies, war ich euer Schüler, nun bin ich der Meister“

Portrait HS_by Philip Sdarr
Auf der Flucht vor weichgespülter Flachware stolperte der Rezensent auf der diesjährigen Art Cologne in der Koje der Galerie Fiebach&Minninger über beglückend Wüstes. Geboten wurde ein Konvolut von Arbeiten des 1983 geborenen Henning Straßburger. „YOU LOOK LIKE SHIT. IS THAT STYLE NOW“ war leider schon weg, „F*** ME I´M FAMOUS“ für ambitionierte 4.800 € noch im Angebot. „Parolenbilder“ mit neongreller Schrift und verwischten, abstrakten Übermalungen, garniert mit kleinen Collagen aus figürlichen Zeitschriftenschnipseln. Was die Brieftasche nicht hergibt, wandert zumindest auf die persönliche Watchlist, und wie der Zufall es wollte, bespielte der Künstler Ende Mai den „gez. – raum für urheber“ in Stuttgart.
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Gastbeitrag | 13.08.08
Geisterschiff in Köln gesichtet
ARTrmx ist ein Kunstevent das vom 22. bis zum 31. August erstmals in Köln stattfindet. Ähnlich dem Celeste Kunstpreis wird ARTrmx durch die von den Teilnehmern erhobenen Gebühren zu einem erheblichen Teil finanziert. Eigentlich ist es natürlich so, dass derartige Veranstaltungen durch die große Zahl der ausjurierten, also allen Nicht-Teilnehmern, finanziert oder mitfinanziert werden.
Fairerweise muss man allerdings erwähnen, dass die Gebühr des Celeste Kunstpreises höher war und beispielsweise die Künstlerhäuser Worpswede mittlerweile auch eine, wenn auch etwas niedrigere, Bearbeitungsgebühr erheben.
Wie auch beim Celeste Kunstpreis haben die Veranstalter von ARTrmx es geschafft eine größere Anzahl von mehr oder weniger prominenten Juroren zu aquirieren die der ganzen Sache die nötige Seriosität verleihen. Mit dabei in der Jurydisziplin Street Art u.a.: Stéphane Bauer aus Berlin und der Hamburger Sammler Rik Reinking. In der Disziplin Malerei tritt unter anderem Gérard Goodrow, ehemaliger Leiter der Art-Cologne, an, für Videokunst Julia Scher.
Bence Fritzsche, Chefredakteur des Magazins atelier findet es reichlich merkwürdig, dass ARTrmx unter den oben beschriebenen Vorraussetzungen offiziell von der Stadt Köln gefördert wird. Im folgenden geben wir den Schriftwechsel zwischen Bence Fritzsche und dem Kulturamt der Stadt Köln wieder:
Sehr geehrter Herr Professor Quander,
wie wir feststellen konnten ist das Kölner Kulturamt und das Kulturdezernat ein Förderer des Kunstfestivals ARTrmx in Köln.
Wir halten Ihre diesbezügliche Förderung für höchst bedenklich.
Das Festival ARTrmx wird in der Hauptsache von Künstlerinnen und Künstler finanziert, die von einer "hochkarätigen" Jury ausgemustert wurden. Ein Vorgang, wie er in Deutschland in der Kunstszene nicht nur unüblich, sondern skandalös ist.
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Dirk Teschner | 08.08.08
Für eine Kulturhauptstadt Erfurt
Offener Brief an den Erfurter Oberbürgermeister Andreas Bausewein
Der Staat ist nach unserem Staats- und unserem Kulturverständnis nicht für Kunst und Kultur zuständig, sondern für die Bedingungen, unter denen sie stattfinden. Deswegen ist wahrscheinlich die wichtigste Begabung für einen Politiker die Einsicht in die eigene Bedeutungslosigkeit. Und die Größe, für andere die Entfaltungsspielräume zu schaffen und zu sichern, die sie für ihre Begabung, ihre Kreativität, ihre Entwürfe brauchen.
(Bundestagspräsident Norbert Lammert, 16. Mai 2007)
Kunst und Kultur sind nicht die schönste Nebensache, sondern sind Seismographen, die Dinge ansprechen, ans Licht holen, bevor sie explodieren. Sie fördern und ermöglichen oft erst das Gespräch unter Menschen und haben somit eine enorme gesellschaftliche Funktion. Kunst und Kultur sind zentrale Grundlagen demokratischen Zusammenlebens. Die Förderung von Initiativen und Vereinen, die sich der Kunst und Kultur verschrieben haben, können deshalb nicht mit wirtschaftlichen Maßstäben gemessen werden, denn sie sind ein unersetzlicher, nicht aufwiegbarer Beitrag zur Entwicklung einer Zivilgesellschaft.
Das Kunsthaus Erfurt ist durch die Einstellung der finanziellen Förderung seitens der Stadtverwaltung Erfurt in seiner Existenz bedroht.
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Gastbeitrag | 01.08.08
Sound of Art
von Jürgen Schneider
Sound of Art – Musik in der bildenden Kunst
Museum der Moderne Salzburg
bis 12.10.2008
Salzburg hat etwas Schönes – den Mönchsberg. Schön ist der Berg, weil es keiner Kletterei bedarf, um hinauf zu gelangen. Es gibt einen Aufzug, und der führt zum hoch über der Mozart- und Festspielstadt gelegenen Museum der Moderne. Als sollten die Besucher akustisch auf die dort bis zum 12. Oktober zu sehende Ausstellung »Sound of Art – Musik in der bildenden Kunst« eingestimmt werden, mischt sich im Aufzug dessen leises Rumpeln mit den aus dem Deckenlautsprecher rieselnden Klängen aus der Frühzeit der österreichischen DJ-Ikonen Kruder und Dorfmeister.
Die Ziele von »Sound of Art« sind hochgesteckt. Es »geht um das Objekt ›Musikinstrument‹ und um dessen kulturelle Symbolbildung, es geht um den Vorgang des Musizierens und seine performativ körperlichen Qualitäten über die eigentliche Musik hinaus.
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Dirk Teschner | 21.07.08
Fürstliche Kunstförderung

Die Nägel der Geschichte in den Domtreppen von Erfurt
Auf die Artikel „Die Wüste wächst“ im Kunstblog und „Erfurter Raufasertapete“ vom 11. Juli 2008 in der taz über die kulturelle Wüste in Erfurt, gab es in der dortigen Medienlandschaft prompte Reaktionen, die lokalen Radio- und TV-Stationen berichteten darüber und die Tageszeitung „Thüringer Landeszeitung (TLZ)“ veröffentlichte einen größeren Artikel unter der Überschrift „Totsparen der Kleinen?“.
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Dirk Teschner | 12.07.08
Die Wüste wächst

Dass der Kunstmarkt auch hierzulande boomt ist bekannt, auch wenn davon nur 10% der Künstler partizipieren, aber wie sieht es mit der Kunstszene jenseits des Marktes aus?
Zum Beispiel Erfurt. Eine Stadt zum verlieben. Die Landeshauptstadt Thüringens mit 200.000 Einwohnern besitzt einen der am besten erhaltenen und größten mittelalterlichen Stadtkerne Deutschlands mit einem Dom, 25 Kirchen und drei Synagogen. Die Krämerbrücke in der Altstadt ist die längste komplett bebaute und bewohnte Brücke Europas. Erfurt hat eine Universität, eine Oper, IKEA und einen Flughafen, in Erfurt befinden sich das Bundesarbeitsgericht und der Sitz des Kinderkanals KI.KA von ARD/ZDF sowie das Landesfunkhaus des MDR.
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Christoph Bannat | 08.07.08
Frank Hesse. Neue Arbeit von Duchamp entdeckt!

Foto: Frank Hesse.
Frank Hesse, SUPPLEMENT, 10. Juli — 24 August 2008
www.kunstvereinleipzig.de
www.frankhesse.com
Neuer Duchamp entdeckt. Um seinen Lieblingsort im Garten seines Geburtshauses zu markieren, ritzte Marcel Duchamp im Alter von 12 Jahren in eine Buche seinen Namen und die Jahreszahl ein: Duchamp Marcel 1901. Der derzeitige Besitzer des Anwesens musste den Baum 1993 fällen, da er umzustürzen drohte. Der Teil mit der Inschrift wurde jedoch aufbewahrt und befindet sich seitdem in seiner Garage.
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Christoph Bannat | 07.07.08
Silke Wagner
Silke Wagner - Neueröffnung n.b.k.
Neuer Berliner Kunstverein
5. Juli 2008

Ausstellungsansicht
Eröffnung gelungen. Und das ist wörtlich zu nehmen. Der Neue Berliner Kunstverein, mit dem Wechsel des künstlerischen Leiters nun in Kleinbuchstaben n.b.k. genannt, öffnet sich. Zu sehen ist, was in ihm steckt. Die Frankfurter Künstlerin Silke Wagner (geb.1968) hat dafür im Videoarchiv des n.b.k., das über 1000 Arbeiten umfasst, recherchiert.
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Gastbeitrag | 05.07.08
Berlin Past it’s Zenith …
… Next Stop Brussels?
by Melinda Deitch
BERLIN (AP) – Adam Tarrigon once loved going out for dinner and drinks in Berlin, feeling far wealthier in the German capital than he did at home in the United States. With the dollar now worth about 20 percent less than when he first arrived in 2005, the 30-year-old freelance artist has a leaner lifestyle.
“I used to be able to brag that Berlin was really affordable but now my rent actually works out on par with Washington and New York. It’s pretty terrible,” said Tarrigon, whose income is almost exclusively in the devaluing currency. “I do everything to try to spend fewer euros now and am looking for a place in Brussels, there’s more value for your money there.” Not only weak dollar is hurting many of the Americans who live in Berlin, many come for the art scene; which for only those lucky few, can support themselves with their earnings.

Standort-Bashing der besonderen Art: Carlier Gebauer tauschte seine Galerieräume einfach mit einem Computergroßhändler. Seine ehemaligen Nachbarn an der Jannowitzbrücke freuen sich wohl nur bedingt über die neue Einkaufsmöglichkeit. Foto: von hundert
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Gastbeitrag | 17.06.08
Wir irren des Nachts im Kreis umher und werden vom Feuer verzehrt *
Christine Lemke über
LANDREFORM Karussell (Eröffnungsausstellung zu LANDREFORM, Skulpturenpark Berlin_Zentrum)
»Und dann war es auch noch ein schönes Erlebnis« schlossen einige der Erzählungen, die mir über die am 10.06.2008 im Rahmen der 5. berlin biennale im Skulpturenpark Berlin_Zentrum stattgefundene Performance LANDREFORM Karussell zu Ohren gekommen sind. Wie bei manchen Berichten über erlebte Kunstdinge bei denen man nicht dabei gewesen ist, aber gerne dabei gewesen wäre, setzte sich meine Vorstellungskraft in Bewegung und konnte sich sehr gut acht funkelnagelneue schwarze BMWs auf einer von Wohnhäusern umstandenen Brachfläche über rumpelige Steine um ein Lagerfeuer unablässig im Kreis fahrend vor das innere Auge führen.

LANDREFORM Karussell aus BMWs, Foto: Jelka Plate
Manche Kunstereignisse scheinen wie für die Legendenbildung gemacht zu sein. Sie treffen etwas in ihrer Zusammensetzung von sich gegenseitig aufladenden Elementen und pflanzen sich so im Hirn fort, erzählen sich dort weiter Geschichten und verbinden sich mit Fantasien, Wünschen, Erinnerungen und anderen begehrlichen Affekten. Es kommt mir sowieso manchmal so vor, als gäbe es Kunstwerke, die besser in der Erzählung als in echt funktionieren. Die gerade über das Erzählen eine Attraktivität auslösen, eine im darüber Sprechen genussvoll entfaltete Verdrehung von Wirklichkeit, eine sich gerne vorgestellte Überschreitung. Dies kann bisweilen im als ob der Vorstellung mehr Virulenz entwickeln als in der tatsächlichen Anschauung, die demgegenüber blass, illustrativ oder gar banal erscheint.
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Gastbeitrag | 11.06.08
Kunst auf kleinstem Raum - Eine Ausstellung in Brüssel
Jule Reuter über
Appell – Eine Ausstellung zeitgenössischer Skulptur im Museum Felix De Boeck in Drogenbos bei Brüssel, 25.5. bis 3.8.2008
Mit Arbeiten von Andrea Pichl, René Lück, Leif Erich Christensen, Michael Beutler, Tilman Wendland, Olaf Holzapfel, burghard, Joep van Liefland, Theo Boettger, Iris Kettner, Suse Weber, Erki De Vries/ Tim Vets, Nadia Naveau, Ief Spincemaille, Clemens Hollerer, Lutz Fezer/Skafte Kuhn/Michael Stumpf.

Ein Weitwinkelblick in die Ausstellung, Foto: Jo Vandermarliere
Appell – der Name der Ausstellung ist Programm. Das ‚Versammeln von Truppen zur Befehlsausgabe’ findet hier im übertragenden Sinn statt, als streng geometrische Ausrichtung individuell künstlerischer Positionen auf einem abgesteckten Planquadrat. 16 Künstler – zwölf davon aus Deutschland, drei aus Belgien, einer aus Österreich – zeigen auf einer Fläche von
8 x 8 m ihre skulpturalen Arbeiten. Das macht 4 m² Ausstellungsfläche für jeden, die maximale Höhendimension beträgt 9 m.
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Dirk Teschner | 11.06.08
Punk - No One is Innocent
So der Titel der aktuellen, bis zum 7. September laufenden Ausstellung in der Wiener Kunsthalle. Kein gutes Ohmen, bezieht er sich doch auf die 5. Single der Sex Pistols, sie erschien im Juni 1978 nach dem Weggang von Jonny Rotten und leitete das Ende der Pistols und der ersten Punkgeneration in England ein.

Ausstellungsansicht too much future, Berlin, 2005
Im Pressetext zur Wiener Ausstellung heißt es: „Aus der Distanz von dreißig Jahren belegt die Ausstellung am Beispiel der drei Metropolen New York, London und Berlin, wie unterschiedlich und doch konsistent Punk als Metapher der Revolte in verschiedenen Kulturräumen auf Musik, bildende Kunst und den Look der Jugendlichen wirkte. Während er in England vor allem ein Stil- und Modephänomen war, gab es in den USA und in Deutschland von Beginn an eine enge Beziehung zwischen Künstlern und Punk-Musikern.“
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Christoph Bannat | 07.06.08
köln progressiv, Andreas Siekmann

Ausstellungsansicht, Andreas Siekmann c/o Galerie Weiss
Es gab eine Zeit, da hatten Gesellschaftsentwürfe Hochkonjunktur. Bewegungen, wie die Wandervögel, der Vagabundenbund, konkurrierten in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts mit Anarchosyndikaten und Gewerkschaften und Parteien um die Deutungshoheit der Gesellschaft.
seiwert-hoerle-arntz
köln progressiv 1920-33
Museum Ludwig, Köln
verlängert bis 15. Juli 2008, Ausstellungsübernahme ist in Planung.
Andreas Siekmann
Verhandlungen unter Zeitdruck
Aus: Faustpfand, Treuhand und die unsichtbare Hand (2005-2008)
bis 7. Juni, 2008
Galerie Barbara Weiss, Berlin
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Christoph Bannat | 20.05.08
Herbert Tobias

Herbert Tobias, geboren 1924 in Dessau, gestorben 1982 in Berlin, schwuler Fotograf. Aber was heißt schon „schwuler Fotograf“?
„Blicke und Begehren“
Der Fotograf Herbert Tobias (1924–1982)
16. Mai bis 25. August 2008
Berlinische Galerie
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thw | 20.05.08
Künstlerhaus Kottbusser Straße
Der Informationsdienst Nr. 402 vom 15. Mai 2008 meldet es auf der ersten Seite: Christoph Tannert ist für seinen geplanten Umzug des Künstlerhauses Bethanien fündig geworden in der Kottbusser Straße. Genutzt werden soll dafür eine ehemalige Fabriketage. Der Umzug wurde notwendig, nachdem sich ehemalige Besetzer mit Unterstützung des Bezirkbürgermeisters auch Quartier beziehen konnten in einem Flügel des Bethanien.
"An der Arbeit des Künstlerhauses mit seinem internationalen Atelierhaus, seinen Stipendiatenausstellungen und den zusätzlichen freikuratierten Projekten soll sich an dem Standort nichts ändern." schreibt der Informationsdienst.
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Markus Wirthmann | 17.05.08
Kuratoren nehmt Euch ein Beispiel!
Arcangelo Sassolino
Critical Mass
2. Mai bis 29. Juni
Galerie Feinkost, Berlin
Nina Canell, Heman Chong, Karin Hueber,
Klaus Jörres, Daniel Knorr, Andrea Winkler
Sometimes You Fall in Love with an Idea
10. bis 31. Mai
Cluster, Berlin
Irgendwie klappt das nicht. Man darf nicht ankündigen, dass man vielleicht was über diese oder jene Ausstellung schreiben will. Man findet sich dann nur wieder in der Situation, dass man zwar will - aber unter dem Druck von Alltäglichem, Jobs, Gefällig- und Lästigkeiten und der Tatsache, dass man ja eigentlich auch noch nen richtigen Job hat und eventuell auch noch dies und das vorbereiten will und so weiter und so wei ter ter ...
Nun, dann arbeite ich mal meine Bringschuld ab und schreibe über zwei Orte die mir in der letzten Zeit aufgefallen sind: Feinkost und Cluster.

Galerie Feinkost
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Gastbeitrag | 06.05.08
Es lebe der 1. Mai – Kampf der schlechten Kunst! / Nachbereitung
Von Dirk Teschner
Ein geballtes Kunstwochenende liegt hinter uns, Spinnereirundgang inklusive LADA – internationale Galerieshow – in Leipzig und Gallery Weekend in Berlin. Eins schon mal voraus, über allem steht der Raum, unfassbar viele ehemalige Industriehallen waren in beiden Städten zu durchschreiten. Der Trend (vor allem Ost-) Brachen mit Kunst zu besetzen hält an.

Stella Hamberg, Galerie Eigen+Art
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Gastbeitrag | 28.04.08
Anmerkungen zum Kunstwettbewerb Leonardo
Reinhard Franz
über den
Kunstwettbewerb Leonardo und die Kunstpreisvergabe des privaten Augsburger Kunstmuseums Walter zusammen mit der Galerie Noah, die er als eine Farce sieht. Die Jury tagte im März 2008.
als hochschullehrer an einer kunsthochschule freue ich mich immer, wenn es spezielle preise für junge aufstrebende künstlerinnen und künstler zu vergeben gilt. besonders dann, wenn der preis nicht nur eine anerkennung, sondern auch mit einen vernünftigen preisgeld ausgestattet ist. so hat es mich besonders gefreut, im letzten jahr von der auslobung des preises leonardo zu lesen (1. preis: 30.000 €; 2. preis: 15.000 €; 3. preis 5.000 €). selbstverständlich habe ich die ausschreibung auch entsprechend unter meinen ehemaligen studierenden kommuniziert. was sich aber nach der ersten ausschreibung bis zur endgültigen vergabe bzw. nennung der künstlerinnen von seiten des ausschreibenden kunstmuseums getan hat, ist schlicht eine farce.
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Gastbeitrag | 23.04.08
La deuxième nuit
von Nina Hoffmann
Anita Tarnutzer in der Galerie metro, Berlin
19. April bis 9. Mai

Kindheiten sind schöne Reisen, bunte Luftballons und weiche Plüschpullover, so das Stereotyp, so die Verblendung. Anita Tarnutzer lässt uns andere Wege beschreiten und gibt uns so einen Einblick in die Untiefen der Bewußtseinsfindung und führt uns zurück an den Ursprung.
Mit Kindheit hat die aktuelle Ausstellung der Schweizer Künstlerin vordergründig auch erst mal gar nichts zu tun.
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Christina Zück | 19.04.08
Im Haifischtümpel
42. Art Cologne, 16. - 20. April
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Gastbeitrag | 19.04.08
Subjektivistisches Flanieren
Christine Lemke über
Andrea Winkler, Wir schaffen es von hier nicht mehr an die Erdoberfläche,
Galerie Kai Hoelzner

Luftballons in einen weißen Raum hineingelegt, mal hierhin, mal dorthin. Mal einzeln auf dem Boden verteilt, mal in Haufen zusammengebracht oder an manchen Stellen auch nebeneinander aufgereiht. Sie kommen als Phänomene der Farben und Formen vor, in unterschiedlichen Zuständen, berührt von der Zeit und ihren Wechselfällen. Von prall gefüllt bis kränklich geschrumpft sind sie groß, klein, länglich, herzförmig, mehrfarbig gemustert oder glänzend besprüht und greifen Raum in dem gleichmäßigen Licht der Galerie.
Das Problem der Wahl bleibt sichtbar. Ein ganzes Panorama des Schauens. Eine Vielzahl an Möglichkeiten. Was passt, was passt nicht? Was sieht gut aus, was weniger? Ausprobieren, arrangieren, überlegen, verwerfen. Wegnehmen oder wieder hinzufügen. Neu hinlegen, verrücken, drehen und weiterschauen. Etwas sehen, es so sehen wie es daliegt, wie es sich hingelegt hat, positioniert hat in diesem Raum, dieser ausgesuchten Umgebung für Augen und ihre Blicke.
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Gastbeitrag | 18.04.08
Eau de Cologne

Art d’Cologne: „teils konform, teils anarchistisch ...“
Silvia Beck
über die Art Cologne 2008
Schon im Vorfeld ging das Gerede wieder los – von der Krise in Köln. Ist der Standort noch zu retten? Darf die Mutter aller Kunstmessen wieder in der Oberliga mitspielen? Der Trainer-Wechsel von Goodrow zu Hug – quasi mitten in der Saison – startet eine neue Aufmerksamkeitskampagne und bedient einmal mehr die Spalte Klatsch und Tratsch in den Feuilletons. Dort steht die Kölsch-Connection wie die Wacht am Rhein und redet sich schöner denn je. Aber das ist nichts als Pfeifen im Wald. Zu dicht besetzt ist der Terminkalender der internationalen Zielgruppe, als dass man die Global Player mit dem Immergleichen noch an den Fluss locken könnte. Fehlen aber die glamourösen Namen des Kunstbusiness, bleibt auch der ersehnte Beutezug der Kollektorenelite aus. Ein Teufelskreis! Jetzt fordern wieder alle den Ruck: Bitte mehr! Mehr Qualität, mehr Profilierung, mehr Glamour.
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Christoph Bannat | 16.04.08
Plattenspieler Thomas Meinecke u. Daniel Richter

Thomas Meinecke und Daniel Richter legen nach dem Zufallsprinzip ihre Schallplatten auf. Ein gelungener Abend und ein feines Experiment von improvisierter Unterhaltung, leider mit 11 Euro Eintritt zu teuer.
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Christoph Bannat | 04.04.08
Berlin Biennale im Schnelldurchlauf

Pushwagner, Soft City 1969-75, Kunst-Werke.
Mit der 5. Biennale ist die Provinz endgültig in Berlin angekommen. Diese sieht aus wie eine UdK-Jahresausstellung. Wobei eine Funktion von Kunsthochschulen bekanntlich darin besteht, dass nicht alles, was dort gemacht wird, in die Öffentlichkeit gelangt.
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Christina Zück | 19.03.08
Barbarism begins at home
Re-Imagining Asia, 14.03. - 18.05.2008
Global Memory and Barbaric Transmission, Vortrag von Homi K. Bhabha, 14.03.2008
Haus der Kulturen der Welt
Song Dong hat den Inhalt des Hauses seiner Mutter im Foyer des Hauses der Kulturen der Welt ausgebreitet. Nach dem Tod ihres Mannes zog sie sich immer mehr in ihre Trauer zurück, verließ das Haus nicht mehr und begann, alle Sachen aufzuheben. Jeder zerbrochene Blumentopf, jede Haarspange, jedes Stoffresteknäuel, jeder Joghurtbecher ist mit einem Moment in der Vergangenheit verbunden. Vielleicht ermöglichten es ihr die Gegenstände, Zugriff auf ihre verlorene Lebenszeit zu gewinnen. Die Installation ist sehr bewegend, mir fällt glücklicherweise erstmal kein Kunstwerk ein, auf das sie zurückgreifen könnte. Die Dinge aus China sehen ganz genau wie die aus, die sich im Haus meiner Großtante in Sichertshausen angesammlt haben, dieselbe unheimliche Voodoo-Strahlung geht von ihnen aus. Das Ordnen und Ausstellen ihrer Habseligkeiten hatte eine therapeutische Wirkung auf Song Dongs Mutter. Sie begann wieder, unter Menschen zu gehen und sich Alltagsaktivitäten auszudenken. Dass die Installation an die Tate Liverpool verkauft wird, lehnte sie jedoch ab.
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Christina Zück | 14.03.08
odori corporei
We should have occupied every place / Pornopinball und Wolperdinger,
Ausstellung von Barbara Breitenfellner und Isabel Ott
The no thing to shit show,
Performance von Corpo Sciolto aka Giulio Nesi WestGermany,
13.03. - 16.03.2008

Fotos der Performance von Corpo Sciolto
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Peter Lang | 09.03.08
Hans-Joachim Schulze
Oder als Beuys mit Langhans in Leipzig zu Besuch war
Hans-Joachim Schulze – Göttinnen und Götter
22. Februar – 9. März 2008
Künstlerhaus Bethanien, Berlin

Irgendwann musste Schulze von Beuys und seinen Strategien gehört haben. Wir kannten den im Osten zwar noch nicht, aber die kollektiven Peformances von Schulze - als solches kann man es von heute aus wohl am besten bezeichnen - machten schon was her. Besonders die Freundinnen Schulzes. Das andere, das eigentlich Gemeinte, ertrug man dann halt mit.
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Gastbeitrag | 06.03.08
Zwischen Amok und Koma
von Ingo Gerken
Adventures close to home
Jürgen Grewe
3. März – 28. März 2008
Projektraum | Kunsthaus Erfurt

Jürgen Grewe ist Maler. Seine Malerei ist Plakat, seine Plakate sind Filme. Filme, die besser sind, weil sie gar nicht erst gedreht werden müssen. Sie drehen sich von selbst beim Betrachten seiner Bilder. Sie haben keinen Anfang und kein Ende, sie suggerieren nur ein beunruhigendes, unaufhörliches „Mittendrin“. Denn wir sind schon inside. Und wir wissen auch nicht, was wir dagegen tun sollen. Wir wühlen uns ständig selbst Tag für Tag durch diese Art von Bildern. Sie begegnen uns überall, sie verfolgen uns und springen uns an. Sie sind vorgefertigt und erprobt, zugeschnitten und angepaßt auf eine scheinbar universelle Sprache und einen absolut realen Reiz. Sie sind perfekte synthetische Teilchen, aufregende Visuals einer konstruierten und funktionalisierten Wirklichkeit.
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Markus Wirthmann | 03.03.08
Emma*
TORNADO - Kunst und Klimakatastrophe
2.-16. März 2008
General Public, Berlin
Dieter Froelich, Kerstin Gottschalk, Tue Greenfort, HorseArt, Anna Meyer, Dan Perjovschi, Peter Pommerer, Elke Marhöfer, Andreas Reiter Raabe, Silke Wagner, Johannes Wohnseifer, Christine Würmell

Im Internet wird die Ausstellung als „reflektierte Beschäftigung mit der weltweiten Klimakatastrophe“ angekündigt. Diese selbst gestellte Anforderung kann die Ausstellung leider nicht erfüllen. Zu lieb sind die Exponate und zu nett und plakativ die Botschaften. Die teils manierierte Präsentation und das coole Weglassen von Beschriftungen und sonstigen Informationen machen die Sache auch nicht wirklich interessanter.
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Gastbeitrag | 04.02.08
’68 - Brennpunkt Berlin | Eine Ausstellung im Herzen der Bestie
von Dirk Teschner
’68 – Brennpunkt Berlin
Amerika-Haus, Hardenbergstr. 22-24, Berlin
Öffnungszeiten: täglich 10:00 bis 20:00 Uhr
Die Ausstellung wird begleitet mit einem umfangreichen Filmprogramm und Diskussionsrunden mit Katharina Rutschky, Dan Diner, Elke Heidenreich, Oskar Negt, Claus Peymann u.v.m.
www.bpb.de/1968

Das neue Jahr ist nun gerade mal fünf Wochen alt, schon befinden wir uns mittendrin im Spektakel des neuen Jubiläumsjahres – 1968. Das Feuilleton hat längst seine Serien gestartet, mit welchen die dabei waren, natürlich und denen, die schon immer nicht wollten. Bucherscheinungen folgen, von Götz Aly bis Hubertus Knabe. Verortet der eine die 68ger irgendwo als Deutschnationalisten, „beweist“ der andere die Steuerung des SDS durch die Staatssicherheit.
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Gastbeitrag | 28.01.08
Schlagzeug ist auch ein Instrument
von Ulrich Heinke
Hoffen und Jäten
Martin Städeli
19.1.-23.2.08
allgirls, Berlin

Obwohl mir die Arbeiten von Martin Städeli bekannt sind und ich vor nichts Unerwartetem stehe, gibt es in der Ausstellung „Produktion ohne Versprechen“ doch einen überraschenden Moment. Die Begegnungen mit den Pappmascheefiguren, die Städeli nicht nur optisch, sondern auch in einer erweiterten, fast literarisch zu nennenden Weise ähnlich sind, bergen für einen selbst eine Form von wohligem Überraschtsein, die ziemlich nahe am netten Effekt der Selbstübertölpelung steht. Etwa wie ein alter Lappen in der Garage, den man jetzt schon zum dritten Mal für eine Katze hält. Man ist einen kurzen Moment lang ganz gut bei sich. Um diese Situation in der Ausstellung zu erhalten, hatte ich auch den prompten Wunsch, Städeli nicht inmitten seiner Kunst zu sehen und war ganz froh, dass er sich die überwiegende Zeit in einem Nebenraum aufhielt. Fotos vom Künstler neben seiner Kunst, oder beim Herstellen seiner Figuren sind so auf sympathische Art unvorstellbar.
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Gastbeitrag | 11.01.08
For the Love of Money
Silke Müller über
Damien Hirsts Diamantschädel
Wenn in fünf Jahren die Lager- und Versicherungskosten für Privatsammlungen den Wiederverkaufswert der Kollektionen übertreffen, werden sich ein paar Eingeweihte an den 30. August 2007 erinnern: Das war der Tag, an dem der britische Künstler Damien Hirst seinen mit Diamanten besetzten Totenschädel für angeblich 75 Millionen Euro an eine Investorengruppe verkaufte, der er selbst angehörte. Allein die Materialkosten für das Werk For the Love of God lagen bei rund 19 Millionen Euro. Hirst vollstreckt einen Paradigmenwechsel: Statt Differenz in die Zeichen zu bringen, decken sie sich hier; Wert ist auf einmal, völlig entgegen der Diskurse der Nachkriegskunst, gleich Geldwert. Und geradezu hinterhältig wird bei der Umwälzung der Werte das Vertrauen in deren unbegrenztes Wachstum zerstört.
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Christina Zück | 03.01.08
Close to your desires
Jeff Wall: Belichtung
Deutsche Guggenheim, Berlin
3. November 2007 bis 20. Januar 2008
Um zum Joint Venture einer Bank und eines Museums zu gelangen, muss man an weiteren hybriden Phänomenen am Prachtboulevard Unter den Linden vorbeigehen. Ein barocker Wille zum "largeur du faire" hat sich an einem ganzen Häuserblock an der Friedrichstraße manifestiert, wo ein 30 Meter langes Plakat mit einer sich räkelnden Frau in Unterwäsche hängt. Das beliebte BH-Motiv, das ganz oft in kleinen Mobilier-Urbain-Glaskästen auftaucht, nimmt hier nochmal, und zwar nicht nur räumlich, eine neue Dimension an. Dass das Brandenburger Tor mit Telekom-Werbung beklebt war, dass Alice über das Charlottenburger Tor turnte, dass die Krebspatienten im neunzehnten Stock der Charité die Aussicht versperrt bekamen mit einer Vanity-Fair-Komplettumhüllung, daran hatte man sich ja inzwischen gewöhnt. Der öffentliche Raum wurde halt gewinnbringend verhökert. Aber die gigantische Nackte will uns an die Wäsche. Das ist das Ende des Dreierpacks Unterhosen für zwei Euro vom Wühltisch, für die man sich von nun an in Grund und Boden schämen muss, wird man damit in der Sammelumkleide des Schwimmbads erwischt. "Close to your desires" steht auf einem ähnlichen Dessousmodell-Plakat am Oranienburger Tor - diesmal nur so groß wie ein Haus und um die Ecke verdoppelt. Was sind diese Desires, die ja doch auch in der Jeff-Wall-Ausstellung verhandelt werden?
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Gastbeitrag | 31.12.07
Zwischen Freizeit und Freiheit - Über das Coming-Out als Künstler
Zwischen Freizeit und Freiheit
Über das Coming-Out als Künstler
von Wolfgang Müller
Wie wird ein Mensch zum Künstler? Gibt es dafür eine Art Coming-out? In manchen Familien sind vom Großvater bis zum Enkel fast alle Künstler. Zum Beispiel meine Freundin Carola Regnier. Sie ist eine wunderbare Schauspielerin, ihr Vater Charles war es ebenfalls. Carolas Opa ist Frank Wedekind und ihre Mutter Pamela Wedekind, die berühmte „Lulu“.

Martin Kippenberger, Dialog mit der Jugend, 1978; courtesy Galerie Gisela Capitain, Köln/© Estate Martin Kippenberger – Es gefiel der Punkerin „Ratten-Jenny“ überhaupt nicht, als der Künstler Martin Kippenberger als zeitweiliger Pächter des Punkclubs „SO 36“ in Kreuzberg die Bierpreise erhöhte. Sie prügelte den Künstler krankenhausreif. Punk trifft Kunst. Kippenberger dokumentierte sein lädiertes Gesicht als Gemälde und nannte die Arbeit „Dialog mit der Jugend“. Der Altersunterschied zwischen Kippenberger und „Ratten-Jenny“ betrug allerdings gerade mal vier Jahre.
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Christoph Bannat | 12.12.07
Heinz Emigholz

Ausstellungsansicht
Heinz Emigholz - "Die Basis des Make-Up"
Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart - Berlin
Werkraum 24. bis 24.Februar
www.hamburgerbahnhof.de
Denken in Bildern, wie geht das?
Bilder sehen heißt sie zu gebrauchen. David Hockney
Diese Ausstellung sieht aus, als basiere das Lebenswerk von Heinz Emigholz auf dem Tod, und seine Kunst ist die Schminke, das Make-Up auf der Basis des Totenschädels.
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Christoph Bannat | 02.12.07
Schirn und Gmür

Zwei Malerei- Ausstellungen die unterschiedlicher kaum sein könnten, auf den ersten Blick. Die eine in der Schirn Kunsthalle in Frankfurt, die andere in der Ladengalerie Gmür in Berlin- Prenzlauerberg.
TURNER HUGO MOREAU, ENTDECKUNG DER ABSTRAKTION, 06. OKTOBER 2007 - 06. JANUAR 2008 www.schirn-kunsthalle.de
BONJOUR MONSIEUR ENSOR, bis 15.12.2007, Sa. u. So. 16 – 20.00 Uhr nach Vereinbarung Tel. 0176.700726, GMÜR , Christburgerstrasse 29 D- 10405 Berlin
Plus Interview mit Marcus Weber, Peter Stauss, Sebastian Hammwöhner
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Gastbeitrag | 09.11.07
Der Celeste-Kunstpreis ...
von Bence Fritzsche
... hat in England und Italien bislang überdauert, wohl wahr. Jedoch ist er auch in diesen Ländern völlig bedeutungslos. Das wird er in Deutschland erst recht, falls sich überhaupt 300 - 400 Künstlerinnen und Künstler freiwillig dazu bereit erklären, einen satten Betrag von 60 Euro (!) dafür zu blechen, an einem höchst dubiosen Kunstpreis dieser Sorte teilzunehmen, für den sie selbst das Preisgeld aufbringen. Man darf gespannt sein, was passiert, wenn sich nur etwa 100 Künstler finden sollten. Zahlt Mr. Music dann die fehlenden 14.000 Euro aus eigener Tasche ???
Bei "Celeste" und Mr. Music geht weiter alles drunter und drüber. Erst ne Jury von 2 Mann (!), dann flüchten die Beiden, nachdem sie erkannt haben, auf was für ein merkwürdiges Spiel mit den Nöten der Künstler sie sich eingelassen haben.
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Gastbeitrag | 02.11.07
Stasiakten auf dem internationalen Kunstmarkt
Eine spanische Künstlerin bedient sich im Aufarbeitungsdepot
Von Dirk Teschner

Foto: Tina Krone/BStU
An einem trüben Herbsttag schlenderte ich mit einer befreundeten Ausstellungsmacherin über das diesjährige Art Forum Berlin, sah bei der Galerie Crone tonnenweise nervende Biskys, Gemischtwaren bei Eigen + Art und Unmengen von Fotos überall. Landschaftsfotos, großformatige C-Prints oder Porträtfotos, kleine Formate, klassisches Schwarzweiß. An einer Koje blieb meine Begleiterin dann ungewöhnlich lange stehen, um schließlich noch interessiert im Katalog zu blättern. Was gab es zu sehen? Die Amsterdamer Galerie Ellen de Bruijne Projects zeigte eine Reihe gerahmter Schwarzweißaufnahmen mit der flüchtigen Ästhetik von Paparazzifotos. Gekennzeichnet als BStU-Kopie erkannte ich in ihnen Observationsfotos der Staatssicherheit, Aufnahmen von einer Gruppe nackter Menschen am FKK-Strand oder einer rauchenden Frau in einem Zimmer. Ein Bild, das im Katalog des Artforums auf der Seite eben dieser Galerie anonymisiert abgedruckt ist. Der Preis je Foto bei einer Auflage von 3 + 1 AP war mit 3.800 bis 5.000 Euro angegeben. Daneben liefen auf einem Screen Überwachungsaufnahmen der Stasi von einem öffentlichen Platz. Als Autorin der Arbeiten wurde die spanischen Künstlerin Dora Garcia genannt.
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Markus Wirthmann | 26.10.07
Cool Jazz für Androiden
Frank Nitsche
Jazz
23. Oktober bis 21. Dezember
Galerie Gebr. Lehmann, Dresden

Eigentlich ist das nicht der richtige Titel für diese Ausstellung. Ich verbinde mit Jazz was komplett anderes: Rothändle und Bars die Blue Note und Bird heissen. Ein bisschen altbacken.
Das hier ist was anderes, neueres, cooleres. Post-Techno-Avatar-Jive vielleicht. Musik für Androiden. Oder Avatare.
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Gastbeitrag | 08.10.07
Kaiserhoden
von Roland Fuhrmann
Matthew Barney
Kaiserringträger der Stadt Goslar 2007
Mönchehaus Museum für moderne Kunst Goslar
6.10.2007 bis 13.1.2008

Heute wurde in der alten Kaiserpfalz zu Goslar zum 32. mal der renommierte Kunstpreis „Kaiserring“ an Matthew Barney (*1967) verliehen. Er ist damit wohl der jüngste Kaiserringträger und verstörte die gesetzten Goslarer Kunstfreunde gehörig. CREMASTER heißt sein berühmter fünfteiliger Filmzyklus und bezieht sich auf den musculus cremaster, den Muskel, der den männlichen Hoden temperaturabhängig hebt und senkt.
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Gastbeitrag | 04.10.07
3 von 2000 ...
... Künstlern auf dem Artforum Berlin, die nach dem Abbau der Kunstmesse hängengeblieben sind.
von Fritz Balthaus
Art Forum Berlin
About Beauty
29. September bis 3. Oktober 2007
Villeroy & Boch

Die erste Arbeit ist meines Wissens nicht einmal offizieller Teil der Messe, sondern einer Umdeutung auf deren Herrentoilette zu verdanken. Anonyme Autor/innen haben die seriell installierten Urinoirs der Messetoiletten jeweils mit dem Faksimile MUTT 1917 bezeichnet. Marcel Duchamps Pseudonym bei der Einreichung des Urinoirs zur Armory Show 1917 wurde an den Pissoirs angebracht, so daß der Schriftzug „MUTT 1917“ mit dem Produzentenlogo „Villeroy & Boch“ konkurriert. Beide scheinen industriell in die Keramik eingebrannt zu sein. So werden die kunstgewordenen Urinoirs dem ursprünglichen Zweck wieder rücküberantwortet, was nach 90 jahren eine gewisse Erleichterung bedeutet, ähnlich dem Männeraustreten an der gekachelten Periferie des Messekontextes selbst. Die funktionalen WC Räume sind noch nah genug an den Messeständen, um als Kunstort mitgedacht zu werden, und weit genug entfernt, um die teure Standgebühr zu sparen. Der Firma Villeroy & Boch kann man nur nahlegen, von diesem Prototypen im Nachzug eine limitierte Firmenedition herauszugeben – in Kooperation mit den von ihnen auszumachenden Autoren, die bitte darauf achten, dass die Exemplare nur im Sanitärbereich aufgestellt werden, besonders in Museen.
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Michael Reuter | 02.10.07
Ciao Block Beuys
Über den vorerst letzten Blick auf den Block Beuys am 30.09.2007 im Hessischen Landesmuseum Darmstadt

Im Hessischen Landesmuseum Darmstadt
Nicht zu glauben, seit 1986 ruht Joseph Beuys in Frieden und immer noch streifen die ewigen Wiedergänger ultrakonservativen Kunstempfindens durch die sieben Räume im zweiten Stock des Hessischen Landesmuseums, um sich über Fettecken, verschimmelte Würste und gestapelte Filzmatten zu erregen. »Das ist keine Kunst, der will nur provozieren!«, ein Satz, den ich seit Jahren für ausgestorben hielt, fällt tatsächlich und vermutlich täglich im Zusammenhang mit seinen Installationen. Nun wird das ganze Museumsgebäude am Friedensplatz in Darmstadt renoviert und während der weltweit größte Werkkomplex von Beuys mit über 250 Objekten aus den Jahren 1949–1972 in einen tiefen Schlaf fällt, tobt draußen seit Monaten ein erbitterter Streit über die Art und Weise, wie der Block in Zukunft präsentiert werden soll.
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Christoph Bannat | 30.09.07
Alice Neel - Pictures of People
Alice Neel - Pictures of People
Galerie Aurel Scheibler
Noch bis 3. November
Filmdokumentation über Alice Neel bis 10.10. Kino Hackesche Höfe.

Martin Jay, 1932
Welcher Künstler ist heute noch „außer sich“? Außer sich meint hier nicht das expressive Künstler-Tier Phänomen wie wir es bei Elke Krystufek oder Jonathan Meese beobachten können. Außer sich, meint hier das Vertiefen des Künstler-Ichs, mit der Gefahr sich dabei zu verlieren, in ein Du. Und hier ist nicht jenes Verschwinden in der Landschaft wie wir es bei Cezanne beobachten können oder bei Monet, der ganz „zum Auge“ wurde, gemeint.
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Adib Fricke | 29.09.07
Ceal Floyers Preisträgerarbeit im Hamburger Bahnhof zerstört

Ceal Floyer, Scale, 2007, Klanginstallation/Skulptur, 24 Lautsprecher, Computer, 12 Stereo-Amplifier
Es muss wohl heute abend irgendwann zwischen 21 und 21.30 Uhr während der Eröffnung der Roman Signer-Ausstellung im Hamburger Bahnhof passiert sein: Die Arbeit Scale von Ceal Floyer, mit der sie den Preis der Nationalgalerie für junge Kunst gewann, wurde zerstört. Die große Schiebetür zum Ausstellungsraum in einer der Rieck-Hallen wurde »bis auf weiteres« verschlossen. Nur ein kleiner Spalt blieb offen, durch den gerade noch das Objektiv der Taschenkamera passte. Die Museumsaufpasser wollten oder konnten keine Detailinformationen geben. Versuchte etwa ein Besucher oder eine Besucherin die Stufen des Kunstwerks hinaufzugehen? War es der Racheakt eines zu kurz gekommenen Künstlers? Ertrug jemand nicht die »minimalistische Pointiertheit ..., die zumeist in hochkomplexe Sachverhalte umschlägt«?
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Martin Conrath | 15.09.07
Der Glaube an die Kunst
"Vergessen wir nicht, dass es einen unaufgebbaren Zusammenhang zwischen Kultur und Kult gibt. Dort, wo die Kultur vom Kultus, von der Gottesverehrung abgekoppelt wird, erstarrt der Kult im Ritualismus und die Kultur entartet. Sie verliert ihre Mitte." Joachim Kardinal Meisner, 14.09.2007
Dass er von zeitgenössischer Kunst nichts versteht, hat Herr Meisner – von Beruf Gläubiger – schon häufig kund getan.
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Martin Conrath | 05.09.07
Die Gelegenheit als Bild#1

Markus Wirthmann | 27.08.07
Links, rechtsgestrickt
Josephine Meckseper
Kunstmuseum Stuttgart
14. Juli – 28. Oktober 2007

„Ich bin eher links“, so lautet das politische Selbstbekenntnis der Josephine Meckseper, das man sich im Originalton als Teil einer museumspädagogischen Hörspiel-Inszenierung per Audio-Guide reinziehen kann. Das Audio-Doku-Drama ist produziert von „Crumpled Paper“, dem “Klub für Jugendliche und junge Erwachsene, die sich intensiv mit Kunst, Architektur und Design beschäftigen wollen“. Im Kunstunterricht der Mittelstufe ist diese didaktische Handreichung bestimmt von großem Nutzen, der gemeine Ausstellungsbesucher sollte sich allerdings vor dieser Indoktrination hüten denn sie lässt keine Fragen offen und erklärt die Ausstellung, deren Interpretationsspielraum ohnehin schon sehr eng ist, ohne wenn und aber zu Ende.
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Christoph Bannat | 22.08.07
Zeichnung als Standbein in der Wirklichkeit

Ausstellung "Janke vs. Wernher von Braun" in Peenemünde
Bleistift und Skizzenblock sind schnell, Raum und Zeit sparend, eingepackt und Linien schnell aufs Papier geworfen. Die Zeichnung ist immer noch das einfachste und direkteste Medium, deshalb aber nicht weniger komplex. Während der Zeichner seiner körperlichen Verfassung unterworfen ist, muss er ein Verhältnis zwischen Detail und angestrebten Gesamtwerk herstellen,
Karl Hans Jahnke, Matthias Beckmann und das www.meltonpriorinstitut.org zeigen die Möglichkeiten von Zeichnungen -mit Kunst aber hat das zunächst einmal nichts zu tun.
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Gastbeitrag | 17.08.07
All the world’s a stage
von Petra Reichensperger
Jessica Stockholder
Corner Space
Galerie Thomas Schulte, Berlin
8. Juli - 1. Sep., 2007

“All the world’s a stage", schrieb Shakespeare um 1600. Seitdem hat die Differenzierung der Welt und der Kunst als Bühne zugenommen. Worin liegt das Versprechen einer künstlerischen Aufführung? Jessica Stockholder spielt in ihren raumgreifenden Arbeiten mit dem Versprechen etwas Außerordentliches zu erzählen. Denn ihre präzisen Setzungen im Ausstellungsraum der Galerie Schulte und ihre unkonventionellen Materialkombinationen reflektieren die umgebende Welt und die Brüchigkeit des menschlichen Daseins. Haushaltsgegenstände, Farbige Stoffe erinnern an verlassene Bühnenbilder: eine farbenreiche Anordnung von Ready-Mades, die erzählerische Momente in sich bergen.
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Christoph Bannat | 13.08.07
Piranesi für Webdesigner

Giovanni Battista Piranesi für Webdesigner.
Eigentlich ist über den 1720 in Venedig geboren und 1778 in Rom gestorbenen Kupferstecher schon alles gesagt worden, und doch ist er immer wieder neu zu entdecken- das eben macht einen Klassiker aus.
3. August - 11. November 2007
Kulturforum PotsdamerPlatz, Kupferstichkabinett
Piranesi. Vedute di Roma - Ansichten von Rom
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Gastbeitrag | 13.08.07
Marsha Ginsberg
von Petra Reichensperger
Pavlov’s Lab and Other Rooms
magnus müller, Berlin
Bis 15.09.2007
Der schöne Schein ist ihre Sache nicht. Die in New York lebende Marsha Ginsberg hat für ihre erste Ausstellung in der Galerie Magnus Müller den gelebten und verlebten Raum ins Zentrum gerückt. Ihre Fotografien zeigen verwaiste Interieurs, verlorene Träume, verlassene Räume. Die Innenräume – fotografisch festgehalten oder real präsentiert – stehen von Anfang an unter dem Zeichen des Temporären, des Prozessualen, des Spiels.
Es sind Räume, in denen das Leben Spuren hinterlassen hat. Räume, die gerade dadurch lebendig wirken.
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Martin Conrath | 16.07.07
XIV. ROHKUNSTBAU ®
Lieber R.
wie Du weißt, beobachte ich gerne kuratorische Kür-Einlagen im Pflichtprogramm Kunst und so bin ich am Samstag nach Sacrow zur Eröffnung der Abteilung Bildende Kunst des XIV. Rohkunstbau®-Festivals ins Grüne gefahren. Das wurde nötig, weil mir die vorab vermittelte Thematik "Drei Farben – Weiß" in Kohärenz mit "Gleichheit, Demokratie und Individualität" in der Bildenden Kunst nicht zwingend einleuchten wollte.
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Gastbeitrag | 04.07.07
Utopischer Retroschick
von Andreas Koch
„die stadt von morgen“
Beiträge zu einer Archäologie des Hansaviertels Berlin
Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, 16.5–15.7.2007
Oliver Croy, Mark Dion, e-Xplo, Sabine Hornig, Sofia Hultén, Kaltwasser/Köbberling, Annette Kisling, Korpys/Löffler, Dorit Margreiter, Ute Richter, Eran Schaerf

„Die Stadt von morgen“ lautet der Titel einer Ausstellung über das Hansaviertel und übernimmt damit streng das Motto der „Interbau“ 1957 zu welcher das Viertel eingeweiht wurde. Utopien der Moderne wieder auszugraben ist mangels Alternativen in den Nuller-Jahren eine der Hauptbeschäftigungen, der sich vor allem konzeptuell arbeitende Künstler widmen. Nicht nur die Documenta fragt sich, ob die Moderne tatsächlich unsere Antike ist. Die Kuratorinnen Annette Maechtel, Christine Heidemann und Kathrin Peters gehen der Frage nach, was von dem Anspruch der damaligen Städteplaner, besseren Wohn- und Lebensraum für den modernen Menschen zu schaffen, heute noch übrigbleibt.
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Christoph Bannat | 24.06.07
Nur Junge Leute können so echt sein!

Die Fragestellung, ob Graffiti Kunst ist oder nicht, interessiert heute keinen mehr. Liest man Graffiti oder Street-Art als Selbstexpression von Leuten, die ästhetischen Codes folgen und es damit schaffen, politische Fragestellungen zu provozieren, ist diese Form vielleicht die spannendste von Kunst im öffentlichem Raum.
Jetzt findet „Backjumps III“, die einzige Deutsche Street-art Ausstellung mit internationaler Beteiligung, statt.
23. Juni bis 19. August 2007
BACKJUMPS – The Live Issue#3
Urbane Kommunikation und Ästhetik
Kunstraum Kreuzberg/Bethanien
www.backjumps.org, www.kunstraumkreuzberg.de
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Martin Conrath | 22.06.07
documenta 12
Liebe A.
Die oft diskutierte Überlegung war, ob es sich lohnen würde, zur documenta 12 nach Kassel zu fahren. Ich denke nicht. Neben der durch logistische Fehlplanungen gründlich schiefen Atmosphäre, idiosynkratisch geheimnisvoller Informationspolitik im Vorfeld und einer rundweg asozialen wie antiaufklärerischen Informationsdidaktik in der Ausstellung gibt es bloß Kunstgulasch, in dem das Ganze mal wieder mehr sein soll, als seine Teile.
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Gastbeitrag | 21.06.07
documenta XII: Im Vorraum des Museumsshops
von Jürgen Schneider
Einer der Ausstellungsorte der derzeit in Kassel stattfindenden documenta XII ist das Schloss Wilhelmshöhe. In dem klassizistischen Bau von 1789 befinden sich die Antikensammlung und eine Gemäldegalerie Alter Meister der Staatlichen Museen Kassel, in der u. a. Werke von Dürer, Tizian, Poussin, Snyders und Rembrandt zu sehen sind. Das Schloss gehört erstmals zum documenta-Parcours. Vor dem herrschaftlichen Bau, auf der Blickachse Richtung Stadt, hat der thailändische Künstler Sakarin Krue-On in räumlicher Fortsetzung der Kaskaden des schwergewichtig aufragenden Herkulesdenkmals ein terrassiertes Reisfeld angelegt. Der Nassreisanbau ruft sichtlich nach Flutung, die Erde ist rissig, doch die Frage bleibt: Wer ist wem Kulisse, das Schloss mit seinen Artefakten der transferierten Natur oder diese dem Bauwerk?

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Gastbeitrag | 18.06.07
Kasseler Tupperparty
von Ralf M. Ritter
Documenta Kassel
16.06 - 23.09.2007

Aue-Pavillon
Foto: Julia Zimmermann © documenta GmbH / Julia Zimmermann
Tonnenweise Vorschusslorbeer. Kritiker, die alles aufsaugen, was Documenta-Leiter Roger M. Buergel von sich gibt. Zu seinen Vorträgen pilgern und seine Markenslogans empfangen wie Moses die zehn Gebote. Alles nachbeten. Dann vorab ein paar Infobrocken vorgeworfen bekommen und untertänigst ein paar Künstler und theoretische Hohlheiten hochschreiben. Sich wie Tanzbären am Nasenring herumführen lassen. Wettbewerb um die gefälligste Exegese.
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Christina Zück | 06.06.07
Art goes battlefield

"Art goes Heiligendamm? Klingt wie Schulze gets the blues", sagt Ron. Alle im Auto kichern los. "Oder wie Frankie goes to Hollywood. Jedenfalls müssen wir uns das nachher anschauen - es soll eine temporäre Architektur in der Nähe des Demo-Geländes geben." Auf der Wiese neben der Autobahn tauchen jetzt Reihungen mit Polizeiwagen auf, ja sogar grüne Räumpanzer scheinen auf einen Angriff zu warten. Janneke erzählt, daß die IP-Adresse ihres Computers registriert wurde, als sie bei Map24 die Route nach Rostock abfragen wollte. Bei der Ankunft in der Stadt sind die Straßen leergefegt, überall Parkmöglichkeiten, kaum Menschen unterwegs, bis auf einige Einsatzkommandos, die in blauen und grünen Overalls mit kryptischen Reflektorbandmarkierungen ihre Posten einnehmen. Auf einer Hofeinfahrt kippen ein paar sechzehnjährige Punks den Papiermülleimer einer Firma um, zerschredderte Papierstreifen wirbeln wie Konfetti durch die Luft. Ein Junge mit einem schwarz-rot-gelb-gefärbten Zopf rennt in unsere Richtung und schreit kindisch: "Nein - ich habe damit nichts zu tun!"
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Christoph Bannat | 01.06.07
Gregor Schneider, Aktion im Magazin der Oper

„Der Film hat schon begonnen“, verkündete ein Schild am verschlossenen Kino, vor dem das pünktlich erschienene Publikum eine Stunde warten mußte.
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Christoph Bannat | 31.05.07
Joe Coleman, Internal Digging

Joe Coleman-Bilddetail
Erste von Susanne Pfeffer, der neuen Leiterin der Kunstwerke, kuratierte Ausstellung - man darf gespannt sein wie es weiter geht.
Joe Coleman wurde 1955 in Norwalk, Connecticut, geboren. Er ist ein typischer Outcast-Künstler und als dieser wird er auch in den Berliner-Kunstwerken gehandelt.
Joe Coleman
Internal Digging
Eröffnung: Samstag, 26. Mai 2007, 17 – 21 Uhr
Laufzeit: 27. Mai – 12. August 2007
Kunstwerke-Berlin, Auguststrasse 69, 10117 Berlin.
www.kw-berlin.de
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Gastbeitrag | 22.05.07
Zweihundertfünfzig Meter Zaun
von Ingo Arend
PUFFERZONE: In Heiligendamm wollen Künstler aus aller Welt den G8-Gipfel "verflüssigen". Die Bundeskulturstiftung aber nicht.
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Christoph Bannat | 21.05.07
Kunst ist etwas anderes

Luigi Lineri,Italien 2005.Foto: Mario Del Curto.
"Genre sind etwas für Soziologen", so Pierre Bourdieu. Regelmäßig stossen wir an unsere Grenzen wenn wir Kunst von „Verrückten“ gegenüber stehen, allenfalls retten wir uns indem wir sie zur Art Brut addieren, oder andere Bezeichnungen suchen. Und wenn ich wir sage, meine ich jene die im Kunstbetrieb involviert sind.
Stiftung Schloss Neuhardenberg, Schinkelplatz, 15320 Neuhardenberg
»Kunst ist etwas anderes« kuratiert von Werner Jeker und Mario Del Curto Di. bis So. 11 – 19 Uhr
www.schlossneuhardenberg.de
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Kai Hoelzner | 21.05.07
In girum imus nocte et consumimur igni
Schade, schon ist sie vorbei, die Show "In girum imus nocte et consumimur igni", die die Künstlerin und Kunst-Blog-Autorin Christina Zück gemeinsam mit den beiden schweizer Künsterinnen Hildegard Spielhofer und Laurence Bonvin in den vergangenen beiden Wochen im Ballhaus Ost zeigte. Weil der Turnus im Ballhaus Ost nur zwei Wochen beträgt, ist eine der besten Ausstellungen seit langer Zeit nun schon wieder vorüber. Dabei fing alles schon so wunderbar seltsam an...

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Gastbeitrag | 20.05.07
Die selbstreflexive Nation
von Ingo Arend
MUSTERSCHÜLER: Die Bundesrepublik flankiert ihre EU-Ratspräsidentschaft mit drei großen Kunstausstellungen in Brüssel. Was will sie uns und Europa damit sagen?
Visit(e). Werke aus der Sammlung zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland.
ING-Kulturzentrum, Brüssel. Noch bis zum 1. Juli 2007
Die Deutschen kommen. Als 1989 in Berlin die Mauer fiel, waren die Deutschen zwar "das glücklichste Volk der Welt", wie Berlins Bürgermeister Walter Momper damals jubelte. Der Rest Europas hielt sich zurück. Frankreichs Staatspräsident François Mitterand entdeckte auf einem Staatsbesuch nach der Grenzöffnung seine Liebe zur DDR. Und die britische Premierministerin Margaret Thatcher trommelte alle verfügbaren Berater zusammen: Ist ein vereintes Deutschland ein Sicherheitsrisiko für Europa? fragte sich der Krisengipfel auf ihrem Landsitz Chequers.

Visit(e). Werke aus der Sammlung zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland
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Christoph Bannat | 20.05.07
Die Stadt von Morgen
Beiträge zu einer Archäologie des Hansaviertels Berlin
Akademie der Künste, Hansaviertel, Berlin
Vom 16. Mai bis 15. Juli 2007
Mit künstlerischen Beiträgen von Oliver Croy, Mark Dion, e-Xplo, Sabine Hornig, Sofia Hultén, Kaltwasser/Köbberling, Annette Kisling, Korpys/Löffler, Dorit Margreiter, Ute Richter, Eran Schaerf.

Korpys/Löffler,Still aus Dokumentarfilm von 1953, © die stadt von morgen/Andree Korpys/Markus Löffler, 2007
Eiermannholz schlägt Bill-Uhr im Eternithaus, oder: „Wir brauchen hier keinen Gursky, den haben wir, wenn wir aus dem Fenster sehen“, so eine Bewohnerin des Hansaviertels. Andreas Gursky wohnt zwar im Arne Jacobsenhaus im Hansaviertel, gemeint ist hier aber, dass man in einem ästhetisch durchorganisierten Viertel, dem Hansaviertel-Berlin, wie in einem Kunstwerk wohnt.
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Markus Wirthmann | 14.05.07
Erdbeben und Elefanten
Projekt Kunst-Landschaft
Kunstverein & Stiftung Sprinhornhof e.V.
Neuenkirchen, ganzjährig

Peter Pommerer, "Die eingefangene Zeichnung", 2003
Laut Wikipedia erschütterte am 20. Oktober 2004 ein Erdbeben der Stärke 4,5 auf der Richterskala mit Epizentrum in Neuenkirchen die Lüneburger Heide. Das ist zufällig genau dort, wo sich der Kunstverein Springhornhof befindet, das Epizentrum eines Skulpturenprojekts, das Mitte der siebziger Jahre begonnen wurde und seitdem stetig wächst. 2003 wurden die vorerst letzten acht Skulpturen im Rahmen des Projektes „Outlook 2003“ realisiert. Insgesamt gruppieren sich jetzt so um die 30 Plastiken und Installationen in mäßiger Fahrradentfernung um den Kunstverein.
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Markus Wirthmann | 25.04.07
Wohl temperiertes Museum
Holly Zausner
unseen
Filminstallation im Bode-Museum, Berlin
25. April - 13. Mai 2007

In der sogenannten florentinischen Basilika, einem Renaissance-Architektur nachempfundenen Saal in direkter Flucht zum Haupteingang, wird Holly Zausners fünfzehnminütiger Kurzfilm in weihevoller Umgebung gezeigt. Obwohl die Ausstellungsstücke aus dem Inventar einer Bürgervilla stammen, ist der assoziative Raum ein sakraler und die siebeneinhalb Meter breite Leinwand schwebt über einem nicht existenten Altar. Der Surround-Sound der Super-16-Millimeter-Produktion weitet die Halle nochmal auf kathedrale Maße.
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Gastbeitrag | 18.04.07
Kunsthype im Metaversum
von Stephan Lorenz und Verena Lehmbrock
Gazira Babeli
Collateral Damage - a comprehensive survey of works from 2006-2007
16. April bis 30. Mai
Second Life Location: Odyssey (38,30,23)

Blick in die Ausstellung, mit programmiertem Erdbeben im Vordergrund
Die Avatar-Persönlichkeit Gazira Babeli ist eine Konzeptkünstlerin im Metaversum von Second Life. Unstoffliche Grundlage ihrer Arbeit sind 3D-Ausprägung und Scriptfähigkeit.
Hinter Gazira Babeli steht laut Gazira Babeli keine (weibliche, kanadische ..) Realexistenz, sondern allein Gazira Babeli.
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Christoph Bannat | 26.03.07
Warum trägst du mich immer zu Grabe?

Caro Suerkemper-Keramik
Zwei Künstlerinnen, die sich bereits seit Jahrzehnten mit Bildern von Frauen beschäftigen. Erregend schamlos, erregend heimlich und erregend peinlich.
Caro Suerkemper
Gebrannte Kinder
filiale berlin
3. März – 5.April 2007
Neuer Comic von Anke Feuchtenberger/Kathrin de Vries
Die Hure H Wirft Den Handschuh
Broschiert: 112 Seiten
Verlag: Reprodukt; Auflage: 1 (Februar 2007)
ISBN: 3938511796
Skizzenbuch von Anke Feuchtenberger
Wenn Mein Hund Stirbt Mach Ich Mir Eine Jacke
Broschiert: 120 Seiten
Verlag: Kiki Post (Dez. 2005)
ISBN: 3980976920
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Gastbeitrag | 24.03.07
MyFeminism
von Vera Tollmann
Wynne Greenwood
Peas
Susanne Vielmetter Berlin Projects
24.2. – 7.4.2007
Dieser Text erscheint auch in der zweiten Ausgabe
des neuen Berliner Review-Hefts „von hundert“.

Mit Live-Schaltungen will uns das Fernsehen immer von der Unmittelbarkeit der Ereignisse überzeugen, der ungefilterten Informationsübertragung. Nur ist es evident, dass dieses angebliche Live-Berichten vom Ereignis natürlich nie vertrauenswürdig sein kann, denn auch da wird interpretiert, selektiert, und infolgedessen das Ereignis gemacht.
Ende Februar eröffnete die Galerie Susanne Vielmetter aus Los Angeles ihren mit strategischem Understatement »Berlin Projects« benannten Galerieraum im alten Lager ihrer Nachbargalerie carlier/gebauer. Im polierten White Cube sollen über ein halbes Jahr hinweg Künstler und Künstlerinnen der Galerie vorgestellt werden – den Anfang macht die New Yorker Videokünstlerin Wynne Greenwood, auch bekannt als Konzeptband „Tracy and the Plastics“, in der sie alle Bandmitglieder darstellte.
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Peter Lang | 22.03.07
Neulich in Berlin
Villa Massimo im Martin-Gropius-Bau
Donnerstag, 1. März 2007
Dieser Text erscheint auch in der zweiten Ausgabe
des neuen Berliner Review-Hefts „von hundert“.
Manchmal fließt ja Geld und sind Direktoren über das Maß engagiert, wo man es gar nicht vermutet. Eine auf Hochglanzkarton gedruckte Einladung verhieß eine Vorstellung der Deutschen Akademie Rom, besser bekannt als Villa Massimo, im Gropiusbau zu Berlin. Der Eingeladene und betreffs der Anwesenheit des Herrn Bundespräsidenten extra zur Akkreditierung Genötigte erwartete natürlich eine Ausstellung der Stipendiaten.
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Adib Fricke | 21.03.07
Wenn der Zucker aus dem Einkaufswagen quillt
Thomas Rentmeister
Mehr
Haus am Waldsee
02.03.2007 - 29.04.2007
Künstlergespräch: 22.03.2007, 19.30 Uhr
Frage: Was haben eine Holzleiste und eine leere Tüte Kaffee miteinander zu tun? Antwort: Von Thomas Rentmeister über das Holz gestülpt wird es zu einer seiner Spaß-Arbeiten, die aktuell im Haus am Waldsee zu sehen sind. Café Latte heißt das Witzchen, das an die Wand gelehnt steht und sich primär über den Titel konstituiert. Es scheint als wolle Thomas Rentmeister einfallsreich und humorvoll mit seiner Kunst sein. Über das Gagige kommt er in seiner Ausstellung Mehr nicht hinaus.
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Markus Wirthmann | 12.03.07
Beim Bart des Architekten
Les Schliesser
Alte Arbeiten
9. März – 21. April 2007
Galerie Jesco von Puttkamer, Berlin

Ausgehend von der Architektur des Rotaprint-Gebäudes in Berlin-Wedding, in dem Les Schliesser schon seit Jahren arbeitet, und dem Lebenslauf des Architekten Klaus Kirsten entwickelt sich die Ausstellung nach hinten, chronologisch gesehen. Die Architekten-Biografie existiert genau besehen überhaupt nicht - und das verwundert doch denjenigen außerordentlich, der schon einmal dieses exaltierten, irgendwie zwischen Bauhaus, russischem Konstruktivismus und Coop Himmelblau schwebenden Bauwerks ansichtig geworden ist.
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Markus Wirthmann | 10.03.07
Bondage Dungeon meets Margarete Steiff
Caro Suerkemper
Gebrannte Kinder
filiale berlin
3. März – 5.April 2007
Filiale Berlin ist eine Kooperation der Galerie Conrads aus Düsseldorf und der Galerie Römerapotheke, Zürich. Ende letzten Jahres eröffneten beide Galerien ihre Dependance in der Brunnenstaße in Berlin mit einer Gruppenausstellung. Nachdem die Düsseldorfer Fraktion ihre erste Soloshow absolviert hat, ist nun die Römerapotheke dran.

Mit Gebrannte Kinder stellt Caro Suerkemper eine Serie von Arbeiten aus, die in ähnlicher Inszenierung bereits im Dezember in Zürich zu sehen war.
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Christoph Bannat | 04.03.07
Odilon Redon
Fragen an Kai Teichert und Nikolaus List

Gesicht hinter Gittern
Odilon Redon - Wie im Traum.
Schirn Kunsthalle, Frankfurt
kuratiert von Margret Stuffmann
27. Januar - 29. April 2007
Odilon Redon wird oft als Künstler für Künstler bezeichnet. Was immer das sein mag, ein Künstler für Künstler, im Fall Redons ist das noch schwieriger als bei vielen anderen zu erklären. Sicher ist, Redon ist bis heute umstritten, allein durch seine Bilder. Also fragte ich einfach einmal Künstler, was sie von seinen Arbeiten halten. In Berlin boten sich mir sofort zwei Gesprächspartner an: Nikolaus List und Kai Teichert.
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Gastbeitrag | 21.02.07
Todesendprodukte
von Nina Hoffmann
Förderpreis Bildende Kunst der Schering Stiftung 2007 / Skulptur
Berlinische Galerie
19. Januar bis 9. April 2007

Gelangt man in die hinteren Räume der Berlinischen Galerie wendet der Blick sich automatisch nach links und der Mund klappt nach unten. Feuerstelle, liest man, nach dem ersten Staunen, auf dem Namensschild, von Jan Bünnig. Libido, Eros, Vulkan, Kristall, Wachstum und Schönheit. Sucht man Schönheit bei Wikipedia, wird einem das Unbehagen bei der frei herzigen Äußerung dieses Wortes sofort theoretisch bestätigt. „Seit der Moderne ist die Kategorie der Schönheit auch für die Kunst kritisch angefochten. (...) Alternative Ästhetiken wie das des Erhabenen, Hässlichen, Interessanten oder Authentischen ersetzen in der Kunst der Moderne zunehmend das Schöne, von dem man sich keinen Begriff mehr machen kann.“
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Markus Wirthmann | 16.02.07
Sabinerinnen finden keine Gnade ...
Eve Sussman & The Rufus Corporation
The Rape of The Sabine Woman
Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin
noch bis zum 11. März 2007
... jedenfalls nicht bei Jerry Saltz, dem Autor von The Village Voice, New York. Dort, also in New York, wird der Film, der zur Zeit im Hamburger Bahnhof in Berlin gezeigt wird, während der Armory Show zu sehen sein.

Las Meninas in kinotaugliches Format gebracht
Eve Sussmans „89 Seconds at Alcazar“, „eine traumartige Wiederholung der Ereignisse, die zu Velázquez’ überragendem Meisterwerk Las Meninas führten“, nahm die Kunstwelt im Sturm, so Saltz, aber „The Rape ...“ der sich ebenfalls auf ein weltbekanntes Gemälde bezieht, sei „ein über alle Maßen über produzierter achtzig minütiger Mischmasch aus Ungeheuerlichkeiten, Klischees und Künstlichkeit“.
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Christoph Bannat | 14.02.07
Verfeinerte Planspiele im BDI
Thomas Ravens
Zentrale 17
Haus der Deutschen Wirtschaft - Kunstfenster, Berlin
14.02.2007 bis 31.11.2007

„Eine Mauer kann etwas Schönes sein, diese müsste nur 5 Zentimeter höher“, so Joseph Beuys beim Anblick der Berliner Mauer. Mit diesem Spruch kennzeichnete er die Nahtstellen zwischen Politik, Architektur und Ästhetik. Einen anderen Vorschlag zur Architektur machte Wenzel Hablik, Mitglied der „Gläsernen Kette“, in den 10er Jahren des letzten Jahrhunderts: 10 Millionen Männer nur 1 Jahr Kriegsdienst, warum nicht 10 Mill. Jahre „Krieg Arbeit positiver Art"? Arbeiten an neuen Bauproblemen.
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Christoph Bannat | 13.02.07
Beste Comics 2006, Chris Ware und Bardin von Max

Chris Ware ist der größte Comiczeichner des letzten Jahrzehnts. Nach der Erfindung des Autorencomics durch Robert Crumb und dessen politische Dimensionierung durch Art Spiegelmann, ist er der wichtigste Comiczeichner und Erneuerer des Autorencomics und ein fantastischer Stilist. Im Comic geht es um Typisierungen. Diese zu verlebendigen, was einem Paradoxon gleichkommt, ist die große Kunst.
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Martin Conrath | 12.02.07
Die Macht des Dinglichen – Skulptur heute?
In den Rangeleien um die ersten Plätze im Ausstellungsgeschäft kommen Plastik und Skulptur häufig nicht mehr in die Endrunden, Kontextuelles überwiegt. Wenn also der Fließbandarbeit des Prozesshaften und der darin kategorischen Prospektive des Unfertigen ein wenig Sand ins Getriebe käme, sollte das zumindest interessant sein.
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Christoph Bannat | 04.02.07
Characters. Yoshitomo nara und andere

Yoshitomo + graf c/o Zink
Michal Majerus hat Super Mario, Andre Butzer die Kulleraugen (seine einzige Erfindung) in den Kunstbetrieb eingeführt. Und auch Inka Essenhigh, Takashi Murakami, oder Yoshimoto Nara arbeiten, auf unterschiedliche Weisen, am Phänomen der „characters“. Hier werden 2 Touren empfohlen um diesem Phänomen näher zu kommen.
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Markus Wirthmann | 04.02.07
Digital auf Kuschelkurs ...
... mit analog
Transmediale.07 Ausstellung
Akademie der Künste, Hansaviertel, Berlin
31. Januar bis 4. Februar 2007
Christoph Korn, Antoine Schmitt, Roman Kirschner, David Rokeby, Taylor Deupree & Richard Chartier, Herwig Weiser, Kurt d’Haeseleer, Herman Asselberghs, Herwig Turk & Günter Stöger, Moon Na, Aram Bartholl

Death Before Disko, Herwig Weiser
Spacige Inszenierung einer Macho-HiFi-Anlage
Die Ausstellung der Transmediale.07 ist duster. Und zwar buchsäblich: die Beleuchtung ist auf ein Mindestmaß reduziert, damit die schönen Lichteffekte, die Projektionen, das geheimnisvolle Glimmen oder pulsierend Energetisches zur Geltung kommen. Einige wenige Exponate haben darunter zu leiden, aber die tageslichtauglichen Kunstwerke sind ja sowieso die Ausnahme. Und damit hat sich´s auch schon mit den Alleinstellungsmerkmalen der Digi-Show.
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Max Glauner | 29.01.07
Palimpsest 0701 - 01 Problembären I

Ein Problembär! - Ein Problembär? - Ja! Lesen Sie weiter...
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Christoph Bannat | 25.01.07
Was guckst Du!
De Frau
Regie und Bühne: Johnathan Meese
Volkbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, Berlin
Weitere Vorstellungen: 27. und 28.Januar, sowie 14., 20. und 23. Februar 2007, jeweils 20 Uhr

Bild-Zeitung Bremen, 22.5.06.
Zur Zeit wird kaum ein Künstler so hoch gehandelt wie Jonathan Meese und das nicht nur in finanzieller Sicht, sondern auch im Blick auf seinen symbolischen Wert. Diesen symbolischen Wert und die mediale Präsenz der Person Meese scheinen immer mehr Hartgeldgönner gebrauchen zu können. Warum eigentlich?
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Sue Hubbard | 18.01.07
Bad Art for Bad People
Jake and Dinos Chapman
Bad Art for Bad People
Liverpool Tate
Until 4th March
Like Laurel and Hardy, Flanagan and Alan, Gilbert and George, the artists Jake and Dinos Chapman have realised that being part of a duo is a good career move. The audience get two for the price of one and there is always someone around to act as a foil. The self-appointed bad boys of British art, they came to prominence as part of the notorious YBA generation. Now they have produced Bad Art for Bad People and the more they shock us, like pigs wallowing in their own muck, the happier they are. “We are sore-eyed scopophilliac oxymorons….our discourse offers a benevolent contingency of concepts, a discourse of end-of-sale remnants, a rationalistic hotbed of sober categories…” belligerently declares a mud spattered manifesto plastered on the gallery wall. But what are they really up to with their infantile penile-nosed manikins and their obsessive scenarios of death camp horror made from myriads of tiny plastic bodies like those used by small boys for air fix models?

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Gastbeitrag | 18.01.07
Keine Augen im Kopf
Spiegelautor Daniel Haas geht Christoph Schlingensief auf den Leim
von Konstantin Schneider

Man könnte ja einfach sagen, vergib Ihnen, denn sie wussten nicht, was sie sahen. Oder wie tief der Stachel des Ideologieverlustes bei einigen Grosskommentatoren offenbar doch sitzt. Dass da einer zum Oberlehrer mutiert, weil ihm das TV-Format von morgen für das Fernsehen von früher gegen den Strich geht, davon konnte man sich in der Internetausgabe des für seine Aufklärungsarbeit und konstruktive Besserwisserei immer noch recht angesehenen Spiegel am Dienstag, dem 16.1. in einem besonders peinlichen Artikel einen Eindruck verschaffen.
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Sue Hubbard | 17.01.07
Towards a New Utopia?
PUBLIC SMOG
A project by Amy Balkin curated by students of the
MA Curating Contemporary Art course at the Royal College of Art,
in collaboration with Peer
Peer, London
November 2006

The 4th November was the Saturday before the UN Climate Talks (COP 12/ MOP 2) in Nairobi (6th-17th November). There were demonstrations demanding urgent action on climate change all around the globe. Those taking part believe that only coordinated international action can avert the massive threat posed by climate change and that the failure of world leaders to act - especially the US under George Bush who failed to sign the Kyoto Protocol agreement - is threatening the very existence of life on earth.
Can art do anything to change the mindset of politicians or entrepreneurs who seem to care more about the status quo and making big bucks than carbon emissions? Or does it merely provide an impotent side show producing sanctimonious truisms for a middle-class audience not prepared to change their lifestyles? It’s one thing to nod approvingly at a work in the Tate, quite another to forgo that cheap airfare. To look at art seriously means a willingness to be changed but such epiphanies tend to be personal. Is Jerry Saltz, critic of the Village Voice, right when he says “Art can opine about hierarchy and demagogy, it can be a critic of the state of the world and the human condition. It can ask political questions… however it cannot …turn back global warming; it cannot change the world except incrementally and by osmosis.”?
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Christoph Bannat | 11.01.07
Noch mehr Zorn, noch mehr Brinkmann.

„Brinkmanns Zorn“, Film von Harald Bergmann. Elfi Mikesch, Kamera. Eckhard Rhode als Rolf Dieter Brinkmann.
Bundesweiter Start 11.1.07. Berliner Kinos: Kant, Central, Lichtblick.
2007 fängt mit einen einzigartigen Film an: „Brinkmanns Zorn“. Ein Film über den Literaten Rolf Dieter Brinkmann. Ein Film der sich aus Brinkmanns Tonbandaufnahmen (den Jahren 1973 bis 1975), sowie gesprochen Textpassagen seiner Arbeitshefte generiert.
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Martin Conrath | 11.01.07
Brinkmanns Zorn
Brinkmanns Zorn – ein Film von Harald Bergmann
mit Eckhard Rhode, Alexandra Finder und Martin Kurz
Kamera Elfi Mikesch, Ton Volker Zeigermann
Kinostart: 11.01.2007
Er hatte genug von der Literatur, ihrer Betriebsamkeit, ihren Eifrigkeiten und ihrem Realitätsverlust. 1969 beschloss Rolf Dieter Brinkmann, Szene-Star der deutschen Cut-Up-Literatur (=> Wikipedia.org), mit dem Schreiben aufzuhören. Er wollte Realität. Er hängte sich ein Tonbandgerät über die Schulter und begann, zuerst schimpfenderweise, dann geduldiger und vorsichtiger, seine Wahrnehmungen akustisch direkt zu protokollieren. Dokumentarische SW-Fotos, gemacht mit einer Fixfokus-Instamatikkamera, begleiteten sein Projekt bis 1975. Und: Die Ergebnisse sind auch heute noch verblüffend. Direkt, aufdringlich, peinlich, beharrlich und konsequent.
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Christoph Bannat | 03.01.07
Gemischte Gefühle
Aya, von Marguerite Abouet und Clément Oubrerie
Carlson Comic 14.90 Euro
Napoleons neue Kleider. Pariser und Londoner Karikaturen im klassischen Weimar
Kunstbibliothek, Kulturforum Potsdamer Platz, Berlin
Bis 7.01.07
Caspar David Friedrich. Jahreszeiten
An der Wiege der Romantik.
Kupferstichkabinett, Kulturforum Potsdamer Platz, Berlin
Bis 11.03.07
Norbert Schwontkowski Vertigo
Galerie Contemporary Fine Arts, Berlin
Bis 27.01.07
Senses of Architecture. Eine Ausstellung in mehreren Akten
Deutsches Architektur Zentrum, Berlin
Bis 28.01.07
GEHEIMNIS und ÖFFENTLICHKEIT
Contemporary Art Projects - Blashofer, Berlin
Bis 10.2.07
Zur Weihnachtszeit widmen sich die westlichen Medien traditionell dem afrikanischem Kontinent und zeichnen ein Bild des Elends – verbunden mit der Bitte um Spenden. AYA, ein Comic aus Frankreich, der vom Leben in der Elfenbeinküste handelt, zeigt andere Bilder von Afrika und bestätigt einmal mehr wozu das Comic-Genre fähig ist.

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Christoph Bannat | 18.12.06
Trust your local sexist

Robert Crumb, Tom of Finland, Eric Stanton, Balthus, Pierre Klossowski, oder Henry Darger sind begnadete Sexisten. Sie ziehen ihre Schaffenskraft aus dem Sexuellen. Jede größere Stadt hat ihren Lieblingssexisten, Stu Mead ist so einer für Berlin. Meist hebt eine bürgerliche Boheme diese in den Stand eines ernst zu nehmenden Künstlers, nachdem sie auf dem Feld gleichgesinnter Fans Kultstatus erlangt haben. Klaus Theuerkauf – auch »das Kiezradio« genannt – von der Galerie Endart in der Oranienstrasse Kreuzberg, ist ein solches Verbindungsglied zur bürgerlichen Wertewelt. So ist es kein Zufall, dass Stu Mead im Hinterzimmer seiner Galerie wohnt.
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Max Glauner | 17.12.06
Palimpsest 0604 – 03 Transformationen
von Max Glauner
Simon Starling, „Wilhelm Noack oHG”
Galerie neugerriemschneider, Berlin, bis 13. Januar 2007

Übergänge herstellen, könnte die Arbeit des Turner-Preisträgers Simon Starling, 1967 südwestlich von London in Epsom geboren, treffend charakterisiert werden: Übergänge von dem einen zum anderen Ort, von dem einen in einen anderen Aggregatzustand, von dem einen in ein anderes System. Bekannt wurde er mit der Aktion, in der er einen polnischen Kleinwagen, den legendären Fiat 126 „Maluch“, zum Lizenzgeber nach Italien überführte und als Objekt an der Wand präsentierte. Oder er zimmerte aus einer Holzhütte ein Boot, schiffte damit zum Ausstellungsort und baute aus dem Holz die Hütte wieder auf, wie vor kurzem in Basel. Videos oder andere Dokumentationen gibt es von diesen Abläufen bei Starling nicht. Die Objekte selbst müssen ihre Geschichte erzählen.
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Gastbeitrag | 14.12.06
Der Köln-Effekt
oder die fröhliche Wallfahrt nach Berlin
von Andreas Koch
Dieser Text erscheint auch in der ersten Ausgabe
des neuen Berliner Review-Hefts „von hundert“.

Das Wesen eines Zoos besteht darin, dass eingesperrte Tiere Menschen zur Schau gestellt werden. Sie haben dabei meist wenig zu tun und sind ihrer ursprünglichen natürlichen Herkunft oft über mehrere Generationen entfremdet.
„Zoo Köln“ steht auf einem Poster von Michaela Eichwald, das zur Zeit mit der Ausstellung „Make your own life – artists in and out of cologne“ durch mehrere nordamerikanische Städte tourt und dort angesichts der deutschhaltigen, archivlastigen, trockenen Präsentation für einiges Kopfschütteln sorgt. Dabei hält die Ausstellung, zumindest für den deutschsprachigen, kölnunkundigen Besucher einiges an Erkenntnissen bereit – vor allem in Bezug der Auswirkungen des Kölns der frühen Neunziger auf das heutige Berlin.
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Christoph Bannat | 14.12.06
Manche nannten es Szene, ...
... für uns war es einfach nur Alltag, oder als wir noch aus persönlichen Gründen gelebt haben*.

Künstler waren immer schon neidisch auf Pornografie. Denn es ist ein Mysterium, dass einem beim Betrachten eines Bild das Blut in die primären Geschlechtsteile steigt, das etwas Virtuelles einen physisch ergreift. Dabei spürt man die Macht der Bilder. Und bildende Künstler lassen sich ungern von Bildern Anderer beherrschen. Ihre Kritik besteht darin, sich nicht so, oder nicht von diesen Bildern, beherrschen lassen zu wollen. Dabei gibt es verschiedene Methoden, sich dieser Bilder zu bemächtigen: Durch Anfassen, ausschneiden, beschmieren und übermalen. Durch nachspielen, vervielfältigen, oder durch Hyperaffirmation, soll die Macht des Primäreffekt den Besitzer wechseln. Doch von diesen Machtverhältnissen erzählt die Ausstellung "Into Me/ Out of Me" nicht. Sie erzählt auch nicht darüber wie sich im Laufe der Zeit diese Machtverhältnisse verschoben haben könnten und sie lässt vollkommen aus, zu unterscheiden. Diese Ausstellung klärt nicht auf, dass es einen Unterschied gibt zwischen den Handlungen, die diesen Bildern vorausgingen und die grundsätzlich menschlich sind, der Lust und Funktion, diese im Bild festzuhalten, sowie dem Verhältnis zum Ausstellen und dem zum Betrachter, den es zum Komplizen dieser Privatmythen macht. Die Ausstellung begnügt sich damit, auf jedem Stockwerk, thematisch ordnend aufzuzählen. Eine Feuilletonistische Perversion. In diesem Sinne ist es eine dumme Ausstellung und Sex der Klebstoff an dem alles hängen bleibt.
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Markus Wirthmann | 03.12.06
Mein Name ist Bond ... Kunst-Bond
Anonym
In the Future No One Will Be Famous
Schirn Kunsthalle Frankfurt
31. Oktober 2006 – 14. Januar 2007

Eine merkwürdige Ausstellung hat man sich da in Frankfurt zusammengerührt und nicht geschüttelt. Schon an der Kasse gibt man sich konspirativ: "Sie wisse wie’s in die Ausstellung geht?" Ich weiß; der Zugang zur Ausstellung führt über die Außentreppe und den Glasbausteinbaldachin in das Kabinett hinter der Rotunde. Hübsch verzwickt, aber ich hab’ beim Reinkommen schon die Tafel mit dem entsprechenden Hinweis gesehen.
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Max Glauner | 01.12.06
Palimpsest 0604 – 02 Politkonzeptualismus
von Max Glauner
Hans Haacke. wirklich. Werke 1959 – 2006
Deichtorhallen, Hamburg und Akademie der Künste, Berlin
bis 4. Februar 2007, Katalog € 39
Was haben Manfred Stolpe, Uwe Seeler, Lea Rosh, Klaus Doldinger, Wolfgang Fritz Haug, Rex Gildo und Hans Haacke gemeinsam? Herzlich wenig. Doch sie teilen eins, den Jahrgang 1936 und damit das Schicksal einer Generation, die einmal treffend als „verlorene“ bezeichnet wurde. Ihr Phänotypus dürfte mit dem netten TV-Pädagogen Jean Pütz beschrieben sein: Harmoniebedürftig, angepasst, konsensorientiert. Radikale Extremisten – Gerald Tandler oder Horst Mahler – finden sich in diesem Jahrgang eher selten. Häufiger dafür die beharrlichen Moralisten. Zu diesen ist zweifelsfrei der Künstler Hans Haacke zu rechnen, dem nun – ungewöhnlich allemal – gleich zwei öffentliche Einrichtungen in unterschiedlichen Städten in Kooperation Ausstellungen ausrichten: Am 16. und 17. November eröffneten die Hamburger Deichtorhallen und die Berliner Akademie der Künste am Pariser Platz die gemeinschaftliche Werkschau „Hans Haacke. wirklich. Werke 1959-2006.“

Hans Haacke und sein Mitarbeiter Albert Weis
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Martin Conrath | 30.11.06
Vaseline
all in the present must be transformed:
Matthew Barney and Joseph Beuys
Man ahnt nichts Böses und schon war man drin. Befördert durch das Gleitmittel selbstöffnender und -schließender Türen wurde ich in die Deutsche Guggenheim geschaufelt und war gehalten, mich mit symbolischem Handeln zu befassen. Exzerpte von Herrn Beuys und andere von Herrn Barney waren locker im Raum verteilt worden um »anders Präsentes zu transformieren«. Das war der Titel und das war lustig, weil anfangs merkte ich nichts.
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Kai Hoelzner | 30.11.06
Ruhig Blut
Hermann Nitsch
Orgien Mysterien Theater. Retrospektive
Ort: Martin-Gropius-Bau
30. November 2006 bis 22. Januar 2007
Jetzt ist er also wieder da. Von irgendwann um ’66 bis irgendwann um ’78 herum hatte er Österreich den Rücken gekehrt und soll eine Wohnung in der Schlüterstraße bewohnt haben. Nun ist er nach 28-jähriger Abwesenheit zurückgekehrt und lässt die Ehrung einer groß angelegten Retrospektive seines Schaffens über sich ergehen.

Das 6-Tage-Spiel, 1998 (Foto: Archiv Cibulka-Frey, Copyright Atelier Nitsch)
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Christina Zück | 29.11.06
Professione Reporter, parte due: Hitler’s Tub
Performance von Lee Millers Sohn im Münzclub anläßlich ihrer Ausstellung im Kunstmuseum Wolfsburg

Gloria schleppt mich mit in den Münzclub zu so´nem Vortrag von dem Sohn von Lee Miller - was mag das für eine Veranstaltung sein? Ich pack mal die Reporter-Accessoires in die Handtasche mit ein, die Digitalknipse und das Notizheft. Denn Lee Miller und ihre sehr berühmte Badewannen-Nummer, in meiner Vorstellung, wär mal ein interessantes Thema für einen Daumen-runter-Text, auf Deutsch Bashing, als neuer Blogeintrag. Und der Münzclub ein fantastischer Ort, um sich öffentlich zu blamieren. Ich geh da die Treppe hoch und klingel tapferen Mutes an der Tür und flöte brav: "Ich bin auf der Liste." Alles soll anders kommen als erwartet. Alle Bedeutungen sollen wieder mal kippen wie eine Rotationskartei.
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Gastbeitrag | 29.11.06
Put Your Foot Down
von Tina Schmücker
William Hunt
Put Your Foot Down
IBID PROJECTS, London
17. November bis 22. Dezember 2006

Performance William Hunt, Ibid Projects Donnerstag 16.11 8pm.
Die Galerie Ibid Projekts ist im September von der Cambridge Heath Road in die Vyner Street umgezogen und die neuen Räume sind so schick und neu wie eine verkleinerte Version der Gagosian Gallery. Vyner Street fühlt sich mehr und mehr wie eine Kulisse an, von dessen Eastend Grind die weißen Galerieräume der hinter den schweren Metalltüren mit jedem Monat mehr strahlen. Fragt sich was nun realer ist, die Galerieräume oder die Strasse. You decide.
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Martin Conrath | 29.11.06
Kurz und schmerzhaft
Im RBB wird Kunst gezeigt. Last & Lost heißt die Fotoausstellung, in der von 18 KünstlerInnen (zwischen 25 und 52 Jahre alt) Bilder verschwindender Orte und Plätze in Europa vorgestellt werden. Interessant, aber nachdem der Kalte-Kriegs-Militärzirkus seine Zelte flächendeckend abgeschlagen hat, kennen wir solche Reste und die Neuen Bundesländer sind voll davon. Das könnte man konzeptuell gut vorbereiten. Tatsächlich aber lieblos, ignorant und beleidigend ist die Inszenierung der Show im Haus des Rundfunks in der Masurenallee. Klapprige Tagungswände der 1970er, keine Beleuchtung, stümperhaft gehängte Exponate an atemberaubenden Befestigungen. Niveaulos. Schief. Die lausige Beschriftung war dann auch schon überflüssig und Infomaterial gab’s selbstredend auch keins. Ob teilnehmende KünstlerInnen wie Albrecht Schäfer, Renate Niebler, Sven Erik Klein oder Catarina Botelho - um ein paar zu nennen - dieses Trauerspiel gesehen haben? Eine ganz große Zumutung, die sich der RBB und der Co-Veranstalter, die Bundeszentrale für politische Bildung, hier geleistet haben. Gehen Sie besser nach 17 Uhr hin, dann sehen Sie auch gleich schon gar nix mehr.
Last & Lost. Unterwegs durch ein verschwindendes Europa
Ein Gemeinschaftsprojekt des Literaturhauses München, des Literarischen Colloquiums Berlin (LCB), des Suhrkamp Verlags und der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz.
Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes
Medienpartner: Deutschlandradio Kultur
Haus des Rundfunks des RBB, Lichthof, Masurenallee 8-14, bis 8.12.2006
Adib Fricke | 27.11.06
Rein in den Körper und wieder raus
»Klaus Biesenbach auf der Suche nach dem Geheimnis der Körperflüssigkeiten« - so könnte die Kurzzusammenfassung der Ausstellung Into Me / Out of Me lauten, die am letzten Samstag in den Kunstwerken e.V. in Berlin eröffnet wurde und bis Februar 2007 läuft. Die Kunstwerke sind die Folgestation, nachdem die Ausstellung mit 130 Künstlern von Juni bis September in New York beim P.S.1/MoMa gezeigt wurde, an dem der frühere KW-Chef seit etwas über einem Jahr als hochgejubelter Kurator tätig ist, dabei aber seine Verbindungen nach Berlin natürlich nicht aufgeben kann. Was vielleicht selbst in der freizügigsten Stadt des puritanisch-verklemmten Amerikas noch echt aufregend sein mag, langweilt in der Masse der potpourriartigen Zusammenstellung bei genauem Blick dann doch ziemlich.
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Martin Conrath | 27.11.06
Und schon bin ich weg
Ich besitze zwei Armbanduhren. Eine sympatische aus den Sechzigern, die souverän das akademische Viertel in nur zwei Tagen meistert, und eine digital-emanzipierte, die nur noch abhängig von ein paar Sonnenstrahlen und nächtlich langwelligen Geheimcodes ist. Die Zeit neben mir also. So kann ich vorab schon entscheiden, ob ich mein Zuspätkommen analoger Ignoranz oder renitentem Antidigitalismus zuschreiben will und bin gewappnet. (Es ist mir allerdings noch nie gelungen, eine Ausstellung zu spät angeschaut zu haben, obwohl ich mir genau das bei vielen mittlerweile wünschen würde.)
Freitag war mal ganz anders. Ausgestattet mit meiner sympatischen Zeitmaschine, habe ich im Kunstamt Kreuzberg zuerst MAGMA, Goldrauschprojekt 2006 und anschließend, weil schon im Bethanien, auch die zweigeteilte This Land is my Land-Ausstellung wegeguckt, fortzusetzen in der NGBK. Beide Ausstellungen waren erfrischend unbevölkert, man hörte seine eigenen Schritte und hätte Zeit gehabt auch hinzuschauen. Allein, ich war offensichtlich zu früh, denn überall hingen, standen, klemmten oder flimmerten gerade angefangene Vorschläge zur Kunst und lechzten nach Dünger.
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Peter Lang | 18.11.06
Hans Haacke, der Vorgänger von Olafur Eliasson?
Akademie der Künste, Pariser Platz
18. November 2006 bis 14. Januar 2007
Kuratoren: Robert Fleck und Matthias Flügge
Überraschend wirken die ältesten abstrakten Arbeiten Hans Haackes wie aus einer Welt die uns unvermittelt nahe ist. Das sieht bei manchem Objekt so aus wie eine partielle Vorwegnahme der Arbeiten Olafur Eliassons. Absolut modern und zeitlos. Die politischen Arbeiten hingegen voll ihrer Zeit verbunden, obwohl formal immer noch besser als das meiste was heute politisch sein will. Aber damit auch alternd. Das ist Zeitgeschichte die man in Büchern gelesen hat. Vielleicht zeigt sich hier unfreiwillig die Halbwertzeit auf Politik basierender Arbeiten und deren Wirkung.

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Christoph Bannat | 14.11.06
Hans Henny Jahnn-Basementtapes entdeckt!
Das letzte große Hamburger Geschichtsereignis der Neuzeit war 1842 der große Brand. Manche zählen noch die Flut von 1962 dazu, aber wohl nur weil daraus der Kanzler Helmut Schmidt hervorging. Andere rechnen noch die Bombennacht vom 6.Juni 1944 mit, was aber nicht als ein Hamburg spezifisches Ereignis gewertet werden kann. Ganz anders Berlin, das mit großen Geschichtsdaten verwöhnt wurde. Hamburg lebt also nicht von seiner Geschichte, sondern von Geschichten. Das sollte man bedenken, wenn man die in Hamburg verlegte "Kultur & Gespenster", ein neues, vierteljährlich erscheinendes Heft in die Hand nimmt. Jetzt ist die zweite Ausgabe erschienen, schlappe 400 Seiten stark, für 12 Euro, mit viel Text und Zitatangaben, in übersichtlichem, lesefreundlichem Layout. Das Thema der Neuen Ausgabe lautet "Unter vier Augen" und behandelt das Interview als Medium. Die erste Ausgabe hieß schlicht "Fichte" und hatte den Hamburger Schriftsteller Hubert Fichte zum Thema.

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Christina Zück | 12.11.06
Professione Reporter, parte uno
Der Kontrakt des Fotografen
12. November 2006 bis 7. Januar 2007
Akademie der Künste, Hanseatenweg, Hallen 1 und 2
Sybille Bergemann, Photographien
11. November 2006 bis 14. Januar 2007
Akademie der Künste, Hanseatenweg, Halle 3

Die "große" Fotografie gibt’s in Berlin während des Monats der Fotografie in der Peripherie zu sehen, in der ausgedienten Akademie der Künste nämlich, die wir sowieso lieber mögen als alle anderen Ausstellugscubes - wegen der schönen Architektur und den Blicken durch die großen Fenster auf das Schilf und Gestrüpp der Innenhöfe. Es gibt Menschen zu sehen auf den Fotografien, und die Ausstellungsmacher fragen sich, wie das zu Stande kommt, dass Menschen andere anschauen, und ob das überhaupt politisch korrekt ist, werden da andere ausgebeutet, oder wollen die Betrachteten, scharf auf Fame, bloß auch mal in der fetten Ausstellung hängen. Es geht um das Spiegelungsthema und das vorsichtige Aushandeln der Bespiegelungsbedingungen. Ich schau mir am liebsten Menschen an, zum Beispiel wie geliebte Personen, bei denen es erstmal verboten ist, sie länger anzuschauen, und verstecke mich dabei gerne hinter einem Fotoapparat oder einem Abendessen.
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Christoph Bannat | 11.11.06
Neues aus Absurdistan
Neo Rauch: Neue Rollen.
Bilder 1993 bis heute
Kunstmuseum Wolfsburg
11. November 2006 bis 11. März 2007

Diese Ausstellung ist erhellend wie selten eine. Und das für Neo Rauch-Fans und jene, welche ihn - bis jetzt - für einen würdigen Gegenspieler hielten. Die Ausstellung zeigt Neo Rauchs Entwicklung vom Graphiker zum Maler und wie eine Überdosis an Verweisen und Zitaten wirkt.
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Gastbeitrag | 01.11.06
Besuch bei der französischen Häsin
von Gerhard Powolny
Valérie Favre
DER DRITTE BRUDER GRIMM
Haus am Waldsee, Berlin
28.09. bis 26.11.2006
Man hat den Eindruck, dass die von der Künstlerin Valerie Favre selbst gewählte Metapher, sich mit Hasenohren putzig darzustellen, zu unfreiwilligen Konsequenzen geführt hat: Die Ohren stellen den Pinsel dar und die Bilder wirken verquast verhast. Ohrenmalerei. Als wäre das Hasenservice von Meret Oppenheim ausgelaufen und ölverschliertes Bild geworden.

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Markus Wirthmann | 29.10.06
Line Aquavit
David Zink Yi
Geschlossene Kurve, bei der für jeden Punkt die Summe der Entfernungen konstant ist. Auslassung insbesondere inmitten von etwas.
21. Oktober - 25. November 2006
Galerie Johann König, Berlin

Die Eigenart des Line Aquavits ist die Tatsache, dass er, um sein typisches Aroma und die ölig gelbliche Farbe zu erhalten, in Sherryfässer abgefüllt und auf eine Seereise geschickt wird. Der Legende nach überquert jeder Liter Schnaps seit 1850 zwei Mal den Äquator auf dem Weg nach Übersee und zurück und wird währenddessen vom Seegang und wechselndem Klima zur Reife geschaukelt.
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Martin Conrath | 01.10.06
Besuch auf dem Art Forum Berlin
Lieber G.,
heute haben wir uns die Berliner Kunstmesse Art Forum Berlin angeschaut und nachdem wir mit nur zwei Stunden schneller durch waren als erwartet, habe ich Zeit für einen kurzen Bericht:
Die Verteilung der Galerien war wie immer. Viel Berlin, mäßig Restdeutschland, getröpfeltes Europa, marginaler Osten und gelangweilte Amerikaner. Fotos allenthalben, gewiss 80%, von gekleckert bis geklotzt. Deren Themen aber weltweit gleich: Stadtarchitektur oder Natur; die Schlauberger machen schon beides. Digitale Kunst gar keine - bis auf Video, das deutlich mehr als sonst und in separaten Kojen aufgebaut war. Das ist seit 35 Jahren schon originell: Kamera einstellen, einschalten und Bier trinken gehn. Es wird schon werden.
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Christina Zück | 25.09.06
Paranoia
Lutz Dammbeck
PARANOIA
Akademie der Künste Berlin, Pariser Platz
27.8.-22.10.2006

Ich steige aus dem S-Bahn Schacht "Unter den Linden" hervor, stehe
vor dem Adlon. In der Straße daneben haben sie hydraulisch
versenkbare Poller angebracht, damit man nicht durchfahren kann. Sie
arbeiten ständig an der Verbesserung dieser Pollersysteme, manchmal
sind es riesige Betonklötze, manchmal fest in die Straße eingelassene
Stäbe, und jetzt sind sie versenkbar mit kleinen roten Leuchten dran.
Einen super Kommandozentralenkasten aus Glas haben sie auch noch dazu
gebaut, was soll denn das? denke ich, bauen die da Dan Graham Mimikry
oder Jean-Claude Decaux Mimikry? Ich stelle mir einen großen
Lastwagen mit bärtigen, glutäugigen Männen am Steuer vor, der langsam
und unauffällig aufs Adlon und die daneben liegende playmobilfarbene
Botschaft zufährt. Ja genau daneben.
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Markus Wirthmann | 07.09.06
Mitreisende gesucht
Trans Time
Andreas Hofer
Galerie Guido W. Baudach, Berlin
8. September bis 21. Oktober 2006

Ein blaugrün graues Pappgebirge füllt scheinbar den sehr großen Saal der Galerie Guido W. Baudach, vormals Maschenmode und damals viel kleiner. Aber das ist schon lange her - mindestens genauso lange wie die besten Zeiten der Filme und Comics, deren zu Trash-Pop-Ikonen geronnene Nachbilder Andreas Hofer in seinen Ausstellungen verwurstet.
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Gastbeitrag | 07.09.06
Gold fremder Wüsten
von Nina Hoffmann
Fotos: Vern Johnsen
Nineveh and its Remains
Sophie-Therese Trenka-Dalton
NBKstudio, Berlin
2. September - 15. Oktober 2006

Nie war der kleine Raum des NBK-Studios größer; gigantisch genug, um das Ishtartor zu beherbergen, Universalikone der mesopotamischen Kultur, das wichtigste Tor auf dem Weg nach Babylon. Der viel besungene Hurencharakter erhält von der Künstlerin Trenka-Dalton einen zeitgenössischen Sinn. Sie hat es wieder aufgebaut, rekonstruiert, symmetrisch herrschaftlich wie in all seinen Rekonstruktionen. Archäologen haben das Tor um die ganze Welt verschifft, es existiert kleiner und eventuell größer in allen möglichen Teilen der Welt. Einst war es die Legitimierung der britischen Deutungsherrschaft über das mesopotamische Kulturgut.
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Max Glauner | 20.08.06
Palimpsest0603 – 04 Trembling Time - Vom Beben der Zeit
von Max Glauner
Yael Bartana, Kunstverein in Hamburg bis 3. September 2006
Ein Katalog erscheint Ende August
Yael Bartana. Amateur Anthropologist, Kunsthalle Fridericianum, Kassel
vom 24. September bis 26. November 2006

Wer hatte diese Phantasie nicht irgendwann einmal? Man steht auf einer Autobahnbrücke und gibt ein Zeichen – ein Winken, einen Ruf, einen Steinwurf –, woraufhin der gesamte Verkehr abrupt zum Erliegen kommt. Dieser infantilen Allmachtsphantasie begegnet man in der verstörenden Videoinstallation Trembling Time der 1970 im israelischen Afula geboren Yael Bartana – eine Reflektion auf die Instrumentalisierung und Manipulation dieser Phantasie durch den Staat und die israelische Gesellschaft
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Gastbeitrag | 18.08.06
The Miniature Worlds Show
von Tina Schmücker
Jerwood Space, London
11. August - 9. September 2006
Curated by Andrea Gregson and Laura Youngson Coll
Artists: Adam Humphries - Andrea Gregson - Liz Dawson - Laura Youngson Coll - Michael Whittle - Paul Collinson - Tessa Farmer

Der Ausstellungsort ist der ziemlich noble Jerwood Space in London Bridge, gegründet von der Jerwood Foundation, die eine lange Reihe von künstlerischen Projekten in England unterstützt. Unter anderem unterhält die Foundation eine Reihe von großen Proberäumen für Theater und Tanzgruppen in dem Gebäude hinter und über dem eigentlichen Ausstellungsraum. Der Ausstellungsort selbst erhält gerade ein größeres Makeover: Um mehr Platz für die Kunst zu schaffen, wird über dem alten Gebäude ein weiteres Stockwerk oben aufgesetzt.
Die Jerwood Foundation vergibt alljährlich einen Drawing prize sowie einen Sculpture prize und unterhält außerdem den Jerwood Scupture Park außerhalb von London.
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Max Glauner | 14.08.06
Palimpsest0603 – 03 Landpartie ins Oderland
von Max Glauner
Zarathustra – Die Gestalten sind unterwegs
Eine Exkursion nach Friedrich Nietzsche
von und mit Jonathan Meese und Martin Wuttke
in Begleitung von Jan Czajkowski
Schloss Neuhardenberg wieder am 18., 19. und 20. August 2006

Donnerstag, 10. August, Ostbahnhof, nachmittags kurz vor vier. Es regnet in Strömen. Zwischen „Kamps“, „DB-Info-Center“ und „Spezialitäten aus Thüringen“ warten auf den Shuttlebus ins Märkisch Oderland. Zwischen orientierungslosen Ankömmlingen und sich unauffällig gebenden Reviertreuen mit Alkoholproblemen unter Observanz der B.O.S.S.-GmbH-Mitarbeiter sind die ebenfalls sich unauffällig gebenden Mitreisenden unter dem Vordach schnell auszumachen. Spätestens beim Aufruf des freundlichen Herrn von der Stiftung Schloss Neuhardenberg lässt sich die vorherige Identifikation durch den betont lässigen Gang zum mittlerweile eingetroffenen Bus bestätigen. Knapp fünfzig machen sich so auf die Fahrt nach Osten aufs Land über die B 1 durch Lichtenberg, am Zementwerk Rüdersdorf vorbei und durch Müncheberg hindurch nach dem Kaff, das ehedem Marxwalde hieß und nun als Neuhardenberg in der Wüste – „weh Dem, der Wüsten birgt!“ – Schlosshotel und Tagungsstätte auf luxuriösem Westniveau in klassizistischem Rahmen bietet. Und Kunstgenuss.
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Max Glauner | 03.08.06
Palimpsest0603 - 02 Rem-Branding
Rembrandt - Genie auf der Suche
Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin
4. August - 5. November 2006

Über die Ausstellung wäre sicher einiges mehr zu sagen, als in der gebotenen Kürze zwischen Pressevorbesichtigung und Eröffnung heute Abend zu annotieren ist.
Den langen Text gibts, wie die Bilder hier vorerst nicht, weil die Zeit und das liebe Geld fehlt. Wem das auch so geht, sollte sich also dringend heute Abend unter die geladenen Gäste mischen, denn was am Kulturforum zu sehen ist, lohnt in jedem Fall, auch wenn wohl wie immer die Bilder vor lauter Besucher kaum in Ruhe zu sehen sein werden: Die über achtzig Gemälde Rembrandts, seiner Werkstadt und dem Umfeld sind in dieser Präsentation absolut einzigartig, atemberaubend, schön.
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Max Glauner | 24.07.06
Palimpsest0602 - 06 General Idea – Seesterne und Schwämme
general idea. editions 1967-1995
KW Kunstwerke, Berlin
24. Juni bis 20. August 2006
General Idea. Magi© Bullet/Early Works
Galerie Esther Schipper, Berlin
25. Juni bis 29. Juli 2006

Die Frage, was oder wer General Idea sei, ist nun leichter zu beantworten. General Idea, das humorvoll-anarchische Konzeptkunsttrio aus Toronto ist bis Mitte August in den Kunstwerken mit der Ausstellung general idea. editions 1967-1995 wiederzuentdecken. Die Galerie Esther Schipper zeigt parallel dazu die Installation Magi© Bullet und mit Early Works frühe Arbeiten des Künstlerkollektivs aus den frühen siebziger Jahren.
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Gastbeitrag | 22.07.06
Zur Endlichkeit des Spiels
von Peter Funken
HEIMSPIEL: Standort >> Sport >> Spektakel
Neue Gesellschaft für Bildende Kunst (NGBK)
03.06.06 – 09.07.06

hybrid video tracks: Future-Flitzer, 2006
»Die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 steht kurz vor ihrem Anpfiff - wir haben jetzt schon genug von corporate WMania, Du-bist-Deutschland, RFID-Chips, friendly racism, Nation-Branding, Sicherheitswahn, public viewing-areas, übergroßen Kopfschmerztabletten, Beckenbauer, Blatter und Goleo«, schrieben die Kuratoren im Pressetext der Ausstellung Heimspiel, die wenige Tage vor dem ersten WM-Spiel eröffnet wurde. Während allerorten Kunst- und Dokumentarausstellungen zum Thema stattfanden, war Heimspiel wahrscheinlich die einzige Ausstellung, die den Ball konsequent raus hielt und sich ausschließlich auf ökonomische, politische und soziale Implikationen der WM in Deutschland einließ.
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Gastbeitrag | 21.07.06
Kunst und Gestaltung (Teil 2)
von Andreas Koch
Pash Buzari »Plan of the Planet«
COMA, Centre for Opinions in Music and Art, Berlin
17.6 - 22.7.2006

»Heute scheint Zukunft nur noch als etwas Vergangenes wahrgenommen zu werden, anstatt sie wieder zeitgenössischer zu denken...«. Dieser Satz stammt aus der Pressemitteilung zur ersten Ausstellung des COMA-Raums und zitiert den Künstler Pash Buzari selbst. Der Künstler spielt damit offensichtlich auf den Utopieverlust der letzten Jahre an, der sich mittlerweile auch in großen Feldern der bildenden Kunst fortsetzt und uns in einer ewig währenden Postmoderne dahintreiben lässt. Zwar werden jetzt in den »Nullern« ehemalige Utopisten wie Konstruktivisten, Bauhäusler oder Futuristen fleißig zitiert und wiederverwertet, doch bewegen sich die Künstler nur an deren Oberfläche. Sie gestalten schicke Bilder und Oberflächen, ohne jedoch den Antrieb, Veränderungswillen und Fortschrittsglauben der damaligen Zeit inne zu haben. Die Sprache der Utopie wird genutzt ohne Utopisches auszusagen, sie wird reines Gestaltungsmaterial (dazu mehr in »Kunst und Gestaltung (Teil 1)«).
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Markus Wirthmann | 17.07.06
Hartz und Kunst
Über den Artikel Kunst und Geld (Teil 1): Wie sich Berliner Künstler in Zeiten von Hartz IV über Wasser halten von Nicola Kuhn im Tagesspiegel vom 13.07.2006

... "Künstlerpaar Twin Gabriel mit seinen beiden Kindern, inszeniert als drop-outs der Gesellschaft: Else Gabriel im Woolworth-Chic mit pinkfarbenen Plateauschuhen und knallenger Streifenjeans, ihr Mann Ulf Wrede glotzt mit Fetthaaren vor sich hin, die Dose Bier in der Hand. "Prosoche" hat das Duo die bizarre Serie genannt, nach einer der Grundtugenden des Neostoizismus. "Dem Schrecken ins Auge blicken" bedeutet es übersetzt, und Twin Gabriel meinen es ernst damit."
Künstler müssen´s schwer haben, das wissen wir doch. Allerspätestens seit "Der arme Poet" von Carl Spitzweg oder dem alten Ohrenabschneider van Gogh ist das doch in die Ammenmärchen der Kulturgeschichte eingegangen. Na klar sind die Künstler erstes Opfer von Hartz IV! Und jetzt kann man´s auch mal laut sagen, oder schreiben.
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Gastbeitrag | 15.07.06
Kunst und Gestaltung (Teil 1)
von Andreas Koch
ars viva 05/06 – Identität/Identity
Ausstellung der FörderpreisträgerInnen des
Kulturkreis der deutschen Wirtschaft im BDI e.V.
Jason Dodge, Takehito Koganezawa, Michaela Meise, Robin Rhode
KUNST-WERKE BERLIN
25. Juni – 20. August 2006

Nur drei Wochen nach Ende der 4. Berlin-Biennale kann man an fast gleichem Ort Arbeiten einer Künstlerin sehen, die exemplarisch für eine Kunstrichtung steht – eine Richtung, die eben auf dieser Biennale erstmalig in größerem institutionellen Rahmen eine Bühne fand. Dort zeigte Michaela Meise merkwürdig konstruktivistisch verschränkte, in verschiedenen lila-Tönen lackierte Holzplatten mit einer aufgesteckten sw-Fotografie eines nackten Jünglings. Schon hier fabrizierte die Künstlerin eine Skulptur als Sample verschiedener Sprachen der jüngeren Kunstgeschichte – etwas Konstruktivismus, gemischt mit Minimalismus, angemalt in Farben, die eher für die Frauenbewegung stehen und obendrauf ein geheimnisvolles, historisches Element.
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Gastbeitrag | 13.07.06
next at canal ~
von Tina Schmücker
simon martin presents
ways of seeing by john berger
tuesday 11 july 06, 8pm
canal, London
Versuch´ mal was über London zu schreiben; über eine Ausstellung; such dir was Nettes aus. Das Ding ist nur, ich habe seit ca. 2 Monaten nichts Nettes mehr gesehen - ich habe überhaupt nichts mehr gesehen. Daher erstmal lange nachdenken, und dann ... danke für die Mail, eine Einladung zum Filmscreening!

In einen "neuen" Space in Vyner Street, was jetzt schon ein Widerspruch in sich ist, da der Name Vyner Street eigentlich gleichzusetzen ist mit einer Profigalerie an der anderen, eher assoziiert mit die ganze Straße einnehmenden Großeröffnungen - nicht viel Platz für Filme zeigen, noch dazu an einem warmen Juliabend.
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Max Glauner | 10.07.06
Palimpsest0603 – 01 Erik Schmidt geht jagen
Erik Schmidt in der Galerie carlier | gebauer an der Holzmarktstraße

Fotos vom Tod im Tannwald: Mit blutverschmiertem blütenweißem Hemd und Smoking liegt der Künstler im Schnee. "Der schönste Jäger von Deutschland" hieß der Fotozyklus, den der in Hamburg ausgebildete und in Berlin lebende Künstler Erik Schmidt zusammen mit pastosen Ölbildern im vergangenen Jahr in der Galerie carlier|gebauer an der Jannowitzbrücke zeigte. In "Hunting Grounds" wird nun mit einem monumentalen Ölgemälde und einem vierzehnminütigem 16mm-Film auf Digi Beta die Fortsetzung, oder auch die Vorgeschichte zu dem zwischen Krimiplotte und Heldenlied changierenden Crossed-Media-Set aus dem vergangenen Jahr erzählt.
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Gastbeitrag | 30.06.06
Schöne neue Fußballwelt
von Ute Vorkoeper
Glanz und Globalisierung.
Fußball, Medien und Kunst
Phoenix Halle, Dortmund
5. Mai bis 19. Juli 2006

Ulf Aminde, "Täter und Opfer",
2-Kanal-Videoinstalllation, 2003-2004, Foto: Inke Arns
Einigkeit und Recht und Fußball für das deutsche Vaterland. Nach zwei Wochen WM bin ich abgefüllt, nicht weil ich so viele Spiele gesehen hätte, das überlasse ich anderen, sondern von der Patriotismusdebatte, der man nirgends entgehen kann. Ja, ja, niemand hatte gedacht, dass "die Deutschen" so nett und lieb sein können. Vor allem die Deutschen nicht. Und die Fahne, schwarz-rot-gold, ist nicht mehr peinlich. "Schwarz, rot, geil" dichtete BILD vor über einer Woche und Jung wie Alt streift sich die Nationalfarben über.
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Max Glauner | 30.06.06
Palimpsest0602 - 07 – Juten Tach und Sayonara!
Mit der Großausstellung "Berlin-Tokyo/Tokyo-Berlin Die Kunst zweier Städte" liegt die Berliner Neue Nationalgalerie im Trend und wieder voll daneben
Auf Seite 320 des Katalogs der Ausstellung "Berlin-Tokyo/Tokyo-Berlin" findet sich eine unauffällige Skizze. Ein Abbildungsnachweis dazu fehlt. Der Verfasser ist nur zu vermuten. Es dürfte sich um den japanischen Stararchitekten Toyo Ito handeln. Er hat für die lichte Glashalle der Neuen Nationalgalerie Ludwig Mies van der Rohes am Berliner Kulturforum die Ausstellungsarchitektur zu "Berlin-Tokyo" entworfen. Auf der Skizze wuchert eine wilde Hügellandschaft durch den gesamten Kubus. Die Idee besticht, gegen die "Box" des Rationalisten einen begehbaren "Blob" zu setzen, der niemanden bevormundet. Der Besucher würde sich eine Landschaft erwandern, in der die Kunstwerke aus Berlin und Tokio wie Wegmarken das Terrain erobern.
Betritt man nun die Neue Nationalgalerie ist davon aber nichts zu spüren. Rechts und Links empfangen einen wie immer die Treppenabgänge, die Garderobenboxen, und im unfreiwilligen Kontrast zu asiatischer Höflichkeit: das muffelige Aufsichtspersonal. Erst dahinter zieht sich die Schrumpfversion von Itos grandioser Phantasie lustlos und mit allerlei Metropolenkunst bestückt durch den Raum.
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Markus Wirthmann | 26.06.06
Leistungsschau des nationalen Karnickelzüchterverbandes
ANSTOSS BERLIN - Kunst macht Welt
22. Juni bis 17. September 2006
Haus am Waldsee, Berlin
Franz Ackermann, Norbert Bisky, John Bock, Candice Breitz, Michel de Broin, Angela Bulloch, Janet Cardiff & George Bures Miller, Björn Dahlem, Tacita Dean, Marcel van Eeden, Olafur Eliasson, Thomas Eller, Michael Elmgreen & Ingar Dragset, Ayse Erkmen, Simon Faithfull, Valerie Favre, Thomas Florschuetz, Adib Fricke, Bernard Frize, Christine De la Garenne, Katharina Grosse, Asta Gröting, Mona Hatoum, Eberhard Havekost, Stuart Haygarth, Swetlana Heger, Arturo Herrera, Olav Christopher Jenssen, Takehito Koganezawa, Clemens Krauss, Via Lewandowsky, Thomas Locher, Robert Lucander, Melanie Manchot, Rémy Markowitsch, Jonathan Meese, Björn Melhus, Jonathan Monk, Joel Morrison, Frank Nitsche, Manfred Pernice, Daniel Pflumm, Bettina Pousttchi, Quin Yufen, Thomas Rentmeister, Gerwald Rockenschaub, Miguel Rothschild, Anri Sala, Karin Sander, Albrecht Schäfer, Shimabuku, Tino Sehgal, Ann-Sofi Sidén, Markus Sixay, Florian Slotawa, Rirkrit Tiravanija, Till Velten, Corinne Wasmuht, Peter Welz

Vor Ort: Monopol auf der Jagd nach dem Leser
Um es gleich eingangs mal klipp und klar festzuhalten: Sämtliche Kunstwerke in der Ausstellung haben eine sehr hohe Qualität – wie es sich bei guten Markenartikeln, um die es sich hier überwiegend handelt, gehört. Kein Experimentieren mit ungewöhnlichen Formen oder Formaten, kein site specific Rumgehampele oder politisch motiviertes Genörgele, auch kaum verrottendes oder stinkendes Altlastengebastele. Alles allerfeinste Galerieware in handhabbaren, meist haltbaren und messetypischen Formaten. Die Künstler haben durchwegs eine kleine, feine Kostprobe ihres Schaffens, in dieser Auswahl meist auch im Zenit ihres Markterfolges, abgeliefert.
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Sue Hubbard | 23.06.06
Howard Hodgkin
Tate Britain, London
14th June – 10th September 2006

Of all Baudelaire´s poems it is Correspondences, originally published in 1857 in Les Fleurs du Mal, that speaks most articulately of what he considered to be the task of the modern painter. It is a poem that particularly illuminates the work of Howard Hodgkin.
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Sue Hubbard | 18.06.06
Around the World in 80 Days
ICA, London
and
The South London Gallery
24. 5. - 16. 7. 2006

Remember the image of David Niven trying to circumnavigate the world in a hot air balloon? Inspired by Thomas Cook´s first guided world tour, Jules Verne´s novel Around the World in 80 Days, written in 1872, on which the film staring Niven was based, pinpoints a moment in history when the modern globalised world was beginning to take shape.
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Sue Hubbard | 16.06.06
Gary Hume - Cave Paintings
White Cube, London
26.05.06 - 01.07.06

I have a confession to make. I´ve never much liked Gary Hume´s paintings. Bold, ambitious and in-your-face they´ve always felt with their insistent reflective surfaces, to my mind, just too cocky by half. They were so very 80s. His early hospital door paintings with their puns on minimalism versus the real world, his "portraits" of celebrities such as Kate Moss and Tony Blackburn executed in shiny household paint, seemed, like the Thatcher´s Britain that had spawned them, to be all about surface rather than depth. With their brittle hard-edged colours and penchant for the tropes of popular culture they became emblematic of a certain artistic laddism. To look at Gary Hume´s dead-pan paintings was to sense that self-expression, doubt and vulnerability had been excised from the contemporary painterly lexicon.
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Gastbeitrag | 01.06.06
Nachtrag zur Melancholie
Von Christian Hufen
Stefan Heyne: Tatort. Fotografien.
Galerie Blickensdorff, Berlin
noch bis 03. Juni 2006

Rummel 1, 2005, Fotografie auf Aludibond, 125 cm X 188 cm
Der Melancholiker ist nach klassischer Vorstellung ein Mensch, der zum Pessimismus neigt. Seine Lebensauffassung wird eher von Gefühl und Stimmung, als von Wille und Tat bestimmt. Dürer und Caspar David Friedrich machten die Melancholie zum Thema deutscher Kunst – eine Tradition, der auch die neue Leipziger Malereischule anhängt. Alte Tapeten und Erinnerungen an Vollbeschäftigung mit Fortschrittsgläubigkeit ersetzen bei ihr die Mönche und den Monduntergang der Romantik. Das melancholische Temperament wird dabei für kollektive Projekte vereinnahmt: der aktuelle Retrokult konzentriert sich auf Traumaverarbeitung & Vergangenheitsbewältigung.
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Markus Wirthmann | 20.05.06
Ötzi im Flick-Gletscher entdeckt
Richard Jackson
Werke aus der Friedrich Christian Flick Collection im Hamburger Bahnhof
Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart - Berlin
19. Mai bis 13. August 2006

Big Ordeals, eines der beiden begehbaren Gemälde Richard Jacksons von Außen ...
Wenn Kunstvermittler allzu oft das Wort Entdeckung im Zusammenhang mit einem Künstler der Flick-Kollektion in den Mund nehmen, schleicht sich leicht der Verdacht ein, dass hier mehr oder weniger durchschaubares Marketing gemacht wird: Die Galeristen und Fast-Alleinausstatter von F. C. Flick stehen im Verdacht einen Künstler, der in den USA seinen Zenit schon überschritten hat, auf den heißen Kunstmarkt Germany zu drücken, F. C. selbst macht sich verdächtig seine Sammlung der hottesten Shots auch noch mit prophetischer Weisheit zu adeln und die Zugbegleiter vom Bahnhof müssen Dienst tun und die Signale richtig stellen.
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Markus Wirthmann | 15.05.06
Wild Wedding
Galerie Livebomb, Berlin
Aktuelle Ausstellung: Klaus Jörres - FORM FOLLOWS FUNKTION (more or less)
12. bis 28. Mai 2006

"Ey, bei mir ham se gerade versucht einzubrechen - so vor zwei Stunden ... habt Ihr was bemerkt?" Der Betreiber des Internet-Wett-Ladens ist echt nicht froh und dem Nachbarn von der anderen Seite dräut auch schon Übles durch die nationale Verschwörung schwerstnationaler Kräfte in nationalen Amtsstuben, der er durch Mobilisierung solidarischer Kräfte begegnen will: "Am besten ´ne Atombombe auf Deutschland ...". Ansonsten: Autoschrauber, Moscheen, Berber Salonu und viel Testosteron unter Basecaps auf der Straße. Berlin-Wedding.
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Max Glauner | 12.05.06
Palimpsest0602 - 03 Kannibalistische Architektur
Die Ausstellung ArchiSkulptur in Wolfsburg
ArchiSkulptur
Dialoge zwischen Architektur und Plastik
vom 18. Jahrhundert bis heute
Kunstmuseum Wolfsburg
1. April bis 2. Juli 2006
Die überdimensionierten Nachbarn haben sie verbaut. Dennoch zählt sie zu den faszinierendsten Gebäuden Berlins: Hans Scharouns Philharmonie. Vom Orchester in der Mitte des Konzertsaals entwickelt sich der Baukörper auf einem unregelmäßigen Grundriss schichtweise über die Ränge in das Foyer bis in die kristalline, gelbe Außenhaut. Ursprünglich für einen innerstädtischen Standort West-Berlins geplant, errichtete man sie unweit der Sektorengrenze. Die Philharmonie war jahrelang ein Solitär, der in seiner eigenwillig skulpturalen Form alles vertrug, außer Nachbarschaft.

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Max Glauner | 25.04.06
Palimpsest0602 - 02 Eisberge - Poitr Nathan in der Galerie Magnus Müller
Galerie Magnus Müller, Berlin
17.03. - 05.05.2006

„Eisberg, im Meer schwimmende große Eismasse, entstanden durch Abbrechen (Kalben) der ins Meer verschobenen Gletscherenden oder des Inlandeises, durch Auftürmen von Packeis. Durch Stauen der Eisberge und Eisfelder auf Untiefen des Schelfs entstehen Blaueis, geschichtete Tafelberge von blauer Farbe mit polierter Oberfläche. Eisberge, bis 1 qkm groß und mehr, bis 50 m hoch und mehr, kommen bis etwa zum 40. Breitengrad vor und bilden eine ernste Gefahr für die Schiffahrt, zumal nur 1/9 ihrer Masse über der Meeresoberfläche aufragt.“ Brockhaus
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thw | 04.04.06
Biennale im Widerspruch

Die Berlin Biennale feiert sich in der Auguststraße
Soviel Glück im Unglück gab es selten. Jedenfalls gilt das für die neueste Ausgabe der Berlin Biennale, die in ihrer vierten Version unter dem Titel »Von Mäusen und Menschen« sich den dunklen Seiten des Menschen und der Kunst widmet. Ein Bild dafür findet sich schon am Anfang der Ausstellung, wenn man den Ausgang der Auguststrasse zur Oranienburger Straße als solchen sehen will. Dort, in der Johannes-Evangelist-Kirche, eine Kirche, findet sich eine Anzeigetafel, bekannt aus nationalen und internationalen Flughäfen. Das internationale Kunst-Jet-Set, das zur Eröffnung der Biennaler angereist war, konnte sich vor dieser Anzeigetafel nur auf sich selbst zurück geworfen sehen, denn die Tafel blieb immer schwarz, auch wenn sie heftigst rackerte, um etwas zeigen zu wollen.
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Markus Wirthmann | 04.04.06
Wir in der Tosa-Klause
KLAUSE
Thomas Demand
Galerie Esther Schipper, Berlin
1. April bis 6.Mai 2006
KLAUSE & Apokalypse
Max Beckmann feat: Thomas Demand
Museum für Moderne Kunst, Frankfurt am Main
25. März bis 27. August 2006

Für das WIR-Gefühl in der Küche der Tosa-Klause sorgt nur die schick reflektierende Diasec-Oberfläche der Fotoarbeiten.
Schon seit ich das erste Mal eine Papierarbeit von Thomas Demand gesehen hatte, damals noch beim Akademierundgang in Düsseldorf, und noch nicht schick per Diasec hinter Plexiglas gefangen sondern im Original, 3-D, waren mir diese von Materialeigenschaften und -farbe des verfügbaren Papiersortiments erzwungen abstrahierten Gegenstände sehr nah. Ich schätze den pragmatischen Umgang mit Material und hatte Spaß am Einfallsreichtum, mit dem Thomas Demand die Beschränktheit seiner Mittel mit großer kunsthandwerklicher Fertigkeit unterlief.
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Peter Lang | 29.03.06
Eröffnung der 4. berlin biennale
Schlangestehen und Currywurst bei der bb4

Geschicktes Marketing - eine extra für die bb4 angefertige Plakette weist im Ost-Berliner Stadtbild auf die Veranstaltungsorte der wichtigsten Kunstveranstaltung des Jahres hin.
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Gastbeitrag | 21.03.06
Hinter dem Museum
Visuelle Reflexion kuratorischer Praktiken in Berlin
von Susana Sáez de Guinoa Waltinger
OUTLINERS
05. März - 25. März 2006
Finissage Sa. 25. März 19 Uhr
arttransponder e.V. Projektraum, Berlin

Ausstellungsteilnehmer/innen:
Stéphane Bauer - Kurator
Zorka Lednarova - Künstlerin & Kuratorin
Caroline Lund - Künstlerin & Kuratorin
Doreen Mende - Kuratorin
Shaheen Merali - Künstler & Kurator
Christoph Tannert - Kurator
Konzept & Organisation: Sencer Vardarman
Farbige Linien laufen über den Boden und die Wände des Ausstellungsraumes und zeichnen geometrische Formen wie Quadrat, Dreieck, Rechteck und Kreis nach. Nur selten brechen die Linien aus dem geometrischen Kanon, das in seiner minimalistischen Anordnung an die konkrete Malerei eines Piet Mondrian erinnert. Mondrian war Mitbegründer der De Stijl Bewegung, die es sich zum Programm machte, die gestalterischen Grundmittel - Linie, Fläche, Farbe, Proportion und Raum - systematisch zu durchdenken und in ihrer ästhetischen Wirkung zu erproben.
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Kai Hoelzner | 12.03.06
Herr Brunett lacht sehr laut und applaudiert
VirginiaMeeseWoolf mit natürlich Jonathan Meese und als zweiten Mann Bernhard Schütz am 10. März im Schwarz-Weißen Meese-Foyer (selbstverständlich "de Large") in der Volksbühne.

Meese das letzte Mal beim 04er Oktoberfest im Autosalon bei Trinkperformance gesehen. Schon bißchen her also. Damals Flasche Unikum und Flasche Jagertee auf Ex, auf Bühne rumspringen, hyperventilieren, mehrmals die Ohnmacht abwenden, dann in den Mikrofonständer stürzen, bluten aber nichts mehr merken, weil, einmal in der Horizontalen, sofort ins Koma gefallen. Fließt noch bisschen Kotze aus dem Mund vom Herrn Meese raus. Ich dann: Leg den mal auf die Seite, sonst macht der hier noch den Bon Scott. Baudach (vorne die ganze Zeit schon am applaudieren und großartig finden): Lass den mal, das nervt den Jonathan bloß, wenn der jetzt voll gelabert wird. Ich: Komm, der hört doch nix mehr. Da läuft doch eh nur noch die Kotze raus. Baudach (schon bißchen ungehalten): Mann, Alter, wenn man auffm Oktoberfest kotz, dann kotzt man ins Glas und dann wird weiter gesoffen.
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Gastbeitrag | 24.02.06
Kapielski ante Portas
von Peter Funken
TOMAS KAPIELSKI – Emolumente
Sammler zeigen ihre Kapielskis
Künstlerhaus Bethanien, Berlin
24.02. – 12.12.2005

Selbstportrait
Es war eine Begegnung mit alten Freunden in Kreuzberg: zuerst im Studio 2 des Künstlerhauses Bethanien traf man auf viele wohlbekannte Arbeiten des Künstlers und Dichters Thomas Kapielski - wie auch auf ein brandneues Auflageobjekt. Titel dieser Werkschau: „Emolumente – Sammler zeigen ihre Kapielskis“.
Später dann, bei der Vernissagen-Party im „Goldenen Hahn“, der aus diesem Anlass ausnahmsweise bis in die tiefe Nacht geöffnet hatte, fanden sich viele Freunde und Weggefährten Kapielskis ein, die sich in dieser Dichte nur noch selten begegnen – eigentlich nur bei Kapielski-Eröffnungen und irgendwann demnächst wohl bei Trauerfeiern.
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Markus Wirthmann | 06.02.06
Der Wald-Lehr-Pfad
Smile Machines
Ausstellung zur Transmediale 06*
3. Februar bis 19. März 2006
Akademie der Künste, Hansaviertel, Berlin
Maja Bajevi, Maurice Benayoun, Tamy Ben-Tor, Dara Birnbaum, Ximena Cuevas, Paul DeMarinis, Robert Filliou, Jean-Pierre Gauthier, Stéphane Gilot, Jodi, Kim Beom, Les Levine, George Maciunas, Annette Messager, Agnes Meyer-Brandis, Eva Meyer-Keller, Christian Möller, Antoni Muntadas, Nam June Paik, Valérie Pavia, Simon Penny, Jim Pomeroy, Michael Snow, The Yes Men, Ubermorgen, William Wegman, Norman White

Nam June Paik Der Denker - TV Rodin 1976/78
Closed circuit - der Klassiker.
Die alte Akademie der Künste, also der fünfziger Jahre Altbau der West-Akademie im Hansaviertel, ist voll an diesem Wochenende. Junge und jünger aussehende Menschen drängen sich an Kassen und Akkreditierungs-Countern, außerdem vor und in den Sälen sowie am Tresen des Cafés (das, wie bei solchen Veranstaltungen zu erwarten, total überlastet tut - aber das sei Thema von ungefähr fünf Comedy-Abenden mit Kurt Krömer im Ballhaus Neukölln – konnte ja keiner wissen, das mit den vielen jungen Menschen ...). Wahrscheinlich wird deshalb der Februar ´06 noch lange Thema an den Lagerfeuern des Akademievorstandes sein wo man sich Hände reibend über den Jungbrunnen Transmediale freuen wird.
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Kai Hoelzner | 28.01.06
Happy Organ
Martha Roslers "Kriegsschauplätze" in der Galerie Christian Nagel, Berlin, 27.01.2006 bis 18.03.2006

Das Überraschende an dieser Ausstellung ist der angenehme Mangel an Überraschungen, der sich am deutlichsten an der unqueeren Art zeigt, mit der das Haupt-Exponat, eine etwa 3 Meter große, von der Decke herabhängende Beinprothese, hübsch mittig im Raum platziert ist. Mit der Fußsohle nur wenige Zentimeter Blitzschlag mit Lichtschein auf Hirsch über dem Boden schwebend bewegt sich das Ding vor und zurück und führt eventuell Geh-Bewegungen aus auf dem leicht versandeten Galerieboden.
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Markus Wirthmann | 27.01.06
Die Beziehung zwischen eBay und Ebbelwoi*
Spinnwebzeit
Museum für Moderne Kunst, Frankfurt
Zu Ende gegangen am 29. Januar 2006
Versteigerung der eBay-Objekte am 16. Februar 2006

Udo Kittelmann erklärt eBay die Kunst
An diesem Wochenende endet in Frankfurt am Main die Ausstellung Spinnwebzeit im Museum für Moderne Kunst. Museumsleiter Udo Kittelmann hat seiner Obsession für eBay und die dort gehandelten Gegenstände freien Lauf gelassen und zusammen mit seinem Mitarbeiterstab ein Jahr lang allen möglichen Krempel bei eBay zusammengekauft. All diese Dinge wurden dann von ihm hübsch arrangiert, wie sich das für ein völker-, heimat- oder anders-kundliches Museum gehört, und in Beziehung gesetzt. Und zwar in Beziehung zu ausgewählten Kunstwerken der MMK-eigenen Sammlung.
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Adib Fricke | 27.01.06
Messestand für Kunstkritik
Auch Bologna hat eine Kunstmesse, und das sogar schon seit dreissig Jahren. Dieses Jahr findet die ARTEFIERA - ART FIRST 2006 vom 27. bis zum 30.1.2006 statt. Dem Slogan nach zu urteilen, ist die mit einer Vorfahrt für die Kunst werbende Fachmesse besonders für die Süchtigen der Kunstwelt geeignet: If you love art, everything comes later. Abgesehen von der albernen Werbeagentur-Rhetorik gibt es neben der üblichen Hallenbespielung und der ergänzenden, im öffentlichen Raum verteilten Kunst heuer ein besonderes Schmankerl. Auch Achille Bonito Oliva hat einen Stand auf der Messe eingerichtet, auf dem er sich unter dem Label ABO critica ad arte als freundlicher Kritiker der Kunst präsentiert. Eine Pressemitteilung beschreibt den zu erwartenden Messestand vorab: »The ‘stand’, equipped with a table and three chairs created by Alberto Garutti, will have seating for the public and photos on the walls of the critic at various moments in his professional life, starting with the famous photo showing him lying naked on a sofa that was published in the late 1970s in ‘Frigidaire’, as well as his famous ‘Aborismi’.
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Markus Wirthmann | 22.01.06
Der Style Store
Bird´s Eye View
Deborah Ligorio
Büro Friedrich, Berlin
21. Januar - 25. Februar 2006

Wie so viele junge Künstler unserer Tage hat Deborah Ligorio laut vorliegender Pressemitteilung ”eingehende und schlüssige Untersuchungen zu den Möglichkeiten und Formen des menschlichen Habitats” unternommen. Diese Untersuchungen und Forschungen haben zu Collagen auf Spanplatte geführt die, very stylish, die Wände des S-Bahnbogens Nummer 53, Sitz des Büro Friedrich, in lockerer Unordnung gestalten.
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Gastbeitrag | 19.01.06
Friends and Enemies
10. Januar – 1. Februar 2006
Gagosian Gallery, Berlin
von Manuel Bonik

Wie unter Berliner Kunstinteressierten wohl allgemein bekannt, nutzt die 4. berlin biennale die Gagosian Gallery in der Auguststraße, um schon im Vorfeld des Events Kunst zu zeigen, so aktuell mit der Ausstellung Friends and Enemies. Gezeigt werden drei Positionen, Autocenter (Joep van Liefland und Maik Schierloh), Starship (Martin Ebner, Ariane Müller und Hans-Christian Dany) und Tilman Wendland, wobei ich mich im folgenden nur über den Beitrag von Starship auslassen möchte, über den ich mich extrem geärgert habe. Er bildet, leider, ein auffallendes und abschreckendes Beispiel dafür, wie Pseudo-Intellektualität und künstlerische Einfallslosigkeit honoriert werden. Man kann nur hoffen, dass die biennale-Kuratoren künftig etwas sorgfältiger arbeiten werden.
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Markus Wirthmann | 15.01.06
Brunnenstraße
www.amerika-berlin.de
www.diskus-berlin.com
www.christianehrentraut.com
www.rekord-berlin.de
www.klarawallner.de
www.janwinkelmann.com
Vom Rosenthaler Platz am westlichen Rand von Berlin-Mitte, nicht weit von den Kunst-Werken und bis vor kurzem noch die Wasserscheide zwischen professionellem Galeriegeschäft und Ateliers, Produzenten- und Projektraumgewimmel, breitet sich die Szene in Richtung Prenzlauer Berg und Wedding aus. Besonders attraktiv für Neugründungen und Verlagerungen scheint die Brunnenstraße zu sein. Einerseits noch richtig "Mitte", andererseits erschwinglich, weil Einfallstraße in den Dönerbuden und Internet-Shop schwangeren Wedding.

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Markus Wirthmann | 06.01.06
Eine unwahrscheinliche Rückkehr zur Legende von Ursprung

Untitled (A protrait of myself with a part of my history posing as my imagination) 2004
Pressefoto. Aus inhaltlichen Gründen auf den Kopf gestellt. MW
An Unlikely Return to The Legend of Origins
Sriwhana Spong, Ho Tzu Nyen, Heman Chong & Rodney LaTourelle
Sparwasser HQ, Berlin
7. bis 28. Januar 2006, Eröffnung am 6. Januar 2006
Pressemitteilungen sind schwierig. Besonders wenn es um Kunst geht. Die versteht man ja sowieso nicht und deshalb muss die Mitteilung her. Auf dass sie kläre, was so auf Anhieb, mangels Wissen beim Betrachter oder Unvermögen beim Künstler, nicht ersichtlich ist.
Bei der folgenden Pressemitteilung von SparwasserHQ, Berlin ist es warscheinlich genau anders herum. Der Text ist die Kunst und die Ausstellung wird mir das hoffentlich auch erklären – wenn ich denn nach diesem Text noch hin will:
Die Ausstellung präsentiert zwei Videos und eine Wandzeichnung im Dialog über das reziproke Verhältnis zwischen Konstruktion und Interpretation. Diese drei Positionen bilden eine Matrix von Assoziationen, um die entscheidende Rolle von Eventualität herum, die in der Versammlung kultureller Koherenz liegt. Die Sukzession von Bildern, inherent in der Videokunst, strukturiert notwendigerweise eine Sichtweise von Narration, ein Format das im Besonderen durch die Ubiquität von Fernsehn und Film erkennbar wird.
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Peter Lang | 30.12.05
36 x 27 x 10 - Bestimmt keine glückliche Zahlenfolge: Quersumme 19 - aber Totgesagte leben länger
36 x 27 x 10
White Cube Berlin
im Palast der Republik, Berlin
23.12. bis 31.12.2005

Spätaktivistinnen haben es nun doch noch geschafft, dem skelettierten Korpus der DDR-Volkskultur eine Vitaminspritze Hochkunst zu verpassen. Die Sache initiiert haben, im Rausch des White Cube, die Damen Coco Kühn und Constanze Kleiner, die in der Zeit schon als Ausstellungsmacherinnen firmieren. Erinnert ist man mehr an die Injektionen von Doktor Morell.
Markus Wirthmann | 18.12.05
nochneneuegalerie
Martin Pfeifle
erap
2. Dezember 2005 bis 14. Januar 2006
Galerie Asim Chughtai, Berlin
Das Eröffnen von Galerien ist eine Funsportart mit immer noch wachsender Fangemeinde in Berlin. Ein Teil der Athleten kommt aus Hochburgen des Galerienwettkampfs wie London, Mailand oder Köln, weitere Kombattanten rekrutieren sich aus der örtlichen, sich professionalisierenden Off-Szene oder bilden neue Teams durch Abspaltung und Teilung.

Einblick in die Installation erap von Martin Pfeifle.
Asim Chughtai arbeitete am Frankfurter Kunstverein und ist im Impressum der Manifesta 4 in verschiedenen Funktionen zu finden. Seit 2003 bespielt er mit Fleisch und Glue eigene Räume in Berlin, organisiert dort und anderswo Projekte und kuratiert Ausstellungen wie zuletzt etwa die Sonderschau zum Kunstsalon in der Arena in Berlin-Treptow.
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Adib Fricke | 04.12.05
Spiesser-Fotos

Anthony Goicolea, Ghost Ship,
Gewinnerfoto Prix BMW-Paris Photo, Messe Paris Photo 2005
(courtesy Galeria Luis Adelantado, entnommen einer digitalen Pressemitteilung)
Neulich war es mal wieder so weit. Da tanzte die Marketingabteilung eines global agierenden Autobauers den Sponsorentanz mit einer Präsentationsveranstaltung für zeitgenössische ästhetische Äusserungen: BMW Frankreich förderte die Fotomesse Paris Photo 2005, und das bereits zum zweiten Mal. Die Symbiose scheint perfekt gewesen zu sein, wer Braut und wer Bräutigam in dieser engen Zweisamkeit spielte, bleibt offen und ist letztlich unwichtig -- profitiert haben schliesslich vermutlich beide davon. Die einen bekamen einen Preis gestiftet, die anderen eine Plattform, in der profaner Bildwelten-Quatsch in gleicher Ästhetik wie sonst auch weiter abgefeiert werden konnte. Das Stiften eines Preises im ästhetischen Umfeld scheint mit keinem Risiko verbunden zu sein, eher das Gegenteil, zumindest wenn über das Mittelfeld nicht hinausgespielt wird: Profitabel wird es für die Beteiligten schon allein der Öffentlichkeit wegen, die damit zu erzeugen ist.
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Stephan Gripp | 22.11.05
Reise ans Ende der Welt
Susanne Bürner
"Finistère"
15. Okt. - 10. Dez. 2005
Galerie Giti Nourbakhsch, Berlin
Am Eingang rechts hängt ein Flachbildschirm. Im Bildzentrum zwei Personen, Rücken an Rücken, wartend. Im Vorder- und Hintergrund kreuzen Menschen die Blickachse, die Kamera bleibt statisch. Vielleicht ist es eine Kreuzung oder Fußgängerzone, das ist nicht so genau zu sagen, alle Details sind retuschiert. So bleibt ein diffuser weißer Raum, ort- und zeitlos. Die Beiden blicken suchend umher, unschlüssig, sie kennen sich wohl nicht, erst verlässt der Rechte, dann der Linke die Szene. ("Limbo", Loop, 0:42 min, DVD)
Hinter dem Vorhang, eine Projektion. Mehrere Personen, seitliche, leicht erhöhte Kameraposition. Aus dieser Perspektive stehen sie, jeweils etwas versetzt, hintereinander. Es ist ziemlich viel los, viel Körpersprache, alle blicken umher, erwarten etwas.

"Finistère", 2005
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Markus Wirthmann | 15.11.05
Baikonur - Houston - Holzmarktstraße
Michel de Broin
Réparations – Une participation volontaire au programme de revalorisation des déchets.
Isabella Bortolozzi Galerie, Berlin
30. Oktober – 30. November 2005

Luftpumpe, Abschussrampe und PET-Flasche als Projektil - Michel de Broins Wasserrakte hinter Sicherheitsglas
In seinem neuesten Werk erkundet de Broin den Luftwiderstand. So lapidar lautet der zentrale Satz aus dem Galerietext über die zur Zeit dokumentierte Arbeit des in Berlin lebenden Kanadiers Michel de Broin. Das ist natürlich pure Tiefstapelei. Schließlich jagt de Broin seine zu Wasserraketen umgewidmeten PET-Flaschen nicht auf irgendeinem Testgelände sondern an touristisch aktiven Plätzen in Paris in die Luft. Außerdem sind die Flaschen Fundstücke und sollten eigentlich dem französischen Wertstoffkreislauf zugeführt werden.
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Markus Wirthmann | 11.11.05
Trekkermusik
Sven-Åke Johansson
Moderne Musik auf LW
WBD, Berlin
04. – 19. November 2005

Die verzappelten Umrisslinien verraten das Sujet: Nicht der Traktor sondern das Geräusch wird hier interpretiert!
Kann man das Geräusch von Traktoren zeichnen? – Wahrscheinlich nicht jeder, aber Sven-Åke Johansson kann.
Der 1943 in Mariestad in Schweden geborene und seit über dreißig Jahren in Berlin lebende Künstler wird überwiegend mit Musik in Verbindung gebracht. Und dann überwiegend mit experimenteller und vor allem perkussionslastiger. Ein kurzes googeln nach Sven-Åke Johansson fördert, unter vielen anderen, folgende Stichworte zu Tage: Peter Brötzmann, Donaueschingen, A-Trane, B-Flat, ”Musik zu Filmen von Man Ray”, Nordeuropäisches Melodie- und Improvisations-Orchester.
Selbst mich, einen amtlichen Nichtauskenner in Sachen zeitgenössischer Musik, bringen diese Stichworte auf den Pfad, auf den es bei Johansson hingeht.
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Stephan Gripp | 06.11.05
Bedeutungslehre
oder wenn der Volksmund beatmet werden muss
Rosemarie Trockel
Post-Menopause
Museum Ludwig, Köln
29. Oktober 2005 - 12. Februar 2006

Phobia, 2002
Wie sich die Dinge wieder fügen. Ein Teil des Kollegiums flüchtet sich in die Abstraktion oder in das malerische Idyll ironisch-kitschiger Romantik und zur Kölner Art zeigt die Künstlerin Rosemarie Trockel mit ihrer Retrospektive am Museum Ludwig wie sich über 20 Jahre hinweg wirkliche Zeitgenossenschaft anfühlt.
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oder wenn der Volksmund beatmet werden muss« weiterlesen ...
Markus Wirthmann | 31.10.05
Gender Diskurs Patchwork
Elke Krystufek
L´Etat C´est Moi - Das Geld bin ich
Galerie Barbara Thumm, Berlin
29. Oktober 2005 – 14. Januar 2006

"In ihren Werken und Performances geht Krystufek gender-spezifischen Verhaltensweisen nach. Ihr Ansatz beruht auf der Tradition des feministischen Diskurses, den sie in Aktionsweisen und der Untersuchung von Aneignungsmechanismen weiterführt. In Krystufeks neuen Werken erweitet die Künstlerin das Selbstportrait, setzt ihr eigenes Bild in vorgefundene historische Bezüge. Die unterschiedlichen komplexen Beziehungsmuster werden von einer darüber liegenden Textebene gesteigert."
Galerie Barbara Thumm
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Dellbrügge & de Moll | 25.10.05
NOSTALGIA ROMANA
Erwiderung auf Markus Lüpertz, Lobgesang auf das verlassene Paradies, in der aktuellen ZEIT

Nostalgie leitet sich ab von den griechischen Wörtern nostos (Rückkehr, Heimkehr, Vergangenheit) und àlgia (Schmerz). Erstmals taucht der Begriff im medizinischen Zusammenhang auf. Mit Nostalgie wurde ein krank machendes Heimweh bezeichnet, das besonders Söldner in der Fremde befiel. Heute wird Nostalgie als eine von unbestimmter Sehnsucht erfüllte Gestimmtheit verstanden, die sich in der Rückwendung zu früheren, in der Erinnerung sich verklärenden Zeiten, Erlebnissen, Erscheinungen in Kunst, Musik, Mode u.a. äußert. Sie ist damit eine leicht wehmütige und verklärende Stimmung, der guten alten Zeit hinterherzutrauern, in der angeblich vieles schöner, besser, freundlicher war als in der Gegenwart. (…) Es handelt sich dabei um eine Projektion, die oft eine Reaktion auf eine als schnelllebig, unübersichtlich, unverständlich wahrgenommene Gegenwart darstellt. Der verklärten Vergangenheit werden dabei meist Attribute wie Natürlichkeit, Ordnung, Anstand und Moral, aber auch Frieden oder Menschlichkeit zugesprochen, auch entgegen historischer Überlieferungen. Die Liebhaber der Nostalgie nennt man Nostalgiker. Sie gibt es auf vielerlei Gebieten: in der Kunst, in der Musik, in der Technik, in der Politik usw. Nostalgikern wird oft Gegenwartsflucht vorgeworfen. (http://de.wikipedia.org/wiki/Nostalgie)
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Kai Hoelzner | 22.10.05
In Wohnhöhlenhöllen

Bevor’s nun wirklich vorbei und das jetzige nächste Wochenende auch schon wieder vorüber ist, hier noch schnell der Bericht über Manuel Grafs Videoinstallation Ping Pong, die letzte Woche bei Johann König vernissiert wurde. Manuel Grafs Animationsvideo zeigt eine Reise durch die Architekturgeschichte in drei Stationen: Das Gipsmodell des Goetheanum in Dornach, Friedrich Kieslers Endless House von 1959 und einen aus schrillbunten floralen Formen animierten Entwurf des Arc of the world von Greg Lynn, der Rot und Grün schimmernd von der Tier- und Pflanzenwelt inspiriert ist und in den kommenden Jahren angeblich in Costa Rica realisiert werden soll. Ziemlich Welcome to the Pleasuredome das ganze.
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Kai Hoelzner | 20.10.05
Rundlederwelten
Einen schönen Beitrag zur Verprollung öffentlich geförderter Kunstveranstaltung stellt die Ausstellung Rundlederwelten im Martin-Gropius-Bau in Berlin dar, die Mittwochabend von Gerd "Acker" Schröder (TuS Talle) eröffnet wurde. "Nach einer Idee von Harald Szeemann", kuratiert von Dorothea Strauss, Katalogidee von André Heller.

Paul M. Smith - Robbie Williams Series (Covers) (Foto:Pressefoto)
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Christian Wilke | 17.10.05
Leere und Verfall, 16 Bombenanschläge, Depression und Rauschzustand
Vom Verschwinden. Weltverluste und Weltfluchten.
PHOENIX Halle Dortmund
27. August - 30. Oktober
Als ich den Titel der Ausstellung las, dachte ich, nee klar, wieder mal so eine Kuratorenausstellung. Sowas wo sich der Kurator zur Dekoration seiner Mörder-Konzeption noch ein paar Künstler einlädt, Cosima van Rehberger im DJ-Ute-Meta-Obrist-Remix. Doch, weit gefehlt.

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Markus Wirthmann | 29.09.05
Kunstfasching Berlin - 3. Tag
Art Forum Berlin 2005
Die internationale Messe für Gegenwartskunst
29. September bis 03. Oktober 2005

Das Art Forum hat anscheinend seine Form gefunden. Terminliche Überschneidungen mit der Konkurrenz in London und Köln konnten dies Jahr vermieden werden und die in der eigenen Stadt trägt eher zur Befriedung der Verhältnisse bei. Niemand muss mehr um seine Messebeteiligung hart fighten, gar nicht zu sprechen vom Einklagen. Die Palette der Alternativen ist breit – und dazu auch noch preisgünstiger als bei der richtigen Kunstmesse.
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Markus Wirthmann | 28.09.05
Kunstfasching Berlin - 1. und 2. Tag
Gagosian Gallery in Berlin
„Berlin Beauties“
Dorothy Iannone, Emmett Williams und Dieter Roth
26. September bis 22. Oktober 2005
Kunstfasching begann Montag mit einem kleinen kuratorischen Verwirrspiel um die Eröffnung der Gagosian Gallery in Berlin unweit der Kunst-Werke. Diese, bzw. die Berlin Biennale, sind dann auch Urheber dieses Scherzes. Die Ausstellung Berlin Beauties mit Dorothy Iannone, Emmett Williams und Dieter Roth stellt die erste Veranstaltung der Berlin Biennale 2005 dar. Vielen Besuchern der Eröffnung ist erst so langsam ein Licht aufgegangen (und ich glaube, bei einigen blieb es duster). Die Anwesenheit von Freigetränken und Klaus Biesenbach lies, ungeachtet der hemdsärmeligen Stimmung, die Legende von Gagosian in Berlin noch eine Weile weiter leben.
Preview Berlin - The Emerging Art Fair
28. September bis 2. Oktober 2005

Kunstmesse Preview. Alles schön der Reihe nach - erst mal berappen! Allerdings war die Eröffnung frei und ohne Einladungskarte zugänglich. Sehr angenehm!
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Adib Fricke | 27.09.05
Traumpreise

Wer hält durch und gewinnt am Ende?
Abbildung: Reginald Marsh, Zeke Youngblood’s Dance Marathon,
Katalog »Amercia - Traum und Depression 1920/40«, Berlin 1980
Die Nationalgalerie, die sich mehr und mehr dadurch auszeichnet, dass Designer den Rahmen des Events bestimmen und durch aufwendige Gestaltung aufwerten, hat für heute zur Preisverleihung für den Preis der Nationalgalerie für junge Kunst geladen. Die Eintrittskarten zur Veranstaltung kosten 20,- EUR pro Person. Ob das ein zarter Versuch ist, einen Teil des Preisgeldes einzunehmen? Oder hilft es, die Veranstaltung noch exklusiver werden zu lassen?
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Peter Lang | 27.09.05
Tricky Istanbul
In Istanbul ist vieles los dieser Tage. Die Kunstereignisse fallen so zahlreich vom Himmel über die gute alte Stadt, dass selbst schreibende Kollegen sie nicht mehr Auseinanderhalten können. Istanbul Biennale eröffnet, Istanbul Modern zeigt erste große Ausstellung zeitgenössischer Kunst, Stadtkunstprojekt eröffnet und rundherum noch ein buntes Buket aller möglichen Aktivitäten. Hier steppt der Bär sollte man meinen.
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Adib Fricke | 26.09.05
Für wen? Für was?
Für wen? Für was?
Diese Fragen an den Künstler stellen - auf Antwort bestehen!
Text aus einem Immendorf-Bild von 1972, das Dieter Hacker in seiner Serie Dumme Bilder (1978) zitierte. In dieser Serie kritisierte Hacker neun Künstlerkollegen und -kolleginnen, bevor er dann Anfang der 80er Jahre im Schlepptau der Neuen Wilden selbst zu einem galeriekompatiblen Maler wurde. Auf Tafel III schrieb Hacker als Kompaktkritik über Immendorf:
Voll integriert in den nationalen Kunstbetrieb pinkelt Jörg Immendorf diesem unermüdlich ans Bein.
Doch dieser Angriff trifft niemand. Radikalität wie die seine gibt dem Salon erst sein haut gout. Die Fragen, die er stellt, sind an ihn selbst so gut zu richten wie an die Künstler, an denen er sich reibt. Seine Arbeit demonstriert die Verstrickung in das Dilemma, daß es auch für den politischen Künstler eine andere als die bürgerliche Kunstvermittlung nicht gibt.
Nur über sie läuft der Prozeß der öffentlichen Beachtung.
Dümmlich werden Immendorfs Bilder, weil sie diese Verstrickung nicht zugeben, um von da aus beharrlich an ihrer Auflösung zu arbeiten.
aus: Die politische Arbeit des Künstlers beginnt bei seiner Arbeit ..., Ausstellungskatalog daadgalerie, Berlin 1981
Mehr über die Retrospektive des (Noch-)Kanzlers Lieblingsmalers in der Neuen Nationalgalerie folgt.
thw | 24.09.05
Nachklang Biennale Venedig
Zumindest war das Wetter zur 51. Ausgabe der Biennale der Bildenden Künste in Venedig keine Enttäuschung. Weder übermässige Hitze noch Regengüsse verleidete einem den Kunstgenuss, aber das war es denn auch schon. Diese Aussage trifft vor allem die wesentlichen Ausstellungsteile im Arsenale und im italienischen Pavillon. Gern hätten wir etwas anderes gesagt, denn den ersten Leiterinnen in der mehr als hundertjährigen Geschichte der Venedig Biennale wollten wir gerne jeden Kredit geben, den wir haben. Aber das Ergebnis bleibt bis auf Details enttäuschend. Zugegebenermassen hatten es Maria de Corral und Rosa Martinez nicht leicht. Weil Robert Storr mit »seiner« Biennale der documenta 12 von Roger M. Buergel Konkurrenz machen wollte, verzichtete er für dieses Jahr auf seine Biennale und hinterließ den Organisatoren ein offenes Feld. Das übernahmen die beiden Frauen und mussten sich dann auf Pressekonferenzen mit den üblichen Dummheiten konfrontieren lassen. So blieben Rosa Martinez und Maria de Corral zu wenig Zeit, um eine gelungene Version dieser Biennale zu entwickeln.
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Peter Lang | 13.09.05
Ostpunk im Salon Ost Berlin
Punk in der DDR 1979-89
26.08.-25.09.2005
Salon Ost, Berlin
Es kann nur eine Spurenausstellung in Kabinetten sein, aber immerhin unter zerbrochenen Sternen: „Vielleicht sind in der Tat nur Spuren von den Momenten geblieben, die mich bestätigt haben oder Möglichkeiten aufzeigten. Aber Spuren sind nicht nichts ..." (1)
In der angeschlagenen Industriearchitektur, die nach der verschwundenen Arbeit nichts von der Schönheit der Arbeit übrig hat, in einer Verlassenheitsästhetik zwischen Sockeln in russisch Ölgrün und blatternarbigen Unfarben, findet sich zwischen architektonischen Versatzstücken, in symbolische Guckkastenbühnen inszeniert (Ausstellungsdesign von Andrea Pichl), die Bild-, Ton- und Textrelikte des Punk Made in GDR.
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Dellbrügge & de Moll | 11.09.05
Final Weeks!
GREATER NEW YORK 2005 im P.S.1

An einem siedenden Samstagnachmittag im August mit 42 Grad im Schatten sind die Straßen von Long Island City menschenleer. Wer klimatisiert wohnt, bleibt daheim. Die anderen machen Siesta unter der Dusche oder gehen ins P.S.1, wo zwischen zwölf und zwei der Eintritt frei ist.
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GREATER NEW YORK 2005 im P.S.1« weiterlesen ...
Markus Wirthmann | 05.09.05
Der Teufel scheisst immer...
...auf den größten Haufen.

und dieser Erzengel hier hat auch keine Chance dies zu verhindern
Preis der Nationalgalerie für junge Kunst 2005
John Bock, Monica Bonvicini, Angela Bulloch, Anri Sala.
Ausstellung der Wettbewerbsarbeiten im
Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart - Berlin
2. September bis 16. Oktober
Jetzt mal ganz im Ernst Leute, hier im Land wird gerade auf der großen Sparflöte gespielt. Dass Geiz ganz und gar nicht geil ist, merken mittlerweile sogar die Künstler und mit einer panem-et-circensis-Mentalität wie sie die Nationalgalerie und deren Freunde da an den Tag legen kommt man der Situation auch nicht näher.
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Markus Wirthmann | 26.08.05
mono, nicht stereo
mono.kultur
Interview-Magazin aus Berlin
#01 Carsten Nicolai: Inserting Silence
3 € in Deutschland, 4 € im Rest Europas
soll ungefähr alle 36,5 Tage (also zehn Mal im Jahr) erscheinen
www.mono-kultur.com

Diese und die folgenden Abbildungen zeigen ein, während der Launch-Party am Tresen der KMA-36-Bar bearbeitetes, über Nacht im Mülleimer zwischengelagertes und anschließend gewässertes und gebügeltes Exemplar des Magazins.
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Sue Hubbard | 09.08.05
The Triumph of Painting - Part II
The Saatchi Gallery
County Hall, London SE1
Until 30th October

Dirk Skreber
It Rocks Us So Hard Ho Ho Ho 3 2002
image: www.saatchi-gallery.co.uk
Contemporary critics, art historians and artists alike must often seem to those outside the art world, when talking about painting, like family members gathered around the bed of a terminally ill relative discussing them as if they had already kicked the bucket, when, in fact, they are still breathing, albeit on a life support machine. The debate about the death and the viability of painting has been going on ever since the advent of photography and seems set to keep us all occupied for several decades to come. But if painting is in its death throes, its making a hell of a racket and refusing to go quietly. For down on the South Bank at the Saatchi Gallery, just when everyone had got used to dead sharks and things in formaldehyde there is another painting show. The Triumph of Painting Part II which follows on from the recent Part I. You have to hand it to Saatchi. Whatever you think about him he keeps us all on our toes, for who would have thought that he would have moved so seamlessly from Britart flippancy to German angst. Suddenly deep and meaningful is back.
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Markus Wirthmann | 06.07.05
Vorsicht: Nur für Mikroöffentlichkeiten!
Ortsbegehung 11: Handlungsformate
Laura Horelli, Daniel Knorr und Katya Sander
Gastkurator: Marius Babias
2. Juli bis 14. August 2005
NBK Neuer Berliner Kunstverein

Eingangsbereich des NBK mit Toilettengraffiti
Mit schöner Gleichförmigkeit und schon Jahre lang wird das Programm des NBK von einem festen Grundgerüst strukturiert, um das sich die vergleichsweise wenigen serienfreien Ausstellungen wie seltene Preziosen ranken. Da sind die Fotografie-Länder-Ausstellungen (”Zeitgenössische Fotokunst aus ...”), in denen immer irgendwie versucht wird, das ganz Typische zu destillieren. Dann gibt es die ”Untersuchungen der ostmitteleuropäischen Kunst der Gegenwart”, also alles, was sich ehemals hinter dem Eisernen Vorhang verbarg, als Gruppenausstellung, meist mit der Betonung auf ”jung”. Beide Reihen können, um die Kontinuität zu erhöhen, abschnittweise verschweißt werden: ”Fotokunst aus den zehn neuen EU-Ländern”. Eine noch ganz kurze, erst über wenige Sprossen verfügende Gerüstbaustange ist ”Critics Choice”. Wie der Name schon sagt, die Choice des Kritikers und wieder eine weit in die Zukunft weisende Ausstellungsreihe (vielleicht darf Kunst-Blog.com ja auch mal)!
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Dellbrügge & de Moll | 04.07.05
That’s the way the cookie crumbles
40jahrevideokunst.de
Digitales Erbe: Symposium zur Videokunst in Deutschland von 1963 bis heute
01. + 02 Juli 2005
Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf
K20 | Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen

Das Erbe wird digital
Kennen Sie John Baldessaris Teaching a Plant the Alphabet von 1972? Oder Dara Birnbaums Wonder Woman von 1978? Nein? Dann wird’s Zeit, denn wenn wir nicht aufpassen, bleibt uns von der Videokunst bald nur noch weisses Rauschen.
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Kai Hoelzner | 21.06.05
Shoplifters of The World Unite
Ja das Ökonomische! Dass junge Frauen, die in den Filialen von Bulgari, Versace oder Gucci einkaufen oder auch dort arbeiten, dem Schönheits- und Modeideal der Zeit oft nicht gerade hinterherhinken, versteht sich eigentlich von selbst. Und so wären Stefan Panhans Fotoarbeiten, auf denen fast ausnahmslos junge Frauen in Boutiquen, beim Shoppen oder in ähnlichen Situationen zu sehen sind, nicht gerade überraschend. Fotografische Affirmation und das Schönfinden von Shop-, Galerie- und sonstigen Assistentinnen, aber auch Kritik an Warenästhetik ist derzeit nicht besonders relevant. Dennoch verdient es Panhans Gezuckerte Hänge Hungrige Spiegel Glänzende Anrufbeantworter betitelte Ausstellung, etwas genauer hinzuschauen.

Interessant ist die Perspektive, die Panhans in seinen fotografischen Arbeiten eröffnet. Die Arbeiten sind im Vorbeigehen geknipst, durch Schaufensterscheiben oder zwischen Auslagen und Warenpräsentationen hindurch aufgenommen. Und obwohl die meisten Aufnahmen für die Fotografierten selbst unbemerkt gemacht wurden und also das Einvernehmen zwischen Modell und Fotograf fehlt, schlägt auf fast jedem Bild eine Pose durch, in der sich die jungen Frauen inszenieren, auch wenn scheinbar keine Kamera anwesend ist.
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Dellbrügge & de Moll | 19.06.05
Aus dem Wörterbuch der Aufmerksamkeitsökonomie
LA BIENNALE DI VENEZIA

BESTECHEN
»Excuse me, sir? We are discussing market economy here. You will be refunded half of your ticket if you discuss with us. Where do you come from? Germany? Well, this lady from France just said that we as consumers can change something by modifying our consumption behavior. Do you aggree?«
Setzt dieser Austausch von Meinungen und Platitüden den Wertschöpfungsprozess in Gang, den Tino Sehgal initiieren will? Was bildet eine Situation ab, die Besucher mit Kleingeld ködert, in ein Gespräch über Marktwirtschaft einzusteigen? Produzieren wir lediglich Bilder, die aussehen, als ob wir kommunizieren? Sind das die Bilder, die nicht geknipst werden dürfen? Bei der Probe aufs Exempel fällt das Lächeln von den Gesichtern des Aufsichtspersonals, das auf die Hobbyfotografin zustürzt und die Linse mit der Hand bedeckt: »No photographs!«
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Adib Fricke | 14.06.05
Offizielle Fussball-Kunst
Die FIFA hat Kunstposter zur Fussballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland veröffentlicht. Die Berliner Kunstmarketing-Agentur Brands United, nach Eigendarstellung darauf spezialisiert, »die Partnerschaft zwischen Kunst und Kultur und Wirtschaft zu professionalisieren«, entwickelte das Kunstdruck-Projekt zum Thema Fussball in Zusammenarbeit mit dem Organisationskomitee der WM 2006. Gefördert wurde die Plakatserie als Teil des offiziellen Kunst- und Kulturprogramms zur WM 2006 durch die DFB-Kulturstiftung aus Mitteln der Bundesregierung.
Heraus kam eine Reihe mit 13 Postern, die vor allem zeigt wie langweilig Auftragskunst sein kann.
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Peter Lang | 13.06.05
Bruttoregistertonnen
51. Biennale von Venedig
12. Juni - 6. November 2005
Der rumänische Pavillon ist leer, der Östereichische von außen mit Dachpappe vernagelt. Man steht an. Systeme der Verknappung und Beräumung. Verwundert ist man auf der Biennale, wenn’s denn schon politisch sein soll, nicht einen Plan über die schlagartige Versenkung der gesamten Vaparettoflotte zu finden. Das wäre der schlimmste Untergang nach Skapa Flow, gleichzeitig aber eine drastische Eindämmung der Kunstsinnigkeit.
Der deutsche Pavillon wurde nach Proporz zerschnitten. Diagonal. 460.000 Euro investiert und 30 Laiendarsteller, die den Affen geben, bestellt und gecastet. Der Banker Steinmetz spricht von Diskurs, der Beamte Grolig vom Mehrwert; der Kunst. Frau Staatssekretärin Müller möchte gern Teil des weltweiten, professionellen Netzwerkes Kunst sein. Der Unternehmer Haubrok erwirbt schon mal einen Sehgal ohne Rechnung, gehört nämlich auch nicht dazu, wie auch keine Fotos oder Filmaufnahmen und spricht von der potentiellen Verwirrung des Publikums.
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Markus Wirthmann | 08.06.05
Der ewige Kippenberger
Urs Fischer
Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart - Berlin
01.06.2005 - 07.08.2005

ohne Titel 2000
Malen mit Marmelade oder Spax-Schrauben in Tafeläpfeln wären auch noch hübsche Überschriften für diesen Beitrag gewesen. Vom Sprachduktus her hätten diese Titel wahrscheinlich zwanzig, dreißig Jahre früher auch als Titel für Ausstellungen von Kippenberger, Büttner oder Herold gepasst. Diese hätten dann allerdings in Galerien und Off-Räumen, eventuell in Clubs stattgefunden. Turbo-Kapitalismus und Turbo-Kunstmarkt waren damals noch in der Entwicklung und hatten den Elch-Test mit den Neuen Wilden noch nicht absolviert.
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Kai Hoelzner | 05.06.05
Österreich isst Ei
Alessandra Pace kuratiert in der Galerie Volker Diehl "Gulli" von Marc Aschenbrenner. Zu sehen sind drei Filme Gulli (2005), Im Grün (2005) und Schneemann (2004), zwei Installationen Studios made with Garbage Sacks und einige Telefonzeichnungen.

Österreich isst Ei. Und wenn man in die erste Galerieausstellung des 1971 in Linz geborenen Marc Aschenbrenners schaut, dann dürfte das ein ziemlich dickes Ei sein. Vor allem sein jüngster und der Show den Namen stiftende Film Gulli könnte zum Phettesten gehören, was in der Galerie Volker Diehl in der letzten Zeit zu sehen war.
Die Geschichte von Gulli ist schnell erzählt: Rüsselmann lebt im Stadtbad Oderberger Strasse. Er trägt Gummianzug in Steinolive und hat eine Gasmaske auf dem Kopf, die statt mit Filter mit einem Rüssel ausgestattet ist. Der Rüssel baumelt lustig. Klar ist, dass er bald zum Einsatz kommen wird...
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Gastbeitrag | 26.05.05
Bis später
Stef Burghard
22.04.05 - 28.05.05
Jan Winkelmann / Berlin
von Henrike Schulte

Es ist schon wieder einer mit Zerschneiden zugange in der Galerie Jan Winkelmann / Berlin. Nachdem dort bis Mitte April die filigranen Scherenschnittarbeiten von Matthew Brannon zu sehen waren, zeigt Winkelmann mit "Bis später" nun eine erste Einzelausstellung der Werke von Stef Burghard. Der in Berlin lebende Künstler (Jg. 1971) macht sich an Anzeigen aus Kunstmagazinen zu schaffen, die er durch einen gezielten Cut mit dem Skalpell ihrer Textinformation beraubt. Trotzdem wirken die übrig gebliebenen Skelette der bunten Informationsflut weder tot, noch freudlos.
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Christian Wilke | 24.05.05
Lebe im Verborgenen
Franz Burkhardt
Leopold-Hoesch-Museum Düren
22. Mai - 3. Juli 2005
Was erwartet man, wenn man eine Ausstellung von Franz Burkhardt besucht? Auf jeden Fall drei Dinge, erstens: gut gemachte Zeichnungen mit humorvollen Textfragmenten, zweitens: Skulptur, also eine selbstgebaute Hütte, oder irgendein anderes scheinbar locker hingehauenes Objekt, und drittens: eine lapidare, aber dennoch hochelegante Form der Präsentation.

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Kai Hoelzner | 24.05.05
Der Abend, an dem es anfing, Möllemänner zu regnen
Expanding Video
vom 19. bis 21. Mai 2005 in der Galerie Olaf Stüber (Berlin) und vom 29. Juni bis 7. August in der Galerie für Landschaftskunst (Hamburg)
kuratiert von Dirck Möllmann, mit: Volko Kamensky / Frank Lüsing & Alexander Rischer / Eva Könnemann / Lene Markusen / Emanuel Geisser / Deborah Schamoni

Niedersachsenhaus (Foto: Reader)
Expanding Video nennt Dirck Möllmann das von ihm zusammengestellte Videoprogramm, das an drei Abenden in der Galerie Olaf Stüber lief und Ende Juni in der Hamburger Galerie für Landschaftskunst zu sehen sein wird. Mit dem Titel hakt die Veranstaltung ein in die Reihe von Retrospektiven, Festivals und Ausstellungen, mit denen seit einiger Zeit dem Experimental- und Undergroundfilm gehuldigt wird.
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Markus Wirthmann | 24.05.05
Der Ego-Shooter
2 [the last thing]
Karsten Korn
KUNSTPUNKT BERLIN
20. Mai bis 18. Juni 2005

Karsten Korn spielt ein bisschen Matrix mit uns, oder, für die älteren Semester: "Welt am Draht" von Fassbinder. Ziemlich clever verschachtelt er mehrere Realitätsebenen mit seinen drei Arbeiten und verstrickt den Betrachter darin. Nach dem Eintritt in die Galerie steht man schon, ohne es zu wissen, in der ersten von drei Realitäten.
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Kai Hoelzner | 18.05.05
Bier auf Wein - das lass sein
30. April bis 16. Mai 2005
Kunstmuseum Bonn

Videoparcours der Videonale 10
Zum zwanzigsten Geburtstag ist der dienstälteste Videokunst-Wettbewerb der Republik von seinem bisherigen Austragungsort, dem Bonner Kunstverein ins Kunstmuseum Bonn umgezogen. Aus 600 eingesandten Arbeiten wurden von der Jury um Georg Elben, der laut der im Katalog mitgelieferten Biographie seit 1993 als Kunstberater für die KfW Bankengruppe tätig ist, 47 Arbeiten für den Wettbewerb ausgesucht. Gut die Hälfte der für zeigenswert befundenen Arbeiten stammen aus dem deutschen Sprachraum.
Ein Großteil der präsentierten Arbeiten zeichnete sich durch einen hohen Grad an Professionalität und Glätte aus. Arbeiten wie Norden der Berlinerin Britt Dunse würden auf Arte, 3sat oder MTV sicher zum Besten gehören, was dort über den Schirm flattert, im Kunstmuseum jedoch irritiert der Aufwand bei der Postproduktion. Leider spart sich der Katalog biographische Details zu den Künstlern und informiert ausschließlich über die tollen Vitas der Juroren und Autoren - ein Manko, dass im Feld der Videokunst besonders durchschlägt, da es gerade im Videobereich durchaus eine Rolle spielen kann, ob ein piece vom Film oder von der Kunst her gedacht ist.
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Christian Wilke | 10.05.05
Eine Ausstellung wie ein Abend mit Fips Asmussen
Rafal Bujnowski
Kunstverein Düsseldorf
7. Mai - 17. Juli 2005
In seiner ersten Einzelausstellung in Deutschland zeigt Rafal Bujnowski (*1974 in Wadowice) eine Auswahl von Arbeiten seit 1999, die der Pressetext als "konzeptuell angelegt" beschreibt, weiterhin berichtet der Pressetext: "Ihr „als ob“, ihre täuschende Echtheit regt uns zum Nachdenken über die Dinge, ihre Erscheinung und Repräsentation an." Und tatsächlich, zum Nachdenken wird hier wahrhaftig angeregt, einer meiner Gedanken war zum Beispiel, ob es denn keine Aufnahmeprüfungen an polnischen Kunsthochschulen gibt. Spätestens im dritten Semester hätte jeder ernstzunehmende Kunstprofessor dieser Kalauerkunst ein verdientes Ende, und den Herrn Bujnowski samt Tuschkasten vor die Tür setzen müssen.

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Christian Wilke | 09.05.05
DAUMENKINO - The Flip-Book-Show
Kunsthalle Düsseldorf
noch bis zum 17. Juli
So, so, die weltweit erste große Daumenkino-Ausstellung also. Aha. Zwar fand Anfang des Jahres das "Erste Internationale Daumenkinofestival Solitude in Stuttgart" statt, und zwar auch in Form einer Ausstellung, aber was soll’s.

Es werde das "allgemein bekannte, aber wenig beachtete Medium Daumenkino" in den Mittelpunkt gestellt, sagte Kunsthallenleiterin Ulrike Groos. Und so ist es tatsächlich auch in äußerst angenehmer Weise geschehen. Eine schöne, klar gegliederte Präsentation zeigt "Arbeiten aus rund 135 Jahren von über 170 Künstlern", dabei kann ein Großteil der flip-books vom Besucher selbst durchgeblättert werden, andere werden auf Monitoren verschiedenster Größe vorgeführt. Die Ausstellungsdesigner haben einen guten Job gemacht, den Besucher erwarten Kurzweil, Unterhaltung und geschmackvolles Ambiente.
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Markus Wirthmann | 08.05.05
Max. Payload
Jeppe Hein
Minimal Overload
Galerie Johann König
06. Mai - 18. Jun 2005
Gern erinnert man sich an die letzte Einzelausstellung von Jeppe Hein bei Johann König – der Roboterball, der interaktiv den schmalen, L-förmigen Galerieraum durchkullerte und dabei den Raum so schön und wohlkalkuliert demolierte, dass am Ende eine horizontale Dellenzeichnung die Wände in Kniehöhe zierte. Minimale Arbeit mit maximalem Effekt (obwohl, wie meist bei Heins Arbeiten, das Innenleben des Rollerballs alles andere als minimal oder trivial sein dürfte).

Würfel, minimal in der Luft schwebend
Diesmal ist das Gegenteil der Fall: Maximale Anzahl der Arbeiten mit minimalem Effekt. Jede Arbeit für sich könnte eine ironische Perle in jedem Ausstellungskabinett sein. Aber mit der Ironie (die in der Kunst der letzten Jahre sowieso schon total überstrapaziert ist) ist das so eine Sache: Sie muss fein sein – hier ist sie es auf jeden Fall nicht.
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Markus Wirthmann | 18.04.05
KünstlerKritiker
Zum Verhältnis von Produktion und Kritik in bildender Kunst und Musik

Ein Abend im Hansaviertel
Zum Auftakt der „interdisziplinären Tagung im Rahmen des Sonderforschungsbereichs 626 der FU Berlin, Ästhetische Erfahrung im Zeichen der Entgrenzung der Künste“ fand am 15.04.2005 in der Akademie der Künste, Berlin-Tiergarten, ein Podiumsgespräch unter dem Titel „Produktion und Kritik“ statt.
Aus gegebenem Anlass, der Existenz von Kunst-Blog.com und dem Wunsch, diese Tatsache in die Welt zu tragen, besuchte ich das Podiumsgespräch. Meinerseits rein neugierdehalber – Theorie ist nicht so mein Ding, besonders an Freitagabenden, wenn man den Wissensdurst in den Galerien stillen könnte – radelte ich ins Hansaviertel. Eigentlich bietet das spröde 60er Jahre Ambiente der alten Akademie ja eine wirklich schöne Kulisse für ernsthafte Podiumsveranstaltungen.
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Adib Fricke | 14.04.05
Plötzlich kam der Geheimdienst in die Galerie

Ausstellungsankündigung der Class Curtain Gallery
Es ist immer wieder erstaunlich, wie die Reiz-Reaktions-Kette zwischen einer mittelmäßigen, politisch motivierten Kunstausstellung und staatlichen Kontrollinstanzen zu funktionieren scheint. Die Class Curtain Gallery, eine Hochschulgalerie des Columbia Colleges in Chicago, zeigt in einer aktuellen Ausstellung unter dem Titel Axis of Evil: The Secret History of Sin mehr oder weniger platte Bildchen. Die Motive der 47 Künstler aus 11 Ländern sind briefmarkenähnlich auf kleinen Druckbögen zusammengefasst und können wohl auch an Perforationslinien getrennt und dann einzeln auf Briefe oder sonstiges aufgeklebt werden. Sie zeigen z.B. eine Bildsequenz, in der ein Flugzeug in den Sears-Tower in Chicago fliegt, in einem Folgebild ist das Hochhaus dann nicht mehr zu sehen. Manhattan lässt grüßen. Oder ein Bild mit Körpern von Gefangenen in Abu Ghraib, die das Gesicht von John Ashcroft überlagern.
Wie die Chicago Sun Times berichtete, lockte diese Ausstellung, wohl insbesondere wegen des Briefmarkenmotiv von Al Brandtner, in dem der amerikanische Präsident George W. Bush eine Waffe auf den Kopf gerichtet bekommt, den amerikanischen Geheimdienst zu einem Ausstellungsbesuch kurz vor der Eröffnung. Die Mitarbeiter des Secret Service machten Fotos von der Ausstellung und erkundigten sich bei der Direktion, was die Bedeutung der Kunstwerke sei. Soviel Interesse gibt es eigentlich selten in einer Kunstausstellung. Leider wollte der S.S. -- so die Abkürzung für den US-Geheimdienst in einem amerikanischen Blog -- auch noch Adress- und Telefondaten der Künstler erhalten, und dies wohl nicht, um den einen oder die andere der Teilnehmenden zum Essen einzuladen und über den Erwerb einer der Arbeiten zu sprechen. Damit war die kleine Sensation perfekt, die der Ausstellung nun über Zeitungsartikel und Weblogs mehr Aufmerksamkeit beschert als sie sie vorher bei der ersten Station in Philadelphia erlangt hatte, wo nur ein »gewöhnliches Ausstellungspublikum« zu Besuch kam.
Adib Fricke | 12.04.05
Kinderkram von Damien Hirst, seziert

Jerry Saltz, Kolumnist der Village Voice, New York, besuchte die Ausstellung The Elusive Truth (»Die trügerische Wahrheit«) von Damien Hirst in der Gagosian Gallery und, die Bildunterschrift zum Artikel, Dissecting Hirst’s no-brainer, sagt es schon, nahm sie ziemlich heftig auseinander. Die 31 Gemälde aus Hirsts »neuer, trauriger Ausstellung«, werden runtergeputzt, ja, auf akademisches Niveau zurecht gestutzt. Der Autor sieht in den Bildern keine Malerei mehr, eher den Versuch, mit einem unterdurchschnittlichen Fotorealismus zu Punkten, den jeder halb-begabte Student oder mittelmäßige Gebrauchskünstler hätte besser machen können. Doch das allein macht die Ausstellung nicht zur »traurigen Show«. Auch nicht die Tatsache, dass die Bilder von Hirsts Assistenten gemalt wurden, obwohl die Galerie die (Mit)Urheberschaft des Künstlers noch durch den Satz »Damien worked on every one.« beschworen haben soll.
Das Traurige wird für Saltz vor allem darin sichtbar, dass »der Rebell von 1988« mit »null-acht-fünfzehn Sensationsmotiven« zum »null-acht-fünfzehn Künstler« abgestiegen sei. Nur die Marke Hirst bleibt bestehen, das Beste was über die Bilder der Ausstellung, die alle übrigens schnell für viel Geld verkauft waren, noch zu sagen sei, ist dass Hirst im Raum zwischen Gemälde und Maler arbeite:
»The best that can be said about these canvases is that Hirst is working in the interstice between painting and the name of the painter: Damien Hirst is making Damien Hirsts. The paintings themselves are transparent; in effect they are only labels—carriers of the Hirst brand. They’re like Prada or Gucci. You pay more but get the buzz of a brand. For between $250,000 and $2 million, rubes and speculators can buy a work that is only a name. As Hirst has said, "They’ll buy what you fucking give them." This isn’t only bad art, it’s bad thinking.
Every painting is sold, which isn’t surprising in these times when collectors buy what other collectors buy, advisers sell art over the phone, and artists wonder if their prices should be higher. Buyers get a placeholder: A painting by a big name with a big price tag that presumably will command an even higher resale value. Hirst & Co. have created a perfidious feedback loop where everyone gets to snicker at everyone else. We sneer at Hirst, his dealers, and his collectors for having bad taste and bad values; they scoff at us for being old-fashioned, out-of-the-money sourpusses. We all tell ourselves what we already know. The only thing at stake is gamesmanship.«
Addicted to Crack, Abandoned by Society, Football Violence, Vivisection, so lauten beispielsweise die Bildtitel -- wen würde das locken?
Markus Wirthmann | 09.04.05
Hundert nackte Tatsachen
Ein Fotoroman vom Rande eines Großereignisses – Die Performance VB 55 von Vanessa Beecroft in der Neuen Nationalgalerie, Berlin.

Mehr als Tausend Menschen fanden sich in der Schlange vor der Nationalgalerie wieder – Beinahe wie neulich bei der MOMA-Ausstellung.
Da man die Eintrittskarte für die Performance VB 55 (10 € + 2 € Versand) schon per E-Mail bestellt und auch gleich online bezahlt hatte, musste man sich beim Anblick der einige hundert Meter langen Schlange kein Kopfzerbrechen machen. Anscheinend hatte die Ankündigung, dass die Künstlerin Vanessa Beecroft für eine Performance einhundert nackte Frauen in der Neuen Nationalgalerie versammeln wollte, ihre Wirkung getan. Was dem Kunst-Insider bekannt war, nämlich dass Beecroft in ihren Performances nahezu immer mehr oder weniger Nackte um sich versammelt, war doch einer ganzen Reihe der Schlangesteher nicht geläufig.
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