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Michael Reuter | 19.12.08
Weich gespülte Souveränität in Schwäbisch Hall

Ornamentmann (Remix), 2008, Öl auf Leinwand, 300 x 250 cm, Sammlung Würth, Inv. 11478
Als Kurator in eigener Sache agiert Georg Baselitz (*1938) in der Kunsthalle Würth und bastelte aus den rund fünfzig Werken des Baselitz-Blocks der Sammlung Würth und diversen Leihgaben eine Ausstellung mit dem unbescheidenen Titel „Georg Baselitz ↑ Top“. Schön ist sie geworden. Fast zu schön, um wahrhaftig zu sein.
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Michael Reuter | 10.12.08
In der Dunkelheit hinterlässt das Licht Spuren

© Ralf Spieß
Grundlage der Arbeiten von Volker Schöbel (64) sind fotografische Abfälle. Probestreifen oder misslungene Abzüge unterschiedlicher Schwarz-Weiß-Papiere landen in einem dunklen Mülleimer, in dem die Entwickler-, Stopp- und Fixier-Chemikalien zwischen den Schnipseln weiter wirken. Auf zufälligem, fotochemischem Weg entstehen im Laufe der Zeit abstrakt anmutende Farbcollagen in erdigen Tönen. Aus unzähligen dieser Puzzleteile – als Leiter der Freien Fotoschule Stuttgart sitzt der Künstler an der Quelle – hat Schöbel über die Jahre etwa zweitausend besonders interessante Fragmente herausgefiltert, die als Grundlage für unterschiedlich große Bildtableaus dienen. Eine komplette Arbeit kann aus fünf oder aus über hundert einzelnen Teilen bestehen.
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Gastbeitrag | 10.12.08
Licht und Schatten im Schloss Wolfsburg
Von Ulrich Diezmann
2. Verleihung des arti-Kunstpreises
arti 2008
Der Kunstpreis für Wolfsburger Künstler
03/12/2008-08/02/2009
Wolfsburg hat etwas, was Berlin nicht hat, ein Schloss – und das ist sogar echt
und eines der ältesten Gebäude dieser jungen Industriestadt im östlichen Niedersachsen.

Schloss Wolfsburg am Abend des 2.Dezembers
Um das Image eines bloßen Industriestandortes abzulegen, wird viel getan. Ein Kunstpreis, der die lokale Szene zeigt und würdigt, ist ein weiterer Schritt in diese Richtung.
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Markus Wirthmann | 03.12.08
Der lange Marsch zu den chinesischen Kunstfabriken
Apartment Art in China 1970s-1990s (1)
The Ecology of Post-Cultural Revolution Frontier Art
Shuimu Contemporary Art Space, 798 Art District, Peking
Oktober 2008

"Apartment Art" is a term, which I put forward to summarize a very important phenomenon in Chinese contemporary art during the former three or four decades.“ Gao Minglu
Im Westen wundert man sich schon seit geraumer Zeit über das scheinbar plötzliche Auftauchen der Kunstfabriken in Chinas Großstädten - und den damit einsetzenden Boom der zeitgenössischen Kunst im Reich der Mitte. 798, eigentlich die Bezeichnung einer einzigen Fabrikhalle im weitläufigen, ehemals militärisch genutzten Industriegelände von Dashanzi in Peking und, nicht ganz so bekannt, M50 in Shanghai, sind mittlerweile zum Synonym für diese Agglomerationen von Künstlerateliers, Galerien und Projekträumen geworden.
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Dirk Teschner | 25.11.08
Jakobsweg oder Kunstmeile
Der Petersberg thront wie eine Krone über der Altstadt Erfurts. Er ermöglicht einen einzigartigen Blick über die Landeshauptstadt und darüber hinaus. Der Petersberg ist zwar physisch im Stadtraum anwesend, aber für die Einwohner und Touristen Erfurts durchaus nicht präsent.
Immer wieder wurde in den letzten 40 Jahren der Versuch unternommen mit unterschiedlichen Konzepten den Petersberg einschließlich der benachbarten Gebäude stärker zu einem öffentlicher Raum werden zu lassen, der von einem breiten Spektrum der Erfurter Bevölkerung genutzt wird.
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Michael Reuter | 24.11.08
Kunstdiskurs-Kunst. Daniel García Andújar im Württembergischen Kunstverein

Daniel García Andújar, Postcapital (Bibliothek / Library), 2008
Ausstellungsansicht / Exhibition view, Hartware MedienKunstVerein, Dortmund, 2008, Foto: Daniel García Andújar
Der spanische Künstler Daniel García Andújar ist mit seinem Projekt „Postcapital. Archive 1989 – 2001“ bis Mitte Januar 2009 im Württembergischen Kunstverein zu Gast. Das Archiv Andújars basiert auf über 250.000 Dateien aus dem Internet. Die Dokumente, Filme, Fotos und Audioaufnahmen dienen ihm zur Beschreibung eines Zeitalters, dessen Wendepunkte der Künstler durch den Fall der Berliner Mauer 1989 und die Zerstörung der Twin Towers im Jahr 2001 markiert sieht.
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Christoph Bannat | 18.11.08
Dzama, Magritte, Polke u. m.

Marcel Dzama, On the banks of the river, 2008
"Die deutsche Provinz wird immer besser", hieß es Ende der 90er, da sich die Künstler dort anstrengen, nach Berlin zu kommen. Das bezog sich auf die Schauspielkunst. Für die bildende Kunst gilt dies für Frankfurt, Köln versucht noch, krampfhaft bemüht seinen Weg zu finden, und München könnte interessant werden, da von dieser Stadt keiner etwas in Sachen Kunst erwartet.
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Dirk Teschner | 15.11.08
Ein neues Kulturkonzept für Erfurt
Vor einem Jahr hat Oberbürgermeister Andreas Bausewein vom Erfurter Stadtrat den Auftrag erhalten, ein Kulturkonzept für die Stadt Erfurt vorzulegen. Ein Konzeptpapier wurde seitdem zwischen Oberbürgermeister und Kulturdirektion hin und her geschoben oder als vermisst gemeldet.

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Michael Reuter | 08.11.08
Zweifel berechtigt. Ruprecht von Kaufmann im Stuttgarter Hospitalhof

Dobermänner, Gouache and Collage on Paper, 2008, 20 x 45 cm
Nach einer Phase der melancholischen Dunkelheit herrscht in den Gemälden des in München geborenen Ruprecht von Kaufmann (34) wieder etwas Licht. Wo er vor einem Jahr noch Nashörner und Elefanten, isolierte Menschlein und übergroße Insekten, kläffende Höllenhunde, Insektenheere und Hubschrauberschwärme auf schwarzes Gummi malte, wabert nun ein blasser, weißer Nebel über die Leinwand, der seine Figuren, gerade dem Dunkel entkommen, gleich wieder verschluckt.
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Gastbeitrag | 17.10.08
in der Alten Post
von Martin Steffens
post barroco
in der Alten Post
Karl-Marx-Straße 97-99
bis 25.10.2008

Im alten Neuköllner Postamt an der Karl-Marx-Straße ist seit Juni 2008 ein temporärer Kunstort entstanden, in dem bereits verschiedene Ausstellungen auf ca. 1.000 m² präsentiert wurden. Durch das Engagement der [Aktion! Karl-Marx-Straße] konnte in Kooperation mit dem Kulturnetzwerk Neukölln e.V. das exponierte Gebäude nach 5 Jahren Leerstand wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
Mit post barroco ist nun unter der Kuratorin Antje Gerhardt eine Ausstellung realisiert worden, die den Ort – das eigentlich neorenaissancehafte Bauwerk und die Schalterhallen im Stil der späten 70er Jahre – geschickt in Szene setzt. Mit Beratung von Bonaventure S. B. Ndikung (Marseille / Berlin) wurden hier 18 Künstler versammelt, die Arbeiten aus den Bereichen Skulptur, Installation, Video, Zeichnung, Collage, Fotografie und Malerei ausstellen.
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Gastbeitrag | 17.10.08
Rückgekoppelte Abstraktionen
Geka Heinke „Rand“
Diehl Projects, Berlin
12.9.–25.10.2008
von Peter K. Koch

Die schwer zu beantwortende Frage nach dem exakten Übergangspunkt von gegenständlicher in ungegenständliche Kunst beschäftigt die Betroffenen schon lange. Das gilt gleichermaßen für die mittelbar wie für die unmittelbar Betroffenen. Ein kunsthistorisch hell strahlender Fixstern auf dem Weg von der Gegenständlichkeit in die Ungegenständlichkeit ist der hoch geachtete niederländische Maler Piet Mondrian. Er ist seinen steinigen Weg in den frühen Jahren des vergangenen Jahrhunderts gegangen. An der Entwicklung seiner Malerei kann man die intellektuelle Schwerstarbeit auf dem Weg von der ungebrochenen realistischen Abbildung eines Baumes hin zur vollkommen gegenstandslosen und leuchtend klaren Farbfeldmalerei in jedem Schritt nachvollziehen. Das war zweifellos eine große Leistung.
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Gastbeitrag | 15.10.08
Portrait der Spezies Mensch¹
von Roland Fuhrmann
Der Kunstpreis „Kaiserring“ der Stadt Goslar wurde 1994 an die Düsseldorfer Fotolegenden Bernd und Hilla Becher verliehen. Letzten Samstag stand nun ihr ehemaliger Schüler, Andreas Gursky, im großen Saal der alten Kaiserpfalz vor 600köpfigem Publikum und bekam den 33. Ring.

"Pyong-yang" 2007, mit Betrachterschatten
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Markus Wirthmann | 15.10.08
Die asiatische Kräckermischung: 798 Art District in Peking

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Gastbeitrag | 07.10.08
Auf des Messers Schneide
Werke aus der Sammlung J+C Mairet
von Hugo Boadas

Das Polizeifoto zeigt die Anarchistin Germaine Berton, die den royalistischen Propagandisten Marius Plateau ermordet hatte. Dieses Foto wurde für eine Fotomontage in der Nr. 1 der Zeitschrift »La Revolution surrealiste« (Dezember 1924) verwendet. Um das Fotos waren die Mitglieder der Surrealisten gruppiert Darunter stand der Satz Baudelaires: »Die Frau ist das Wesen, das den größten Schatten und das größte Licht in unsere Träume wirft.« (aus dem Nachlass Breton in der Sammlung Mairet).
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Dirk Teschner | 29.09.08
Der Klub 500 und Napoleon
In Erfurt fanden Ende September Feierlichkeiten zum sogenannten Fürstenkongresse statt. Mit militärhistorischen Truppen in den Gassen der Altstadt, Kanonendonner auf dem Petersberg und überall Napoleon, Militaristen und Pferdescheiße. Eine welthistorisch unbedeutende Zusammenkunft von Gaunern und Kriegstreibern vor 200 Jahren wird aufgebläht und dafür wurden hunderttausende Euro verpulvert.
Derweil gewinnt die Debatte über die kulturelle Ausrichtung der Stadt, die Zurückhaltung von städtischen Fördergeldern an das Erfurter Kunsthaus, das fehlende Kulturkonzept und die mangelnde Förderung zeitgenössischer Kunst mehr an Fahrt.

Ausstellungsansicht Klub 500
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Michael Reuter | 29.09.08
Die Wunden vernähen. Isabell Kamp im Hospitalhof Stuttgart

No Consequences (No Excuses), 2008, 140 x 210 cm, Acryl, Stoff, Garn
Immer das Gleiche. Der Kunstkritiker geht in eine Ausstellung, sinniert ein wenig über die gezeigten Werke, schreitet gedankenschwer nach Hause und formuliert am Schreibtisch die einzig wahre Interpretation. Zumindest aus seiner Sicht. Konfrontiert man die betreffenden Künstler mit den Einsichten, zeigen die erfahrenen Hasen ein verständnisvolles Lächeln und schweigen, die Frischlinge von den Akademien schlackern mit den Ohren und versuchen zu retten, was noch zu retten ist. So erging es dem Rezensenten jüngst mit Isabell Kamp (28), deren Werke seit letzter Woche im Hospitalhof in Stuttgart zu sehen sind. Dem Genderdiskurs unter autoaggressiven Aspekten wollte Isabell so nicht folgen. Der Kritiker ist darob nicht geknickt, sondern freut sich über jede Kunst, über die zu diskutieren sich lohnt.
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Markus Wirthmann | 21.09.08
ShContemporary 2008

Sie ist vorbei, die zweite Kunstmesse nach Schweizer Rezept in China. Eigentlich sollte sie ja ArtBasel Shanghai heißen – jedenfalls rein gefühlsmäßig (ich will hier ja keine Markenrechte ankratzen und mir ein paar Abmahnungen einfangen). Diesen Messen haftet mittlerweile genau so ein Franchising-Muff an wie früher mal Photo-Porst und heute Starbucks und McDonalds. Übrigens ist hier in Südostasien die Dichte der genannten Franchising-Unternehmen deutlich höher als in Europa – und lustigerweise natürlich auch deren Kopien.
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Michael Reuter | 17.09.08
Karl Bohrmann in der Galerie Klaus Gerrit Friese in Stuttgart

Ölkreide auf Papier, 1998, 9,8 x 12,4 cm
Karl Bohrmanns (1928–1998) zeichnerisches Œuvre ist kaum zu überblicken. Hunderte von Blättern mit Akten, Stillleben und Landschaften in endlosen Variationen.
Stuhl, Tisch, Fenster, Gefäß, Raum, Haus, Baum und Frauenfigur: Nicht das spektakuläre Thema zeichnet die Arbeiten aus, sondern die Bereitstellung einer stillen Zimmerecke, durch deren Fenster wir die Bildgewitterfronten der Jetztzeit beobachten können, während wir uns, mit einer Tasse Tee in der Hand und dem Katalog auf dem Schoß, dem Wunsch des Künstlers anschließen, „dem Strudel der Eindrücke, der betörend betäubenden Bilderflut, ein Stück herausreißen zu wollen, ein Bild herauszuschneiden, kühl und klar wie Glas, das prismatisch die Flut bricht und enthält“.
Informationen zur Ausstellung finden sich hier
Dirk Teschner | 08.09.08
Verfickter Humankapitalismus

Eine Aktion im Rahmen des Projektes der NGBK unvermittelt - Kampagne für einen Arbeitsbegriff jenseits von Überarbeitung und Mangel vor dem Wirtschaftsministerium in Berlin.
Weitere Informationen www.unvermittelt.net
Michael Reuter | 05.09.08
Geisterstunde im Ländle

Mit den Medien der Malerei, der Fotografie und der Skulptur präsentiert der chilenische Künstler Cristóbal Lehyt im Künstlerhaus Stuttgart eine facettenreiche Installation: „Drama Projektion (The People of Stuttgart), 2008“.
Seine Arbeiten kreisen um die Frage, wie das eigene subjektive Empfinden mit kulturellen Prägungen, aber auch mit Projektionen und Erwartungen zusammenhängt.
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Gastbeitrag | 13.08.08
Geisterschiff in Köln gesichtet
ARTrmx ist ein Kunstevent das vom 22. bis zum 31. August erstmals in Köln stattfindet. Ähnlich dem Celeste Kunstpreis wird ARTrmx durch die von den Teilnehmern erhobenen Gebühren zu einem erheblichen Teil finanziert. Eigentlich ist es natürlich so, dass derartige Veranstaltungen durch die große Zahl der ausjurierten, also allen Nicht-Teilnehmern, finanziert oder mitfinanziert werden.
Fairerweise muss man allerdings erwähnen, dass die Gebühr des Celeste Kunstpreises höher war und beispielsweise die Künstlerhäuser Worpswede mittlerweile auch eine, wenn auch etwas niedrigere, Bearbeitungsgebühr erheben.
Wie auch beim Celeste Kunstpreis haben die Veranstalter von ARTrmx es geschafft eine größere Anzahl von mehr oder weniger prominenten Juroren zu aquirieren die der ganzen Sache die nötige Seriosität verleihen. Mit dabei in der Jurydisziplin Street Art u.a.: Stéphane Bauer aus Berlin und der Hamburger Sammler Rik Reinking. In der Disziplin Malerei tritt unter anderem Gérard Goodrow, ehemaliger Leiter der Art-Cologne, an, für Videokunst Julia Scher.
Bence Fritzsche, Chefredakteur des Magazins atelier findet es reichlich merkwürdig, dass ARTrmx unter den oben beschriebenen Vorraussetzungen offiziell von der Stadt Köln gefördert wird. Im folgenden geben wir den Schriftwechsel zwischen Bence Fritzsche und dem Kulturamt der Stadt Köln wieder:
Sehr geehrter Herr Professor Quander,
wie wir feststellen konnten ist das Kölner Kulturamt und das Kulturdezernat ein Förderer des Kunstfestivals ARTrmx in Köln.
Wir halten Ihre diesbezügliche Förderung für höchst bedenklich.
Das Festival ARTrmx wird in der Hauptsache von Künstlerinnen und Künstler finanziert, die von einer "hochkarätigen" Jury ausgemustert wurden. Ein Vorgang, wie er in Deutschland in der Kunstszene nicht nur unüblich, sondern skandalös ist.
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Dirk Teschner | 08.08.08
Für eine Kulturhauptstadt Erfurt
Offener Brief an den Erfurter Oberbürgermeister Andreas Bausewein
Der Staat ist nach unserem Staats- und unserem Kulturverständnis nicht für Kunst und Kultur zuständig, sondern für die Bedingungen, unter denen sie stattfinden. Deswegen ist wahrscheinlich die wichtigste Begabung für einen Politiker die Einsicht in die eigene Bedeutungslosigkeit. Und die Größe, für andere die Entfaltungsspielräume zu schaffen und zu sichern, die sie für ihre Begabung, ihre Kreativität, ihre Entwürfe brauchen.
(Bundestagspräsident Norbert Lammert, 16. Mai 2007)
Kunst und Kultur sind nicht die schönste Nebensache, sondern sind Seismographen, die Dinge ansprechen, ans Licht holen, bevor sie explodieren. Sie fördern und ermöglichen oft erst das Gespräch unter Menschen und haben somit eine enorme gesellschaftliche Funktion. Kunst und Kultur sind zentrale Grundlagen demokratischen Zusammenlebens. Die Förderung von Initiativen und Vereinen, die sich der Kunst und Kultur verschrieben haben, können deshalb nicht mit wirtschaftlichen Maßstäben gemessen werden, denn sie sind ein unersetzlicher, nicht aufwiegbarer Beitrag zur Entwicklung einer Zivilgesellschaft.
Das Kunsthaus Erfurt ist durch die Einstellung der finanziellen Förderung seitens der Stadtverwaltung Erfurt in seiner Existenz bedroht.
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Gastbeitrag | 01.08.08
Sound of Art
von Jürgen Schneider
Sound of Art – Musik in der bildenden Kunst
Museum der Moderne Salzburg
bis 12.10.2008
Salzburg hat etwas Schönes – den Mönchsberg. Schön ist der Berg, weil es keiner Kletterei bedarf, um hinauf zu gelangen. Es gibt einen Aufzug, und der führt zum hoch über der Mozart- und Festspielstadt gelegenen Museum der Moderne. Als sollten die Besucher akustisch auf die dort bis zum 12. Oktober zu sehende Ausstellung »Sound of Art – Musik in der bildenden Kunst« eingestimmt werden, mischt sich im Aufzug dessen leises Rumpeln mit den aus dem Deckenlautsprecher rieselnden Klängen aus der Frühzeit der österreichischen DJ-Ikonen Kruder und Dorfmeister.
Die Ziele von »Sound of Art« sind hochgesteckt. Es »geht um das Objekt ›Musikinstrument‹ und um dessen kulturelle Symbolbildung, es geht um den Vorgang des Musizierens und seine performativ körperlichen Qualitäten über die eigentliche Musik hinaus.
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Dirk Teschner | 21.07.08
Fürstliche Kunstförderung

Die Nägel der Geschichte in den Domtreppen von Erfurt
Auf die Artikel „Die Wüste wächst“ im Kunstblog und „Erfurter Raufasertapete“ vom 11. Juli 2008 in der taz über die kulturelle Wüste in Erfurt, gab es in der dortigen Medienlandschaft prompte Reaktionen, die lokalen Radio- und TV-Stationen berichteten darüber und die Tageszeitung „Thüringer Landeszeitung (TLZ)“ veröffentlichte einen größeren Artikel unter der Überschrift „Totsparen der Kleinen?“.
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Michael Reuter | 16.07.08
Galerietaugliche Kapitulationen

Ausstellungsansicht mit der Arbeit »Tumbleweeds« von Manuela Tirler
Volles Haus im Stuttgarter »Kunstbezirk«. Die Absolventen des Diplomstudiengangs Bildende Kunst der Kunstakademie Stuttgart präsentieren hier seit gestern auf 400 qm ihre Arbeiten. Eine Ausstellung, die sich auch dem kunstfernen Betrachter erschließt, da allerlei Figürliches und gut Vorgekautes zur Ansicht kommt.
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Dirk Teschner | 12.07.08
Die Wüste wächst

Dass der Kunstmarkt auch hierzulande boomt ist bekannt, auch wenn davon nur 10% der Künstler partizipieren, aber wie sieht es mit der Kunstszene jenseits des Marktes aus?
Zum Beispiel Erfurt. Eine Stadt zum verlieben. Die Landeshauptstadt Thüringens mit 200.000 Einwohnern besitzt einen der am besten erhaltenen und größten mittelalterlichen Stadtkerne Deutschlands mit einem Dom, 25 Kirchen und drei Synagogen. Die Krämerbrücke in der Altstadt ist die längste komplett bebaute und bewohnte Brücke Europas. Erfurt hat eine Universität, eine Oper, IKEA und einen Flughafen, in Erfurt befinden sich das Bundesarbeitsgericht und der Sitz des Kinderkanals KI.KA von ARD/ZDF sowie das Landesfunkhaus des MDR.
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Christoph Bannat | 08.07.08
Frank Hesse. Neue Arbeit von Duchamp entdeckt!

Foto: Frank Hesse.
Frank Hesse, SUPPLEMENT, 10. Juli — 24 August 2008
www.kunstvereinleipzig.de
www.frankhesse.com
Neuer Duchamp entdeckt. Um seinen Lieblingsort im Garten seines Geburtshauses zu markieren, ritzte Marcel Duchamp im Alter von 12 Jahren in eine Buche seinen Namen und die Jahreszahl ein: Duchamp Marcel 1901. Der derzeitige Besitzer des Anwesens musste den Baum 1993 fällen, da er umzustürzen drohte. Der Teil mit der Inschrift wurde jedoch aufbewahrt und befindet sich seitdem in seiner Garage.
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Christoph Bannat | 07.07.08
Silke Wagner
Silke Wagner - Neueröffnung n.b.k.
Neuer Berliner Kunstverein
5. Juli 2008

Ausstellungsansicht
Eröffnung gelungen. Und das ist wörtlich zu nehmen. Der Neue Berliner Kunstverein, mit dem Wechsel des künstlerischen Leiters nun in Kleinbuchstaben n.b.k. genannt, öffnet sich. Zu sehen ist, was in ihm steckt. Die Frankfurter Künstlerin Silke Wagner (geb.1968) hat dafür im Videoarchiv des n.b.k., das über 1000 Arbeiten umfasst, recherchiert.
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Gastbeitrag | 05.07.08
Berlin Past it’s Zenith …
… Next Stop Brussels?
by Melinda Deitch
BERLIN (AP) – Adam Tarrigon once loved going out for dinner and drinks in Berlin, feeling far wealthier in the German capital than he did at home in the United States. With the dollar now worth about 20 percent less than when he first arrived in 2005, the 30-year-old freelance artist has a leaner lifestyle.
“I used to be able to brag that Berlin was really affordable but now my rent actually works out on par with Washington and New York. It’s pretty terrible,” said Tarrigon, whose income is almost exclusively in the devaluing currency. “I do everything to try to spend fewer euros now and am looking for a place in Brussels, there’s more value for your money there.” Not only weak dollar is hurting many of the Americans who live in Berlin, many come for the art scene; which for only those lucky few, can support themselves with their earnings.

Standort-Bashing der besonderen Art: Carlier Gebauer tauschte seine Galerieräume einfach mit einem Computergroßhändler. Seine ehemaligen Nachbarn an der Jannowitzbrücke freuen sich wohl nur bedingt über die neue Einkaufsmöglichkeit. Foto: von hundert
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Gastbeitrag | 17.06.08
Wir irren des Nachts im Kreis umher und werden vom Feuer verzehrt *
Christine Lemke über
LANDREFORM Karussell (Eröffnungsausstellung zu LANDREFORM, Skulpturenpark Berlin_Zentrum)
»Und dann war es auch noch ein schönes Erlebnis« schlossen einige der Erzählungen, die mir über die am 10.06.2008 im Rahmen der 5. berlin biennale im Skulpturenpark Berlin_Zentrum stattgefundene Performance LANDREFORM Karussell zu Ohren gekommen sind. Wie bei manchen Berichten über erlebte Kunstdinge bei denen man nicht dabei gewesen ist, aber gerne dabei gewesen wäre, setzte sich meine Vorstellungskraft in Bewegung und konnte sich sehr gut acht funkelnagelneue schwarze BMWs auf einer von Wohnhäusern umstandenen Brachfläche über rumpelige Steine um ein Lagerfeuer unablässig im Kreis fahrend vor das innere Auge führen.

LANDREFORM Karussell aus BMWs, Foto: Jelka Plate
Manche Kunstereignisse scheinen wie für die Legendenbildung gemacht zu sein. Sie treffen etwas in ihrer Zusammensetzung von sich gegenseitig aufladenden Elementen und pflanzen sich so im Hirn fort, erzählen sich dort weiter Geschichten und verbinden sich mit Fantasien, Wünschen, Erinnerungen und anderen begehrlichen Affekten. Es kommt mir sowieso manchmal so vor, als gäbe es Kunstwerke, die besser in der Erzählung als in echt funktionieren. Die gerade über das Erzählen eine Attraktivität auslösen, eine im darüber Sprechen genussvoll entfaltete Verdrehung von Wirklichkeit, eine sich gerne vorgestellte Überschreitung. Dies kann bisweilen im als ob der Vorstellung mehr Virulenz entwickeln als in der tatsächlichen Anschauung, die demgegenüber blass, illustrativ oder gar banal erscheint.
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Gastbeitrag | 11.06.08
Kunst auf kleinstem Raum - Eine Ausstellung in Brüssel
Jule Reuter über
Appell – Eine Ausstellung zeitgenössischer Skulptur im Museum Felix De Boeck in Drogenbos bei Brüssel, 25.5. bis 3.8.2008
Mit Arbeiten von Andrea Pichl, René Lück, Leif Erich Christensen, Michael Beutler, Tilman Wendland, Olaf Holzapfel, burghard, Joep van Liefland, Theo Boettger, Iris Kettner, Suse Weber, Erki De Vries/ Tim Vets, Nadia Naveau, Ief Spincemaille, Clemens Hollerer, Lutz Fezer/Skafte Kuhn/Michael Stumpf.

Ein Weitwinkelblick in die Ausstellung, Foto: Jo Vandermarliere
Appell – der Name der Ausstellung ist Programm. Das ‚Versammeln von Truppen zur Befehlsausgabe’ findet hier im übertragenden Sinn statt, als streng geometrische Ausrichtung individuell künstlerischer Positionen auf einem abgesteckten Planquadrat. 16 Künstler – zwölf davon aus Deutschland, drei aus Belgien, einer aus Österreich – zeigen auf einer Fläche von
8 x 8 m ihre skulpturalen Arbeiten. Das macht 4 m² Ausstellungsfläche für jeden, die maximale Höhendimension beträgt 9 m.
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Dirk Teschner | 11.06.08
Punk - No One is Innocent
So der Titel der aktuellen, bis zum 7. September laufenden Ausstellung in der Wiener Kunsthalle. Kein gutes Ohmen, bezieht er sich doch auf die 5. Single der Sex Pistols, sie erschien im Juni 1978 nach dem Weggang von Jonny Rotten und leitete das Ende der Pistols und der ersten Punkgeneration in England ein.

Ausstellungsansicht too much future, Berlin, 2005
Im Pressetext zur Wiener Ausstellung heißt es: „Aus der Distanz von dreißig Jahren belegt die Ausstellung am Beispiel der drei Metropolen New York, London und Berlin, wie unterschiedlich und doch konsistent Punk als Metapher der Revolte in verschiedenen Kulturräumen auf Musik, bildende Kunst und den Look der Jugendlichen wirkte. Während er in England vor allem ein Stil- und Modephänomen war, gab es in den USA und in Deutschland von Beginn an eine enge Beziehung zwischen Künstlern und Punk-Musikern.“
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Christoph Bannat | 07.06.08
köln progressiv, Andreas Siekmann

Ausstellungsansicht, Andreas Siekmann c/o Galerie Weiss
Es gab eine Zeit, da hatten Gesellschaftsentwürfe Hochkonjunktur. Bewegungen, wie die Wandervögel, der Vagabundenbund, konkurrierten in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts mit Anarchosyndikaten und Gewerkschaften und Parteien um die Deutungshoheit der Gesellschaft.
seiwert-hoerle-arntz
köln progressiv 1920-33
Museum Ludwig, Köln
verlängert bis 15. Juli 2008, Ausstellungsübernahme ist in Planung.
Andreas Siekmann
Verhandlungen unter Zeitdruck
Aus: Faustpfand, Treuhand und die unsichtbare Hand (2005-2008)
bis 7. Juni, 2008
Galerie Barbara Weiss, Berlin
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Michael Reuter | 21.05.08
Play it – Kunst und Spiel in Stuttgart

Eva Grubinger, "Hype! Hack! Hit! Hegemony!", 1998
Vier zu vier stand es am vergangenen Montag beim Presserundgang in der Halle 6 des alten Messegeländes am Stuttgarter Killesberg. Die traurige Delegation des Stuttgarter Pressekorps und vier angespannte Ausstellungsmacher. Ohrenbetäubender Aufbaulärm im Hintergrund. Werner Meyer, Leiter der Kunsthalle Göppingen und Kurator der „Play it“ - Ausstellung rutschte unruhig auf seinem Stuhl hin und her. Ludger Hünnekens, Rektor der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart und erster Vorsitzender des Vereins „Kunst08+“, gab sich gelassen, flankiert von Jörg-Dieter Walz (Galerie 14-1) und Ramona Dengel vom Projektbüro.
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Christoph Bannat | 20.05.08
Herbert Tobias

Herbert Tobias, geboren 1924 in Dessau, gestorben 1982 in Berlin, schwuler Fotograf. Aber was heißt schon „schwuler Fotograf“?
„Blicke und Begehren“
Der Fotograf Herbert Tobias (1924–1982)
16. Mai bis 25. August 2008
Berlinische Galerie
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thw | 20.05.08
Künstlerhaus Kottbusser Straße
Der Informationsdienst Nr. 402 vom 15. Mai 2008 meldet es auf der ersten Seite: Christoph Tannert ist für seinen geplanten Umzug des Künstlerhauses Bethanien fündig geworden in der Kottbusser Straße. Genutzt werden soll dafür eine ehemalige Fabriketage. Der Umzug wurde notwendig, nachdem sich ehemalige Besetzer mit Unterstützung des Bezirkbürgermeisters auch Quartier beziehen konnten in einem Flügel des Bethanien.
"An der Arbeit des Künstlerhauses mit seinem internationalen Atelierhaus, seinen Stipendiatenausstellungen und den zusätzlichen freikuratierten Projekten soll sich an dem Standort nichts ändern." schreibt der Informationsdienst.
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Markus Wirthmann | 17.05.08
Kuratoren nehmt Euch ein Beispiel!
Arcangelo Sassolino
Critical Mass
2. Mai bis 29. Juni
Galerie Feinkost, Berlin
Nina Canell, Heman Chong, Karin Hueber,
Klaus Jörres, Daniel Knorr, Andrea Winkler
Sometimes You Fall in Love with an Idea
10. bis 31. Mai
Cluster, Berlin
Irgendwie klappt das nicht. Man darf nicht ankündigen, dass man vielleicht was über diese oder jene Ausstellung schreiben will. Man findet sich dann nur wieder in der Situation, dass man zwar will - aber unter dem Druck von Alltäglichem, Jobs, Gefällig- und Lästigkeiten und der Tatsache, dass man ja eigentlich auch noch nen richtigen Job hat und eventuell auch noch dies und das vorbereiten will und so weiter und so wei ter ter ...
Nun, dann arbeite ich mal meine Bringschuld ab und schreibe über zwei Orte die mir in der letzten Zeit aufgefallen sind: Feinkost und Cluster.

Galerie Feinkost
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Michael Reuter | 06.05.08
Dieter Krieg - Fritten und Brillanten im Kunstmuseum Stuttgart

Dieter Krieg, o.T. (Spiegelei), 1995, Acryl auf Leinwand, 227 x 476 cm, Privatsammlung © VG Bild-Kunst, Bonn 2008
Dicke Farbschichten auf riesigen Leinwänden geschliert, banale Motive wie Spiegeleier, Bücher und Duschvorhänge in Serie gemalt und ins gigantisch Bedeutungsvolle überhöht, wütende, hingeblaffte Sätze, die zu Malerei werden. Der Maler und Rektor der Kunstakademie Düsseldorf Markus Lüpertz sagt im Audioguide zur ersten umfassenden Retrospektive des 1995 gestorbenen Dieter Krieg: „Sie haben immer das Problem zwischen dem, was sie wollen und dem, was sie können...und dieses Annähern dieser beiden Punkte, das beschäftigt jeden Künstler, und das ist unter Umständen Krieg – nicht Dieter Krieg, sondern Krieg“.
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Gastbeitrag | 06.05.08
Es lebe der 1. Mai – Kampf der schlechten Kunst! / Nachbereitung
Von Dirk Teschner
Ein geballtes Kunstwochenende liegt hinter uns, Spinnereirundgang inklusive LADA – internationale Galerieshow – in Leipzig und Gallery Weekend in Berlin. Eins schon mal voraus, über allem steht der Raum, unfassbar viele ehemalige Industriehallen waren in beiden Städten zu durchschreiten. Der Trend (vor allem Ost-) Brachen mit Kunst zu besetzen hält an.

Stella Hamberg, Galerie Eigen+Art
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Michael Reuter | 29.04.08
Garten Eden – Der Garten in der Kunst seit 1900

Luzia Simons, Stockage 45 (Triptyche), 2006, Ultrachrome auf Aludibond © VG Bild-Kunst, Bonn 2008
Die Sehnsucht nach ein wenig grünem Glück scheint groß zu sein. Nach der Ausstellung „Gärten – Ordnung, Inspiration, Glück“ Ende 2006 im Frankfurter Städel Museum schob die frisch umgebaute und erweiterte Kunsthalle Emden gleich ein Jahr später die nächste Pflichtveranstaltung für Kleingartenfreunde hinterher: „Garten Eden – Der Garten in der Kunst seit 1900“. Zurzeit und noch bis zum 06. Juli ist die Ausstellung nun in einer etwas veränderten und abgespeckten Version in der Städtischen Galerie Bietigheim-Bissingen bei Stuttgart zu bewundern.
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Gastbeitrag | 28.04.08
Anmerkungen zum Kunstwettbewerb Leonardo
Reinhard Franz
über den
Kunstwettbewerb Leonardo und die Kunstpreisvergabe des privaten Augsburger Kunstmuseums Walter zusammen mit der Galerie Noah, die er als eine Farce sieht. Die Jury tagte im März 2008.
als hochschullehrer an einer kunsthochschule freue ich mich immer, wenn es spezielle preise für junge aufstrebende künstlerinnen und künstler zu vergeben gilt. besonders dann, wenn der preis nicht nur eine anerkennung, sondern auch mit einen vernünftigen preisgeld ausgestattet ist. so hat es mich besonders gefreut, im letzten jahr von der auslobung des preises leonardo zu lesen (1. preis: 30.000 €; 2. preis: 15.000 €; 3. preis 5.000 €). selbstverständlich habe ich die ausschreibung auch entsprechend unter meinen ehemaligen studierenden kommuniziert. was sich aber nach der ersten ausschreibung bis zur endgültigen vergabe bzw. nennung der künstlerinnen von seiten des ausschreibenden kunstmuseums getan hat, ist schlicht eine farce.
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Gastbeitrag | 23.04.08
La deuxième nuit
von Nina Hoffmann
Anita Tarnutzer in der Galerie metro, Berlin
19. April bis 9. Mai

Kindheiten sind schöne Reisen, bunte Luftballons und weiche Plüschpullover, so das Stereotyp, so die Verblendung. Anita Tarnutzer lässt uns andere Wege beschreiten und gibt uns so einen Einblick in die Untiefen der Bewußtseinsfindung und führt uns zurück an den Ursprung.
Mit Kindheit hat die aktuelle Ausstellung der Schweizer Künstlerin vordergründig auch erst mal gar nichts zu tun.
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Christina Zück | 19.04.08
Im Haifischtümpel
42. Art Cologne, 16. - 20. April
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Gastbeitrag | 19.04.08
Subjektivistisches Flanieren
Christine Lemke über
Andrea Winkler, Wir schaffen es von hier nicht mehr an die Erdoberfläche,
Galerie Kai Hoelzner

Luftballons in einen weißen Raum hineingelegt, mal hierhin, mal dorthin. Mal einzeln auf dem Boden verteilt, mal in Haufen zusammengebracht oder an manchen Stellen auch nebeneinander aufgereiht. Sie kommen als Phänomene der Farben und Formen vor, in unterschiedlichen Zuständen, berührt von der Zeit und ihren Wechselfällen. Von prall gefüllt bis kränklich geschrumpft sind sie groß, klein, länglich, herzförmig, mehrfarbig gemustert oder glänzend besprüht und greifen Raum in dem gleichmäßigen Licht der Galerie.
Das Problem der Wahl bleibt sichtbar. Ein ganzes Panorama des Schauens. Eine Vielzahl an Möglichkeiten. Was passt, was passt nicht? Was sieht gut aus, was weniger? Ausprobieren, arrangieren, überlegen, verwerfen. Wegnehmen oder wieder hinzufügen. Neu hinlegen, verrücken, drehen und weiterschauen. Etwas sehen, es so sehen wie es daliegt, wie es sich hingelegt hat, positioniert hat in diesem Raum, dieser ausgesuchten Umgebung für Augen und ihre Blicke.
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Gastbeitrag | 18.04.08
Eau de Cologne

Art d’Cologne: „teils konform, teils anarchistisch ...“
Silvia Beck
über die Art Cologne 2008
Schon im Vorfeld ging das Gerede wieder los – von der Krise in Köln. Ist der Standort noch zu retten? Darf die Mutter aller Kunstmessen wieder in der Oberliga mitspielen? Der Trainer-Wechsel von Goodrow zu Hug – quasi mitten in der Saison – startet eine neue Aufmerksamkeitskampagne und bedient einmal mehr die Spalte Klatsch und Tratsch in den Feuilletons. Dort steht die Kölsch-Connection wie die Wacht am Rhein und redet sich schöner denn je. Aber das ist nichts als Pfeifen im Wald. Zu dicht besetzt ist der Terminkalender der internationalen Zielgruppe, als dass man die Global Player mit dem Immergleichen noch an den Fluss locken könnte. Fehlen aber die glamourösen Namen des Kunstbusiness, bleibt auch der ersehnte Beutezug der Kollektorenelite aus. Ein Teufelskreis! Jetzt fordern wieder alle den Ruck: Bitte mehr! Mehr Qualität, mehr Profilierung, mehr Glamour.
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Christoph Bannat | 16.04.08
Plattenspieler Thomas Meinecke u. Daniel Richter

Thomas Meinecke und Daniel Richter legen nach dem Zufallsprinzip ihre Schallplatten auf. Ein gelungener Abend und ein feines Experiment von improvisierter Unterhaltung, leider mit 11 Euro Eintritt zu teuer.
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Christoph Bannat | 04.04.08
Berlin Biennale im Schnelldurchlauf

Pushwagner, Soft City 1969-75, Kunst-Werke.
Mit der 5. Biennale ist die Provinz endgültig in Berlin angekommen. Diese sieht aus wie eine UdK-Jahresausstellung. Wobei eine Funktion von Kunsthochschulen bekanntlich darin besteht, dass nicht alles, was dort gemacht wird, in die Öffentlichkeit gelangt.
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Christina Zück | 19.03.08
Barbarism begins at home
Re-Imagining Asia, 14.03. - 18.05.2008
Global Memory and Barbaric Transmission, Vortrag von Homi K. Bhabha, 14.03.2008
Haus der Kulturen der Welt
Song Dong hat den Inhalt des Hauses seiner Mutter im Foyer des Hauses der Kulturen der Welt ausgebreitet. Nach dem Tod ihres Mannes zog sie sich immer mehr in ihre Trauer zurück, verließ das Haus nicht mehr und begann, alle Sachen aufzuheben. Jeder zerbrochene Blumentopf, jede Haarspange, jedes Stoffresteknäuel, jeder Joghurtbecher ist mit einem Moment in der Vergangenheit verbunden. Vielleicht ermöglichten es ihr die Gegenstände, Zugriff auf ihre verlorene Lebenszeit zu gewinnen. Die Installation ist sehr bewegend, mir fällt glücklicherweise erstmal kein Kunstwerk ein, auf das sie zurückgreifen könnte. Die Dinge aus China sehen ganz genau wie die aus, die sich im Haus meiner Großtante in Sichertshausen angesammlt haben, dieselbe unheimliche Voodoo-Strahlung geht von ihnen aus. Das Ordnen und Ausstellen ihrer Habseligkeiten hatte eine therapeutische Wirkung auf Song Dongs Mutter. Sie begann wieder, unter Menschen zu gehen und sich Alltagsaktivitäten auszudenken. Dass die Installation an die Tate Liverpool verkauft wird, lehnte sie jedoch ab.
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Michael Reuter | 15.03.08
In der Drachenhöhle
Zeitgenössische Druckgrafik aus China in der Städtischen Galerie Bietigheim-Bissingen

Yang Shaobin, Untitled (red biting), 2003, Sammlung Huang Liaoyuan, Peking
Der chinesische Drache blendet die Augen, dröhnt in den Ohren, springt garstig dominant aus dem Wirtschaftsteil der Tageszeitung und legt sich als Leichentuch über alle Wünsche des deutschen Michels, es möge doch alles so bleiben, wie es war. Auch in der Kunst startete China raketengleich durch und so werden im Jahr der Olympiade in Peking die Glatzköpfe von Fang Lijung, die fleischig-blutigen Figuren von Yang Shobin, Xu Bings poetische Schrift-Installationen oder Yue Minjuns Bilder des gefrorenen Lachens noch des Öfteren unsere Sehnerven passieren. Den Beginn macht die Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen mit einer prächtig ausgestatteten Ausstellung zeitgenössischer chinesischer Druckgrafik, die noch bis zum 06.04.2008 zu sehen ist. Die etwa 130 Holzschnitte, Radierungen Lithografien und Siebdrucke entstammen überwiegend einer Privatsammlung aus Peking, ergänzt durch Leihgaben aus deutschen und internationalen Sammlungen.
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Christina Zück | 14.03.08
odori corporei
We should have occupied every place / Pornopinball und Wolperdinger,
Ausstellung von Barbara Breitenfellner und Isabel Ott
The no thing to shit show,
Performance von Corpo Sciolto aka Giulio Nesi WestGermany,
13.03. - 16.03.2008

Fotos der Performance von Corpo Sciolto
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Peter Lang | 09.03.08
Hans-Joachim Schulze
Oder als Beuys mit Langhans in Leipzig zu Besuch war
Hans-Joachim Schulze – Göttinnen und Götter
22. Februar – 9. März 2008
Künstlerhaus Bethanien, Berlin

Irgendwann musste Schulze von Beuys und seinen Strategien gehört haben. Wir kannten den im Osten zwar noch nicht, aber die kollektiven Peformances von Schulze - als solches kann man es von heute aus wohl am besten bezeichnen - machten schon was her. Besonders die Freundinnen Schulzes. Das andere, das eigentlich Gemeinte, ertrug man dann halt mit.
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Gastbeitrag | 06.03.08
Zwischen Amok und Koma
von Ingo Gerken
Adventures close to home
Jürgen Grewe
3. März – 28. März 2008
Projektraum | Kunsthaus Erfurt

Jürgen Grewe ist Maler. Seine Malerei ist Plakat, seine Plakate sind Filme. Filme, die besser sind, weil sie gar nicht erst gedreht werden müssen. Sie drehen sich von selbst beim Betrachten seiner Bilder. Sie haben keinen Anfang und kein Ende, sie suggerieren nur ein beunruhigendes, unaufhörliches „Mittendrin“. Denn wir sind schon inside. Und wir wissen auch nicht, was wir dagegen tun sollen. Wir wühlen uns ständig selbst Tag für Tag durch diese Art von Bildern. Sie begegnen uns überall, sie verfolgen uns und springen uns an. Sie sind vorgefertigt und erprobt, zugeschnitten und angepaßt auf eine scheinbar universelle Sprache und einen absolut realen Reiz. Sie sind perfekte synthetische Teilchen, aufregende Visuals einer konstruierten und funktionalisierten Wirklichkeit.
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Markus Wirthmann | 03.03.08
Emma*
TORNADO - Kunst und Klimakatastrophe
2.-16. März 2008
General Public, Berlin
Dieter Froelich, Kerstin Gottschalk, Tue Greenfort, HorseArt, Anna Meyer, Dan Perjovschi, Peter Pommerer, Elke Marhöfer, Andreas Reiter Raabe, Silke Wagner, Johannes Wohnseifer, Christine Würmell

Im Internet wird die Ausstellung als „reflektierte Beschäftigung mit der weltweiten Klimakatastrophe“ angekündigt. Diese selbst gestellte Anforderung kann die Ausstellung leider nicht erfüllen. Zu lieb sind die Exponate und zu nett und plakativ die Botschaften. Die teils manierierte Präsentation und das coole Weglassen von Beschriftungen und sonstigen Informationen machen die Sache auch nicht wirklich interessanter.
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Gastbeitrag | 04.02.08
’68 - Brennpunkt Berlin | Eine Ausstellung im Herzen der Bestie
von Dirk Teschner
’68 – Brennpunkt Berlin
Amerika-Haus, Hardenbergstr. 22-24, Berlin
Öffnungszeiten: täglich 10:00 bis 20:00 Uhr
Die Ausstellung wird begleitet mit einem umfangreichen Filmprogramm und Diskussionsrunden mit Katharina Rutschky, Dan Diner, Elke Heidenreich, Oskar Negt, Claus Peymann u.v.m.
www.bpb.de/1968

Das neue Jahr ist nun gerade mal fünf Wochen alt, schon befinden wir uns mittendrin im Spektakel des neuen Jubiläumsjahres – 1968. Das Feuilleton hat längst seine Serien gestartet, mit welchen die dabei waren, natürlich und denen, die schon immer nicht wollten. Bucherscheinungen folgen, von Götz Aly bis Hubertus Knabe. Verortet der eine die 68ger irgendwo als Deutschnationalisten, „beweist“ der andere die Steuerung des SDS durch die Staatssicherheit.
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Gastbeitrag | 28.01.08
Schlagzeug ist auch ein Instrument
von Ulrich Heinke
Hoffen und Jäten
Martin Städeli
19.1.-23.2.08
allgirls, Berlin

Obwohl mir die Arbeiten von Martin Städeli bekannt sind und ich vor nichts Unerwartetem stehe, gibt es in der Ausstellung „Produktion ohne Versprechen“ doch einen überraschenden Moment. Die Begegnungen mit den Pappmascheefiguren, die Städeli nicht nur optisch, sondern auch in einer erweiterten, fast literarisch zu nennenden Weise ähnlich sind, bergen für einen selbst eine Form von wohligem Überraschtsein, die ziemlich nahe am netten Effekt der Selbstübertölpelung steht. Etwa wie ein alter Lappen in der Garage, den man jetzt schon zum dritten Mal für eine Katze hält. Man ist einen kurzen Moment lang ganz gut bei sich. Um diese Situation in der Ausstellung zu erhalten, hatte ich auch den prompten Wunsch, Städeli nicht inmitten seiner Kunst zu sehen und war ganz froh, dass er sich die überwiegende Zeit in einem Nebenraum aufhielt. Fotos vom Künstler neben seiner Kunst, oder beim Herstellen seiner Figuren sind so auf sympathische Art unvorstellbar.
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Michael Reuter | 22.01.08
Das Kunstlaboratorium der Nelly Knatz
Vom 22. Januar - 02. März 2008 in der Galerie Deck, Stuttgart

Nelly Knatz: 15.07.2007/1 (Erhalten des Gefühls am französischen Nationalfeiertag (14.07.2007))
Auf den ersten Blick wirkt die Ausstellung »Böse Limonade« der 1976 in Tübingen geborenen Nelly Knatz wie die verstreuten Reste eines Sperrmüllhaufens. Hier ein mit Wortfetzen bemaltes Zelt und ein Stapel Paletten zwischen schnell hingeworfenen Zeichnungen, dort ein Föhn und ein alter Fernseher, die wider Erwarten noch funktionieren. Nichts, wonach man sich auf der Straße bücken würde.
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Michael Reuter | 22.01.08
Aufbruch im Abbruch
Die studentisch organisierte Gesamtausstellung »TESTBILD 2008« in Stuttgart

Malerei von Mona Ardeleanu
Obwohl eine der ältesten und größten Kunsthochschulen in Deutschland, gelingt es der 1761 gegründeten Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart nur selten, aus ihrer provinziellen Beschränkung hervorzutreten. Aber warum sollte der nächste Hype nicht mal aus Stuttgart kommen, denken sich die Studenten und lassen sich die Kunst nicht vermiesen. In den ehemaligen Räumen der Firma Polster City zeigen vom 18. Januar bis zum 8. Februar mehr als 130 Künstler, Kommunikationsdesigner, Bühnenbildner, Architekten und Industriedesigner aktuelle Arbeiten. Klar, bei einigen Werken wendet sich der Geist mit Grausen, aber es ist erstaunlich, was die Studentenschaft jedes Jahr auf die Beine stellt und welche ausgefallenen Örtlichkeiten bespielt werden. Dabei erliegen die Planer immer wieder dem morbiden Charme abbruchreifer Gewerbeimmobilien. Vielleicht, weil hier ein Hauch von Berlin durch die Räume weht?

Teekanne von Jeong Hyun Park
Infos zur Ausstellung: Testbild 2008
Gastbeitrag | 11.01.08
For the Love of Money
Silke Müller über
Damien Hirsts Diamantschädel
Wenn in fünf Jahren die Lager- und Versicherungskosten für Privatsammlungen den Wiederverkaufswert der Kollektionen übertreffen, werden sich ein paar Eingeweihte an den 30. August 2007 erinnern: Das war der Tag, an dem der britische Künstler Damien Hirst seinen mit Diamanten besetzten Totenschädel für angeblich 75 Millionen Euro an eine Investorengruppe verkaufte, der er selbst angehörte. Allein die Materialkosten für das Werk For the Love of God lagen bei rund 19 Millionen Euro. Hirst vollstreckt einen Paradigmenwechsel: Statt Differenz in die Zeichen zu bringen, decken sie sich hier; Wert ist auf einmal, völlig entgegen der Diskurse der Nachkriegskunst, gleich Geldwert. Und geradezu hinterhältig wird bei der Umwälzung der Werte das Vertrauen in deren unbegrenztes Wachstum zerstört.
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Christina Zück | 03.01.08
Close to your desires
Jeff Wall: Belichtung
Deutsche Guggenheim, Berlin
3. November 2007 bis 20. Januar 2008
Um zum Joint Venture einer Bank und eines Museums zu gelangen, muss man an weiteren hybriden Phänomenen am Prachtboulevard Unter den Linden vorbeigehen. Ein barocker Wille zum "largeur du faire" hat sich an einem ganzen Häuserblock an der Friedrichstraße manifestiert, wo ein 30 Meter langes Plakat mit einer sich räkelnden Frau in Unterwäsche hängt. Das beliebte BH-Motiv, das ganz oft in kleinen Mobilier-Urbain-Glaskästen auftaucht, nimmt hier nochmal, und zwar nicht nur räumlich, eine neue Dimension an. Dass das Brandenburger Tor mit Telekom-Werbung beklebt war, dass Alice über das Charlottenburger Tor turnte, dass die Krebspatienten im neunzehnten Stock der Charité die Aussicht versperrt bekamen mit einer Vanity-Fair-Komplettumhüllung, daran hatte man sich ja inzwischen gewöhnt. Der öffentliche Raum wurde halt gewinnbringend verhökert. Aber die gigantische Nackte will uns an die Wäsche. Das ist das Ende des Dreierpacks Unterhosen für zwei Euro vom Wühltisch, für die man sich von nun an in Grund und Boden schämen muss, wird man damit in der Sammelumkleide des Schwimmbads erwischt. "Close to your desires" steht auf einem ähnlichen Dessousmodell-Plakat am Oranienburger Tor - diesmal nur so groß wie ein Haus und um die Ecke verdoppelt. Was sind diese Desires, die ja doch auch in der Jeff-Wall-Ausstellung verhandelt werden?
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Gastbeitrag | 31.12.07
Zwischen Freizeit und Freiheit - Über das Coming-Out als Künstler
Zwischen Freizeit und Freiheit
Über das Coming-Out als Künstler
von Wolfgang Müller
Wie wird ein Mensch zum Künstler? Gibt es dafür eine Art Coming-out? In manchen Familien sind vom Großvater bis zum Enkel fast alle Künstler. Zum Beispiel meine Freundin Carola Regnier. Sie ist eine wunderbare Schauspielerin, ihr Vater Charles war es ebenfalls. Carolas Opa ist Frank Wedekind und ihre Mutter Pamela Wedekind, die berühmte „Lulu“.

Martin Kippenberger, Dialog mit der Jugend, 1978; courtesy Galerie Gisela Capitain, Köln/© Estate Martin Kippenberger – Es gefiel der Punkerin „Ratten-Jenny“ überhaupt nicht, als der Künstler Martin Kippenberger als zeitweiliger Pächter des Punkclubs „SO 36“ in Kreuzberg die Bierpreise erhöhte. Sie prügelte den Künstler krankenhausreif. Punk trifft Kunst. Kippenberger dokumentierte sein lädiertes Gesicht als Gemälde und nannte die Arbeit „Dialog mit der Jugend“. Der Altersunterschied zwischen Kippenberger und „Ratten-Jenny“ betrug allerdings gerade mal vier Jahre.
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Christoph Bannat | 12.12.07
Heinz Emigholz

Ausstellungsansicht
Heinz Emigholz - "Die Basis des Make-Up"
Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart - Berlin
Werkraum 24. bis 24.Februar
www.hamburgerbahnhof.de
Denken in Bildern, wie geht das?
Bilder sehen heißt sie zu gebrauchen. David Hockney
Diese Ausstellung sieht aus, als basiere das Lebenswerk von Heinz Emigholz auf dem Tod, und seine Kunst ist die Schminke, das Make-Up auf der Basis des Totenschädels.
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Michael Reuter | 09.12.07
Der Schrank - Wissensgehäuse oder Grab der Erkenntnis?

Wer glaubt, sich in der Ausstellung »auf/zu. Der Schrank in den Wissenschaften« des Museums der Universität Tübingen durch ein Labyrinth wunderbar verschnörkelter Solitäre bewegen zu können, deren Geheimfächer und wundersame Geschichten überraschen und schockieren, dürfte enttäuscht sein. Keine Schreckgespenster, die aus barocken Truhen hüpfen, und keine zusammengerollten, vergessenen Weltformeln, die es zwischen Spinngewebe zu entdecken gilt. Im doppelten Wortsinn ein »sperriges« Thema, definiert sich doch der Schrank als Schranke zwischen einem Innen und einem Außen.
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Christoph Bannat | 02.12.07
Schirn und Gmür

Zwei Malerei- Ausstellungen die unterschiedlicher kaum sein könnten, auf den ersten Blick. Die eine in der Schirn Kunsthalle in Frankfurt, die andere in der Ladengalerie Gmür in Berlin- Prenzlauerberg.
TURNER HUGO MOREAU, ENTDECKUNG DER ABSTRAKTION, 06. OKTOBER 2007 - 06. JANUAR 2008 www.schirn-kunsthalle.de
BONJOUR MONSIEUR ENSOR, bis 15.12.2007, Sa. u. So. 16 – 20.00 Uhr nach Vereinbarung Tel. 0176.700726, GMÜR , Christburgerstrasse 29 D- 10405 Berlin
Plus Interview mit Marcus Weber, Peter Stauss, Sebastian Hammwöhner
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Michael Reuter | 18.11.07
Abenteuer Sammlung – Work in Progress
Konzentriert! Kunst von 1350 bis heute
Staatsgalerie Stuttgart
17. November 2007 bis 17. November 2008

Raum 32, © Staatsgalerie Stuttgart/Gerhard Ziller 2007
Sean Rainbird, seit Ende 2006 neuer Direktor der Stuttgarter Staatsgalerie, traten jedes Mal die Tränen in die Augen, wenn er auf die Schätze blickte, die wegen der Renovierungsmaßnahmen der Öffentlichkeit seit Jahren nicht zugänglich waren. So macht man nun in Stuttgart aus der Not eine Tugend und versucht sich in der Neuen Staatsgalerie an einer Neuhängung von Teilen der Sammlungsbeständen aus der Zeit vor 1900. Der postmoderne Bau des englischen Architekten James Stirling wird so für ein Jahr zur Heimat handverlesener Exponate, bevor die Alte Staatsgalerie Ende 2008 wiedereröffnet wird. 15 Räume stehen für 800 Jahre Kunstgeschichte zur Verfügung, eine Herausforderung, die nur die Präsentation eines Konzentrats der Bestände erlaubt, die quinta essentia der Staatsgalerie.
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Gastbeitrag | 09.11.07
Der Celeste-Kunstpreis ...
von Bence Fritzsche
... hat in England und Italien bislang überdauert, wohl wahr. Jedoch ist er auch in diesen Ländern völlig bedeutungslos. Das wird er in Deutschland erst recht, falls sich überhaupt 300 - 400 Künstlerinnen und Künstler freiwillig dazu bereit erklären, einen satten Betrag von 60 Euro (!) dafür zu blechen, an einem höchst dubiosen Kunstpreis dieser Sorte teilzunehmen, für den sie selbst das Preisgeld aufbringen. Man darf gespannt sein, was passiert, wenn sich nur etwa 100 Künstler finden sollten. Zahlt Mr. Music dann die fehlenden 14.000 Euro aus eigener Tasche ???
Bei "Celeste" und Mr. Music geht weiter alles drunter und drüber. Erst ne Jury von 2 Mann (!), dann flüchten die Beiden, nachdem sie erkannt haben, auf was für ein merkwürdiges Spiel mit den Nöten der Künstler sie sich eingelassen haben.
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Gastbeitrag | 02.11.07
Stasiakten auf dem internationalen Kunstmarkt
Eine spanische Künstlerin bedient sich im Aufarbeitungsdepot
Von Dirk Teschner

Foto: Tina Krone/BStU
An einem trüben Herbsttag schlenderte ich mit einer befreundeten Ausstellungsmacherin über das diesjährige Art Forum Berlin, sah bei der Galerie Crone tonnenweise nervende Biskys, Gemischtwaren bei Eigen + Art und Unmengen von Fotos überall. Landschaftsfotos, großformatige C-Prints oder Porträtfotos, kleine Formate, klassisches Schwarzweiß. An einer Koje blieb meine Begleiterin dann ungewöhnlich lange stehen, um schließlich noch interessiert im Katalog zu blättern. Was gab es zu sehen? Die Amsterdamer Galerie Ellen de Bruijne Projects zeigte eine Reihe gerahmter Schwarzweißaufnahmen mit der flüchtigen Ästhetik von Paparazzifotos. Gekennzeichnet als BStU-Kopie erkannte ich in ihnen Observationsfotos der Staatssicherheit, Aufnahmen von einer Gruppe nackter Menschen am FKK-Strand oder einer rauchenden Frau in einem Zimmer. Ein Bild, das im Katalog des Artforums auf der Seite eben dieser Galerie anonymisiert abgedruckt ist. Der Preis je Foto bei einer Auflage von 3 + 1 AP war mit 3.800 bis 5.000 Euro angegeben. Daneben liefen auf einem Screen Überwachungsaufnahmen der Stasi von einem öffentlichen Platz. Als Autorin der Arbeiten wurde die spanischen Künstlerin Dora Garcia genannt.
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Markus Wirthmann | 26.10.07
Cool Jazz für Androiden
Frank Nitsche
Jazz
23. Oktober bis 21. Dezember
Galerie Gebr. Lehmann, Dresden

Eigentlich ist das nicht der richtige Titel für diese Ausstellung. Ich verbinde mit Jazz was komplett anderes: Rothändle und Bars die Blue Note und Bird heissen. Ein bisschen altbacken.
Das hier ist was anderes, neueres, cooleres. Post-Techno-Avatar-Jive vielleicht. Musik für Androiden. Oder Avatare.
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Michael Reuter | 25.10.07
Jüngstes Gericht
Hörzeichnungen von Dorothea Schulz

»Das Große Band II«, 2006, Aquarell auf Bütten, 1000 x 150 cm (Ausschnitt)
Telefonzeichnungen entstehen, wenn nervöse Hände mit einem Bleistift Eckiges, Schraffiertes oder Figuratives auf einem Blatt Papier entstehen lassen. Die »Hörzeichnungen« der 1962 geborenen Dorothea Schulz gehen da ein deutliches Stück weiter. Die Künstlerin fertigt ihre Zeichnungen parallel zu aufgeschnappten Gesprächen aus den Medien oder aus eigenen Unterhaltungen an und immer entstehen dabei wild verschlungene Suchbilder voller Wortfetzen, Kommunikationshäppchen und cartoonhafter Gesichter, die zwar alle die gleiche Sprache benutzen aber trotzdem in babylonischer Verwirrung selten miteinander, aber häufig gegeneinander und aneinander vorbei disputieren. In Zeiten der fortschreitenden »Ill Communication« könnten die Bilder als kritischer Kommentar zu den schwindenden rhetorischen und zwischenmenschlichen Fähigkeiten einer »It´s all 4 U-Generation« gesehen werden.
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Gastbeitrag | 08.10.07
Kaiserhoden
von Roland Fuhrmann
Matthew Barney
Kaiserringträger der Stadt Goslar 2007
Mönchehaus Museum für moderne Kunst Goslar
6.10.2007 bis 13.1.2008

Heute wurde in der alten Kaiserpfalz zu Goslar zum 32. mal der renommierte Kunstpreis „Kaiserring“ an Matthew Barney (*1967) verliehen. Er ist damit wohl der jüngste Kaiserringträger und verstörte die gesetzten Goslarer Kunstfreunde gehörig. CREMASTER heißt sein berühmter fünfteiliger Filmzyklus und bezieht sich auf den musculus cremaster, den Muskel, der den männlichen Hoden temperaturabhängig hebt und senkt.
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Gastbeitrag | 04.10.07
3 von 2000 ...
... Künstlern auf dem Artforum Berlin, die nach dem Abbau der Kunstmesse hängengeblieben sind.
von Fritz Balthaus
Art Forum Berlin
About Beauty
29. September bis 3. Oktober 2007
Villeroy & Boch

Die erste Arbeit ist meines Wissens nicht einmal offizieller Teil der Messe, sondern einer Umdeutung auf deren Herrentoilette zu verdanken. Anonyme Autor/innen haben die seriell installierten Urinoirs der Messetoiletten jeweils mit dem Faksimile MUTT 1917 bezeichnet. Marcel Duchamps Pseudonym bei der Einreichung des Urinoirs zur Armory Show 1917 wurde an den Pissoirs angebracht, so daß der Schriftzug „MUTT 1917“ mit dem Produzentenlogo „Villeroy & Boch“ konkurriert. Beide scheinen industriell in die Keramik eingebrannt zu sein. So werden die kunstgewordenen Urinoirs dem ursprünglichen Zweck wieder rücküberantwortet, was nach 90 jahren eine gewisse Erleichterung bedeutet, ähnlich dem Männeraustreten an der gekachelten Periferie des Messekontextes selbst. Die funktionalen WC Räume sind noch nah genug an den Messeständen, um als Kunstort mitgedacht zu werden, und weit genug entfernt, um die teure Standgebühr zu sparen. Der Firma Villeroy & Boch kann man nur nahlegen, von diesem Prototypen im Nachzug eine limitierte Firmenedition herauszugeben – in Kooperation mit den von ihnen auszumachenden Autoren, die bitte darauf achten, dass die Exemplare nur im Sanitärbereich aufgestellt werden, besonders in Museen.
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Michael Reuter | 02.10.07
Ciao Block Beuys
Über den vorerst letzten Blick auf den Block Beuys am 30.09.2007 im Hessischen Landesmuseum Darmstadt

Im Hessischen Landesmuseum Darmstadt
Nicht zu glauben, seit 1986 ruht Joseph Beuys in Frieden und immer noch streifen die ewigen Wiedergänger ultrakonservativen Kunstempfindens durch die sieben Räume im zweiten Stock des Hessischen Landesmuseums, um sich über Fettecken, verschimmelte Würste und gestapelte Filzmatten zu erregen. »Das ist keine Kunst, der will nur provozieren!«, ein Satz, den ich seit Jahren für ausgestorben hielt, fällt tatsächlich und vermutlich täglich im Zusammenhang mit seinen Installationen. Nun wird das ganze Museumsgebäude am Friedensplatz in Darmstadt renoviert und während der weltweit größte Werkkomplex von Beuys mit über 250 Objekten aus den Jahren 1949–1972 in einen tiefen Schlaf fällt, tobt draußen seit Monaten ein erbitterter Streit über die Art und Weise, wie der Block in Zukunft präsentiert werden soll.
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Christoph Bannat | 30.09.07
Alice Neel - Pictures of People
Alice Neel - Pictures of People
Galerie Aurel Scheibler
Noch bis 3. November
Filmdokumentation über Alice Neel bis 10.10. Kino Hackesche Höfe.

Martin Jay, 1932
Welcher Künstler ist heute noch „außer sich“? Außer sich meint hier nicht das expressive Künstler-Tier Phänomen wie wir es bei Elke Krystufek oder Jonathan Meese beobachten können. Außer sich, meint hier das Vertiefen des Künstler-Ichs, mit der Gefahr sich dabei zu verlieren, in ein Du. Und hier ist nicht jenes Verschwinden in der Landschaft wie wir es bei Cezanne beobachten können oder bei Monet, der ganz „zum Auge“ wurde, gemeint.
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Adib Fricke | 29.09.07
Ceal Floyers Preisträgerarbeit im Hamburger Bahnhof zerstört

Ceal Floyer, Scale, 2007, Klanginstallation/Skulptur, 24 Lautsprecher, Computer, 12 Stereo-Amplifier
Es muss wohl heute abend irgendwann zwischen 21 und 21.30 Uhr während der Eröffnung der Roman Signer-Ausstellung im Hamburger Bahnhof passiert sein: Die Arbeit Scale von Ceal Floyer, mit der sie den Preis der Nationalgalerie für junge Kunst gewann, wurde zerstört. Die große Schiebetür zum Ausstellungsraum in einer der Rieck-Hallen wurde »bis auf weiteres« verschlossen. Nur ein kleiner Spalt blieb offen, durch den gerade noch das Objektiv der Taschenkamera passte. Die Museumsaufpasser wollten oder konnten keine Detailinformationen geben. Versuchte etwa ein Besucher oder eine Besucherin die Stufen des Kunstwerks hinaufzugehen? War es der Racheakt eines zu kurz gekommenen Künstlers? Ertrug jemand nicht die »minimalistische Pointiertheit ..., die zumeist in hochkomplexe Sachverhalte umschlägt«?
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Michael Reuter | 21.09.07
Stuhl, Stulle und stundenlang Zeit
Stan Douglas. Past Imperfect
Werke 1986 – 2007
Württembergischer Kunstverein und Staatsgalerie Stuttgart
15. September 2007 – 06. Januar 2008

Stan Douglas, Journey into Fear, 2001, Filminstallation/Film installation, Still, © Stan Douglas, Pressefoto Württembergischer Kunstverein
Klar kann man jetzt dicke Backen machen und den intellektuellen Prügel rausholen. Aber die Werke des 1960 in Vancouver geborenen Stan Douglas funktionieren, jenseits von allem lexikalischen Wissen, auch auf der emotionalen und ästhetischen Ebene sehr gut. Seine Filme sind perfekt inszeniert und entwickeln trotz ihrer ungewöhnlichen Form einen spannungsreichen Sog, dem man gerne länger folgen würde – gäbe es in den riesigen Dunkelkammern des Württembergischen Kunstvereins und der Staatsgalerie Stuttgart nur angemessene Sitzgelegenheiten.
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Martin Conrath | 15.09.07
Der Glaube an die Kunst
"Vergessen wir nicht, dass es einen unaufgebbaren Zusammenhang zwischen Kultur und Kult gibt. Dort, wo die Kultur vom Kultus, von der Gottesverehrung abgekoppelt wird, erstarrt der Kult im Ritualismus und die Kultur entartet. Sie verliert ihre Mitte." Joachim Kardinal Meisner, 14.09.2007
Dass er von zeitgenössischer Kunst nichts versteht, hat Herr Meisner – von Beruf Gläubiger – schon häufig kund getan.
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Martin Conrath | 05.09.07
Die Gelegenheit als Bild#1

Markus Wirthmann | 27.08.07
Links, rechtsgestrickt
Josephine Meckseper
Kunstmuseum Stuttgart
14. Juli – 28. Oktober 2007

„Ich bin eher links“, so lautet das politische Selbstbekenntnis der Josephine Meckseper, das man sich im Originalton als Teil einer museumspädagogischen Hörspiel-Inszenierung per Audio-Guide reinziehen kann. Das Audio-Doku-Drama ist produziert von „Crumpled Paper“, dem “Klub für Jugendliche und junge Erwachsene, die sich intensiv mit Kunst, Architektur und Design beschäftigen wollen“. Im Kunstunterricht der Mittelstufe ist diese didaktische Handreichung bestimmt von großem Nutzen, der gemeine Ausstellungsbesucher sollte sich allerdings vor dieser Indoktrination hüten denn sie lässt keine Fragen offen und erklärt die Ausstellung, deren Interpretationsspielraum ohnehin schon sehr eng ist, ohne wenn und aber zu Ende.
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Christoph Bannat | 22.08.07
Zeichnung als Standbein in der Wirklichkeit

Ausstellung "Janke vs. Wernher von Braun" in Peenemünde
Bleistift und Skizzenblock sind schnell, Raum und Zeit sparend, eingepackt und Linien schnell aufs Papier geworfen. Die Zeichnung ist immer noch das einfachste und direkteste Medium, deshalb aber nicht weniger komplex. Während der Zeichner seiner körperlichen Verfassung unterworfen ist, muss er ein Verhältnis zwischen Detail und angestrebten Gesamtwerk herstellen,
Karl Hans Jahnke, Matthias Beckmann und das www.meltonpriorinstitut.org zeigen die Möglichkeiten von Zeichnungen -mit Kunst aber hat das zunächst einmal nichts zu tun.
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Gastbeitrag | 17.08.07
All the world’s a stage
von Petra Reichensperger
Jessica Stockholder
Corner Space
Galerie Thomas Schulte, Berlin
8. Juli - 1. Sep., 2007

“All the world’s a stage", schrieb Shakespeare um 1600. Seitdem hat die Differenzierung der Welt und der Kunst als Bühne zugenommen. Worin liegt das Versprechen einer künstlerischen Aufführung? Jessica Stockholder spielt in ihren raumgreifenden Arbeiten mit dem Versprechen etwas Außerordentliches zu erzählen. Denn ihre präzisen Setzungen im Ausstellungsraum der Galerie Schulte und ihre unkonventionellen Materialkombinationen reflektieren die umgebende Welt und die Brüchigkeit des menschlichen Daseins. Haushaltsgegenstände, Farbige Stoffe erinnern an verlassene Bühnenbilder: eine farbenreiche Anordnung von Ready-Mades, die erzählerische Momente in sich bergen.
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Christoph Bannat | 13.08.07
Piranesi für Webdesigner

Giovanni Battista Piranesi für Webdesigner.
Eigentlich ist über den 1720 in Venedig geboren und 1778 in Rom gestorbenen Kupferstecher schon alles gesagt worden, und doch ist er immer wieder neu zu entdecken- das eben macht einen Klassiker aus.
3. August - 11. November 2007
Kulturforum PotsdamerPlatz, Kupferstichkabinett
Piranesi. Vedute di Roma - Ansichten von Rom
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Gastbeitrag | 13.08.07
Marsha Ginsberg
von Petra Reichensperger
Pavlov’s Lab and Other Rooms
magnus müller, Berlin
Bis 15.09.2007
Der schöne Schein ist ihre Sache nicht. Die in New York lebende Marsha Ginsberg hat für ihre erste Ausstellung in der Galerie Magnus Müller den gelebten und verlebten Raum ins Zentrum gerückt. Ihre Fotografien zeigen verwaiste Interieurs, verlorene Träume, verlassene Räume. Die Innenräume – fotografisch festgehalten oder real präsentiert – stehen von Anfang an unter dem Zeichen des Temporären, des Prozessualen, des Spiels.
Es sind Räume, in denen das Leben Spuren hinterlassen hat. Räume, die gerade dadurch lebendig wirken.
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Martin Conrath | 16.07.07
XIV. ROHKUNSTBAU ®
Lieber R.
wie Du weißt, beobachte ich gerne kuratorische Kür-Einlagen im Pflichtprogramm Kunst und so bin ich am Samstag nach Sacrow zur Eröffnung der Abteilung Bildende Kunst des XIV. Rohkunstbau®-Festivals ins Grüne gefahren. Das wurde nötig, weil mir die vorab vermittelte Thematik "Drei Farben – Weiß" in Kohärenz mit "Gleichheit, Demokratie und Individualität" in der Bildenden Kunst nicht zwingend einleuchten wollte.
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Gastbeitrag | 04.07.07
Utopischer Retroschick
von Andreas Koch
„die stadt von morgen“
Beiträge zu einer Archäologie des Hansaviertels Berlin
Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, 16.5–15.7.2007
Oliver Croy, Mark Dion, e-Xplo, Sabine Hornig, Sofia Hultén, Kaltwasser/Köbberling, Annette Kisling, Korpys/Löffler, Dorit Margreiter, Ute Richter, Eran Schaerf

„Die Stadt von morgen“ lautet der Titel einer Ausstellung über das Hansaviertel und übernimmt damit streng das Motto der „Interbau“ 1957 zu welcher das Viertel eingeweiht wurde. Utopien der Moderne wieder auszugraben ist mangels Alternativen in den Nuller-Jahren eine der Hauptbeschäftigungen, der sich vor allem konzeptuell arbeitende Künstler widmen. Nicht nur die Documenta fragt sich, ob die Moderne tatsächlich unsere Antike ist. Die Kuratorinnen Annette Maechtel, Christine Heidemann und Kathrin Peters gehen der Frage nach, was von dem Anspruch der damaligen Städteplaner, besseren Wohn- und Lebensraum für den modernen Menschen zu schaffen, heute noch übrigbleibt.
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Christoph Bannat | 24.06.07
Nur Junge Leute können so echt sein!

Die Fragestellung, ob Graffiti Kunst ist oder nicht, interessiert heute keinen mehr. Liest man Graffiti oder Street-Art als Selbstexpression von Leuten, die ästhetischen Codes folgen und es damit schaffen, politische Fragestellungen zu provozieren, ist diese Form vielleicht die spannendste von Kunst im öffentlichem Raum.
Jetzt findet „Backjumps III“, die einzige Deutsche Street-art Ausstellung mit internationaler Beteiligung, statt.
23. Juni bis 19. Aug
