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Esther Ernst | 04.09.10
BOCK JOHN - PLATEL ALAIN - ALLORO - MUSEO D’ARTE LUGANO - BARNEY MATTHEW - BOYCOTLETTES - RIEDER MAJA - ELIASSON OLAFUR - VOSTELL WOLF - WILLEMSEN ROGER - STEP TOWARD HOME

FischGerätenMelkStand
Temporäre Kunsthalle, Berlin
+ toll, toll, toll war das!
Ein überforderndes Zuviel, eine Aufregung, ein Adventkalender, spektakulär und darin gar nicht schön, eine grosse Freude.
Vielen dank auch.
Und wahnsinnig lustig fand ich den Raum: "Mutter Tod mit Peperoni" mit Marin Kippenbergers Arbeit "Schlecht belegte Studentenpizza gepollockt", 1993
Und gut gefallen hat mir auch der zugeschissene Schweizer-Wander-Rucksack im umgekehrten Vogelhäuschen unter der Decke mit Klositzausblick.
Und... ach, vieles war wirklich sehr erfreulich
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Esther Ernst | 08.07.10
REBETEZ BORIS - 41. ART BASEL - SWISS ART AWARDS - DAMMBECK LUTZ - MUTU WANGECHI - FORD WALTON - SPOHR MALTE - ICH WEISS WAS DU NICHT SIEHST - OSPINA LUCAS

REBETEZ BORIS
Anticipation
Kunstmuseum Solothurn
+ ein Treppenaufgangeinbau und eine Säule aus verspachteltem Styropor sind Teile des raumspezifischen Werks "Grand Hall". Und beide Objekte passen hervorragend in das Kunstmuseum Solothurn, mit seinen leicht schäbig-spiessigen Ausstellungsräumen, die sich so zu einem Eingangsbereich einer Versicherung oder einem Schulhaus der 60-iger verwandeln. Nur dass man sich in einem Entrée meist orientierend oder hastig wohin bewegt, oder aber sich in einem Ledersessel niederlässt und wartend Heftchen liest. Hätte Herr Rebetez die Polstergruppe von der faktischen Eingangshalle samt Katalogstisch in den Raum gebaut, hätte man dort schnell eine unbekümmerte Foyer-Haltung eingenommen.
Tolle Fotocollagen aus Architektur- und Reiseprospekten, die ein erstaunlich homogenes Bild abgeben. Durch das Abfotografieren der Original-Collagen wirken sie anders als der gerade übliche Berlin Collagen-Trash, irgendwie schweizerisch edel.
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Esther Ernst | 18.04.10
GROSZ GEORGE - HÜRZELER LUZIA - VON DER ENTDECKUNG DER LANGSAMKEIT - RÜHEMANN KILIAN - TAN FIONA - DIE KUNST DES SCHABKARTONS - GEMÄLDEGALERIE - STINGEL RUDOLF

GROSZ GEORGE
Korrekt und anarchisch
Akademie der Künste, Pariser Platz, Berlin
+ hoppala, die Ausstellung ist ja bumsvoll und man muss sich sogar anstellen, um eine Zeichnung gucken zu können. Spätestens da wurde mir klar, Grosz ist ein Superstar und es ist nicht nur eine Allgemeinbildungslücke, dass ich George Grosz nicht kenne, sondern mehr... Und weiter bin ich erstaunt, dass die vielen Menschen ganz genau schauen, sich Zeit nehmen für die unzählig präsentierten Skizzen, Collagen, Drucke, Notizbücher... Obwohl, das stört mich ja ein wenig bei den Akademie-Archiv-Ausstellungen: dass da Vitrinenweise Notizbücher ausgestellt werden, die man dann nicht wirklich anschauen kann. Das ist so blufferisch, da soll man sehen: ah, da zeichnet einer manisch dauernd rum, aber mehr darf man dann eben auch nicht. Faksimiles wären dafür doch eine gute Lösung. Wäre auch ein schöner Job für mich. Und ansonsten fand ich es jetzt nicht so berauschend. Beim Portrait der Mutter hab ich laut gelacht und gedacht: Ja, so sehen Mütter aus.
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Esther Ernst | 09.03.10
DAS GOLDENE KLEEBLATT - FOR THE USE OF THOSE WHO SEE - GEMÄLDEGALERIE BERLIN - VON WULFEN AMELIE - WILSON ROBERT - WASMUTH CORNINNE - SELECTED ARTISTS 2009 - AUF DER MAUR STEFAN

DAS GOLDENE KLEEBLATT
Tina Z’Rotz, Lex Vögtli, Monika Dillier, Nele Stecher
Kasko, Basel
+"Vier befreundete Künstlerpositionen werden im Raum vereinigt und als Ausstellung gezeigt. In jeder Ecke eine Einzelausstellung." Und das Schöne ist, dass es eben nicht nach schnell-schnell-Kunsthochschulgruppenausstellung ausschaut. Vielmehr nimmt man die Freude und die Ungezwungenheit von den vier Künstlerinnen, mit der sie diese Ausstellung realisieren, wahr. Die Arbeiten haben streng genommen nichts miteinander zu tun und das ist auch entspannt. Besser es bleibt bei der Lust eine feine Freundinnen Ausstellung zu machen, als dass dann noch ein Rattenschwanz an Konzept oder, noch schlimmer, Bla-Bla-Theorie hinterher hinkt.
Schön präsentierte Skulpturen von Tina Z’Rot (Materialobjekte (ein aus Sägespänen geformtes Stück Ast, geschnitzte Holzbordüren in Baumstämmen) auf Sprühpunkt auf Wand und Boden), und mir war auch gar nicht so klar, dass die Zeichnungen von Monika Dillier so nahe an denen von Martina Gmür sind.
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Esther Ernst | 24.11.09
KWADE ALICJA - DÖBEREINER URSULA - TURELL JAMES - MODELLVERSUCHE I-II - CORBUSIER LE - SCHLICKER SEBASTIAAN

KWADE ALICJA
Grenzfälle fundamentaler Theorien
Galerie Johann König, Berlin
+ Tonabnehmer übertragen das Surren von den Leuchtstoffröhren der Galerie, 11 Verstärkerboxen füllen den Raum brummend. Vor jedem Verstärker steht (ähnlich wie bei Serra-Skulputuren) eine schwarze, hochglänzend lackierte Stahlplatte, die die Form der jeweiligen Sinuskurve der brummenden Leuchtstoffröhre wieder gibt.
Licht hörbar machen. Hat einen echt langen Bart und in dieser Ausstellung darüber hinaus nix weiter.
(Ich dachte bereits in ihrer Piepenbrock Förderpreis-Ausstellung, dass die Einfachheit, mit der Kwade kleine Verschiebungen vornimmt, auch ganz schnell ins Plumpe kippen können.)
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Esther Ernst | 15.10.09
ROSS OLIVER - CANTOR MIRCEA - LUTZ & GUGGISBERG - RIST PIPILOTTI - ALLORA & CALZADILLA

ROSS OLIVER
massage salon downtown, Zürich
+ Die Langstrasse in Zürich ist eigentlich so unglaublich bunt und trashig, dass sie kaum zu überbieten scheint. Oliver Ross allerdings hat’s echt geschafft. Schaut man durch das Fenster des Ausstellungsraums, verfällt man in eine mich-hat-eben-der-Blitz-getroffen-Starre.
Ich hab keine Ahnung, was Herr Ross sonst so macht, aber diese Installation ist sehr humorvoll und in ihrer Material- und Farbschlacht clever aufgebaut. All die Dinge (eine nach Farben geordnete 200-teilige Buntstiftpackung), bei denen man im Supermarkt staunend stehen bleibt, sind locker-lässig-trashig in die popige "Installations-Malerei" eingearbeitet. Da mittendrin macht der ganze Plastikwahnsinn für ein paar Minuten gute Laune.
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Esther Ernst | 11.09.09
ROMANTISCHE MASCHINEN - GINTERSDORFER / KLASSEN - KNOEBEL IMI - SELTZER ANDREAS - SUPER ART MARKET

ROMANTISCHE MASCHINEN
Kinetische Kunst der Gegenwart
Georg Kolbe Museum Berlin
+ Die Ausstellung ist genau so langweilig wie ihr Titel. Als hätte man ihn schon tausendmal gehört, denke ich an eine spiessige Jean Tinguely-Ausstellung, die er selbst vor 40 Jahren lustiger betitelt hätte.
Und dann, zum Titel dazu, Arbeiten von Künstlern, die ich fast alle schon in spannenderen Zusammenhängen gesehen habe. Vielleicht ist es gerade die Zusammenstellung von mehreren "romantischen Maschinen", die dem einzelnen Werk die Luft, den Humor und die Eigenheit nimmt.
Toll aber, nur nicht so günstig ausgestellt, weil die Sonne ziemlich in die Glotze knallt, ist die Videodokumentation von Michael Elmgreen und Ingar Dragset über ihre Performance "Drama Queens", bei der die markantesten Skulpturen der Kunstgeschichte auftreten und miteinander diskutieren, aus ihrem Skulpturenleben erzählen.
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Esther Ernst | 30.06.09
PALAZZO GRASSI - FARE MONDI - HUMMEL CÉCILE - SWISS ART AWARDS 2009 - HOLBEIN BIS TILLMANS - WASMUHT CORINNE - PICTURING AMERICA - AUS GEZEICHNET ZEICHNEN - GROSSE KATHARINA - HAISCHAIMAI

PALAZZO GRASSI
Francois Pinault Foundation
Venedig
+ ich fand die Sammlung Grassi sehr angenehm. Gerade nach dem ganzen Biennale-Irrsinn, dem dauernden Orientierungswahn, der Ausstellungszettelflut, Sehanweisungen und Ausstellungskonzepten, dem Nicht-kennen und Bezüge herstellen zu versuchen... entspannt ein gewohntes und leicht zu verdauendes Schauen. Eine aufgeräumte Sammlung in kleinen, aufwändig renovierten Räumen. Meistens stehen sich zwei Positionen gegenüber: Cindy Shermans Stars- und Sternchen-Portraits-Serie zu einer glitzernden Marmor-Büste von Jeff Koons "Jeff und Ilona" . Sehr lustig. Oder Cattelans am Boden aufgereihten Leichen-Skulpturen und Sugimotos Schaufensterpuppen-Mode-Photographien. Einfach und klar, sofort ersichtlich, wie die Arbeiten zusammen gelesen werden können.
Und dann fand ich es ja eher spannend als verwerflich, dass da einer ein Museum baut und einen (doch sehr homogenen) Ausschnitt von eben produzierter Kunst (2007-2009) ausstellt.
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Esther Ernst | 28.04.09
CARDIFF JANET & MILLER GEORGE - VON PLATEN EVA - BOROS COLLECTION - REESE KIRSTEN

CARDIFF JANET & MILLER GEORGE
the murder of crows
Hamburger Bahnhof, Berlin
+ ja wenn die Hollywood machen wollen, dann hätten sie besser mit Stephen King zusammen arbeiten sollen und wenn die Kunst machen wollen, ist es schon ein wenig arm, bloss auf die Technik zu setzen, muss halt auch noch ein bisschen Inhalt her.
Was ist denn nur los plötzlich? Das ist doch Scheiss mit Reis.
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Esther Ernst | 15.03.09
HULTEN SOFIA - GRAHAM DAN - SAMMLUNG HOFFMANN - VOM ETHOS DES SAMMELNS - NAGER BESSIE

HULTÉN SOFIA
Back to Back
Gaerie Konrad Fischer, Berlin
+ an der Wand lehnt ein Türblatt. Auf der einen Seite schön abgeschliffen und aufgearbeitet, auf der anderen, so wie sie in den meisten Altbauwohnungen zu finden ist, mit diversen Spuren des alltäglichen Lebens nämlich: mehrmals überlackiert mit Nasen natürlich, Aufklebern, Schraubenlöchern, Doppelklebebandresten und übersät mit hundert Einstichlöchern eines Dartspiels.
Zwei Videos dokumentieren im selben Raum sämtliche von Hulténs vorgenommene Arbeitsschritte und den Wandel des Türblatts. Von der perfekten Renovierung der verlebten Tür bis hin zur detailgenauen Rückführung aller Spuren. In ihrer Arbeit "Mutual Annihilation" muss man bereits schlucken, wenn sie nach stundenlanger Aufarbeitung einer zugeschmierten Holzkommode mit dem Zuschmieren beginnt. Geschichten aus dem Leben eines Möbels werden auch dort im Zeitraffer (und ähnlich wie bei der Sendung mit der Maus) durch die aufwendige und perfekt realisierte Nachahmung veranschaulicht. Spitzen Frau, diese Sofia Hultén.
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Esther Ernst | 21.02.09
ONO YOKO - KAPOOR ANISH - MEDIUM RELIGION - VILLIGER HANNAH - KENTRIDGE WILLIAM - IZIKO SOUTH AFRICAN NATIONAL GALLERY - MICHAELIS GRADUATE SHOW

ONO YOKO
re.ackt.feminism
Alte Akademie der Künste, Berlin
+ ich habe mich nie besonders für Yoko Ono interessiert, aber die zwei Videodokumentationen über ihre beiden "cut piece"-Performances haben mich doch sehr überzeugt.
1965 performte sie als noch recht unbekannte Künstlerin in New York, setzte sich auf den Boden und forderte das Publikum mit der neben ihr liegenden Schere auf, Stoffteile aus ihrer Kleidung herauszuschneiden. Die Reaktionen fielen ziemlich grob, belustigend und herablassend aus. In dieser zum Teil beängstigenden Rohheit liegt unglaublich viel Spannung.
2003 wiederholte sie ihre Performance in Paris auf einer Bühne auf einem Stuhl sitzend, neben ihr die Schere liegend und irgendwo ein Mikrophon platziert. Was in diesen vierzig Jahren mit Yoko Ono und der Welt passiert ist, wird in diesem Video deutlich. Vorsichtig tritt das Publikum an Yoko heran, flüstert ihr zu, bedankt sich bei ihr, schenkt ihr das ausgeschnittene Stück Stoff zurück, behandelt sie wie eine Heilige. Die eigentliche Performance verschwindet, wird komplett nebensächlich. Toll, diese Kontextverschiebung.
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Esther Ernst | 30.11.08
ROLDANUS ULRIC - GREATMORE STUDIOS - GUGULECTIVE - FUGARD ATHOL

ROLDANUS ULRIC
Should I stay or should I go
Woodstock, Cape Town
+ Einkaufswagen (Trolleys) haben in Südafrika einen ganz besonderen Wert. In der Johannesburger-Innercity gibt es sogar den Beruf "Trolley-pusher". Ein Trolly-pusher arbeitet meist in hektischen und unübersichtlichen Taxiumsteig-Gegenden und transportiert in Windeseile Gepäck zwischen dichtem Verkehr.
Obdachlose verstauen ihr übrig gebliebenes Hab und Gut in Trolleys und bauen diese manchmal zu ganzen Behausungen um.
Trolleys gehören in Südafrika, in den verschiedensten Varianten eingesetzt, zum Strassenbild dazu.
Der holländische Künstler Ulric Raldanus hat während seines Stipendiums eine Installation aus sieben Supermarket-Trolleys realisiert. Jeder dieser sieben Trolleys hat Roldanus mit für Südafrika typischen Gegenständen (Stacheldraht, Glasperlenschmetterlinge, Zeitungsheadlines-Werbeplakate, Palmblätter...) bestückt. Eine tolle Aktion bestand darin, die Trolleys nach einem Aufsehen erregenden Umzug durch Woodstock wieder der Strasse zu überlassen.
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Esther Ernst | 23.10.08
BULL KATHERINE - MULLINS NIGEL - LÜBER HEINRICH - PRODUCTIONS MARKS - AUDREY ANDERSON

BULL KATHERINE
data capture: a muse
blank projects, Cape Town
+ In dem einen Raum steht das nackte Model, mit dem Rücken zu den Zuschauern, und eine eigens für dieses Projekt angefertigte Staffelei für Computer und Maus, auf der Katherine Bull sitzt und konzentriert den Blick zwischen Model und Computer wechselt. In dem anderen Raum wird ihre Bildschirmoberfläche an die Wand projiziert und die Sounds (überwiegend Mausgeklicke, ab und zu kurze Wortwechsel, Lachen) werden aus dem unzugänglichen "Akt-Raum" übertragen. Bull arbeitet mit Photoshop, den drei Grundfarben, in einer relativ kleinen Datei und bläst sie bis zu 700 Prozent auf, so dass ein extrem grob verpixelter Träger entsteht. Dann tastet sie sich Quadratweise vor, ganz ähnlich, wie man einen klassischen Akt zeichnerisch herstellt.
Modell stehen vier bekannte männliche südafrikanische Künstler. Ausgedruckt wird der Akt einerseits in Orginaldateigrösse (circa 1cm) und in eben dieser groben, 700 % vergrösserten Rasterung (Lebensgrösse).
Ein schönes Projekt, macht viel Freude beim Entstehen zuzuschauen...
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Esther Ernst | 03.09.08
GRAEME WILLIAMS - RUGA ATHI-PATRA - LAST ONE STANDING - MOYS ANTHEA - RITES OF FEALTY

GRAEME WILLIAMS
The Edge of Town
Galerie Artspace, Johannesburg
+ Vielleicht sind es keine Schnappschüsse, vielleicht sind es mühsame Kompositionen, oftmals aus dem Auto heraus geschossen, Zufälligkeiten, die Konzentration auf die flüchtigen Dinge des Johannesburger Alltags gerichtet.
Greame schafft es (wie auch immer), genau diese prägnanten Dinge, über die zumindest der Ausländer hier staunt, in derselben Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit wie sie hier einem in den Strassen begegnen, einzufangen. Oftmals sind es die irritierenden und toll kombinierten Ebenen von selbst gemalter Werbung auf Hauswänden, bedruckten Stoffen und Menschen in häuslichen Situationen oder denen, die sich ihr Leben auf Strassen eingerichtet haben, die in ihrer einfachen Vielschichtigkeit verblüffen.
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Esther Ernst | 31.07.08
ISRAEL JACOB - HASSAN KAY - WITS SCHOOL OF ARTS - WINKLER HANS - SACK JONAH / SAAYMAN WILHELM

ISRAEL JACOB
Berlin-Bar, Johannesburg
+ Die Berlin-Bar, in der einzigen Ausgehmeile (Bar an Bar an Club an Restaurant) in Melville, macht ihrem Namen alle Ehre. Zusammengestückeltes lässiges Mobiliar, grosse unvergitterte Glasscheibenfensterfront (für hier gar nicht üblich...), billig Bier trinken und eben der elektronischen Krach-Musik-Performance von Jacob Israel zuhören. Obwohl es eigentlich gar nicht krachig war, eher unglaublich laut und sehr popig, jazzig, halt für den Club gedacht. Israel, ein Bastler, ein Technik-Freak, steht hinter seinen selbstgebauten Maschinen und mixt verschiedene eigene Sounds mit den Gängigen im "live-Programm" zu einem angenehmen Clubgedröhne zusammen. Verdutzte Blumenverkäufer schauen durch die grossen Fenster rein, draussen wird getanzt. Ob diese Veranstaltung in Südafrika eher was Neues, Unkonventionelles ist? Ob es hier eine " Neue-Musik-Szene" gibt? Klar ist, dass wir in Berlin natürlich sehr verwöhnt werden und dank mehrerer Festivals auf hohem Niveau ein grosses Spektrum an "Neuer Musik" geniessen.
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Esther Ernst | 25.06.08
SUNGU ASLI - KUNSTINVASION - 5. BERLIN BIENNALE, SKULPTURENPARK - 5. BERLIN BIENNALE, GÜL MASIST - HATOUM MONA - SCHLEIME CORNELIA -

SUNGU ASLI
Faulty, 2007
Freisteller, Deutsche Guggenheim, Berlin
+ Für Alles gibt es Spezialisten. Menschen, die irgendetwas besonders gut können, die sich darin auskennen, weil gelernt und damit beschäftigt usw. Und man selber wurschtelt sich durch den Alltag, schlampt hier und da, unbewusst oder weil’s eben nicht besser geht...
Asli Sungu hat sich vier Spezialisten nach Hause geholt und lässt sich fachmännisch das Zwiebelschneiden, Fenster- und Zähneputzen oder Bügeln erklären. Mit einer Kamera auf sich gerichtet, versucht Sungu mit grosser Mühe und Konzentration den Erklärungen und lehrerhaften Tips der Spezialisten aus dem Off nach zu kommen, scheitert ständig, bleibt geduldig und versucht es erneut, wird dann wieder verbessert usw.
Ich muss lachen und freue mich über die zum Thema gemachte Sichtbarkeit des sich Bemühens und der damit verbundenen Anstrengung und über die Einfachheit und Klarheit von richtig und falsch, der sich Sungu in ihren Arbeiten aussetzt. Es ist die Spannung zwischen dem ernsthaften Lernen, der Komik und der Verzweiflung über das Nichtgelingen, die mir daran besonders gefällt.
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Esther Ernst | 30.04.08
HILL CHRISTINE - HILLER SUSAN

HILL CHRISTINE
Revolution Fleamarket
Galerie Eigen + Art, Berlin
+ Hoppla, was ist denn hier passiert? Sind das wirklich Christine Hills Arbeiten, die normalerweise konzeptionell durchdacht sind und sich durch eine grosse Präzision, Sorgfalt und Feinheit auszeichnen?
In dem vorderen Raum steht ein Verkaufswagenobjekt, auf dem wahllos Dinge zu finden sind, die den Namen Revolution tragen, oder sich in irgendeiner Weise mit dem Thema beschäftigen. Na und jetzt?, dachte ich, und das dachte Christine wohl auch und bittet die Besucher um Mithilfe: In welche Richtung soll "Revolution Fleamarket" weiter bearbeitet werden, was fehlt, weitere Ideen...
An zwei Wänden im hinteren Teil der Galerie hängt eine für Hill sehr kleine (gerahmte) Serie von Zeichnungen. Abgezeichnete oder ausgedruckte Objekte, die man bei Google unter dem Stichwort "Revolution" findet, werden grob katalogisiert. Und dazu fällt mir nun wirklich gar nichts mehr ein, ausser dass ich mich über die gedankliche wie handwerkliche Schlampigkeit wundere und ärgere. Beliebiger und pfuschiger geht kaum, hier fehlt Hand und Fuss und Hirn.
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Esther Ernst | 21.03.08
WIENER INGRID - BAIRD VANESSA - TRANSMEDIALE 08 - EMIGHOLZ HEINZ - KOUNELLIS JANNIS - ...5 MINUTES LATER

WIENER INGRID
Bedingte Wahrscheinlichkeit
Galerie Barbara Wien, Berlin
+ Ingrid Wiener hat für diese Ausstellung einen Notizzettel mit einer mathematischen Formel des Pfarrers Thomas Bayes abgewebt. Es sei ein Versuch, das Bayesche Theorem der bedingten Wahrscheinlichkeit durch diese Tätigkeit zu verstehen.
Versteh ich nicht. Der Transformationsprozess von zerknülltem Papier zu gewobenen Stoff produziert in den 9 (34 x 50 cm) "Teppichen" zwar eine eindrückliche Materialität mit unglaublicher Tiefe, inhaltlich ist mir die Arbeit und Arbeitsweise aber ganz und gar unklar. Der Vorgang, sich eine komplexe Formel durch abweben zu verinnerlichen, ist mir einigermassen ungeheuer...
An den Webstücken mit hölzernen Küchenbrettchen auf seltsam gemusterten Stoffen, auf denen eine Brille liegt, habe ich Gefallen gefunden. Die sind toll schmuddelig und die verschiedenen Stofflichkeiten in gewebter, dichter Form zu sehen, will nicht ganz so viel wie eine verinnerlichte mathematische Formel...
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Esther Ernst | 11.02.08
GURSKY ANDREAS - SCHLINGENSIEF CHRISTOPH - RIMINI PROTOKOLL

GURSKY ANDREAS
Kunstmuseum Basel
+ bunt sind Gursky’s Fotografien. Nein grell. Und so unglaublich scharf und kontrastreich. Riesige Formate und ein bisschen zu viel Hochglanz. Es sieht fast schon nach Werbung für die Welt aus, oder nach abfotografierten Modellen.
Man steht staunend vor den Bildern, weil die Welt auf den Fotos so faszinierend schön aussieht und weil man sie aus diesen extremen, perfekt zusammenmontierten verschiedenen Perspektiven nicht kennt. Mir ist das Staunen unangenehm, denn das Spektakel mag ich selten und die Kombination von spektakulären Bildmotiven und dieser aufgeladenen Farbigkeit löst bei mir ein wenig Ekel aus. Dann wiederum verlier ich mich in tolle Details in "Tour de France I, 2007"und stehe wie ein kleines Kind vor einem zu grossen Bilderbuch, in dem es noch so viel zu entdecken gibt. Vielleicht besteht meine Abneigung aber auch darin, dass die Bilder neben ihrer technischen Perfektion doch einfach nur schön sein wollen. Bei der Serie mit den asiatischen Insellandschaften ("James Bond Island, 2007") wird es dann sogar unerträglich kitschig.
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Esther Ernst | 08.01.08
BONY OSCAR - CENTRO CULTURAL RECOLETA - MUSEO DE ARTE CONTEMPORANEO DE ROSARIO - MUSEO PALACIO FERREYRA

BONY OSCAR
Obras 1965 / 2001
Malba, Buenos Aires
+ Oscar Bony kenn ich nicht. Aber seine Werke kamen mir nicht ganz so fremd vor wie vieles bisher Gesehene in Argentinien. Bony’s Arbeiten liessen mich kunstgeschichtliche Bezüge herstellen und das ermöglichte ein gewohnteres Gucken. Die 60-iger waren offensichtlich auch in Buenos Aires wild und Bony stellte eine Arbeiterfamilie für mehrere Tage auf’s Podest und ins Museum. Mitte der 70-iger malte er hyperrealistische Himmel- und Wolkenbilder (ob er Richter kannte?), bevor er dann auf der Flucht vor der Militärdiktatur für 11 Jahre nach Mailand ging. Viel Raum nehmen die späten, mit Revolverkugeln durchlöcherten Fotografien ein. Meist Selbstportais auf die er in gerahmten und verglasten Zustand schoss und sie durchnummerierte „Suicidios“ nannte. Mich haben sie nicht wirklich überzeugt, trotzdem eine tolle Ausstellung und ein tolles Museum.
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Esther Ernst | 09.11.07
SHOWCASE BEAT LE MOT - SIGNER ROMAN - MEYER NANNE - SLOTAWA FLORIAN - GOBER ROBERT

SHOWCASE BEAT LE MOT
Der Räuber Hotzenplotz
Theater an der Parkaue, Berlin
+ Kindertheater ist normalerweise der potenzierte Debilitätswahnsinn von Theater und deshalb unerträglich. Die vier Jungs von Showcase beweisen das Gegenteil und bestreiten einen tollen und unterhaltsamen zweistündigen Sonntagvormittag. Sie erzählen die Geschichte des Räuber Hotzenplotz unaufgeregt, ohne Pathos, dafür aber mit viel Humor und ohne den für-Kinder-muss-man-extra-übertreiben-Effekt. Sie tragen lustig gebaute Holzkostüme und agieren in einem multifunktionalen Bühnenraum aus ein paar Holzmodulen. In der Pause gibt’s Hot-Dog vom Kasperle persönlich und dann wird wieder weiter gesungen, gezaubert und erzählt. Den Kindern gefällt’s obwohl sich Showcase nicht besonders viel Mühe gibt, ihnen zu gefallen und das ist wahrscheinlich auch der Trick daran. Ihnen macht es Spass und das war angenehm ansteckend.
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Esther Ernst | 11.10.07
KEISER DANIELA - ILLUSTRATIVE 07 - WASHBURN PHOEBE - FELDMAN MORTON

KEISER DANIELA
Land Logo Löwe
Kunstmuseum Solothurn
+Was mich in dieser grossen Übersichtsausstellung von Daniela Keiser am meisten beschäftigte, war die Qualität ihrer Fotografien. Die sind nämlich gar nicht besonders toll, eigentlich recht unprätentiös, alltäglich und technisch oftmals ein bisschen lausig gemacht. Darum scheint es in Keisers Werk offensichtlich nicht zu gehen. Viel eher gelingt es ihr mit der Kamera eine Art Skizzenbuch zu führen. Orte und Szenerien werden gesammelt, abgeglichen, geordnet und in eine (meist ganz einfache) Form gebracht. In Serien aufbereitet hängen dort farblich abgestimmte Landschaften, teils abfotografierte Geohefte (?), durchsetzt mit eigenen Landschaftsbildern unter Glas. Eine weitere Sammlung zeigt Aufnahmen aus Kulissenstädten von Filmindustrien. Die Serien ermöglichen Einblick in Keisers Sichtweise und Denkvorgänge, es scheint einem so klar, mit was sie sich beschäftigt. Hm.
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Esther Ernst | 24.07.07
FELDMANN HANS-PETER - KELLEY MIKE - LEHANKA MARKO - DOKUMENTA 12 - SCHNEIDER GREGOR - KUNSTHALLE MANNHEIM

FELDMANN HANS-PETER
WC-Anlagen am Domplatz
Skulptur Projekte Münster 07
+Auf dem Domplatz ist Markt. Menschen schieben sich an Ständen vorbei. Am Rand zwei Eingänge zu öffentlichen Toiletten. Nicht im dringendsten Notfall würde ich diese Klos benutzen. Aber hier ist alles anders. Hier sind die Skulptur Projekte und darin Hans-Peter Feldmanns Beitrag: die komplette Sanierung der beiden in den 50-iger Jahren gebauten Klos. Ist das denn jetzt noch Kunst, fragen sich die Medien und die Kulturtouristen, die da etwas hilflos in der, wie heisst es so schön, öffentlichen Bedürfnisanstalt herumstehen. Hm. Ich musste auf jeden Fall sehr lachen als ich davon hörte. Und selten habe ich so tolle Gespräche zwischen Toilettengästen und einer gut gelaunten Klofrau verfolgen können. Der Besuch war sogar ein kleines Erlebnis. Da kann man noch so viele kunstpädagogisch wertvolle Ausstellungen konzipieren, mit dieser Arbeit löst Feldmann viel mehr aus.
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Esther Ernst | 03.06.07
MUSTAFA WOYZECK - SCHMERZ - SCHNYDER JEAN-FRÉDÉRIC - KUHN HANS PETER - KNÖFEL JÖRG

MUSTAFA WOYZECK
Interkültürelles Musiktheaterpröjekt
Theaterdiscounter, Berlin
+ Leider hatte dieser Theaterabend das Niveau einer mittelmässigen Schüleraufführung und war desshalb einigermassen enttäuschend bis peinlich. Weder Tim Staffels Texteinsprengsel zu Georg Büchners Woyzeck, in denen Woyzeck Mustafa heisst und im Jahre 2099 lebt (und auch diese Zukunftsdarstellung bleibt eher armselig), noch die grob geschnitzten Regieeinfälle von Alexandra Holtsch, bei denen die Zuschauer zum Beispiel miteinbezogen werden und per Abstimmung über den weiteren Verlauf des Stücks bestimmen (siehe "She She Pop" und zwar um einiges besser), haben mich überzeugt.
Nur die Musikstücke dazwischen liessen mich angenehm in Ruhe, auch wenn die Boxen grundlos brummten wie die Hölle.
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Esther Ernst | 26.02.07
MÜLLER WOLFGANG

MÜLLER WOLFGANG
Von Sylt nach Friesland und zurück
Kunstraum Sylt Quelle, Rantum/Sylt
+ drei originale Kupferstiche aus dem 16. und 17. Jahrhundert und ein blau leuchtendes Neon-Ideogramm sind Teil der Installation von Wolfgang Müller in der rundum verglasten Galerie der Sylter Quelle. Die Kupferstiche zeigen die Phantominsel Friesland, die 1558 in einer Buchveröffentlichung in Form eines Reiseberichts vorgestellt wurde. Über Jahrhunderte verbreiteten sich die Karten und die dazugehörigen Geschichten über Land und Menschen bis Wissenschaftler herausfanden, dass es diese Insel nie gegeben hat. Müller recherchierte und dokumentiert in seinem 2004 herausgegebenen Buch "Neue NordWelt" besagte Reiseberichte und andere Schriften als Nachdruck.
Was jetzt aber die drei Kupferstiche und das sich stetig drehende Neon-Ideogramm zur Qualität dieser mit Sicherheit unterhaltsamen Lektüre beitragen, ist mir einigermassen schleierhaft.
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Esther Ernst | 23.01.07
BERGEMANN SIBYLLE - ATLAS GROUP

BERGEMANN SIBYLLE
Photographien
Akademie der Künste, Berlin
+ beeindruckend fand ich die grosszügig gerahmte und toll zusammengestellte Serie von Polaroidfotos mit den schön schmierig grünen Farbanteilen. Und weil die Farbgebung, der Ausschnitt, die Schärfe und die Entwicklung bei den Polas immer etwas Zufälliges haben, ist mir Nan Goldin in den Sinn gekommen, die einmal über Schnappschüsse sagte, es sei "die Form der Fotografie, die sich am stärksten durch Liebe definiert".
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Esther Ernst | 31.12.06
BARNEY MATTHEW, BEUYS JOSEPH - REGIONALE 7 - MALSTAF LAWRENCE - HORN REBECCA

BARNEY MATTHEW / BEUYS JOSEPH
all in the present must be transformed
Deutsche Guggenheim, Berlin
+ erster Ausstellungs-Anlauf an einem gratis-Montag. Bin sofort überfordert, weil zu viele Menschen, zu wenig Ruhe und überhaupt keine Verortungsmöglichkeit der ausgestellten Werke. Wo bin ich? - Zweiter Versuch an einem Donnerstagabend und beinahe als einzige Besucherin. Vitrinenvergleich: Erstaunt darüber, dass die CREMASTER-Filme (Auflage 10!) nur als Objekte in diesen Vitrinen zu kaufen sind. Einigermassen seltsame Gebilde. Das Material erinnert mich an schlimme Partygläser aus den 80-ern. Überhaupt setzt die ganze Ausstellung auf den direkten Vergleich. Besonders deutlich wird dies bei den Zeichnungen mit den frappierenden Ähnlichkeiten (Barney’s in selbstschmierenden (!) Kunststoffrahmen präsentiert; heisst angeblich: sich in einer Form selbst ausbreitender Kunststoff). Und weil die "Gemeinsamkeiten" einem ziemlich fraglos aufs Auge gedrückt werden, macht das Vergleichen und Aufspüren nur noch wenig Spass.
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Esther Ernst | 19.07.06
CARDIFF JANET / MILLER GEORGE - BREITZ CANDICE - ROSEFELDT JULIAN - LANG KLAUS

CARDIFF JANET / MILLER GEORGE BURES
opera for a small room
sonambiente, Akademie der Künste, Berlin
+Cardiff und Miller haben in einem Secondhand-Laden in Salmon Arm (Kanada) eine kleine Plattensammlung, die einst einem gewissen R. Dennehy gehörte, aufgestöbert und gekauft. Aber bis auf die Tatsache, dass R. Dennehy offensichtlich gerne Opern hörte, wissen Cardiff und Miller nichts über diesen Mann. In einem kleinen Raum im Raum erzählen sie nun mögliche Geschichten, die R. Dennehy in seinem Leben rund um diese Platten hätte erleben können. Und das machen sie so fein und mit so viel Humor, dass man beinahe zu spüren glaubt, mit welcher Freude die Beiden das Leben eines R. Dennehy erfinden. Ein kleines Theater, ganz wunderbar gemacht. Und natürlich einmal mehr unglaublich gute Tonaufnahmen und Bearbeitungen derselben.
+j
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Esther Ernst | 27.06.06
ALYS FRANCIS - DEAN TACITA - RICHTER DANIEL - ART 37, LISTE 06, VOLTASHOW 02

ALŸS FRANCIS
The Sign Painting Project (1993–97): A Revision
Schaulager, Münchenstein/Basel
+handgemalte Metallschilder wie man sie in Mexico City als Werbeträger für Produkte oder Dienstleistungen nicht selten sieht, bildeten den Ausgangspunkt von Alÿs mehrjährigem Kunstprojekt. Kleinformatige Bilder, die er in diesem Stil angefertigt hat, gab er diversen "Rotulistas" (Schildermalern) zum Kopieren, so dass von jedem "Original" mehrere Variationen entstanden. Diese - im Massstab vergrösserten - Bilder hat Alÿs selbst wiederum kopiert und wirft somit gezielt Fragen nach den Mechanismen des Kunstmarktes auf. Wer ist der professionelle Maler? Was ist Kopie was Original (was Fälschung)? Wie hoch ist der Wert dieser Bilder?
"The Sign Paintig Project" ist sehr einfach und übersichtlich präsentiert (im Gegensatz zu den Verwirrungen über die Autorenschaft).
Hab ich mich sehr über diese Ausstellung gefreut.
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Esther Ernst | 23.06.06
DRESCHER ERIK, HEIN FOLKMAR - BIERSTEDT INA - GROSS SABINE - INVENTIONEN 2006 - TV REAL

DRESCHER ERIK, HEIN FOLKMAR
Studie III
Studio Elektronische Musik der TU Berlin
+Erik Drescher hat ein sehr exklusives Programm für Flöte und Elektronik gemeinsam mit Folkmar Hein im Elektronischen Studio der TU realisiert. So sassen wir zu zehnt im Studio, welches natürlich mit bester Technik ausgestattet ist, und hörten zwei Tonbänder von Stockhausen, "Studie I" und "Studie II", N. Huber, der sich mit seinem Stück "First Play Mozart" für Flöte solo auf Stockhausen bezieht, ein unglaublich gutes Stück von M. Maierhof, "splitting 17" für Flöte und Zuspiel-CD und noch zwei weitere Stücke für Flöte und Zuspielband von B. Maderna und Ch. Ogiermann. Das war nicht nur ein grossartiges Hörerlebnis, auch den Beiden zuzusehen, hat viel Spass gemacht. Drescher spielte mit einer unglaublichen Konzentration, Präzision und einem bewundernswertem Engagement wie man es vor allem in der Neuen Musik nur selten erlebt.
+j
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Esther Ernst | 27.05.06
HILL CHRISTINE

HILL CHRISTINE
KEEP SHOP
Galerie Eigen + Art, Berlin
+1995 hat Christine Hill in Berlin-Mitte einen Secondhand-Laden gegründet und ihn Volksboutique genannt. Inzwischen ist Volksboutique ein Label unter dem sie verschiedene Produkte herstellt und bestimmte Organisationsformen erprobt. "Pilot", eine Talkshow in einem Galerieraum, oder "Tourguide", Stadtrundgänge durch Brooklyn sind genauso Teile von Volksboutique wie kleine Aquarellzeichnungen von Lieblingsdingen. In ihrem aufwendig und schön gemachten Buch "Inventory" sind viele ihrer Arbeitsgeräte (Schreibmaschine, Pinnwand, Stempel, altmodische Büroartikel...) und Arbeitsmethoden (Ordnung muss sein...) dokumentiert und beim Durchblättern wird einem sofort klar, welchen Wert die Gegenstände für Christine haben müssen. In der aktuellen Ausstellung hat sie einen Koffer in ein Büro umgewandelt, Grundrisse von Wohnungen, in denen sie gelebt hat, aufgezeichnet und ihre neue Serie "KEEP SHOP" vorgestellt. Toll.
+j
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Esther Ernst | 14.05.06
CENTRO DE ARTE CONTEMPORÁNEO MÁLAGA - PICASSO PABLO - BREITENFELLNER BARBARA - HERZOG u. DE MEURON

CENTRO DE ARTE CONTEMPORÁNEO MÁLAGA
Malaga, Spanien
+Da war ich ganz schön überrascht. Neben zwei Sonderausstellungen von Anish Kapoor und Peter Zimmermann, die mich beide nicht wirklich interessiert haben, hatten die tatsächlich eine zeitgenössische Sammlung vorzuweisen. Von allem war ein bisschen was da, natürlich nicht die aufwändigsten und teuersten Werke, aber immerhin hat sich die übersichtliche Arbeiterstadt Malaga mit ihren doch 550.000 Einwohnern ein solches Museum geleistet.
+j
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Esther Ernst | 21.04.06
ANG SOOKOON - ELIASSON OLAFUR - SEHGAL TINO

ANG SOOKOON
Sehnsüchtig gleiten Ballone rund um die Welt
Green Light Pavilion (Gormannstr./Mulackstr.)
+Caroline Eggel und Christiane Rekade kuratieren seit September vergangenen Jahres kleine Einzelausstellungen in ihrem eigens dafür gestalteten Pavilion aus zwei Baucontainern und einer sehr schlichten Holzkonstruktion (von Riccardo Previdi) in einer Baulücke in Mitte. Ein sehr sympathisches und cleveres Projekt. Weniger gelungen fand ich jedoch die aktuell gezeigte Arbeit von Ang Sookoon. In zwei seltsam gekachelten Boxen sind auf kleinsten Monitoren kurze Videosequenzen in schlechtester Digitalfotokamera-Qualität zu sehen. Alltagsbeobachtungen aus Shanghai. Nicht besonders aufregend. Nicht mal der mit verschiedenen Dingen übersäte und mit billigen Teppich überdeckte Boden von Monika Sosnowska, der von ihrer Ausstellung übrig geblieben ist, lässt mehr als ein kleines Schmunzeln zu.
Auf die Arbeit von Markus Müller bin ich gespannt.
+j
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Esther Ernst | 07.04.06
FELDMAN MORTON - SHE SHE POP - DARBOVEN HANNE - BOZZINI QUARTET

FELDMAN MORTON
Maerz Musik, Festival für aktuelle Musik
Hamburger Bahnhof, Berlin
+Marc Sabàt (Violine), Rohan de Saram (Cello) und Aki Takahashi (Klavier) spielten das von Feldman 1980 komponierte Trio "...closer to the noise..." in den dafür ungeeigneten Räumen der Flick-Ausstellung. Denn abgesehen von der schlechten Akustik wurde das Konzert durch wummernden Sound irgendwelcher Installationen durchgehend gestört. Die unglaublich toll spielenden Musiker (Aki Takahashi ist einfach eine Wucht...) haben sich erstaunlicherweise nicht aus der Ruhe bringen lassen und benötigten für das Stück nicht wie angekündigt 75 sondern 110 Minuten (ich glaube, darüber waren die selbst erstaunt...). Ob das an Feldman liegt, habe ich mich gefragt, denn eine ähnliche "Zeitverschiebung" ergab sich, als das Pellegrini Quartett mit Ib Hausmann das "Clarinet and String Quartet" von Feldman bei der LOSE COMBO 2004 spielte. Und irgendwie, ohne den Vergleich gehört zu haben, glaube ich, dass die Verlangsamungen des Tempos die Musik nicht besser machten.
+j
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Esther Ernst | 15.03.06
MÄRZENDORFER CLAUDIA, HUMMER NIK - KUSMIROWSKI ROBERT

MÄRZENDORFER CLAUDIA, HUMMER NIK
Frozen Records
Tesla im Podewils’schen Palais, Berlin
+Hörte sich auf dem Programmzettel ganz gut an was die beiden vorhatten. Stellte sich aber (immer wieder fällt man auf diese Ankündigungen rein...) als eine ziemlich unspektakuläre Veranstaltung heraus. Claudia Märzendorfer hat nämlich Eisabgüsse von Vinylschallplatten hergestellt und abgespielt während Nik Hummer diese Sounds, auf die ich mich sehr gefreut hatte, die meines Erachtens aber wirklich nichts Besonderes waren, mit seinem Synthesizer bearbeitete. Die Klänge, die Hummer daraus erarbeitet hatte, haben mich auch nicht wirklich aufhorchen lassen, das war ja schon fast langweiliger Pop.
+j
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Esther Ernst | 21.02.06
TOMMY THE CLOWN AND THE HIP HOP CLOWNS - CARDIFF JANET / MILLER GEORG BURES - SASSE JÖRG - UGLOW ALAN - ZEIT RAUM BILD

TOMMY THE CLOWN AND THE HIP HOP CLOWNS
Context #3-learning by doing
HAU 1, Berlin
+Ich hatte ja keine Ahnung, in was ich da geraten bin (so macht Theater gucken Spass). Tommy (ein wirklich süsser Clown...) hat dann ein bisschen erzählt und alle haben gejubelt und wollten seine hip hop Clowns sehen. Die kamen dann auch und lieferten sich "ultra-schnelle und agressive Battles". Dann hat Tommy die billigsten Zaubertricks vorgeführt, ein DJ hat natürlich dauernd (nicht besonders tollen) Sound dazu geschmiert. Mir war während dessen nicht wirklich klar, ob das ein soziales Projekt ist oder der neuste Furz vom HAU? Es ist ein soziales Projekt wie man dem Programmzettel entnehmen und später bei "Blitz" auf Sat 1 sehen kann. Unklar bleibt, wieso das im Theater gezeigt wird und ekelhaft bleibt, dass genau dieses Theaterpublikum sich dabei immer selbst feiern kann. Vielleicht macht der Dokumentarfilm "Rize" von David La Chapelle über Tommy noch mehr Spass.
+j
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Esther Ernst | 04.02.06
LE ROY XAVIER - VIRUAL ÉLECTRONIC POÉM - JULIUS ROLF - UDK BERLIN - KENTRIDGE WILLIAM

XAVIER LE ROY
Mouvements für Lachenmann
HAU 2, Berlin
+Zwei Gitarristen spielen "Salut für Caudwell" von Lachenmann und werden von zwei weiteren Gitarristen hinter schwarzen Wänden verdeckt. Diese setzten sich davor und "spielen" das gleiche Stück nur ohne Gitarre. Die Funktion der Geste wird eliminiert und durch die hohe Konzentration und Ernsthaftigkeit der Musiker wirkt es erstaunlicherweise nicht pantomimisch oder lächerlich. Alle dazu erfundenen und choreographierten Bewegungen fallen jedoch deutlich ab. Bei dem Stück für Ensemble wird gar nicht mehr gespielt und nur noch bewegt. Und ich finde, dass dieses sehr einfache Konzept da überhaupt nicht mehr funktioniert. Für bestimmte Klänge werden bestimmte Bewegungen gesucht. Die Musiker verhalten sich unnatürlich und aufgesetzt. Und die Qualität des Abends, dass man nämlich ohne dieses Hör-Erlebnis nach Hause geht, wird dann doch gebrochen, weil das KNM Berlin das Stück nach der Pause konzertant aufführt. Fand ich ne harte Nummer, spielen aber toll.
+j
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Esther Ernst | 01.01.06
SCHAULAGER - PAUL SACHER STIFTUNG - GRAU PASCALE - DE KOONING WILLEM - LAIB WOLFGANG

SCHAULAGER
Führung durch die Sammlung
Münchenstein, Baselland
+Das war vielleicht eine Aufregung vor drei (?) Jahren als das Schaulager eröffnet wurde. Die Architekten Herzog und De Meuron haben einen unglaublich tollen Ausstellungsraum und Lagerplatz in das hässlich zugestellte Dreispitzareal gebaut. Jährlich wird eine Sonderausstellung für drei Monate konzipiert, zwei fest installierte Arbeiten von Gober (auf Grund eines Wasserschadens zur Zeit leider unzugänglich...) und Fritsch bilden vielleicht eine Art Brücke zwischen den jährlichen Ausstellungen und der ständig aufbereiteten Sammlung. Diese ist für das Fachpublikum nämlich zugänglich, so dass eine private Führung durch die sorgfältig zusammengestellten Lagerräume möglich ist. Das Öffnen der Türen hatte etwas von "Der Preis ist heiss" oder einem Adventskalender. Wir staunten wie Kinder über die Kunst und ihre Präsentationsweise, über die unglaublich tolle Architektur und überhaupt ganz generell.
+j
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Esther Ernst | 25.12.05
FLASHBACK - TRIPLE A - BALKENHOL STEPHAN

FLASHBACK
Museum für Gegenwartskunst
Basel
+Flashback – Eine Revision der Kunst der 80er Jahre
Jetzt, eine knappe Woche nach dem Museumsbesuch, erinnere ich mich kaum an diese Ausstellung. Einzelne Arbeiten wie die Waschbecken von Robert Gober, ein grossformatig gemaltes Bild von Kabakov, eine tolle Fotoserie von Sherrie Levine oder die aus Ton geformten "Skizzen" von Fischli/Weiss haben mich je verschieden beschäftigt.
Gestaunt habe ich über die Präsentation der meist mehr und selten weniger bekannten Werke. Ein bisschen aus dem Kontext gerissen, fein säuberlich geordnet und so übersichtlich und langweilig wie möglich hängt und steht die Kunst im Raum.
+j
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Esther Ernst | 20.11.05
GMÜR MARTINA - ROETHLISBERGER COMENIUS - REPORT BY IAAB CHOICES - GASTKÜNSTLERINNEN DER DRUCKWERKSTATT OLTEN - MUSÉE DES BEAUX-ARTS - ÉVARD ANDRÉ

GMÜR MARTINA
Galerie Stampa, Basel
+Martina Gmür (1979 geboren) galt schon vor fünf Jahren als ein Geheimtipp in Basel (so erinnere ich mich jedenfalls). Letztes Jahr habe ich eine Einzelausstellung im Kunsthaus Baselland von ihr gesehen, nun folgt eine weitere in der Galerie Stampa. Und es geht mir heute nicht anders als bisher. Ich verstehe einfach nicht, wo die Qualität in diesen Arbeiten steckt.
Acryl auf Plastikfolie. Alles sehr reduziert, beinahe wie gezeichnet.
Im Galerienzettel steht: "In ihrer poetischen Leichtigkeit verweigern die Werke auch eine kunsthistorische oder theoretische Referenz, sondern berühren vielmehr das Erinnerungsfeld und die Traumwelt." Vielleicht kann ich mit der unglaublich unbekümmerten Naivität in ihren gemalten Momentaufnahmen nichts anfangen und stehe deshalb immer ein bisschen ratlos und ein ganz klein wenig angeekelt vor den Bildern?
+j, +Vernissage TV
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Esther Ernst | 09.11.05
LE CORBUSIER 1 - LE CORBUSIER 2 - ZUMTHOR PETER - BÜCHEL CHRISTOPH - HADID ZAHA

CORBUSIER LE
Villa Jeanneret (genannt Maison blanche)
La Chaud-de-Fonds, Schweiz
+Mit 25 eröffnet Charles-Edouard Jeanneret ein eigenens Architekturbüro in La Chaud-de-Fonds, die Maison blanche ist sein erstes selbstständiges Werk, dass er für seine Eltern (ist doch immer das gleiche...) baut.
Zufällig wurde an diesem Tag die behutsam renovierte (und nicht rekonstruierte) Villa der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und wieder eingeweiht (mit all den Architekturfuzzis).
"Der Bau besteht nur aus Aussenmauern und vier Innenpfeilern von 50 auf 60cm. Alles Übrige sind leichte Zwischenwände, die ohne grosse Kosten versetzt werden können. Die Proportionen aller Zimmer folgen sogar Proportionssystemen und Gesetzen der Architektur der hohen Zeit der Antike." Die Eltern verkauften das Haus 1919 (warum weiss keiner so genau)!
Toll, toll, toll war das.
+j
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Esther Ernst | 22.10.05
DIE SICHT AUF DAS ORIGINAL - RAPPO HANS - KASKADENKONDENSATOR

DIE SICHT AUF DAS ORIGINAL
Kunstkredit Basel-Stadt, Performance 2005
Kunsthaus Baselland
+Der Kunstkredit schreibt jedes Jahr unter Anderem einen gesamtschweizerischen Performancewettbewerb aus. Dieses Jahr sollen die Künstler, die es in die zweite Runde geschafft haben, eine Performance im öffentlichen Raum zeigen, damit die Kommission anhand dieser Originale beurteilen und auszeichnen kann.
Sieben Künstler wurden eingeladen: Hina Strüver (warf konzentriert "Säckchen" über gespannte Schnüre, blödes Ende), Judit Huber (befreite sich aus einem mit Silikon gefüllten "Kleid" unter Brutlampen, gähn!) Köppel/Zacek (arbeiteten mit dem eigenen Körpergewicht, Kopf an Kopf + Masken (?)), Fränzi Madörin und Sus Zwick (spielten ein kleines Theater vor...), Markus Gössi (spukte toll, blödes Ende), Geneviève Favre (die hat doch einen Knall, oder? Aber ganz souverän!) und Yan Duyvendak (der war ziemlich lustig und darin nicht doof!).
Tolle Einrichtung, dieser Kunstkredit
+j
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Esther Ernst | 25.09.05
KENSA GUDRUN

KEMSA GUDRUN
Videoarbeiten
Tesla im podewils’schen palais berlin
+"meine Videoarbeiten bestehen in der Regel aus mehreren Großprojektionen und sind als Video-Klang-Installationen mit Beamern und DVD-Playern konzipiert. In unterschiedlichen Handlungs- und Zeitabläufen führen sie die Besucher zu Wahrnehmungserfahrungen von Raum und Zeit."
Na ja, da war jetzt nur eine Projektion zu sehen und der Sound kam über Kopfhörer (langweilige Pop-Klänge) und ich habe keine Wahrnehmungserfahrung gemacht. Viel mehr habe ich über Videoschnitt-Techniken nachgedacht.
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Esther Ernst | 10.09.05
HELLERAU - RICHTER GERHARD

HELLERAU
Das Europäische Zentrum der Künste
Dresden
+Das Festspielhaus Hellerau wurde von Heinrich Tessenow 1911 in der ersten deutschen Gartenstadt bei Dresden als Ausbildungsstätte für rhythmische Gymnastik erbaut. Das kulturelle Zentrum der Gartenstadt wurde 1939 von den Nazis zur Polizeischule umgebaut, 1945 übernahm die Rote Armee das Objekt. Die 55-jährige militärische Nutzung hinterlässt grobe Spuren des Verfalls. Das Hauptgebäude hat den sowjetischen Truppen lange als Sporthalle gedient. Über dem Yin-Yan-Zeichen hing ein Sowjetstern, an den Wänden sind noch Piktogramme von Sportlern zu erkennen. Seit 1994 wird das Gebäude ständig renoviert und nach altem Vorbild rekonstruiert. Als Ort wird Hellerau seither für Performance- und Theaterprojekte genutzt.
Ganz schön eigentümlich dieses Hellerau.
+j
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Esther Ernst | 28.08.05
POTTINGERS HAUS - GROSVENOR ROBERT - BRAND JENS

POTTINGERS HAUS
Eine dokumentarische Fiktion von Thomas Martius
Linienstrase 142/143, Berlin
+Im engen, ziemlich runtergekommenen Innenhof des immer noch nicht sanierten Hauses in Mitte wird die Geschichte von Pottinger erzählt. Hier hat er bis 1998 gelebt und galt in Haus und Kiez als ein Unikum. Als dem Haus die Versteigerung drohte, verschwand Pottinger spurlos.
Über Video erzählen Zeitzeugen; seine damalige Freundin, der Ofensetzer, die Finanzberaterin, eine Bardame und sonstige Hausbewohner anekdotisch über sein Leben, das Haus und ihre Mieter und die Gegend. Thomas Martius führt gemeinsam mit Nino Sandow durch den Abend, muss zwischendurch immer wieder Material überspringen, denn zu lange arbeitet er schon an dem Konstrukt Pottinger, um alles zeigen zu können. Die Rollen sind toll besetzt, gerne hört man dem Erzähler zu, und anders als bei einem Abend mit Showcase, fühlt man sich eingeladen.
+j
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Esther Ernst | 14.08.05
KÜNSTLER.ARCHIVE - WINKLER HANS - KABAKOV EMILIA & ILYA - KUBISCH CHRISTINA

KÜNSTLER.ARCHIV
Akademie der Künste, Pariser Platz, Berlin
+Die Akademie hat für acht ausgewählte Künstler ihre riesigen Archive (Bildende Kunst, Baukunst, Musik, Literatur, Darstellende Kunst, Film- und Medienkunst) geöffnet. Ausser Jochen Gerz, der ein dickes Buch mit Dokumenten zur DDR-Zeit aus allen Archivabteilungen zusammengestellt hat, und während der ganzen Ausstellungszeit vorlesen lässt, und somit die Gestalt eines Archivs versucht spürbar zu machen, haben sich Christian Boltanski, Emilia und Ilya Kabakov, Christina Kubisch, Carsten Nicolai, Miguel Rothschild, Eva-Maria Schön und Hans Winkler mit einzelnen Themenbereichen, Biographien oder Phänomenen beschäftigt.
"Da das Archiv aus künstlerischen Arbeiten und Materialien von Künstlern besteht, ist eine Stellungnahme von Künstlern zu diesem Archiv folgerichtig und notwendig und stellt eine Herausforderung dar." (H. Winkler)
Tolle Aufgabenstellung. Schöne Arbeiten.
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Esther Ernst | 07.08.05
EINSTEIN ON THE BEACH - CHICHKAN ILYA - TICHY MIROSLAV - COLLINS NICOLAS

EINSTEIN ON THE BEACH
(von Philip Glass und Robert Wilson)
Operninstallation von staatsbankberlin
Parochialkirche, Berlin
+Operninstallation. Das hört sich nach Überwindung von traditionellem Spartendenken an. Die Initiatoren von staatsbankberlin versuchen, Oper, Ausstellung und Konzert in einem Raum erfahrbar zu machen. Und genau das hat null funktioniert. Während die Sänger, frisch aus der Maske, in peinlichen Kostümen total überholten Regieanweisungen nachgehen, bewegt sich der Zuschauer zwischen weissen Raumteilern, hinter denen sich Installationen (die sich alle in irgendeiner Weise mit Einstein beschäftigen...) von eingeladenen Künstlern befinden. Dazu natürlich vier Stunden Musik von Glass (durch popelige Technik verstärkt, entstand leider eine ganz schlechte Akustik). Ich dachte ja immer, dass die Qualität dieser Musik dann zum Vorschein kommt, wenn man die Möglichkeit hat, sich richtig auf sie einzulassen. staatsbankberlin hat jedoch alles getan, damit man sich vermeintlich nicht langweilt.+j
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Esther Ernst | 25.07.05
BOTTA MARIO 2

BOTTA MARIO
Kirche Santa Maria degli Angeli, 1996
Monte Tamaro, Tessin
+Kurz vor der Ankunft mit der Seilbahn auf dem Monte Tamaro baut sich die Kirche burgähnlich neben einem Kinderspielplatz, einem Restaurant und einer Card-Bahn auf. Sie ist über zwei Wege erreichbar. Ein langer "Steg" führt auf das Dach der Kirche, der zugleich Aussichtspunkt der phantastischen Landschaft ist. Symmetrisch führen zwei Treppen der elliptischen Kirchwand zum Eingang entlang. Die elliptische Grundform der Kirche aus dunkelbraunem Gestein, die mit den gleichen Kirchenbänken wie die Chiesa di Mogno ausgestattet ist, wird durch mehrere kleine Fenster auf Bodenniveau beleuchtet. Über jedem dieser Fenster (ca.40x60cm) hat Enzo Gucci schwarz-weisse Wandzeichnungen installiert. Ebenfalls das Altarbild (schrecklich) und der zweite Zugang zur Kirche, eine lange Treppe unter dem "Steg", sind mit Malereien (tolle Marmorimitationen) an der Decke versehen.
+j
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Esther Ernst | 22.07.05
BOTTA MARIO

BOTTA MARIO
Chiesa Di Mogno, 1996
Valle Maggia, Tessin
+Im vorletzten Dörfchen des Valmaggia steht die gestreifte Kirche von Botta. Nachdem 1986 eine Schneelawine die damalige Kirche mitgerissen hat, wurde Botta beauftragt, für die kleine Gemeinde Mogno eine neue Kirche zu bauen.
Die ellipsenartige Form wird im Innern von einer rechteckigen Grundform am Boden gebrochen, die dann aber wiederum stetig in das elliptische Glasdach führt. Dieses ist zum Eingang hin steil abgeschrägt. Die Kirche ist klar symmetrisch aufgebaut, besitzt zwei Apsiden, die Glocke (ohne Turm) ist nach Aussen vor den Eingang gekehrt. Bestimmt nimmt der Bau die Bauweise des Doms in Pisa (Baptisterium) und des Doms in Siena auf und fügt sich erstaunlich gut in das Gesamtbild von Mogno ein. Die zwei Kirchen- und Apsidenbänke aus dem hellen Birkenholz (?) fand ich zum Granitgestein und den damit verbundenen Mustern unpassend (Kindermöbelartig).
+j
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Esther Ernst | 22.07.05
wo ich war
Eine Sammlung als Kolumne

Seit Oktober 2004 archiviere ich Notizen zu allen Ausstellungen, Museen, Galerien, Vorträgen, Konzerten, Theatervorstellungen usw., die ich besuche.
Auf A6 grossen Karteikarten halte ich den Namen des Künstlers/Vortragenden, den Titel von Werk/Veranstaltung und den jeweiligen Ort fein säuberlich mit Schreibmaschine fest. Das Datum des Besuchs füge ich mit einem Datumsstempel hinzu.
Unter dem Zeichen „+“ verfasse ich eine kurze Beschreibung des Besuchten und vermerke Eindrücke, Beobachtungen und besondere Auffälligkeiten, oder füge Zitate hinzu.
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